Honda VFR800X Crossrunner 2015

Crossrunner statt Sporttourer

Schon alleine der V4-Motor macht ihn zu etwas Besonderem. Doch der Crossrunner ist viel mehr als ein VFR-Ableger, er ist Teil einer neuen Bewegung, die nicht mehr aufzuhalten ist. Und diese könnte das Ende aller Sporttourer sein.

Es geht um viel mehr als nur um einen neuen Crossrunner. Es geht um das Heranwachsen einer neuen Motorradgattung und das Verschwinden einer alten. Es hat nicht mit dem ersten Crossrunner vor 3 Jahren begonnen, aber er markierte mit seinem sehr speziellen Konzept und seiner ausgeprägten Form eine Trendwende. Mit einigen, vielleicht sogar den meisten Bigenduros ist man ohnehin schon länger asphaltgebunden unterwegs. Ausser beim kurzen Einkehrschwung zur Almhütte, wo man strassenbautechnisch oft zwangsläufig den gewohnten Lebensraum für 5 Sekunden verlassen und sich auf extrem unsicheres Terrain (Schotter) begeben muss, um sein Motorrad 2 cm vor dem mit einer alten Holzbank - mit Pleamle und Polsterle drauf - dekorierten Haupteingang abzustellen.

Abenteuerbikes mit 160 PS

Unsere Abenteuer finden entweder im Grossstadtdschungel oder auf sauber über das Gebirgsrelief gezogenen Bahnen statt. Und weil wir uns nicht mehr auf Abenteuer einlassen, haben auch unsere Motorräder die entsprechenden Fähigkeiten. Dafür ist die Gattung der Big-Enduros nicht nur mengenmässig extrem erstarkt, sondern auch leistungsmässig explodiert. Nicht weniger als drei Modelle verschiedener Hersteller stehen mit 160 PS im 2015er Katalog. Mit einem solchen Wert (164 PS) schockierte vor einigen Jahren noch die Super Blackbird zartbesaitete und harmoniebedürftige Geschwindigkeitsphobiker, doch wenn die Optik harmloser und die Namen neutraler werden, verliert die Performance ihre provokante Persönlichkeit.

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V4-Verwandtschaftsvisage

Die Leistung des Crossrunners wird wohl kaum jemanden schockieren, 106 PS sind selten Grund für Protestmärsche und Bürgerinitiativen. Entscheidend für seine angenehme Ausstrahlung ist aber die charmante Dynamik seiner Formensprache, die sich 2015 stark erschlankt präsentiert. An der Front fällt sofort das neue x-förmige Scheinwerferdesign auf, das seine Verwandtschaft mit Crosstourer und VFR1200F deutlicher macht. Der kurze, hohle Schnabel ist immer noch vorhanden und soll wahrscheinlich auf ein Endurokonzept verweisen - in Wahrheit ist der Crossrunner aber ein aufrechter Sporttourer. Auch das Fleisch (oder Fett?) über der Gabel, das ihn etwas gedrungen wirken liess, ist geschmolzen. Der mit zweitem Vornamen „Adventure Sports Tourer“ Getaufte erscheint jetzt besser in die V4-Familie integriert.

Mehr Leistung, verbesserte Ergonomie

Räudig und doch sanft, so könnte man den V4 des Crossrunners bezeichnen. Der ist etwas stärker geworden und leistet nun 78 kW (106 PS) bei 10.250 Touren und stellt auch mehr Drehmoment zur Verfügung. (+3,1 kw, + 2,2 Nm). Schwächer geworden ist der abrupte Leistungseinsatz durch die VTEC (Variable Ventilsteuerung). Über ca. 6000 Touren steigt der Druck angenehm kräftig an, kein ruppiger Wechsel stört den harmonischen Fluss. Für längere Touren, aber auch die oft spasslosen Dienstwege im Alltag, hat Honda die Ergonomie des Crossrunners verbessert. Der Sitz ist verstellbar (815 bis 835 mm), der Lenker höher und näher beim Fahrer, die Sitzposition deshalb sehr entspannt. Die Grundeinstellung der Sitzbank war für meinen Geschmack (Körpergrösse: 1.80m) aber etwas zu niedrig. Für besseren Windschutz sorgt ein höherer Windschild.

ABS und Traktionskontrolle serienmässig

Fahrwerksseitig erhielt der Crossrunner neue Bremsen (vorne zwei 310 mm Scheiben, 4-Kolbenbremssättel) und neue Räder. Die Einarm-Schwinge hat er wie den Motor von der VFR800F geerbt. Das ABS ist natürlich serienmässig, so wie jetzt auch die Traktionskontrolle (Honda Selectable Torque Control), die in zwei Stufen einstellbar ist. Die Modi lassen sich sogar während der Fahrt (ohne Gas, Kupplung gezogen) wechseln und die TK auch abschalten. Weitere Annehmlichkeiten sind die LED Beleuchtung, automatische Blinkerrückstellung, 5-fach verstellbare Heizgriffe und ein 20,8 Liter grosser Tank, der für eine Reichweite von mindestens 390 km garantieren soll. Optional kann man mit einem Schaltassistenten den Crossrunner noch sportlicher machen, oder den Quickshifter einfach als Komfort-Feature nutzen. Ich wollte ihn jedenfalls nicht mehr missen.

Mit modernster Technik, einem unbeschwerten Handling und der einzigartigen V4-Power bietet der Crossrunner nicht nur eine mögliche Alternative zu einem Sporttourer, sondern wahrscheinlich die bessere. Denn er bringt Komfort, besseren Windschutz und Beifahrerfreundlichkeit mit, ohne Abstriche bei der Sportlichkeit machen zu müssen.

Zubehörprogramm Honda Crossrunner:

  • Schaltassistent
  • Hauptständer
  • 29 Liter Seitenkoffer Set
  • 31 Liter Top Case
  • 45 Liter Top Case
  • Gepäckträger
  • Zierbügel vorne/seitlich
  • LED Nebelleuchten
  • Hinterradabdeckung
  • Alarmanlage

Fazit: Honda VFR800X Crossrunner

Auf manche Dinge kann man bei Honda einfach setzen: Eine hochwertige, saubere Verarbeitung, eine klare und einfache Bedienung, eine komfortable Ergonomie, starke Bremsen, einen hohen Sicherheitsstandard...nur das Fahrwerk des Crossrunners (Werkseinstellung) ließ sich von manchen härteren Schlägen ins Schaukeln bringen und beruhigte sich erst langsam. Bei einem so sportlichen Motorrad, das sonst sehr solide ist, eine störende Schwäche. Die großzügige Grundausstattung macht dieses Manko wieder wett und den Preis von EUR 13.790,- (Österreich) gerechtfertigt.


  • Umfangreiche Serienausstattung
  • ABS und Traktionskontrolle
  • großer Tank
  • charakterstarker Motor
  • verstellbarer Sitz
  • niedrige Standardsitzhöhe
  • Fahrwerk mittelmäßig

Bericht vom 20.11.2014 | 66.090 Aufrufe

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