ZX-10R 2016 im Vergleich

ZX-10R 2016 im Vergleich

Erster Vergleichstest der aktuellen 1000 ccm Superbikes

Die neue Kawasaki Ninja ZX-10R 2016 im ersten Vergleich gegen die BMW S1000RR, die Yamaha R1 und R1M sowie die Panigale von Ducati. Neue Rangordnung?

Beim Test vom neuen Supersport Pneu „Bridgestone S21“ fanden wir vor Ort auch exzellente Vergleichstest Möglichkeiten vor. Piekfeine Strecke, einheitliche Reifen und fast alle aktuellen Superbikes der Saison 2016. Testpiloten aus ganz Europa tauschten durch, drückten an und tauschten sich aus. Die neuen Bridgestones waren grandiose Sparring-Partner für die starken Superbikes. Sportlich genug um die Bestien von der Leine zu lassen aber nicht zu radikal um einzelne Fahrwerkskonzepte zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Wir fuhren die 1000er Superbikes auf der Rennstrecke von Abu Dhabi und genossen die 200PS Liga im Scheinwerferlicht bis Mitternacht.

Der erste Eindruck mit den 2016 er Superbikes

Die Rangordnung im Fahrerlager hat sich nach dem ersten Kontakt mit den Motorrädern nicht verändert. Die Yamaha R1 und natürlich auch die R1M wirkt insgesamt immer noch am handlichsten. Kompakt, schlank und federleicht fühlt sich das Motorrad an. Sie sieht insgesamt durch die futuristische Front und das endgeile Display auch gleich nochmal handlicher und sportlicher aus. Sie wirkt sofort wie ein echtes Rennmotorrad. Die Kawasaki stapelt beim Aufsitzen und auf den ersten Metern etwas tief. Sie wirkt weniger radikal. Das Display wirkt alt, die Sitzposition wirkt bekannt und das gesamte Motorrad ist zwar grell aber sieht nicht 100% neu aus. Die Vorurteile streift sie aber nach wenigen Runden ab.

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Die Kawasaki punktet mit Perfektion beim Chassis

Die Kawasaki ist am Zenit angelangt. Ihr Chassis ist solide weiterentwickelt und das Motorrad wäre vermutlich auch ohne Elektronik ein sauschnelles Bike. Hier ist die Hardware perfekt umgesetzt und das Motorrad punktet in allen Lebenslagen. Stabil in der Bremszone, zielsicher am Kurveneingang und mit viel Traktion am Kurvenausgang gesegnet ist sie ein sauschnelles Motorrad. Fährt man sie nach der Yamaha wirkt sie nur einen Tick träger, fährt man sie nach der BMW oder der Ducati vermisst man den Schaltassistenten mit Blipper Funktion. Steigt man nach ihr auf die Yamaha oder die Panigale hat man immer etwas mehr Angst beim schwungvollen Ritt durch die Wechselkurven. Der Motor der Kawasaki erlaubt sich keine Schwächen beim Ansprechverhalten und passt gut zum makellosen Chassis. Keine sprunghaften Anstiege im Drehmomentverlauf welche dich fertig machen. Diese Maschine hier ist sehr lange sehr schnell zu fahren. Man kann drehen und wenden wie es will. Die Kawasaki glänzt mit eigentlich deutschen Tugenden. Ohne radikale Ecken liefert sie in allen Bereichen eine exzellente Bestleistung ab. Sie wird wohl keine Testsiege gewinnen, wird aber auch keinen Käufer enttäuschen. Sie wird auf allen Strecken gut funktionieren und ihre Souveränität ausspielen.

Kawasaki ZX-10R 2016 - Zu lange Übersetzung

Eigentlich ist bei allen Sportmotorrädern frisch aus der Kiste die Sekundärübersetzung zu lange. Die anderen 1000er kommen hier jedoch ganz gut aus den Ecken raus. Leider deutlich zu lange übersetzt ist jedoch die ZX-10R von Kawasaki. In der Praxis wird das für die Rennstreckenpiloten kein Problem sein. Ein Problem wird es jedoch bei den kommenden Vergleichstests für die ZX-10R sein. Denn dort wird mit Serienübersetzung getestet und dann wird sie am Kurvenausgang immer wieder mal gegen die BMW abstinken.

