Suzuki V-Strom 1000 vs. Triumph Tiger 800 XC Special Edition

Zwei praktische Enduros im Praxistest

Das Segment der Enduros ist mittlerweile umfangreicher als alle Motorradkategoreien zusammen vor einigen Jahren. Es gibt kleine, mittlere und große mit Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierzylindermotoren und einem Leistungsspektrum von 15 bis 160 PS. Wir vergleichen zwei Exemplare, die in Sachen Leistung auf Augenhöhe liegen - die Suzuki V-Strom 1000 gegen die Triumph Tiger 800 XC Special Edition.

Ansprüche sind bekanntlich verschieden, mal hoch mal niedrig - dem einen reicht etwa eine Suzuki V-Strom 650 mit 67 PS, der andere wartet schon sehnsüchtig auf die neue KTM 1290 Super Adventure mit 160 PS. Das Optimum für die breite Masse liegt offenbar irgendwo dazwischen und rund 100 PS haben sich in unzähligen Tests als kluger Kompromiss zwischen genügend Spritzigkeit und guter Fahrbarkeit heraus kristallisiert. Die Suzuki V-Strom 1000 trifft dabei den Nagel auf den Kopf, exakt 100 PS soll sie bei 8000 Touren leisten. Noch wichtiger ist allerdings bei einer großen Reiseenduro das Drehmoment und da legt die V-Strom 1000 die Latte ziemlich hoch: 103 Newtonmeter bei nur 4000 Touren sind ein Wert, der einen herrlich souveränen Motor erwarten läßt.

Die Suzuki V-Strom 1000 schiebt an wie ein Traktor

Und tatsächlich, die Suzuki drückt mit ihrem V-Zweizylinder mit 1037 Kubik schon von ganz weit unten ordentlich an. Dass ich sie dabei gerne mit einem Traktor vergleiche, soll nicht negativ behalftet sein - der V-Strom 1000-Motor ist ein gutmütiger, herrlich kontrollierbarer Murl, der niemals zu schwach wirkt - das schaffen andere nicht so gut. Ähnlich angenehm fahrbar und dennoch aus ganz anderem Holz geschnitzt präsentiert sich die Triumph Tiger 800 XC Specail Edition, deren Reihen-Dreizylindermotor 95 PS bei 9300 Umdrehungen abliefert. Ein riesiger Unterschied offenbart sich zumindest am Papier beim Drehmoment: 79 Newtonmeter bei 7850 Umdrehungen lassen vermuten, dass die Tiger 800 im Vergleich zur V-Strom 1000 wie ein drehzahlgieriger Supersportler gefahren werden will.

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Der Dreizylinder-Motor der Triumph Tiger 800 XC hat einen herrlichen Sound

Allerdings setzt das seltene Dreizylinder-Konzept auch schon recht früh Kräfte frei und dank der coolen Soundkulisse stört es auch gar nicht so sehr, die Triumph etwas höher zu drehen. Da liegt dann auch der Vorteil der Tiger 800, wenn es um sportliches Talent geht - wo die Engländerin so richtig aufdreht, geht der Japanerin bereits wieder die Luft aus. Im nächsthöheren Gang pfeffert dafür wieder die Suzuki heftig voran, während die Triumph erst wieder auf Touren kommen muss.

Gelände oder Straße? Beides!

Die Aufgaben sind damit bestens verteilt, die Suzuki V-Strom 1000 das Universaltalent für weitere Touren, die Triumph TIger 800 XC Special Edition für sportlichere Ansprüche und eventuelle Ausfüge ins Gelände. Zwar stellt sich die Suzuki auf Schotter und Waldwegen auch sehr geschickt an, allerdings hat die Triumph drei Vorteile, wenn es etwas selektiver wird: Sie wiegt 13 Kilo weniger, hat längere Federwege (220 Millimeter statt 160 bei der Suzuki) und mit den Metzeler Karoo 3, die wir ihr aufgezogen haben, viel offroad-tauglichere Reifen. Das reicht schon, um den Tiger viel einfacher durch das Unterholz zu fahren, abgesehen von den ausladenden Koffern, die ich meiner Dauertest-V-Strom 1000 aufgeschnallt habe.

