Motorrad Reise ins Wüsten-Paradies Oman

Ab in die Märchen-Welt des Morgenlandes

Es war einmal... So fangen alle Märchen an, auch die aus 1001 Nacht. Es sind die Geschichten von Sindbad dem Seefahrer, der vom Oman aus die Welt erkundete. Oder die von den Heiligen Drei Königen, die über die Weihrauchstraße gen Jerusalem zogen. Geheimnisvoll und exotisch ist das Land auf der Arabischen Halbinsel bis heute geblieben. Und zwei Räder sind ideal, um es zu erkunden.

Text & Fotos: Norbert Meiszies/RKM

Trotzdem will ich Euch keine Märchen erzählen von einem Land wie es einmal war. Von einem Seefahrer, der sich von Affen sein Schiff klauen lässt und Königen, die scheinbar vom Weihrauch bekifft einem Stern hinterherlaufen. Ich möchte von einer Reise durch ein Land berichten, in dem man sich wie in einem Live-Märchen vorkommt. Von Menschen, die sich zwar als Sindbads Erben verstehen, aber lieber auf dem Highway Gas geben, statt auf Wasserstraßen vor sich hinzuschippern. Und von Nächten in der Wüste unter freiem Sternenhimmel, bei denen man sich gar nicht entscheiden kann, welcher Stern am hellsten strahlt. Fahren wir also los...

Allgemeine Informationen zum Oman

Das Sultanat Oman ist etwa so groß wie Deutschland. Es liegt im Nordosten der Arabischen Halbinsel mit den Vereinigten Arabischen Emiraten im Nordwesten, Saudi-Arabien im Westen und dem Jemen im Süden. Das Land besteht überwiegend aus Wüsten. Touristisch gut erschlossen ist die Dünenlandschaft der Ramalat al Wahiba. Der Norden des Oman wird beherrscht vom Hadschar Gebirge mit bis zu 3.000 Meter hohen Bergen und schluchtenartigen Tälern. Der Süden mit dem Hauptort Salalah wird seit einigen Jahren zu einem Touristenzentrum für Badeurlauber und Taucher ausgebaut. Hier liegt auch das Zentrum der Weihrauchgewinnung aus dem Harz der Weihrauchbäume. Haupteinnahmequellen sind aber weiterhin die Erdöl- und Gasförderung. Das Land wahrt bis heute seine Neutralität. Deshalb nennt man den Oman auch die Schweiz Arabiens. Es gibt Schulpflicht sowie ein kostenloses Gesundheitssystem. Es herrscht Religionsfreiheit und Frauen sind gleichberechtigt. Inzwischen musste an der Universität von Muscat sogar eine Männerquote bei den Studienplätzen eingeführt werden.

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Motorrad fahren und Verleih im Oman

Motorrad-Verleihe sind im Oman rarer gestreut als in vielen Ländern. Bis vor wenigen Jahren gab es noch gar keine Motorrad-Verleiher. Heute findet man aber rund um Muscat eine handvoll Anbieter. Der einzige Harley-Dealer im Oman hat sein Geschäft in Muscat (Bldg. 3221A, Dohat Al-Adab Street, Al-Khuwair, nahe dem Sultan Qaboos Freeway, www.hdmuskat.com). Man kann aber auch auf Vermieter in Dubai (VAE) zurückgreifen, z.B. Prestige Motorcycle Rentals (www.dubaimotorcyclestours.com) oder Road Trip Motorcycle Rental (www.rodtripmr.com). Von Dubai aus ist man in circa fünf Stunden am Golf von Oman. Neben der üblichen Haftpflichtversicherung benötigt man für den Oman eine Zusatzversicherung, die man beim Vermieter oder an der Grenze abschließen muss. Der Grenzübertritt mit den Motorrädern ist problemlos, kann aber Zeit kosten.