Immer noch die stärkste 1000er: BMW S 1000 RR

Am Papier scheinen die aktuellen 1000er Motorräder alle ungefähr gleich stark zu sein. Das gilt auch für alle Motorräder - bis auf die BMW S 1000 RR. Sie wirkt oben raus immer noch etwas stärker als der Rest der Meute. Das Ansprechverhalten ist etwas träger und einen Hauch weniger direkt als das vom R1 Aggregat. Der Motor wirkt paradoxerweise kultiviert und gibt sich als treuer Begleiter. Doch Furcht verbreitet er im oberen Drehzahlbereich besonders bei hohen Geschwindigkeiten. Die Tendenz das Vorderrad auch bei 200 noch in den Himmel zu heben erlebt man nur im Sattel der S1000RR. Gerade in Hobbyserien ist der starke Motor ein riesen Vorteil. Denn damit lassen sich auf der Zielgeraden billige Überholmanöver erzielen für die man im Sattel der Kurvenstars Aprilia und Yamaha hart kämpfen muss. Doch die BMW ist nicht nur bärenstark. Sie ist auch jenes Motorrad, welches für große und auch schwere Piloten am erträglichsten ist. Sie ist offen gesagt auch das einzige Motorrad in der Runde welches ich persönlich gerne auch auf Landstraßen fahren würde. Der Gesamtauftritt ist weniger radikal, die Sitzposition eben ganz OK, dafür aber das Handling am Kurveneingang etwas träger.

Hightech Racebike: Yamaha R1

Die Yamaha R1 und besonders die R1M wirken wie wahre Hightech-Wunderwerk. Das Chassislayout ist radikal und ich denke ohne Elektronik ist sie wie auch die Panigale einfach nicht mehr sinnvoll zu fahren. Sie bewegt sich ständig am Limit und tänzelt durch die Radien wie ein Windhund auf Schlittschuhen. Im Kombination mit dem heiseren Sound und dem geilen Display fühlt man sich wie im Sattel einer MotoGP Rakete. Im direkten Vergleich mit der ZX-10R wirkt das Chassis der R1 etwas unterlegen und mit einigen Makeln befleckt. Die R1M jedoch ist überlegen aber natürlich auch teurer als die Serien-Kawasaki. Am Prüfstand wird die Yamaha gegen die Kawasaki im mittleren Drehzahlbereich vermutlich abstinken. Mir persönlich macht das nix aus. Ich glaube an das Potential des Aggregates und hab mir privat schon letztes Jahr eine R1M gekauft. Ich weiß, dass der Motor viel mehr kann und nur für die Euro-Normen an der Leine gehalten wird. Mit Rennstrecken-Mapping und Komplettanlage liefert das Hightech-Aggregat 20 PS mehr in der Mitte ab. Eine hervorragende Rennstreckenbasis. Für die Landstraße nur für "kompakte" Fahrer empfehlenswert - oder für Enthusiasten.

Ducati 1299 Panigale S: Für Könner und Genießer

In Abu Dhabi kam ich mit der Panigale S besser zurecht als auf harmonischen Strecken mit langen und schnellen Kurven. In der Bremszone ist die Ducati stark und dank ausgefeilter Elektronik bleibt die Diva auch stabil und sicher. Müde macht sie mich nur in den Beschleunigungsphasen wo sie auch viel Konzentration erfordert. Der Motor bietet unten wenig und dann sehr viel Power. Das Drehzahlband ist besonders für technisch nicht so sauber fahrende Piloten etwas knapp. Man kommt als Rookie also ganz schön ins Schwitzem im Sattel - nicht nur wegen der heißen Strahlung vom Motor zum Hintern. Andererseits ist die Panigale optisch immer noch der beste Wurf. Sie ist radikal, bietet aber weniger Angriffsfläche als die Yamaha R1. Ich kenne niemanden dem die Panigale nicht gefällt. Das Technikpaket lässt ebenfalls keine Wünsche übrig. Schaltassistent, ABS, Traktionskontrolle, Motorbremssteuerung und das Ansprechverhalten des Motors sind hervorragend. Insgesamt ein Motorrad für Könner und Genießer. In der Praxis für mich persönlich aber nur die zweitbeste Ducati. Mit der 959er Panigale wäre ich auf den meisten Strecken vermutlich schneller unterwegs - auch hier in Abu Dhabi.

