A2-Reiseenduros im Vergleich 2021

Drei völlig unterschiedliche Gesellen

Was haben Honda CRF300 Rally, KTM 390 Adventure und Royal Enfield Himalayan gemein? Alle drei sind mit dem A2-Führerschein zu fahren und eignen sich auch für längere Touren abseits der befestigten Straßen. Aber damit hat es sich auch schon fast wieder mit den Gemeinsamkeiten, wie McGregor, Marius und Wolf beim intensiven Vergleichstest herausfanden.

Das Reiseenduro-Segment wächst und wächst, nicht zuletzt nach dem Motto immer größer, stärker und schneller. Ob all die mit modernster Elektronik vollgestopften und meist recht schweren PS-Monster den Grundgedanken des "überall Hinkommens" noch erfüllen, sei dahingestellt, die Auswahl ist jedenfalls riesig. Nicht ganz so, wenn es um Einsteiger-Modelle für den kleinen Geldbeutel und den A2-Führerschein geht. Daher haben wir uns drei solche geschnappt und sie auf sowie neben der Straße bewegt.

390 Adventure ist klar die Stärkste im Trio

Schon beim Blick auf die Motorisierung der drei Einzylinder-Modelle werden die ersten Unterschiede augenscheinlich. Während der 373-Kubik-Motor KTM immerhin 44 PS bei 9.000 Umdrehungen leistet, muss man sich bei der Honda mit deren 27 (bei 8.500 U/min) us 286 Kubik und beim 411-Kubik-Single der Royal Enfield gar mit 24 (bei 6.500 U/min) begnügen. Auch punkto Drehmoment spielt die 390 Adventure mit ihren 37 Newtonmetern bei 7.000 U/min in diesem Kreis in einer eigenen Liga, kommen Himalayan (32 Nm bei 4.250 U/min) sowie vor allem CRF300 Rally (26,6 Nm bei 6.500 U/min) leistungs- und durchzugsmäßig nicht heran. Das spürt man natürlich beim Fahren, wo das schon aus der 390 Duke bekannte Aggregat der KTM klar die Nase vorne hat, souveräner agiert und sich auch bei Autobahngeschwindigkeiten nicht plagt.

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5-Zoll-TFT Farbdisplay, schräglagenabhängige Traktionskontrolle und Kurven-ABS

Dieses Mehr der KTM setzt sich bei der Ausstattung fort. Etwa beim 5-Zoll-TFT-Farbdisplay, das die 390er mit den 790/890-Schwestern gemein hat, sich mit der KTM My-Ride-App verbinden lässt (etwa zum Annehmen von Telefonaten oder für Pfeil-Navigation) und das in dieser Fahrzeugklasse ebenso ein Novum ist, wie das serienmäßige Kurven-ABS und die schräglagenabhängige Traktionskontrolle. Auch wenn natürlich die Frage legitim ist, ob man eine solche bei einem A2-Motorrad braucht, ein zusätzliches Sicherheitsfeature ist sie allemal und lässt sich natürlich auch wegschalten. Wobei sie nach Abschalten der Zündung automatisch wieder aktiv ist, was bei Offroadtouren mitunter nerven kann.

High-Tech-Einzug auch bei der Royal Enfield Himalayan

Pfeilnavigation hat die KTM aber nicht allein für sich gepachtet, auch Royal Enfield überraschte im Euro-5-Modell 2021 neben den klassischen, vornehmlich analogen Anzeigen mit einem kleinen Farbdisplay, das über ein Smartphone gekoppelt über Google Maps Richtungsangaben in Echtzeit anzeigt. Ansonsten beschränkt sich die Elektronik auf das am Hinterrad deaktivierbare ABS, was Offroad - etwa bei steilen Passagen oder für Drifts - hilfreich ist, um das Hinterrad zu blockieren. Dieses Feature findet man natürlich auch bei der Honda, die mit einem klassischen LCD-Display daherkommt, das sämtliche relevanten Infos gut ablesbar liefert. Bei der KTM ist dieses Offroad-ABS noch etwas "verfeinert", indem es auch am Vorderrad reduziert wird.