Große Unterschiede bei den Bremsanlagen

Durch ihre besseren Gelände-Eigenschaften hat die Tiger 800 XC aber auch einen gewichtigen Nachteil gegenüber der V-Strom 1000: die Zweikolben-Bremsanlage agiert sehr sanft und unaufgeregt - auf Schotter und rutschigem Untergrund zwar wünschenswert, auf der Straße aber fast schon zu lasch und mit ordentlichem Zupacken verbunden. Da kann die V-Strom im Vergleich voll punkten, ihre radial montierten Monobloc-Vierkolbenzangen beißen heftig zu, lassen sich aber dennoch ausgezeichnet dosieren. Dafür brachte sie mich auf losem Untergrund mehr ins Schwitzen, vor allem, weil das ABS nicht deaktivierbar ist - bei der Triumph kann man es ganz einfach abschalten.

Sportliche Ausbrüche sind kein Problem

Zurück auf der Straße sind die schwächere Bremsanlage und die kippeligen Reifen eigentlich die einzigen Makel, mit der die sonst so sportlich weiße Weste der Triumph Tiger 800 XC Special Edition ein wenig angepatzt wird. Denn auch die Sitzposition ist durchaus gelungen, durch die gemütlich aufrechte Haltung zwar nicht unbedingt sportlich, mit dem breiten Lenker und dem einfachen Handling der 800er-Tiger aber sehr aktiv und spaßig zu fahren. Bei der V-Strom sitzt man viel tiefer in der Maschine drinnen, hat dadurch einen besseren Windschutz und fühlt sich somit auf weiteren Strecken besser aufgehoben. Mit sportlichen Ausbrüchen kommt auch sie dank der ausgezeichneten Bremse und des erstaunlich gut abgestimmten Fahrwerks ohne Probleme zurecht, der herrlich bollernde Motor macht aber im unteren Drehzahlbereich viel mehr Spaß als oben heraus - und animiert damit eher zu erhabener Fahrweise als krampfhafter Sportlichkeit.

Fazit: Suzuki V-Strom 1000

Im Großenduro-Segment belegt die Suzuki V-Strom 1000 die Position des günstigen Angebots, bei dem man dennoch auf nichts verzichten muss - sogar eine Traktionskontrolle und ABS sind serienmäßig mit dabei. Ausgezeichnete Bremsen, toller Komfort und ein herrlich antrittsstarker V-Zweizylindermotor sind Zutaten, die fast jedem schmecken dürften. Dass sie mit 100 PS nicht in der Oberliga mitspielt, wird durch die herrliche Kraftentfaltung wettgemacht, die auf weiten Reisen für ein entspanntes Klima sorgt. Lediglich der Windschutz ist mit der originalen Scheibe nicht optimal, da sollte man in den erschwinglichen, etwas größeren Windschutz investieren.


  • durchzugsstarker Motor
  • Traktionskontrolle serienmäßig
  • sehr gute Bremsen
  • straffes und gleichzeitig komfortables Fahrwerk
  • hohe Reisetauglichkeit
  • komplette Armaturen
  • Windschutz sorgt für Verwirbelungen am Kopf
  • dem Motor geht im oberen Drehzahlbereich die Puste aus
  • verwechselbare Optik

Fazit: Triumph Tiger 800 XC Special

Die Tiger 800 XC macht bereits in ihrem Namen darauf aufmerksam: Die großen sowie schmalen Reifen, die langen Federwege und die aufrechte Sitzposition erlauben durchaus Ausflüge ins Gelände. Zusätzlich ist die 800 XC äußerst handlich und macht damit auch im engen Kurvengewirr sehr viel Spaß. Die Leistung von 95 PS reicht dafür locker aus, die typischen Charakteristika wie der dumpfe Sound und die kräftige Drehmomentmitte sind auch so sehr gut spürbar. Die Bremsen sind für Schotter und Gelände angenehm sanft abgestimmt, wirken auf der Straße dadurch aber auch etwas zahnlos.


  • Kantig, zeitlose Optik
  • toller Dreizylinder-Motor
  • cooler Sound
  • gemütliche Sitzposition
  • dank langer Federwege geländetauglich
  • komfortables Fahrwerk
  • Schmale Reifen bieten weniger Grip am Asphalt
  • schwache Bremsleistung

Bericht vom 23.10.2014 | 34.200 Aufrufe

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