BMW F 700 GS & F800 GS

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Die beiden beliebten BMW-Enduros bekommen eine Frischzellenkur.
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BMW F 700 GS vs. F 800 GS

BMW erneuert seine Reihen-Zweizylinder-Enduros während die F 800 GS vorrangig optische Retuschen spendiert bekommt, folgt auf die BMW F 650 GS nach der Überarbeitung eine neue F 700 GS mit mehr Power und Performance. Wer braucht da noch die F 800 GS?

   

Die F 700 GS wird erwachsen
Selten, aber doch gehen Modellerneuerungen bei Motorrädern in die Hose. Da wird ein unglaublicher Heckmeck um die, bis zur letzten Schraube völlig neu konstruierte Nachfolgerin betrieben, mit dem Resultat, dass ich mich frage, wo denn überhaupt diese Neuerungen sind, so ähnlich sieht sie ihrer Vorgängerin! BMW geht da lieber den anderen Weg, mit relativ kleinen aber dafür umso effektiveren Neuerungen an der Optik der beiden bayrischen Reihen-Zweizylinder-Enduros sehen diese gleich wieder ganz frisch aus und noch wichtiger für BMW die Kleinere wirkt nun endlich erwachsen.

Der Wolf im Schafspelz
Interessanterweise reicht schon ein frischer Entenschnabel an der Front sowie neu gezeichnete Seitenverkleidungen, um das neue Modell von der Vorgängerin F 650 GS mit seiner fast schon spielzeughaften Optik abzugrenzen. Damit diese Änderungen nun auch gleich beim Namen erkennbar sind, wurde die F 650 GS kurzerhand in F 700 GS umgetauft. Wird beim neuen Modell also auch gleich der Hubraum erweitert? Nix da, die Modellbezeichnung ist ohnehin eine Tiefstapelei, denn auch die F 700 GS hat nach wie vor 798 Kubik Hubraum gleich viel wie die große Schwester F 800 GS. Das mag auf den ersten Blick verwundern und sogar unlogisch anmuten wieso nennt man eine potente 800er-Maschine nur 650er oder 700er? In Wahrheit ist es aber ein sehr kluger Schachzug, die kleine F-GS soll niemanden erschrecken oder überfordern, eben gleichsam Einsteiger als auch erfahrene Motorradfahrer ansprechen.

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BMW F 700 GS
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BMW F 800 GS

Kleine Änderungen mit großer Wirkung
Und da ist es schon gut, dass nun wenigstens die Bezeichnung ein wenig nach oben rückt, die Performance der kleinen F 700 GS tut es nämlich ordentlich. Die Leistung wuchs zwar nur um vier bescheidene Pferde auf 75 PS bei 7300 Touren und das Drehmoment um noch weniger spektakuläre zwei Newtonmeter auf 77 Newtonmeter bei 5500 Umdrehungen, allerdings fühlen sich diese Kleinigkeiten im wahren Leben viel mehr an, als sie am Papier vermuten ließen. Die F 700 GS zieht nun bereits von weit unten hoch, packt im mittleren Drehzahlbereich noch mehr den Hammer aus und dreht dann noch kräftiger aus. Allerdings kommt dieser Spurtstärke auch die etwas kürzere Übersetzung zugute, die der Spritzigkeit des Triebwerks gewaltig hilft.

Die F 800 ist nach wie vor der Platzhirsch
Die F 800 GS kann zwar motorisch mit keinerlei Neuerung aufwarten, das muss sie im Vergleich zur F 700 GS aber auch gar nicht, denn nach wie vor haut sie die kleine Schwester wie Bud Spencer seine Gegner in die Pfanne. In Zahlen sind es 85 PS bei 7500 Touren und 83 Newtonmeter Drehmoment bei 5750 Umdrehungen. Auf der Straße ist es einfach das Quäntchen mehr Schmalz in allen Lebenslagen, das der F 800 GS den noch souveräneren Auftritt und die besseren Fahrleistungen erlaubt. Die kleine F-GS hat den Abstand zwar verringert, eingeholt hat sie ihre große Schwester allerdings nicht.

 
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Offroad-Look für die F 800
Damit sich die beiden auch optisch nicht in die Quere kommen, wurde die F 800 GS noch mehr auf Offroad getrimmt und sieht nun wirklich so aus, als könnte ich direkt von Wiener Neustadt aus die entlegensten Rallyepisten dieser Welt in Angriff nehmen. Allerdings animiert mich schon alleine die eigenwillige Farbe namens Kalamata Metallic Matt dazu, was natürlich weit besser klingt als mein Military-Khaki-Beige-Braun-Grün. Aber egal, wie ich es nenne, es passt hervorragend zum martialischen Auftritt der F 800 GS, die eben auch weiterhin die Rolle der geländegängigeren Schwester übernimmt. Dafür bleibt es auch beim schmalen und großen Drahtspeichen-Vorderrad in der Dimension 90/90-21, hinten pflügt ebenfalls unverändert ein Reifen der Dimension 150/70-17 durchs Gelände.