Gastfreundschaft wird im Oman groß geschrieben

Die Küstenstraße am Arabischen Meer entlang trägt weder eine Nummer noch einen Namen. Von Sur aus, der legendären Hafenstadt am Ende des Golf von Oman, sind wir auf unseren Harleys in Richtung Süden unterwegs, um dem Küstenverlauf zum östlichsten Punkt der Arabischen Halbinsel zu folgen. Die Landzunge Rash Al Hadd ist vor allem bekannt für die großen Meeresschildkröten, die regelmäßig in der Nacht an Land kommen, um hier am Strand ihre Eier abzulegen. Stetig fahren wir am tiefblauen Meer entlang. Wasser soweit das Auge reicht bis nach Indien. Auf der anderen Seite der asphaltierten Straße sieht es ähnlich endlos aus: nur Steine, Sand, ein paar Felsen und am Horizont die östlichen Ausläufer des Hadschar-Gebirges.

An den Klippen von Al Khabbah kommen wir ins Grübeln, nur eine zerfurchte und mit dicken Steinen durchsetzte Sandpiste führt von der Straße an den Klippenrand. Mit den Harleys wird das kein Vergnügen. Also entscheiden wir uns, den letzten Kilometer lieber zu Fuß zurückzulegen. Ein an der Zufahrt in seinem Pick-up wartender Omani zeigt Erbarmen und bietet sich als Shuttle-Service an. Dankbar nehmen wir das Angebot an. Der gute Mann wartet sogar so lange bis wir unsere Erinnerungsfotos geschossen haben. Danach bringt er uns wieder zurück zu unseren Maschinen. Ein freundliches sukran, das arabische Wort für danke, reicht ihm als Belohnung. Ihm ein Trinkgeld anzubieten, käme einer Beleidigung gleich.

Oman mit dem Motorrad bereisen
Einheimische sind gastfreundlich und große Motorräder ein Publikumsmagnet - Eine gute Mischung um ins Gespräch zu kommen

Derartige Begegnungen mit den Einheimischen haben wir immer wieder. Die Omanis sind ausgesprochen gastfreundlich und hilfsbereit. In einer Werkstatt, die wir wegen eines Umfallers aufsuchen müssen, schraubt der Mechaniker eine gute Stunde lang und wünscht uns danach yaumun saʿīdun, einen schönen Tag, ohne einen Rial, die Währung des Landes, von uns zu verlangen. Er könne ja selbst einmal in Not geraten, dann würden wir ihm auch helfen, erklärt er uns zum Abschied. Allerdings sollen wir noch ein Foto mit ihm und der Harley machen. Unsere Motorräder sind die Attraktion, egal ob vor dem Fünf-Sterne-Hotel oder vor dem einfachen Imbiss an der Straße. Große Motorräder gibt es im Oman nur wenige, sie gehören meistens Ausländern, die im Land arbeiten. Der Harley-Dealer in Muscat, ein Engländer, der schon seit zwanzig Jahren hier lebt, ist der einzige im Oman. Rund 70 Harleys verkauft er jährlich. Weit verbreitet sind dagegen Mopeds und Leichtkrafträder, überwiegend Hondas Cub und die kleine CB125F.

Nach der Begrüßungsformel as-salmu alaikum (guten Tag) und einem alaikum salam als Antwort ist das Eis zwischen Touri und Omani schnell gebrochen. Viele Omanis sprechen etwas Englisch. Nachdem man sich und seine Begleiter vorgestellt hat, fragt man gegenseitig nach dem Wohlbefinden und was in der Welt so los ist. Damit ist der formale Teil der Begrüßung erledigt und man widmet sich schließlich den Selfies mit Motorrad und Familie oder Fahrer, Motorrad und Handy-Besitzer oder in irgendeiner anderen Konstellation. Diese Begrüßungsrituale werfen jeden Zeitplan über den Haufen. Wenn der Gegenüber dann auch noch zu Kaffee und Datteln einlädt, wirds schwierig. Eine Ablehnung käme einem Schwerverbrechen gleich.

Sicherheit im Oman

Bei solch freundlichen Bewohnern ist wenig überraschend auch die Sicherheit sehr hoch. Der Oman gilt als absolut sicheres Land. Kriminalität gibt es so gut wie keine. Wir haben in der Zeit im Land unsere Motorräder nie abgeschlossen oder das Gepäck extra gesichert. Ein islamistischer Fanatismus existiert genauso wenig. Der Islam ist zwar Staatsreligion, aber er erfuhr dank des Sultans eine eigene Ausprägung, die Ibadiyah. Sie gilt in ihren Grundzügen als sehr liberal, demokratisch und friedfertig. Polizei sieht man relativ selten, allerdings gibt es im ganzen Land an den Hauptverkehrsstraßen ab und zu Militärkontrollen.

