Z800 Rennstrecke

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Ausflug mit der Z800 auf den Red Bull Ring. Kein Abflug, ein Überflug. Ganz große Leistung!
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Kawasaki Z800 auf der Rennstrecke

Der Tag, an dem wir erkannten, dass die Z800 noch weitaus mehr kann, als wir dachten.
 
Ich möchte diesem Bericht nochmals vorausschicken, dass es sich hier um einen waschechten Skandal handelt! Der erst kürzlich und nur durch einen glücklichen Zufall zu 1000PS gestoßene Ch. Kuk, seines Zeichens Fotograf, Kameramann und Schnittmeister in Personalunion, greift sich in seiner ersten Saison den grünen Dauertester Kawasaki Z800 in schwarz. Wäre dies nicht schon Grund genug, das rote Ameisenvolk gegen ihn aufzubringen, handelt es sich bei der Z800 heuer praktisch um den einzig echten Dauertester der 1000PS Internet GmbH. Das macht den Mann für mich zur persona non grata und jede mir übertragene mit diesem Motorrad verbundene Pflicht zum absoluten No-Go.
 

Und trotzdem habe ich sie auch diesmal mit der für einen Milizsoldaten charakteristischen Treue und Sorgfalt erfüllt. Aus Angst..äh..Respekt vor dem Chef. Die Aufgabe bestand darin, die Z800 im Laufe der 1000PS Bridgestone Gripparty über den Red Bull Ring in Spielberg zu scheuchen sowie Bericht und Video darüber abzuliefern. Leider halbierte der Wettergott durch einen Temperatursturz und Wassereinbruch die uns zur Verfügung stehende Zeit auf Tag 2 der Veranstaltung und machte den Zeitplan recht eng.

Widerwillig auf die Z800.

Als am frühen Nachmittag Körper und Geist schon auf den speziellen Kurs eingestellt waren und eine klare, harmonische Linie verfolgten, stieg ich – und da bin ich beinhart ehrlich – widerwillig auf die Z800. Wenn man sein Hobby als Beruf ausüben darf, werden Privilegien mitunter zur Belastung. Der Hauptgrund aber liegt in der Tatsache, dass ich auf der Rennstrecke am liebsten und fast ausschließlich mit Supersportlern der 600 Kubik-Klasse fahre. Niedriges Gewicht, höchste Präzision, spätes Anbremsen, hohe Kurven(eingangs)geschwindigkeiten und geringe Highsidergefahr sind die wichtigsten Kriterien, die das Fahrzeug meiner Wahl erfüllen muss.

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Oben: Die Z800 in der Startaufstellung vor der Kawasaki Box am Red Bull Ring. Testmotorrad auf Zeit neben der ZX-6R und der ZX-10R mit semiaktivem Fahrwerk. Unten: Der (natürlich nicht geputzte) Remus Okami Topf verleiht der Kawa einen sensationell satten Sound.

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Bildergalerie Kawasaki Z800 am Ring

Die hohe Zeit des Nakedbike-Racings ist auch vorbei, zumindest in Österreich. Während sich Serien wie der Street Triple Cup oder der Duke Battle in Deutschland seit Jahren großer Beliebtheit erfreuen, ist die nackte Klasse in Österreich fast ausgestorben. Die Nakedbikes sind auf die Straßen zurückgekehrt, wo sie auch eher zu Hause sind und breiten sich dort weiter aus. Kawa selbst führt mit der Z800 die Erfolgsgeschichte der Z750 fort. Im Gegensatz zu manch anderer Marke haben die Grünen schon früh erkannt, dass für Nakedbike-Kunden „mehr“ mehr ist. Mehr Design, mehr Hubraum, mehr Leistung.

Z: Mehr ist mehr.

Deshalb fährt die Z800 auch mit 806 Kubik und 113 PS ins Gericht und spuckt so manchem Mitbewerber kräftig in die Suppe. „Ich will auch sowas!“ haben wir damals im Sandkasten anklagend geschrien, weil der Bagger vom Franzi größer, härter und – in unserer Phantasie – stärker war als unser Plastikkübel. Daran hat sich nichts geändert, nur, dass wir in Ermangelung eines Führerscheins der Klasse G auf Motorräder umgestiegen sind.

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Etwas steif seit der Kawa Verschrottung.