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Wo ist die Aprilia RSV4?

Der Test wurde im Rahmen der Bridgestone S21 Reifenpräsentation durchgeführt. Auf die Auswahl der Testbikes hatten wir selbst also keinen Einfluß - eine Aprilia RSV4 war nicht vor Ort. Als erfahrener Pilot trau ich mir aber trotzdem folgende Ferndiagnose zu. Die Aprilia ist nach wie vor jenes Motorrad welches die höchsten Kurvengeschwindigkeiten zulässt. Sie bietet eine unpackbar starke Front und der Motor ist zwar nicht die Nummer 1 im Feld aber verliert auf der Geraden nicht mehr als das Chassis in den Kurven gewinnt. Aber da erzähle ich den Supersport-Insidern nix neues. Das die Aprilia sich nicht ansatzweise so gut verkauft wie eine BMW, eine Yamaha oder auch eine Kawasaki liegt nicht am Produkt sondern an den Fehlern der Vergangenheit. Wobei gerade das Thema Ersatzteilversorgung in Österreich durch den hervorragenden Privatimporteur "Ginzinger" deutlich stabiler ist als man in deutschen Foren zu lesen bekommt. Auch das Motormanagement der neuen RSV4 ist mit der "Bastellösung" der ersten Generation nicht mehr zu vergleichen.

Die ZX-10R 2016 im Vergleich

Wie lautet also das Resüme zur ZX-10R im Vergleich zu den anderen Superbikes 2016. Sie ist nicht die stärkste und nicht die radikalste Maschine. Sie nimmt also eine andere Position ein, welche Kawasakis bisher in Vergleichstests eingenommen haben. Sie ist ein gut entwickeltes Gesamtpaket mit dem man auf keiner Strecke ein Risiko eingeht. Ein klassischer Punktesammler. Das ist zwar nicht immer glamourös doch am Ende der Saison oft entscheidend. Immer noch wunderbar: Die Vielfalt bei den 1000ern! Hier ist für jeden was dabei und die Bikes kommen mit unterschiedlichen Motorenkonzepten alle auf ein ähnlich hohes Niveau. Auch 2016 ist ein ausgezeichneter Motorrad-Jahrgang.

Die 1000er Superbikes selbst testen

Bei der 1000PS Bridgestone Gripparty im April in Brünn kann man die aktuellen 1000er der Saison 2016 selbst auf der Rennstrecke testen. Das Event ist jedoch bereits fast ausgebucht. Letzte Chance: JETZT!

Kurzvergleich 1000er Superbikes 2016

S 1000 RR1299 Panigale SZX-10 RYZF R1YZF R1M
MotorleistungunschlagbarLeistung OK, nutzbares Drehzahlband knappmehr als genugmehr als genugmehr als genug
Motoransprech- verhaltengutgutgutsehr gutsehr gut
Bremsesehr gutgrandiosgrandiossehr gutsehr gut
Fahrwerksgütesehr gutFahrwerk grandios, Geometrie heikelsehr gutsehr gutgrandios
Handlinggutsehr gutsehr gutsehr gutsehr gut
Sitzkomfortüberraschend gut"sportlich""sportlich""sportlich""sportlich"
ABSsehr guthervorragendsehr guthervorragendhervorragend
Traktionskontr.sehr guthervorragendguthervorragendhervorragend
SchaltassistentDer Maßstabsehr gutgutgut gut
Elektronisches Fahrwerkgutsehr gut--sehr gut

Der Stichwortzettel von NastyNils mit klaren und kurzen Aussagen zu den wichtigsten Eckdaten der Motorräder. Ungeschminkt und ehrlich!