Das Messer zwischen den Zähnen und Lenkrad in der Hand - Verkehr im Oman

Eilig darf man es im Oman eigentlich nicht haben. Das gilt allerdings nicht im Straßenverkehr. Da werden die ansonsten so gelassenen Einheimischen zu Möchtegern-Rennfahrern mit dem Messer zwischen den Zähnen. Auf den gut ausgebauten, autobahnähnlichen Schnellstraßen herrscht das Recht des PS-Stärkeren. Da flößen selbst unsere Big-Bore-Bikes keinen Respekt mehr ein. Cruisen wir gemütlich vor uns hin, werden wir von hinten zur Seite gehupt, nachdem sich der Omani unser Nummernschild zuvor aus einem Meter Entfernung näher angeschaut hat. Fahren wir mal schneller, wird trotzdem mit vollem Risiko überholt, während uns vom Beifahrersitz und aus dem Fond freundlich zugewinkt wird.

Nizwa Oman
Hier in Nizwa herrscht noch gemäßigtes Treiben auf der Straße

Die Omanis haben offensichtlich Nachholbedarf. Vor 1970, als sich das Land dem Ausland öffnete, gab es ganze sieben (!) Kilometer asphaltierte Straße vor dem Sultanspalast in Muscat (auch Maskat geschrieben), die restlichen Verbindungen bestanden aus staubigen Pisten. Die gibt es im wüstengleichen Landesinneren und im Hadschar-Gebirge immer noch jede Menge, seit damals werden aber alle Verbindungen zwischen größeren Ortschaften asphaltiert was der Teer hergibt mit dem netten Nebeneffekt, dass die Straßen perfekt zum Motorradfahren sind. Das gilt besonders für die herrliche Nebenstraße von Al-Kahburah am Golf von Oman nach Rustaq mitten durch die atemberaubende Gebirgslandschaft der Al Akhdar Berge, die Teil des Hadschar-Gebirges sind. Die Grünen Berge machen hier ihrem Namen keine Ehre. Die kurvenreiche Strecke führt durch tiefe Schluchten aus nacktem Fels und über wüstenartige Plateaus. Nur vereinzelte Oasen mit Dattelpalmen und einige meist ausgetrocknete, wenig Wasser führende Wadis bieten einen erträglichen Lebensraum. So eine Flussdurchfahrt muss natürlich bildlich festgehalten werden. Bis ein Einheimischer meint, wir würden ihn fotografieren und fährt mit seinem Allrad-Jeep gleich mehrfach durchs Motiv. Schließlich reicht er uns auch noch sein Handy. Photo?

Fotos machen im Oman

Nie ohne Erlaubnis Personen, besonders Frauen ablichten. Betende sollte man grundsätzlich nicht fotografieren. Männer sind dagegen gerne bereit, sich in Positur zu werfen. Das magische Wort lautet mumkin soorah, darf ich ein Foto machen. Gerne lassen sie sich dann selbst mit dem Touristen ablichten, besonders, wenn auch ein Foto mit deren Handy gemacht für sie herausspringt.

Wetter im Oman

Die beste Reisezeit ist von November bis März. Dann liegen die Temperaturen zwischen angenehmen 25 und 30 Grad. In den Bergen und nachts in der Wüste kann es allerdings recht kühl werden mit Tiefsttemperaturen um den Gefrierpunkt. Am Tag sind es dann wieder deutlich über 20 Grad. In den restlichen Monaten ist es fast unerträglich heiß mit Temperaturen über 40 Grad.

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Durch Omans Lehm-Festungen und auf den Spuren von Sindbad

Grenzgebiet heißt der Name Rustaq übersetzt, der von den Persern abstammt, die hier um das 7. Jahrhundert herum herrschten. Wahrzeichen der ehemaligen Hauptstadt des Landes ist die Festung Qalaat al-Qesra, eine der imposantesten Burganlagen mit vier mächtigen Türmen, mehr als 20 Meter hoch. Von den aus Stein und Lehm erbauten Burgen gibt es im ganzen Land reichlich. Die meisten verfallen und sind nur noch an den Umrissen erkennbar, aber die bedeutendsten Anlagen wurden in den letzten Jahren renoviert. So auch die in Rustaq. Das Gewirr aus Gängen und Kammern, Bibliothek und Moschee bietet sich bestens an, märchenhafte Geschichten zu erzählen.

