KTM 690 Duke R

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70 PS aus einem Zylinder! Die Duke R hält, was sie verspricht. Test in den Seealpen.

KTM 690 Duke R

NastyNils fuhr die neue Duke R in den Seealpen oberhalb von Nizza. Es braucht nicht viel fürs vollkommene Glück - 70 PS reichen, wenn sie mit 148 kg serviert werden.


Unmöglich? Hubraum macht es möglich!


Es ist manchmal verdammt hart immer nur das Beste zu wollen. Hart und teuer. In der IT-Branche zum Beispiel kann man viel sparen, wenn man eben nicht das Notebook mit der neuesten CPU samt höchster Taktfrequenz wählt, sondern sich mit der Nummer 2 zufrieden gibt. Nur geringfügig schlechter, aber deutlich billiger - aber eben die Nummer 2. Ähnlich geht es Motorradfreaks mit den "R", "RR", "Sport" und "Racing" Versionen ihrer Lieblingseisen. KTM wählt für die Sahnehäubchen-Version immer das Kürzel "R" und heuer war die Duke 690 mit dem Upgrade an der Reihe.

"Unmöglich dieses Motorrad noch besser zu machen", war die landläufige Meinung zu diesem Modell. Während man in der IT-Branche die Taktfrequenz nur nach intensiven Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen erhöhen kann, ist es relativ einfach ein Motorrad deutlich aufzuwerten. Hubraum! Warum mit 654 Kubikzentimetern Hubraum begnügen, wenn schon die Namensgebung auf volle 690 hinweist? Die Duke R ist mit eben diesen 690 Kubikzentimetern gesegnet.

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Sonderprüfung in Nizza


Ein paar Powerpoint-Folien, Witze und Instruktion später saßen wir auch schon auf den elegant und sportlich zugleich wirkenden R-Dukes. Der Weg aus Nizza hinaus in die Berge war hektisch. Ampeln, Stau und rücksichtslose Autofahrer machten die Fahrt zur Sonderprüfung. Doch auf der ultraquirligen Duke R wird so ein Städtetrip zum Adrenalinkick. Der breite Lenker erfordert zwar gefühlvolles Drängeln, ermöglicht aber wieselflinke Kurskorrekturen. Der Motor ist für dieses Revier perfekt gerüstet - kräftig aber keinesfalls ruppig, wirkt der riesige Einzylinder.

Endlich die ersten richtigen Kurven. Joachim Sauer, Endurolegende bei KTM und nun derjenige der uns Journalisten die technischen Details an neuen Motorrädern in einfach zu verstehende Phrasen übersetzt, hat für hohe Erwartungen gesorgt. "Die Gabel wurde deutlich aufgewertet. Die Abstimmung wurde straffer und über die Chrombeschichtung wurde eine hochwertige und teure Titan-Alu-Nitrit Beschichtung gelegt. In der Praxis ist der Unterschied deutlich zu spüren. Ist man auf der letzten Rille unterwegs, kann die noch feinfühligere Gabel für ein Quentchen mehr an Bodenhaftung und Grip sorgen."


Letzte Rille auf blankem Eis?


Lezte Rille ist heute leider nicht möglich. Es ist recht kalt hier oben in den Bergen und in den schattigen Kurven verzieren einzelne Eisplatten den kühlen Asphalt. Wir wissen also nicht wie sich die Duke R bei höchster Schräglage verhält, wissen aber genau, dass sie pfeilschnell jede gewünschte Linie einschlagen oder korrigieren kann. Muss auch so sein, den das Gesamtkonzept liest sich wie eine Wunschliste ans "Dreambike-Christkind". Niedriges Gewicht, Fahrwerkskomponenten von höchster Güte, auf Handlichkeit getrimmte Geometrie und ein spritziger, sauber abgestimmter Motor können nur zu einer irren Fahrspaßmaschine führen.

Wir versuchten uns auf die weiteren Feinheiten der Duke R zu konzentrieren. Der größere Motor hat über das ganze Drehzahlband schlicht und ergreifend 4-7 PS mehr an Leistung. In einer Gruppe Dukes ist es eben der R-Pilot, der auf den Verbindungsgeraden ein paar Meter gut macht. Spürbare Nachteile bringt die Hubraumerweiterung nicht mit sich. Der vergrößerte Hub sorgt überraschenderweise nicht für stärkere Vibrationen und auch das Ansprechverhalten hat sich nicht verschlechtert. Der leichtere Carbon-Kotflügel sorgt für geringere ungefederte Massen. Wesentlich wichtiger: Er sorgt gemeinsam mit der schärferen Optik der Plastics und dem orangen Rahmen auch für mehr ungefederten Neid der Kollegen.