Die Honda ist die "echte" Enduro in diesem Kreis

Stichwort Offroad. Hier spielt die CRF300 Rally ihre Trümpfe aus, die einzige "echte" Enduro in diesem Kreis. Die mächtigen Federwege von 250 Millimeter vorne und 240 Millimeter hinten zeigen deutlich, wo die Reise mit der schlanken Honda hingehen soll, die Bodenfreiheit von 275 Millimeter ist in diesem Kreis ebenfalls eine Klasse für sich (Royal Enfield und KTM begnügen sich mit jeweils 220 Millimeter). Auch ist sie mit 153 Kilo vollgetankt klar die leichteste im Trio, die 390 Adventure bringt inklusive Sprit 172 Kilo, die Royal Enfield sogar knapp über 200 auf die Waage. Dass das Fahrwerk der Rally (wie auch jenes der Himalayan mit ihren 200 mm Federweg vorne und 180 mm hinten) nicht einstellbar ist, ist zu verkraften, solange man nicht über 90 Kilo wiegt, erst bei sportlicher Gangart stößt es an seine Grenzen. Wer es also wirklich flott im Gelände angehen will, sollte über ein Nachrüster-Fahrwerk nachdenken. Da sind die voll einstellbaren WP-Apex-Komponenten der 390 Adventure hochwertiger, der Federweg mit 170/177 mm allerdings überschaubar. Auch muss die KTM als einzige mit Gussfelgen und einem 19-Zoll-Vorderrad auskommen, während Honda und Royal Enfield auf Speichenräder sowie vorne auf enduro-typische 21 Zoll setzen, die Honda hinten sogar auf 18 Zoll (die beiden anderen jeweils 17).

Bei den Bremsen hinkt die Himalayan der Konkurrenz hinterher

Das kleinere Vorderrad macht die 390 Adventure neben dem kraftvolleren Motor dafür auf der Straße zur eindeutig sportlichsten Wahl - da lässt sie sich fast in Duke-Manier flott durch engstes Kurvenwerk dirigieren. Und im Bedarfsfall ordentlich ankern: An den Bremsen der KTM gibt es nichts zu meckern, auch die etwas weniger bissigen der Honda verzögern das Motorrad auf der Straße gut, ohne für Offroad zu bissig zu sein. Da muss man bei der Himalayan Abstriche machen, auch im neuen Modelljahr hinkt deren Bremse der Konkurrenz hinterher bzw. bedarf es eines ordentlichen Kraftaufwandes, um die Enfield entsprechend einzubremsen.

Preis-Leistungssieger ist eindeutig die Royal Enfield Himalayan

Die sportliche Note der KTM wird noch durch die Möglichkeit unterstrichen, sie als einzige im Trio mit einem optional erhältlichen Quickshifter auszustatten. Ein Extra, das sich lohnt, weil dieser richtig harmonisch funktioniert, ein breites Grinsen unter den Helm zaubert. Allerdings auch den ohnehin schon höchsten Anschaffungspreis von 7.399 Euro in Österreich bzw. 6.695 Euro in Deutschland weiter hinaufschraubt. Die Honda CRF300 Rally gibt es schon um 6.690 (Ö) bzw. 6.820 (D), die Royal Enfield gar um konkurrenzlose 5.290 (Ö) bzw. 4.970 (D) Euro.

48 PS Reiseenduros im Test
Drei völlig unterschiedliche Gesellen - und wir reden nicht nur von den Motorrädern!

Fazit - welche ist für welchen Einsatzzweck die richtige Wahl?