Burg von Barka Oman
Die mächtigen Türme der Burg von Barka

Das gilt ebenfalls für die Festung von Barka, der ehemals bedeutenden Hafenstadt. Wie Sindbad segelten von Barka aus die Schiffsleute mit ihren Zwei- oder Dreimast-Seglern, den Dhaus, los, um Datteln, Limonen und Weihrauch nach Indien und Ostafrika zu transportieren und Gewürze und Edelhölzer nach Arabien zurück zu bringen. Den Hafen gibt es nicht mehr, nur noch eine kleine Anlegestelle für die lokalen Fischer, die allmorgendlich den frischen Fang aus ihren Holzbooten entladen und auf dem angrenzenden Fisch- und Gemüsemarkt verkaufen. Wir stellen unsere Harleys direkt neben den alten Kanonen vor der Burg ab und wollen die wenigen Meter zur Fischhalle zu Fuß gehen. Doch sogleich werden wir wieder in ein Begrüßungsritual verwickelt. Der gut gelaunte Mann mit der traditionellen Kumma auf dem Kopf, der runden Kappe, und gekleidet mit einem braunen Gewand, dem Dishdasha, möchte sich gerne mit seinem Sohn auf der Harley verewigt sehen. Der Kleine schaut zwar etwas unsicher, aber der Papa ist glücklich.

Die Dhau-Werften von Oman

Wer mehr über Sindbads Erben und deren Schiffe erfahren möchte, muss unbedingt nach Sur. Der Ruf der Dhau-Werften und ihrer Handwerker ist legendär. Seit Jahrhunderten werden die berühmten Segelkähne hier gefertigt. Von den einstmals sieben Werften existiert allerdings nur noch eine, die Dhaus baut. Wir cruisen auf der geschwungenen Hafenpromenade entlang der Lagune von Sur. Die Corniche wird sie genannt, und man kommt sich wirklich vor wie in Nizza an der Promenade des Anglais. Der Blick über die Bucht zum Leuchtturm ist herrlich. In der Lagune dümpeln einige Dhaus beschaulich vor sich hin, so als hätte man sie speziell für das Postkartenmotiv dorthin manövriert. Am Strand spielen Jugendliche Fußball, während wir aufpassen, nicht wieder eine jener bordsteinhohen Bodenwellen zu übersehen, die den Geschwindigkeitsrausch der Omanis eindämmen sollen. Selbst in den kleinsten Käffern gibt es sie, speziell die Promenade von Sur ist gespickt mit den Schwellern.

Dhau Werft von Sur Oman
Die legendäre Dhau-Werft von Sur

Deshalb hätten wir die Werft von Khalid Juma Al Hasoon fast übersehen. Durch ein kleines Eisentor kommt man in die Werkstatt unter freiem Himmel. Wir dürfen uns überall umsehen und über eine Leiter eines der halbfertigen Boote erklimmen. Neben der Dhau liegt das Baumaterial: Elastisches Zedernholz, hartes Teakholz sowie Bretter und Spanten. Drei Zimmerleute stehen davor und beratschlagen, welches Teil aus dem Holzmikado gerade gebraucht wird. Baupläne gibt es keine, nur das Wissen im Kopf, das vom Vater auf den Sohn vererbt wird. Das Holz wird wie zu alten Zeiten von Hand aus bearbeitet, elektrische Hilfsmittel wie eine Bohrmaschine kommen nur selten zum Einsatz. Khalids Vater, ein älterer Herr mit grauem Spitzbart, unterbricht seine Teepause und schließt uns den kleinen Verkaufsraum mit kleinen und großen Schiffs-Modellen auf. Für den erst kürzlich verstorbenen Sultan von Oman fertigte die Werft übrigens originalgetreue Mini-Dhaus an, die der Herrscher auf Auslandsreisen seinen Gastgebern als Staatsgeschenk überreichte. Garmisch-Partenkirchen, wo sich Sultan Qabus ibn Said häufiger aufhielt, besitzt wahrscheinlich auch so ein Geschenk.