Upgrades und Neuerungen an der F 700
Auch bei der Bereifung ist offenbar die kleinere F 700 GS für die Neuheiten zuständig, statt des 130er-Hinterreifens wird nun ein etwas breiterer im Format 140/80-17 montiert. Vorne bleibt es beim 19-Zöller, allerdings findet sich am Aluguss-Vorderrad nun ein weiteres, sehr wichtiges Novum: So wie die große Schwester besitzt nun auch die kleine F-GS eine Doppelscheiben-Bremsanlage mit zwei 300-Millimeter-Bremsscheiben samt Doppelkolbenzangen die Vorgängerin musste noch mit einer Einzelscheibe auskommen. Damit ist sie in dieser Disziplin ihrer größeren Schwester ebenbürtig und verzögert nun noch souveräner als die Vorgängerin es ohnehin schon getan hat. Auch das, nun serienmäßige ABS werkt nun noch sensibler und stört nicht durch undurchschaubare Regelintervalle.

Ausgewogenes Fahrwerk bei beiden Bikes
Beim Fahrwerk kann dafür wieder die F 800 GS mit ihrer 43-Millimeter starken Upside-Down-Gabel auftrumpfen, während die F 700 GS nur eine konventionelle Teleskopgabel mit 41 Millimeter Durchmesser besitzt. Auf der Straße macht das allerdings nicht viel aus, die Federwege der F 700 GS reichen mit 180 Millimetern vorne und 170 Millimetern hinten voll und ganz aus, um ausgewogen und sensibel selbst grobe Stöße heraus zu filtern. Sogar für eine sportliche Fahrweise bieten die Federelemente ausreichend Reserven. Zusätzlich finden, ganz dem Einsteiger-Gedanken entsprechend, auch kleinere Piloten dank der niedrigeren Sitzhöhe von 820 Millimetern guten Bodenkontakt mit den Füßen. Bei der F 800 GS ist das schon etwas anders, 880 Millimeter erlauben so manchem Fahrer nur noch den Kontakt mit den Zehenspitzen, allerdings kommen die Federwege von 230 Millimetern vorne und 215 Millimetern hinten wieder sehr dem Abenteuer abseits der befestigten Wege entgegen.

 
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Breiter Lenk und bequeme Sitzposition
Die Sitzposition selbst ist auf beiden F-GS-Modellen sehr bequem, man thront gemütlich aufrecht vor den breiten Lenkern, wobei jener der F 800 GS nochmals um einige Zentimeter breiter ist, als jener der F 700 GS. Bei höheren Geschwindigkeiten merkt man dann allerdings schon einen gewaltigen Unterschied: Das Windschild der F 800 GS erfüllt seinen Zweck tadellos, während die kleine Scheibe der F 700 GS zwar gut zum coolen Charakter der Maschine passt, ab 150 km/h allerdings nicht mehr so gut zur ansonsten so guten Reisetauglichkeit der kleinen F-GS.

Tankanzeige und Armaturen
Bei den Armaturen gleichen sich die beiden aber wieder bis auf den kleinsten Zeiger, die Skalen der analogen Instrumente für Geschwindigkeit und Drehzahl wurden zwecks besserer Ablesbarkeit neu gezeichnet, das wichtigere, nun serienmäßige Gimmick findet sich allerdings im Infodisplay: Ab sofort darf man serienmäßig auf eine sehr genaue Tankuhr vertrauen. Auf den ersten Blick mag es etwas geizig wirken, dass auf eine volle Anzeige verzichtet wird, der Spritstand wird erst ab der Hälfte angezeigt. Allerdings ist es davor doch ziemlich egal, wie viel Sprudel man geladen hat, interessant wird es ohnehin frühestens ab der Hälfte.

Umfangreiche Ausstattungspackete für beide Bikes
Dass sich die F 700 GS insgesamt stärker an ihrer großen Schwester orientiert, merkt man nicht nur an der höheren Leistung oder der besseren Bremsanlage sondern auch an der umfangreicheren Aufpreisliste, die nun für beide Modelle die gleichen Extras erlaubt. Damit sind für die kleine F 700 GS alle Schmankerln möglich, wie etwa die elektronische Fahrwerksanpassung ESA (Electronic Suspension Adjustment), die in drei Stufen (Sport, Normal und Komfort) ganz einfach vom Lenker aus verstellt werden kann, oder die Antischlupfregelung ASC (Automatic Stability Control). Damit fährt die F 700 GS ziemlich knapp an die F 800 GS heran, kann ihr bei den Fahrleistungen zwar nicht das Wasser reichen, dafür in Sachen Bremsperformance, Optik und Ausstattung. Wer also nur auf der Straße fährt, keine langen Etappen vor hat und das Design der F 700 GS mag, darf durchaus zuschlagen, die F 800 GS würde ihn zwar mehr kosten aber nicht mehr bringen. Wer allerdings den Spaß auf Schotterstraßen nicht missen möchte, längere Touren fahren will und ganz besonders auf eine unverwässerte Offroad-Optik steht, wird gewiss mehr Freude an der F 800 GS haben.

 
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Text: vauli
Fotos:
1000ps

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Bericht vom 08.11.2012 | 91.199 Aufrufe

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