Supersport Vergleichstest 2016 - Landstraße und Rennstrecke

Die Kollegen von MOTORRAD haben einen deutlich umfangreicheren Test mit den aktuellen Supersportlern durchgeführt. Aprilia RSV4 RF, BMW S 1000 RR, Kawasaki Ninja ZX-10R und Yamaha YZF-R1M traten gegeneinander an. Der Landstraßen-Vergleich ist in MOTORRAD 7/2016 (18. März am Kiosk) der Tracktest in MOTORRAD 8/2016 (1. April am Kiosk) zu finden. Das Ergebnis überraschte uns ein wenig. Nicht verpassen!

Fazit: Yamaha YZF-R1

Die Hightechrakete von Yamaha ist technologisch auch 2016 noch führend. Radikal, polarisierend und faszinierend legt sie mächtige Rundenzeiten hin. Sie ist näher an den Racebikes dran wie die anderen 1000ern. Mittlerweile raunzt auch niemand wer wegen der Front. Ohne "M" ist sie die beste Wahl für jene die Öhlins ohnehin nicht brauchen oder die beste Wahl für jene die ohnehin einen Rennstreckenumbau vorhaben und gerne "normale" Öhlins Hardware ohne Elektrozeug verbauen.

1
Vorteile
  • quirliges Handling
  • drehfreudig und präzise zu steuernder Motor
  • hervorragendes Elektronikpaket
1
Nachteile
  • Schaltassistent nur fürs Hochschalten

Fazit: Kawasaki Ninja ZX-10R

Die Kawasaki erlaubt sich 2016 keine echten Fehler. Das hochwertige Chassis kann die Leistung des kräftigen Aggregates mit überschaubaren Kraftaufwand in gute Rundenzeiten umsetzen. Auf der anderen Seite ist sie auch in keiner Situation die Nummer 1. Am Ende der Saison wäre sie ein klassischer Sieger nach Punkten sein. Im Fahrerlager und im Sattel versprüht sie für ein 200PS Motorrad überraschend wenig Angst und Schrecken. Nicht für alle ist das ein Kaufgrund.

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Vorteile
  • Chassisgeometrie offensichtlich punktgenau perfekt getroffen
  • hochwertige Fahrwerkskomponenten
  • sehr gute Bremsen
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Nachteile
  • Cockpit wirkt mittlerweile etwas Retro
  • Elektronikpaket sehr gut aber im direkten Vergleich etwas weniger präzise als das von Yamaha und Ducati
  • zu lange Endübersetzung

Fazit: BMW S 1000 RR

Immer noch das stärkste 1000er Superbike. Nicht ganz so handlich in Wechselkurven und am Kurveneingang. Jedoch mit mehr Fahrkomfort für große und schwere Piloten gesegnet. Für Powerfreaks die beste Wahl. Ab 200 regiert sie auf der Strecke.

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Vorteile
  • stärkster Motor
  • toller Sitzkomfort
  • grandioser Schaltassistent
  • beste Wahl für Landstraße in der 1000er Klasse
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Nachteile
  • Optik mittlerweile schon ein wenig zu brav
  • In Wechselkurven träger als die Klassenbesten

Fazit: Ducati 1299 Panigale S

Mit dem bollernden Zweizylinder und der himmlischen Optik stiehlt sie beim Ausladen den anderen Bikes im Fahrerlager immer noch die Show. Das Elektronikpaket wirkt perfekt, das Chassis jedoch etwas zu radikal. Der V2 wird Fans begeistern könnte Rookies im Sattel aber überfordern.

1
Vorteile
  • tolles Elektronikpaket
  • toller Schaltassistent
  • Optik zum Niederknien
  • in Kennerhand sauschnell
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Nachteile
  • Anstrengend am Kurvenausgang
  • schmales Drehzahlband
  • starke Hitzeabstrahlung zum Hintern

Fazit: Yamaha YZF-R1M

Die Hightechrakete von Yamaha ist technologisch auch 2016 noch führend. Radikal, polarisierend und faszinierend legt sie mächtige Rundenzeiten hin. Sie ist näher an den Racebikes dran wie die anderen 1000ern. Mittlerweile raunzt auch niemand wer wegen der Front.

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Vorteile
  • quirliges Handling
  • drehfreudig und präzise zu steuernder Motor
  • hervorragendes Elektronikpaket
1
Nachteile
  • Schaltassistent nur fürs Hochschalten

Bericht vom 10.03.2016 | 38.827 Aufrufe

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