Alkohol im Oman

Der Islam verbietet den Genuss von Alkohol. Deshalb gibt es außer in einem in Muscat für Ausländer eingerichteten Laden weder Bier noch Wein einzukaufen auch nicht im Restaurant. Lediglich in einigen großen Hotels in touristischen Zentren wird Alkohol ausgeschenkt. Das gilt übrigens auch für die Vereinigten Arabischen Emirate. Vereinzelt findet man antialkoholisches Bier mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Auch das Mitführen von Alkohol im Auto oder auf dem Motorrad ist untersagt.

Die gefährlichste Straße des Oman

Mit der Omanischen Obrigkeit hatten wir bisher wenig Kontakt. Lediglich einmal beim Grenzübertritt in Hatta von den Vereinigten Arabischen Emiraten in den Oman mussten wir bisher unsere Papiere vorzeigen (siehe Infos). Um allerdings auf das Sayq-Plateau fahren zu dürfen, kommen wir um eine Polizeikontrolle nicht herum. Die gefährlichste Straße des Oman wartet auf uns. Den zweifelhaften Ruf verdankt die ehemalige Militärstraße zahlreichen Unfällen, der eher ans Geradeausfahren gewohnten Omanis. Von Birkat al Mawz, auf der südlichen Seite der Al Akhdar Berge gelegen, überwindet sie einen Höhenunterschied von mehr als 1.500 Metern bis auf 2.300 Meter Höhe. Es lohnt sich, den Straßenverlauf einmal auf Google Maps im Satellitenbild anzuschauen. Wie eine endlose Schlage windet sich die Straße mit unzähligen Kurven und Kehren mal mehr, mal weniger steil über 37,7 km hinauf nach Sayq, dem Hauptort auf dem Plateau. Autos dürfen nur mit Allradantrieb die ehemalige Militärstraße befahren. Für die Harleys haben wir eine Sondergenehmigung gebraucht. Früher mussten Motorradfahrer sogar eine spezielle Fahrprüfung vor den Augen der Kontrolleure ablegen.

Sayq Plateau Oman
Die "gefährliche" Straße hinauf aufs Sayq-Plateau

Vorbei am alten Fort von Birkat al Mawz führt die Straße zunächst durch ein breites Wadi, an dessen Ende wir bereits die erste Steigung erkennen können. Die hat es optisch in sich, fahrerisch stellt sie allerdings kein Problem dar. Die Straße ist breit ausgebaut und teilweise mehrspurig, so dass man auch langsamere Fahrzeuge überholen könnte. Dann kommt die Schranke. Der Kontrollpunkt ist ausgebaut wie eine Grenzstation mit Wachhäuschen und Verwaltungsgebäude, richtig Respekt einflößend. Zur Überraschung spricht einer der Beamten sogar etwas Deutsch. Ich werde ins Wachthäuschen eingeladen, der Vorsteher lädt mich zum Kaffee ein und sein Untergebener rückt mir einen Sessel hin, damit ich beim Verspeisen der gereichten Datteln (sehr lecker) nicht stehen muss. So stelle ich mir das demnächst bei einer Polizeikontrolle hierzulande vor.

Die Fahrt aufs Plateau ist wirklich atemberaubend, wenn auch nicht ganz so extrem wie vorher erzählt wurde, etwa vergleichbar mit der Überquerung des Timmelsjoch. Von unten bis oben sind wir völlig allein unterwegs. Leider gibt es nur wenige Parkplätze, um zwischendurch auch einmal die Aussicht genießen zu können. Die ist ziemlich verbaut, aus Sicherheitsgründen wird die Straße von hohen Rampen gesäumt, so dass man sich besonders bergab wie auf einer riesigen Bobbahn mit überhängenden Kurven vorkommt. Auf dem Plateau angekommen, ist das Panorama noch eindrucksvoller. Aus rund 2.000 Meter Höhe blickt man in eine faszinierende Schlucht, wie am Grand Canyon. Auf der gegenüberliegenden Seite klammern sich die Bergdörfer Al Ayn und Al Aqr wie Adlerhorste an die Felswand. Aufgrund des milden Klimas hier oben wachsen in den terrassenförmig angelegten Gärten zwischen den steinigen Hängen Marillen-, Pfirsich-, Walnuss- und Granatapfelbäume. Sie sorgen für einen smaragdgrünen Teppich, der den Grünen Bergen ihren Namen gegeben haben dürfte.

