KTM 1290 Super Duke R über den Nürburgring geprügelt!

KTM 1290 Super Duke R über den Nürburgring geprügelt!

Vauli wählt das „Biest“ und Metzeler für den ersten Rollout

Für alles gibt es ein erstes Mal – manchmal früher, manchmal später. Bei mir war es nun erstmals eine Rennstrecken-Veranstaltung am Nürburgring, in einem Alter, das man nicht unbedingt an die große Glocke hängt… Die perfekte Organisation durch das „Motorrad Action Team“, die herrlich kontrollierbare Power des Mattighofener Dampfhammers, der ausgezeichnete Grip der Metzeler-Pneus und nicht zuletzt die Streckenführung der „schnellsten Landstraße der Welt“ passen aber so gut zusammen, dass mir immer noch der Grinser im Gesicht klebt!

Es waren nicht die allerbesten Voraussetzungen für meinen ersten Einsatz auf dem bekannt selektiven Nürburgring, bei dem man sich über 20 Kilometer (!) Strecke erst einmal einprägen sollte. Immerhin wurde mir erst fünf Tage vor dem Event der Gips nach meinem Speichenbruch abgenommen – und ich wusste natürlich nicht, ob es wirklich schlau war, dann gleich den Nürburgring in Angriff zu nehmen. Kneifen gibt´s bei mir aber (fast) nie, also einfach hinein ins kalte Wasser. Und so kalt war es eigentlich gar nicht, denn dank dem unglaublich gut organisierten Rennstreckentraining des Motorrad Action Teams sind die einzelnen Gruppen so homogen gestaltet, dass ich mich keinen Meter auf der Strecke überfordert oder unsicher fühlte.

Lieber nicht übertreiben, lautet die Parole…

Zu Beginn wählte ich eine Anfänger-/Einsteigergruppe, um erst einmal die Strecke in normalem Tempo kennenzulernen und abzuklären, ob mein Arm nach der langen Pause schon ohne Probleme funktionierte. Dass er das dann auch tat, lag gewiss zu einem hohen Maß an der Maschine, die mir Nasty Nils über KTM Deutschland gecheckt hat. Eine 1290 Super Duke R ist nun mal ein äußerst sportliches Naked Bike, das aber immer noch viel bequemer als etwa ein Superbike ist, bei dem der Druck auf die Arme natürlich enorm ausfällt.

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Die KTM 1290 Super Duke R entpuppt sich als perfekte Nürburgring-Maschine!

Die Kraft und der Antritt sind dennoch fast auf Superbike-Niveau, vor wenigen Jahren noch hätte dieses Triebwerk die gesamte Armada an Sportlern planiert. 177 PS bei knapp unter 9000 Umdrehungen und abartige 144 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 6500 Touren sprechen schon am Papier Bände, im wahren Leben sind sie aber eigentlich noch spektakulärer, weil sie auch noch perfekt kontrollierbar sind! Es ist einfach unfassbar, wie spielerisch man die KTM trotz riesigem Triebwerk mit 1301 Kubik um jeden Radius werfen kann. Nasty Nils fuhr natürlich in einer schnelleren Fortgeschrittenengruppe und war mit seiner Kawasaki ZX-10R höchst zufrieden, für ein erstes Kennenlernen des Nürburgrings mit stetigem Aufstieg in bessere Gruppen stufe ich die KTM 1290 Super Duke R aber als perfektes Arbeitsgerät ein.

Wo ein Vauli, da auch ein Regen…

Denn am Nürburgring spielt die Super Duke phänomenal ihre Landstraßen-Fähigkeit aus, die sie eben nicht nur in Kurven extrem gut beherrschbar macht, sondern dann auf den Geraden die brachiale Power ausspielen lässt. Damit gibt sie diese wichtige Sicherheit, im Falle eines Abreißens von der Gruppe wieder in der Zeit eines Wimpernschlags aufschließen zu können. Als Draufgabe hat man auch noch die Rückversicherung des Kurven-ABS, das ich aber nicht einmal im Regen in Anspruch nehmen musste. Denn wenn ein Vauli an irgendeinen Punkt dieser großen weiten Welt reist, regnet es dort mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit. So also auch am Nürburgring, wo die Instruktoren uns rieten, noch geschmeidiger und runder den Kurs zu fahren, als wir es im Trockenen ohnehin schon taten – der Asphalt ist an manchen Stellen bei Nässe ziemlich tückisch!

Der Metzeler Sportec M7 RR hat keine Angst vor Nässe

Doch auch dafür hatte ich ein probates Mittel, die KTM war mit Metzeler Sportec M7 RR bereift – ein Pneu, der sich offensichtlich auch bei Nässe sehr gut anstellt, im Trockenen sowieso. Denn nach dem obligatorischen Regenguss wurde es wieder trocken und ich konnte mich voller Euphorie der perfekten Linienwahl auf dieser einzigartigen Rennstrecke widmen. Das wäre natürlich nicht möglich, hätte das Motorrad Action Team nicht so versierte Instruktoren im Kader. Alle Teilnehmer – diesmal waren es nicht weniger als 200 mehr oder weniger erfahrene Biker – kommen in genau jene Gruppe, die ihrem Können entspricht, pro Gruppe nicht mehr als sieben Fahrer. Kommt auf der Strecke eine flottere Gruppe von hinten daher, sieht das der Instruktor im Rückspiegel, blinkt rechts, alle „Schüler“ tun es ihm gleich, die schnellere Gruppe passiert und der Heidenspaß geht weiter.