Die Unterschiedlichkeit dieser drei A2-Reiseenduros macht es wahrscheinlich auch einfacher, die jeweils richtige für sich zu finden. Eine angenehm aufrechte Sitzposition und damit entspanntes Fahren über längere Etappen bieten sie alle, wobei der Sitz der Royal Enfield mit 800 Millimeter am leichtesten zu erklimmen ist, KTM mit 855 Millimeter und vor allem Honda mit 885 Millimeter (die jedoch mehr in die Federn sinken, wenn man draufsitzt) sind da doch um einiges höher. Wer ein alltagstaugliches Gefährt für so ziemlich jeden Einsatzzweck sucht, der ist womöglich mit der 390 Adventure am besten bedient, weil sie dank der Leistung von 44 PS am "meisten" Motorrad bietet, sich auf der Straße sportlich bewegen lässt und auch abseits davon weiter kommt, als ihr viele aufgrund ihres 19-Zoll-Vorderrades zugetraut hätten. Wenngleich die Stehend-Position nicht so angenehm ausfällt als z.B. bei der Honda. Die Himalayan fährt Offroad durchaus auf Augenhöhe mit der KTM (ihr mehr an Federweg wird durch das mehr an Gewicht relativiert), wenn man es etwas gemächlicher angeht. Wie die Royal Enfield überhaupt wunderbar "entschleunigt", einen ganz eigenen Charme in die Waagschale wirft. Und zur Honda wird jener greifen, der Offroad auch schon mal schwierigere Passagen angehen mag, ein perfektes Motorrad z.B. für den TET (Trans European Trail) sucht. Reisetauglich sind sie alle drei, vor allem wenn man die Streckenwahl der Leistung entsprechend anpasst und sich eher auf engeren, kurvenreichen Straßen bewegt. Dann wird der Spaß auch mit diesen kleinen Reiseenduros groß geschrieben!

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Fazit: Royal Enfield Himalayan

Seit ihrem Erscheinen erfreut die Royal Enfield Himalayan eine große Fangemeinde durch ihre klassische Formgebung und ein beispielhaftes Preis-Leistungsverhältnis, mit dem Modelljahr 2021 erhielten auch praktische Details wie am Hinterrad deaktivierbares ABS oder das kleine LCD-Display samt Pfeilnavigation Einzug. Alles in allem bleibt sich aber das, wofür sie schon immer stand: Ein entschleunigender Gefährte, der für die große Tour genauso bereit ist, wie er vor der Eisdiele in der Stadt gute Figur macht.


  • Preis/Leistungsverhältnis
  • Robustheit
  • entschleunigend
  • Bremse
  • hohes Gewicht

Fazit: KTM 390 Adventure

Ausstattung und auch Abmessungen der 390 Adventure zeigen, dass KTM hier keineswegs einfach eine kleine, abgespeckte Reiseenduro auf die Räder gestellt hat, sondern ein (voll)wertiges A2-Führerschein-taugliches Motorrad, das (Wieder)-Einsteigern ebenso viel Freude bereiten wird, wie jenen die ein Alltagsbike suchen und auf Leistung auf Überfluss verzichten können. Die sportliche KTM bringt einen überall hin und macht im kurvigen Geläuf durch ihre Agilität extrem viel Spaß.


  • üppige Ausstattung
  • durchzugsstarker Motor
  • Quickshifter optional erhältlich
  • Agilität
  • weniger Federweg und geringere Bodenfreiheit

Fazit: Honda CRF300 Rally

Als klassisches Dualsportbike, wie es sie heute leider nur noch viel zu selten gibt, funktioniert die leichte Honda sowohl auf, als auch vor allem abseits der befestigen Wege sehr gut. Im Gegensatz zum Vorgänger, der CRF250 Rally, hat sie in etwa 10 Prozent an Leistung zugelegt, dennoch würden ihr noch einmal 10 bis 15 PS mehr gut zu Gesicht stehen. Dadurch, dass die unteren Gänge jetzt aber kürzer übersetzt sind, spürt man den Leistungszuwachs, der länger übersetzte sechste Gang ermöglicht entspannteres Cruisen bei höheren Geschwindigkeiten.


  • echte Offroad-Tauglichkeit
  • üppige Federwege und Bodenfreiheit
  • geringes Gewicht
  • Agilität
  • geringe Leistung

Bericht vom 04.06.2021 | 25.674 Aufrufe

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