Yamaha MT-07 Test 2018

Yamaha MT-07 Test 2018

Evolution par excellence

Dark Side of Japan 2.0 - seit 2014 fasziniert uns die Yamaha MT-07 mit ihrem unglaublichen Preis-Leistungsverhältnis. Trotzdem gab es seit Beginn kleine Aspekte, die sowohl uns als auch den Kunden nicht gefallen haben. Yamahas Ingenieure haben sich ans Zeichenbrett gesetzt und das 2018er Modell entwickelt. Lohnt sich das Upgrade auf das neue Modell?

Oft sind es die Underdogs, die für die meisten Furore sorgen. So auch mit der Yamaha MT-07. Als sie 2013 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, hätte sich niemand erträumt, wozu ein Mittelklasse Naked Bike im Stande ist. Nach den ersten Tests im folgenden Jahr war aber sofort klar: die MT-07 wird ein Kassenschlager. Vergleichbare Fahreigenschaften zu solch einem Preis konnte zum damaligen Zeitpunkt kaum ein anderer Hersteller bieten. Das wusstet auch ihr, die 1000PS Zuseherinnen und Zuseher, sowie Naked Bike Fans auf der gesamten Welt. Seit 2014 konnte Yamaha circa 120.000 MT-07 Exemplare absetzen, womit das unscheinbare Mittelklasse Bike zu einem der erfolgreichsten Motorräder der Yamaha Geschichte wurde.

Der mit Abstand wichtigste Markt für die MT-07 liegt in Europa. Hier wurden bei weitem die meisten Motorräder verkauft, gefolgt von den USA, wo das Modell bis jetzt als FZ-07 bekannt war. Neben geübten Fahrerinnen und Fahrern legt Yamaha einen großen Wert auf die Einsteigerinnen und Einsteiger. Knapp 35% aller MT-07 Exemplare wurden an Neulinge verkauft, die Summe der auf A2-Führerschein gedrosselten Bikes kommt auf den fast selben Wert. So viel zu den Verkaufsdaten der Yamaha. In den letzten Jahren ist die Konkurrenz jedoch fleißig nachgezogen und hat die Lücke zur MT-07 geschlossen. Wie reagiert Yamaha also darauf?

The Master of Torque - Yamaha MT-07 Leistung

Normalerweise würde ich jetzt beginnen, die Neuerungen und Unterschiede zum alten Motor aufzuzählen. Bei der 2018 Yamaha MT-07 ist diese Liste jedoch recht kurz – besser gesagt: sie existiert nicht. Ganz richtig, der 689ccm große Crossplane-2 Motor wurde 1:1 aus dem Vorgängermodell übernommen. Das bedeutet uns stehen immer noch 74,8 PS und 68 Nm Drehmoment zu Verfügung, die auf A2-konforme 48 PS gedrosselt werden können. Jeder der den Motor kennt, wird aber wissen, dass das CP2 Aggregat schon von Anfang an ein wahrer Spaßbringer war und die fehlende Änderung nichts Schlechtes zu bedeuten hat. Dank dem Hubzapfenversatz von 270 Grad bekommt der Zweizylinder einen einzigartigen Charakter, der sich mit dem eines V2 Motors vergleichen lässt.

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Drehmoment, Drehmoment und noch mehr...

.. richtig, Drehmoment! Egal in welchem Gang und bei welcher Drehzahl stürmt die Yamaha brachial nach vorne - und das über das gesamte Drehzahlband. Zu einem Zeitpunkt wollte ich am gefühlten Hoch der Drehmomentorgie den nächsthöheren Gang wählen, bis meine Augen den Drehzahlmesser trafen. „Ich bin erst bei 7.000 U/min? Da gehen ja noch 3.000!“ Dass solch ein Vorantreiben mit nur 75 PS und 68 Nm Drehmoment möglich ist, möchte man gar nicht glauben. All dieser Druck ermöglicht es auch, die MT-07 sehr schaltfaul zu bewegen. So kann man während einer entspannten Sonntagsausfahrt nur einen Gang verwenden – die Nummer 3. Beginnend bei circa 25 km/h dreht der Gang bis über 130 km/h, womit flüssiges Fahren ohne viel Schalten möglich ist.