Sayq Plateau Oman
Das Sayq-Plateau inmitten der grünen Berge

Wadi Bani Khalid - Geisterdorf und schönste Oase des Omans

Wir fahren bis ans Ende der nun nur noch schmalen Straße, wo etwas unterhalb des Plateaus das malerische Bergdorf Wadi Bani Habib liegt. Es ist ein Geisterdorf inmitten eines romantischen Hains mit alten Walnuss- und Obstbäumen, durch den ein spärliches Bächlein fließt. Man kann sich gut vorstellen, dass an diesem schattigen Ort die Scheherazade, die Tochter des Wesirs, dem persischen König Schahrayar die Märchen aus 1001 Nacht vorgelesen hat. Anfang der 1980er-Jahre, als es die Militärstraße noch nicht gab und alle Güter mit dem Esel aus Birkat al Mawz hier hoch geschleppt werden mussten, haben die damals etwa 700 Einwohner ihr Dorf verlassen und auf der anderen Seite des Berges ein neues errichtet.

Wadi Bani Khalid ist normalerweise ebenfalls ein Ort der Ruhe. Doch heute ist Nationalfeiertag im Oman. Da haben alle Omanis vier Tage frei, laden Sack und Pack und Familie in ihren Pick-up, um ans Meer zu fahren oder eines der wasserreichen Wadis zu besuchen. Neben dem Wadi Shab und dem Wadi Tiwi nahe der Küste ist das Wadi Bani Khalid mit mehreren Quellen die bekannteste und schönste Oase des Landes. Das Quellgebiet liegt mitten im Hadschar Gebirge. Die Sackgasse führt über ein teilweise nur einspuriges, verschlungenes Asphaltband aus der ebenen Sandwüste gute 30 Kilometer immer leicht bergauf durch einsame, baumlose Täler mit bis zu 2.000 Meter hohen Bergen ringsum.

Wadi Bani Khalid Oase im Oman
Die Wadi Bani Khalid Oase am omanischen Staatsfeiertag

Dass wir diesmal nicht alleine unterwegs sind, erkennen wir am Ende der Straße, ein Auto parkt neben dem anderen. Mit unseren Harleys sind wir dennoch ganz vorne dabei. Das Herz der Oase bildet ein riesiger, in der Sonne giftgrün leuchtender Teich, dessen Ufer von zahlreichen Palmen gesäumt werden. Wir kommen uns vor wie an einem Strand in der Karibik. Es herrscht reges Treiben rund um den Badeteich und die weiteren, etwas höher gelegenen Pools. Die Ausflügler haben ihren gesamten Hausstand mitgebracht. Auf offenen Feuern köchelt in überdimensionalen Töpfen das Essen, das von den Frauen in ihrer bunten Sonntagskleidung überwacht wird, während die Männer rund um die Kanne mit dem süßlichen Tee palavern. Ein solches Schauspiel lässt uns nur Staunen und fast vergessen, dass wir eigentlich hergekommen sind, um uns im kühlenden Nass etwas zu erfrischen.

Bezahlen, Geld und Währung im Oman

Die Währung im Oman ist der Rial. Ein Euro entspricht etwa zwei Rial. Der Wechselkurs ist an den Dollar gebunden, momentan also ganz gut für uns Europäer. Dennoch ist der Oman ein günstiges Reiseland. So kostet das Benzin etwa 40 Cent pro Liter, in den VAE sogar noch leicht weniger. Kreditkarten werden nicht überall akzeptiert, man sollte an einer der Wechselstuben in den Ortschaften Bares umtauschen.