Auf der Straße jedenfalls macht das alles Sinn. Die auffällige, grobschlächtige Optik, das satte Drehmoment von 83 Nm für einen souveränen Antritt, die entspannte Geometrie und ein paar Kilo Mehrgewicht, die einen aber nicht stören, im Gegenteil. Wäre die Z rank und schlank wie eine Gerte, würde man sich verletzlich oder gar gebrechlich fühlen. Nach Montage eines Remus Okami Endtopfs bleibt auch keinem Ohr mehr verborgen, dass hier der Boss kommt. Doch es kamen schon andere mit dicken Ärmeln daher und sind dann auf der Rennstrecke in die Knie gegangen. Angesichts der motor- und fahrtechnischen Ausstattung der Z mit oben erwähnter Leistung, zwei 310 mm Doppelscheiben und 4-Kolben-Bremssätteln vorne und einem in Zugstufendämpfung und Federvorspannung einstellbaren Fahrwerk war das zwar nicht zu erwarten, man sollte seine Erwartungen aber nie zu hoch ansetzen. Und das tat ich auch nicht.

Nachdem ich in meiner Sturm und Drang Zeit vergangenen November die erste in Österreich verfügbare ZX-6R 636 in Sekunden am Pannoniaring verschrottet habe, begleitet mich ein seltsames Gefühl des Unwohlseins, wenn ich mich in den Sattel einer Kawasaki schwinge. Mit leicht verkrampfter Hinteröffnung und der Souveränität eines Fahranfängers versuche ich dann, die Testfahrt zwischen unpeinlich und unversehrt durchzubringen, was mir heuer zum Glück zu 100% gelang. Am Ring kann leider immer was sein, weil man in den seltensten Fällen alleine ist (außer im November am Pannoniaring) und daher hieß es auch diesmal „Sicherheit geht vor“. Am Anfang zumindest. Denn es dauerte nicht lange, bis ich das wahre Potenzial der Z800 erkannte, die auf der Straße von uns und im Speziellen vom Videomann völlig unterfordert sein musste.


Stabil und souverän unter Dauerbelastung.

Die 113 PS schieben die Z am Red Bull Ring vier Mal locker über die 200er Marke, wobei ich bescheiden anmerken möchte, dass es den einen oder anderen schnelleren Fahrer da draußen gibt, der noch etwas mehr aus dem Vierzylinder holt. Wenn man das erste Eck flott durchzischt, bleibt man selbst die Schönberggerade hinauf in Reichweite zögerlich bedienter Tausender und holt sich rechtzeitig vor der 90° Rechts in der Bremszone die Führung zurück, denn die kräftigen Bremsen lassen einen späten Ankerwurf zu. Zur Gösser-Kurve hinunter läuft das nicht anders. Vor der abfallenden Rechtskurve reinstellen und der Rest des Kurses gehört dir. Bis zur Niki Lauda Links holt dich keiner ein wenn du auf der Ideallinie bist und die folgende Gerade bis zur Power Horse Kurve ist zu kurz, um vorbeizufeuern. Beim Anbremsen wird man regelrecht in die Kurve gepresst und erreicht im Radius eine extreme Schräglage. Die Kawa blieb an diesen heiklen Stellen so stabil, dass ich den Techniker nachher fragen musste, ob das Fahrwerk extra abgestimmt wurde. Dann wird sofort der Rechtknick anvisiert und mit Vollgas auf die letzte lange Gerade rausbeschleunigt. Hier verlangt das Gewicht der Kawa beim Umlegen etwas Nachdruck.

Die letzten zwei 90° Kurven vor der Start-Ziel habe ich ehrlich gesagt bis zum Schluss nicht ganz verstanden resp. konnte ich die Linie nicht so setzen, wie ich es wollte, weshalb viele schnelle Korrekturen nötig waren. Fahrtechnisch schlampert und alles andere als ideal, aber selbst hier konnte ich mit der Kawa momentan und präzise korrigieren. Die Dunlop D214 gaben mir über 10 Runden immer deutliches Feedback und super Grip. Gestört hat mich lediglich die etwas eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Meine Beine konnte ich nicht so verbiegen, wie ich das gerne habe. Wenn was im Weg ist, z.B. der verbaute Tank oder die Schutzplatte an einer Fußraste, irritiert mich das und ich muss Körperhaltung und Bewegungsabläufe anpassen.

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Insgesamt lieferte die Z800 eine sensationelle Performance. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass an dem Fahrzeug bis auf den Remus Endtopf nichts verändert oder optimiert wurde, verneigen wir uns voller Respekt vor unserem Dauertester, dem wir das schändlicherweise nicht zugetraut hätten. Wie werden ihn bald schmerzlich vermissen.

Links / Was bisher geschah:


 

Text: kot
Fotos:
C. Kukla

Bericht vom 04.09.2013 | 24.334 Aufrufe

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