Wer zuhört, versteht - Fahrwerk Yamaha MT-07

Bisher war das zu weiche Fahrwerk die Achillessehne der Yamaha MT-07. Zwar reichte das Setup für die Fahrt zur Arbeit vollkommen aus, wollte man aber neue Bestzeiten aufstellen, kamen die Komponenten an ihre Grenzen. Yamaha hat zugehört und gehandelt. In der Front arbeitet die bereits bekannte KYB Teleskopgabel mit 41mm Durchmesser und einem Federweg von 130mm. Ihr wurde aber neues Öl und eine straffere Gabelfeder spendiert. Das Ergebnis in Zahlen: die Federrate wurde um 6 % erhöht, die Rückfederung um 16 %. Das Ergebnis auf der Straße: grandios. Zusätzlich wurde das zentral gelagerte Federbein überarbeitet und eine Zugstufeneinstellung ermöglicht, um eine deutlich sportlichere Performance zu erzielen.

Was bedeutet das auf der Straße?

Mit diesen dezenten Änderungen fährt die MT-07 nun endlich so, wie wir uns es schon immer gewünscht haben. Bei gemütlicher Fahrt angenehm komfortabel, aber im Winkelwerk äußerst kompetent. Vollkommen entspannt wirft man das Naked Bike von einer Kurve in die nächste – ohne bösen Überraschungen am Kurvenscheitel. Zu einem gewissen Maß könnte man meinen, die Yamaha MT-07 fährt so brav wie ein Fahrrad – natürlich im besten Sinne! Sehr stabil und ohne auffälligen Eigenheiten im Fahrwerk. Erst wenn man den Gashahn aufreißt, zeigt die MT-07 ihr wahres Temperament und wird zur echten Kurvenräuberin, mit der man stärkere und vor allem teurere Maschinen ärgern kann.

Unkomplizierter Begleiter im Alltag – Yamaha MT-07 Gewicht

Laut Yamaha verwenden MT-07 Besitzerinnen und Besitzer ihr Bike hauptsächlich fürs tägliche Pendeln in die Arbeit, Schule oder Uni. Die Devise lautet also aufsteigen und sorgenfrei losfahren. Wie ihre Vorgängerin schafft es auch das 2018er Modell, diesen Anspruch zu erfüllen. Selbst nach meiner über zwei Monate andauernden Winterpause fühlte ich mich auf Anhieb wohl und konnte die MT-07 in vollen Zügen genießen. Meine Linie war zwar Anfangs alles andere als perfekt, über den Verlauf unserer 220km langen Tour konnte ich mich aber spürbar verbessern. Selbstverständlich hilft das fahrbereite Gewicht von 183kg viel Sicherheit zu schenken. Die Yamaha lässt sich somit einfach rangieren und das Kurvenhandling ist spielerisch leicht.

Unser Testverbrauch: 5,3 Liter/ 100km

Ein ebenso wichtiger Faktor für ein Alltagsgerät wie die Yamaha MT-07, ist der Verbrauch. Die offizielle Angabe von 4,3 Liter/100km konnten wir während unserer sportlichen Testfahrt nicht erreichen, wobei Journalistenausfahrten nicht mit alltäglichem Betrieb vergleichbar sind. Bei normaler Fahrweise wird der Verbrauchswert deutlich unter unserem Ergebnis stehen und vielleicht sogar die 4,3 Liter Marke knacken. In Kombination mit dem 14 Liter großen Tank sollte dann eine Reichweite von über 300km möglich sein.

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Ein neues Kleid für den Naked Bike Star

Wie wir es von allseits bekannten Hollywood-Sternchen kennen, braucht es hin und wieder einen Imagewechsel, um für neue Schlagzeilen zu sorgen. So auch bei der neuen Yamaha MT-07. Die optischen Veränderungen lassen sich zwar nicht als Revolution, aber als hübsche Evolution des Vorgängermodells bezeichnen. Das Design ist jetzt sportlich und modern, differenziert sich aber klar von der böse schauenden MT-09. Die Optik soll einer breiten Zielgruppe gefallen und darf deshalb laut Yamaha nicht zu aggressiv ausfallen. In der Front erstrahlt jetzt ein neuer Scheinwerfer, der von der ersten MT-09 Generation inspiriert, beziehungsweise zum Teil übernommen wurde. Sieht schick aus und spart Entwicklungskosten, wenn man bereits vorhandene Teile aus dem Regal nehmen kann.