Essen & Trinken im Oman

Es herrschen strenge Hygiene-Vorschriften, weshalb selbst im letzten Dorf auf dem Lande der Cafe-Besitzer seine Getränke mit Gummihandschuhen serviert. Das Leitungswasser kann man beruhigt als Trinkwasser nutzen. Für eine Hauptspeise in einem der zahlreichen Imbisse und lokalen Restaurants zahlt man ab ein Rial für Speis und Trank. Wir haben z.B. für sechs Personen für leckeres Chicken Masala inkl. Softdrinks lediglich 10 Rial bezahlt. In den Hotels zahlt man für ein Bier etwa vier Euro, ein Menü gibt es ab 15 Euro.

Übernachten unter dem glasklaren Sternenhimmel - Die Sandwüsten vom Oman

Schließlich steht eine Wüstenübernachtung auf dem Plan. Und Wasser soll dort bekanntlich knapp sein. Schon auf dem Weg zum Wadi Bani Khalid hatten wir von der Hauptstraße aus am Horizont die Sanddünen der Ramalat al Wahiba ausgemacht. Neben der weltweit größten Sandwüste, der weiter im Süden des Omans gelegenen Rub al-Khali, ist die mit einer Ausdehnung von 100 mal 200 km auch unter dem Namen Wahiba Sands bekannte Einöde ein eher kleinerer Sandkasten. Für unsere Harleys ist sie groß genug, mit den dicken Bikes kämen wir keine fünf Meter weit in dem feinen Sand. Deshalb fragen wir uns schon die ganze Zeit, wie wir unser mitten zwischen den Dünen gelegenes Camp erreichen sollen. Links und rechts der immer noch asphaltierten Straße dösen ein paar Kamele vor sich. Des dazu passenden Verkehrsschildes hätte es gar nicht bedurft. Dann ist die Straße zu Ende, zum unterhalb der Sandberge errichteten Beduinen-Camp Al Areesh geht es nur noch über eine Piste weiter. Allerdings nicht für die Harleys. No 4WD, wait here and call the number below, lesen wir auf einem Hinweisschild. Aber man hat uns wohl schon erkannt, ein Shuttle ist bereits unterwegs.

Wüstenübernachtung im Oman
Ein klarer Blick auf den Sternenhimmel - Wüstenübernachtung im Oman

Wir haben die Wahl: schlafen wir in der wärmeren Hütte oder richten wir unser Bett draußen im Freien ein. Die Warnung, die Temperaturen würden in der Nacht bis knapp an die fünf Grad fallen, nehmen wir nicht so ernst. Wann hat man schon einmal Gelegenheit, bei wolkenlosem Himmel Sterne ohne störende Lichtquellen zu betrachten. So liegen wir draußen auf der Matratze, wohlig in wärmende Decken gehüllt und versuchen uns als Sternendeuter. Bei der Milchstraße sind wir uns sicher, auch den großen Wagen erkennen wir und die Sternschnuppe, die über uns hinwegrast. Einfache Dinge können so schön sein. In dem Moment wollen wir noch gar nicht an das Ende unserer Reise denken, wenn wir in Dubai unsere Motorräder wieder abgeben und in eine unwirkliche Welt zurückkehren, in der dem Gigantismus in Form von über 800 Meter hohen Wolkenkratzern gehuldigt wird oder Skihallen mitten in der Wüste gebaut werden. Märchenhaft ist anders.

Sehenswertes im Oman

Neben den zahlreichen Forts und Palästen gibt es im Oman natürlich viele weitere Highlights. Nicht versäumen sollte man in Muscat die überwältigende Sultan Qaboos Moschee sowie die Altstadt mit dem Sultanspalast, den Souq und die alte Passstraße nach Ruwi. Nizwa ist berühmt für seinen Silber- und Ziegen-Souq sowie die prächtige Burganlage in der Altstadt. Als schönste Wohn-Festung im Land gilt der märchenhafte Jabrin-Palast zwischen Nizwa und Al Ain. Al Ain heißt der Grenzort in die VAE. Ein fahrerisches Vergnügen ist die kurvenreiche Auffahrt auf den Jabal Hafeet mit fantastischen Aussichten in den Oman und auf die Sandwüsten der VAE. Nicht verpassen sollte man zudem den Kamelmarkt in Al Ain.

Bericht vom 17.01.2021 | 2.982 Aufrufe

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