R-Revier, die Serpentinen


Die nicht zu engen Serpentinen waren dann überhaupt der ärgste Freudenspender. Die Kurven wurden ausgesprochen spät angebremst. Die sauber abgestimmte Anti-Hopping-Kupplung lässt auch Supermoto-Antitalenten den einen oder anderen Bremsdrift gelingen. Herrlich wenn sowas gelingt und mindestens genauso herrlich dem Vordermann dabei zuzusehen. Auch wenn man den Vorderanker noch recht kräftig gezogen hat, lenkt die Duke R mit Leichtigkeit und Zielstrebigkeit ein. Es ist nicht nötig lange in Schräglage zu fahren, man schlägt einen kurzen Haken und lässt dann die 70 PS vom KTM-Einzylinder von der Leine. Im 1er und 2er wird dann zumindest die halbe Gerade bis zur nächsten Kurve gewheelt und dann beginnt das Spiel von Neuem. Es gibt bestimmt viele Motorradfahrer die mit anderem Fahrerlebnissen ihr Glück suchen und finden, ewig junge bzw. ewig pubertierende werden aber keinesfalls gefahrlos am KTM-Schauraum vorbeikommen.

Die 690er Duke schaffte es auch schon in der normalen Variante vor der Probefahrt zu überzeugen. Denn Sie war und ist in der R-Variante noch viel deutlicher der einzige Einzylinder den man auf Augenhöhe neben Superbikes oder edlen Italienern parken kann. Nach der optischen Begutachtung im Schauraum kommt dann der kritische Punkt für den Duke R Interessenten. Beginnt er den Rechenstift auszupacken und nachzudenken, kommt er gefahrlos aus dem Schauraum und wird ohne Donnerwetter daheim empfangen. Wählt er jedoch die Option Probefahrt, hat das Konto schon verloren.

KTM 690 Duke R - Video


"R" - Der Unterschied zur Duke


  • Volle 690 Kubikzentimeter Hubraum durch 4,5 mm mehr Hub. Die Bohrung bleibt gleich, die "R" hat jedoch trotzdem einen anderen Kolben als die normale Duke

  • 70 gnadenlose Einzylinderpferde. Der stärkste und größte Serieneintopf am Markt!

  • härtere Gabelabstimmung

  • Gabelrohre sind TiAlN-beschichtet. Laut KTM sorgt das für noch sensibleres Ansprechverhalten

  • Carbonkotflügel

  • R-Lackierung und oranger Rahmen

NastyNils: "Insgesamt ist natürlich auch die normale Duke ein ganz tolles Motorrad, keine Frage! Die optischen Details der R sind nett, würden mich aber offen gesagt nicht sofort zum Händler locken. Die 70 PS sind aber dann doch ein "Must-Have" für echte Einzylinderfreaks. Klar gibt es auch viele tolle Naked-Bikes mit zwei Zylindern am Markt. Auch mit toller Ausstattung und scharfer Optik. Aber ein Zweizylinder ist kein Einzylinder und ein Vierzylinder ist das schon gar nicht."

Die Duke R kippt willig in die Kurven und wheelt dann weiter auf die Gerade. Tagestouren um die 250 - 300 km sind genau ihr Revier. Topseed: 200 km/h!

KTM 690 Duke R - technische Daten

Motorbauart Einzylinder, 4-Takt
Hubraum 690 ccm
Bohrung x Hub 102/84,5 mm
Leistung (homologiert) 51,5 kW (70 PS) /7500 rpm
Max. Drehmoment 70 Nm/5500 U/min
Kompression 12,5:1
Starter/Batterie E-Starter / 12 V 8,6 Ah
Getriebe 6 Gänge, klauengeschaltet
Gemischaufbereitung Keihin EFI mit EPT (Electr. Power Throttle)
Steuerung 4 V / OHC mit Rollenkipphebeln
Schmierung Druckumlaufschmierung mit 2 Ölpumpen
Motorschmierung Motorex, vollsynthetisch, SAE 10W-60
Primärtrieb 36:79
Sekundärtrieb 0,6944
Kühlung Flüssigkeitskühlung
Kupplung APTC Antihopping Kupplung, hydraulisch betätigt
Motor Management Keihin EMS
Rahmen Chrom Molybdän Gitterrohrrahmen, pulverbeschichtet
Rahmenheck Aluminium 7020
Lenker Aluminium, Ø 28/22 mm
Federung vorne WP USD Ø 48 mm
Federung hinten WP mono shock mit Pro-Lever Umlenker
Federweg vorne/hinten 140 / 140 mm
Bremse vorne Brembo Vierkolben-Radialfestsattel, Bremsscheibe Ø 320 mm
Bremse hinten Brembo Einkolben-Schwimmsattel, Bremsscheibe Ø 240 mm
Felgen, vorne/hinten Alugussräder 3,5 x 17"; 5 x 17"
Bereifung vorne/hinten 120/70 R 17"; 160/60 R 17"
Kette X-Ring Kette 5/8 x 1/4"
Batterie 12 V / 8,6 Ah
Enddämpfer Edelstahl-Unterflur-Schalldämpfer mit geregeltem Katalysator
Steuerkopfwinkel 63,5°
Nachlauf 115 mm
Radstand 1472 ± 15 mm
Bodenfreiheit unbelastet 155 mm
Sitzhöhe 865 mm
Tankinhalt ca. 13,5 Liter / 2,5 Liter Reserve
Gewicht (ohne Benzin) ca. 148 kg

Bericht vom 03.12.2009 | 118.014 Aufrufe

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