Auch der Tank mit den seitlich verlaufenden Lufteinlässen wurde nicht verschont und bekam ein vollständiges Makeover. Außerdem wurde der Benzintank um 10mm nach vorne verlegt, um der neuen 805mm hohen Sitzbank mehr Platz zu schaffen. Für große Piloten bietet Yamaha im Zubehör einen Sportsitz an, der die Sitzhöhe und 28mm höherlegt. Das alte Heck wurde ebenfalls in den Müll geworfen und komplett überarbeitet. Die auffälligste Änderung ist das neue Rücklicht, das im Stil der aktuellen MT-09 erstrahlt. In der Galerie findet ihr zahlreiche Bilder, anhand derer ihr euch eure eigene Meinung zum neuen Design bilden könnt.

Der Reifen macht das Motorrad

Die 2018 Yamaha MT-07 wird mit dem Bridgestone BT 023 als Serienbereifung ausgestattet. Ein Sport Touring Reifen, der einen fairen Kompromiss zwischen Grip und langer Lebensdauer findet. Während der BT 023 für den durchschnittlichen MT-07 Kunden ausreichen wird, empfiehlt es sich für schnelle Fahrer einen sportlicheren Pneu aufzuziehen. Damit kann man das volle Potential der neuen Fahrwerkskomponenten ausschöpfen und letztendlich genießen. Eine einfache Tuning Maßnahme, die den Charakter der Yamaha deutlich schärfen kann.

Altbekanntes Display mit altbekannten Tugenden

Das Prinzip „Never touch a running system“ hat Yamaha auch am Display der MT-07 beherzigt. Das altbekannte LCD-Display verfügt neben Geschwindigkeits- und Drehzahlanzeige auch über Tank- und Ganganzeige, sowie zwei Tripzähler, Momentan- und Durchschnittsverbrauch und zu guter Letzt die Kühlwasser-, sowie Außentemperatur. Das Display ist in jeglicher Situation gut ablesbar und versorgt mit den wichtigsten Informationen. Einzig die Platzierung des Bildschirms könnte stören. Um alle Anzeigen ablesen zu können, muss sich der Blick deutlich von der Straße trennen.

Yamaha MT-07 Zubehör

Ab Werk bietet Yamaha ein umfangreiches Zubehörprogramm für die MT-07 an. Über 60 Parts stehen zur Verfügung, um das Hyper Naked individuell anzupassen. Dabei können zwei Ausstattungslinien gewählt werden – Sport und Touring. Unter Sport findet man unter anderem einen schmäleren Kennzeichenhalter und den obligatorischen Akrapovic Auspuff, während Touring zum Beispiel mit Seitentaschen und hohem Windschild auftrumpft.

Yamaha MT-07 Preise

Fazit: Yamaha MT-07

Schon die erste MT-07 Baureihe war eine wahnsinnig gute Basis für sportliches Fahren auf Naked Bikes. Mit dem 2018er Modell hat es Yamaha endlich geschafft, das gesamte Potential des CP2 Motors auf die Straße zu bringen. Stichwort: Fahrwerk. Dank simpler Eingriffe verfügen nun die Fahrwerkskomponenten über den sportlichen Charakter, den wir uns schon lange gewünscht haben. Die aufgefrischte Optik lässt sie zudem deutlich erwachsener und wilder wirken. Da stellt sich wieder die Frage: Braucht man mehr Naked Bike als die Yamaha MT-07?

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Vorteile
  • drehmomentstarker Zweizylinder
  • gut gelungenes Fahrwerksupdate
  • einfach zu fahren
  • frische Optik
  • angenehme Sitzpostion
  • große Auswahl an Zubehör
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Nachteile
  • Serienbereifung könnte sportlicher sein
  • LCD Display liegt zu nahe am Fahrer

Bericht vom 27.02.2018 | 42.419 Aufrufe

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