Legenden-Anekdoten am Nürburgring

So einzigartig der Nürburgring als Rennstrecke, so einzigartig auch seine Helden, ich hatte sogar das Vergnügen, mit dem (immer noch) Rundenrekordhalter Helmut Dähne ganz leger neben der Strecke zu plaudern. Schon faszinierend, was der 74-jährige zu erzählen hat und wie schnell er immer noch ist. Auf die Frage eines Teilnehmers, ob die Kompression nach der Fuchsröhre (die Streckenabschnitte des Nürburgrings haben teilweise sehr spezielle Namen) entschärft wurde, antwortet Dähne ganz trocken: „Z´langsam g´fahrn. Ich hab dort auf meiner Rekordrunde 249 Sachen drauf g´habt.“ Auch Toni Mang, ebenfalls eine deutsche Rennfahrer-Legende, war zwar nicht vor Ort, hat aber im Vorfeld eine aufschlussreiche Aussage getätigt: „Die Streckenführung des Nürburgrings ist gar nicht so schwer einzuprägen: Nach jeder Linkskurve kommt eine Rechtskurve und nach jeder Rechtskurve kommt eine Linkskurve. Nur wenn das nicht der Fall ist, muss man sich diese Stelle merken.“

Für die ganz Schnellen ist ein Sturz am Nürburgring keine Option

So witzig diese Aussage auch klingt, bis zu einem gewissen Grad stimmt sie schon, denn der Kurs ist tatsächlich ziemlich harmonisch gestaltet. Ausgezeichnete Streckenkenntnis ist ab einer gewissen Geschwindigkeit allerdings unerlässlich, zu viele Kuppen verlangen unbedingt um das Wissen, in welche Richtung es danach weiter geht. Und die ganz Schnellen pfeffern dann so richtig arg um den Kurs, dessen Sturzräume an manchen Stellen so klein bemessen sind, dass ein Sturz definitiv keine Option darstellt.

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Das Motorrad Action Team gibt auch erfahrenen Bikern noch sinnvolle Tipps

Durch solch professionelle Veranstaltungen wie jene des Motorrad Action Teams, bei der sich zwei Tage lang tatsächlich NUR Motorräder auf der Strecke tummeln und nicht so wie sonst sich Autos, Rennwägen, Motorräder und sogar Reisebusse die Strecke teilen müssen. Das ist ein ziemlicher Luxus, den man sich meiner Meinung nach bei Gelegenheit unbedingt gönnen sollte! Je nach Fahrkönnen natürlich mit dem richtigen Arbeitsgerät, eine KTM 1290 Super Duke R mit Metzeler Sportec M7 RR ist jedenfalls ein Kaliber, das mir noch in einer ziemlich flotten Fortgeschrittenengruppe enorm viel Spaß gemacht hat. Eigentlich wollte ich im letzten Turn in eine noch schnellere Gruppe, war dann aber doch froh, dass ich nicht auf die Jagd nach dem letzten Zehntel ging. Denn sobald die Konzentration nachlässt, sollte man auf dem Nürburgring lieber nichts riskieren. Die erfahrenen Leute vom Motorrad Action Team wissen aber ohnehin genau, was sie tun und geben auch erfahrenen Bikern noch sinnvolle Tipps – man lernt eben nie aus!

Fazit: KTM 1290 Super Duke R

Der Beiname „Beast“ ist nicht völlig aus den Wolken gegriffen, die KTM ist und bleibt ein brutales Naked Bike – 177 PS aus zwei Töpfen mit zusammen 1301 Kubik Hubraum ist nichts Harmloses. Dennoch ist sie erstaunlich einfach zu beherrschen, durch die aufrechte Sitzposition in Kombination mit dem guten Handling wirkt sie fast schon gutmütig. Sie wurde im Vergleich zur Vorgängerin punktgenau an den größten Schwachstellen verbessert. Der Motor läuft nun ruhiger, der Schaltassistent bringt Ruhe in der Beschleunigungsphase und das Chassis wurde hochwertiger. Aber immer noch liebt sie die wilde Hatz mehr als hohen Speed in langen Kurven.

1
Vorteile
  • sorgt für herrlichen Adrenalinausstoß
  • umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten
  • grandiose Bremsen mit Kurven-ABS
  • praxistaugliche Elektronikfeatures
  • tolle Sitzposition
  • Elektronikfeatures können sehr sportlich eingestellt und auch deaktiviert werden
  • sehr guter Schaltassistent
1
Nachteile
  • Präziser Strich nicht immer leicht zu treffen
  • eines der gefährlichsten Motorräder für den Führerschein am Markt

Bericht vom 12.09.2018 | 7.524 Aufrufe

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