Mit dem Motorrad nach Süd-Australien und Tasmanien

Fremde Welten auf der anderen Seite des Globus

Hochgebirge wechseln mit einsamen Sandstränden, exotischer Regenwald mit bizarren Steilküsten. Australien und seine größte Insel Tasmanien bieten atemberaubende Erlebnisse für Motorradfahrer. Worauf man im fernen Südosten aber achten muss, was es zu sehen gibt und wo die spektakulärsten Motorradstrecken warten, das erfahrt ihr hier.

Die beschriebene Tour führt auf dem Festland überwiegend durch den südöstlichen Bundesstaat Victoria mit der Hauptstadt Melbourne, in New South Wales liegt Australiens größte Stadt, Sydney. Geprägt wird diese Region von ausgedehnten Bergketten im Hinterland und einer herrlichen Küstenlandschaft mit der berühmten Great Ocean Road. Tasmanien ist der kleinste Bundesstaat des Kontinents und wird von Touristen meist erst auf den zweiten Blick erkannt. Die Insel birgt Naturlandschaften, die an die europäischen Alpen erinnern, dazu traumhafte Sandstrände und imposante Felsformationen im Süden der Insel. Ihre üppige Vegetation mit ausgedehnten Regenwäldern verdankt die Insel den reichlichen Niederschlägen.

Text und Fotos: Norbert Meiszies/RKM

Wir kommen gerade vom Frühstück. Es gab ausgezeichneten Kaffee, leckere Spiegeleier, Toast, Speck und einen riesigen Blaubeer-Muffin alles sehr britisch. Allerdings sind wir nicht irgendwo in England, sondern am anderen Ende der Welt im 12 Rocks Cafe in Port Campbell, Ausgangspunkt für Fahrten über die berühmte Great Ocean Road, neben dem Great Barrier Reef und dem Ayers Rock die vielleicht bekannteste Touristen-Attraktion Australiens. Die Steilküste mit ihren skurrilen Felsformationen gehört zum Pflichtprogramm, wenn man durch Australiens Südosten unterwegs ist. Das galt allerdings auch für unsere bisherigen Ziele wie die Snowy Mountains im Kosciuszko Nationalpark südlich von Canberra, Australiens Hauptstadt. Der Alpine Way, der durch die bis zu 2.200 Meter hohe Gebirgskette führt ist ein ideales Kurvenkratzer-Revier. Einer Zeitreise gleich kamen die Fahrten durch das Goldgräbergebiet rund um Castlemaine. Hier ist kein Flecken Erde nicht mindestens einmal umgegraben worden auf der Suche nach Nuggets. In der Hochburg der Digger, dem Örtchen Maldon, scheint die Zeit stehen geblieben, es sieht heute noch so aus wie ein Westernstädtchen im 19. Jahrhundert. Auch der Grampians National Park hat uns begeistert mit herrlichen Motorrad-Strecken, einer einsamen Berglandschaft mit atemberaubenden Aussichten und jeder Menge Kängurus.

Klima und Reisezeit für Reisen nach Australien und Tasmanien

Man sollte sich auf alle Wetterlagen einstellen, von brütender Hitze bis zu frostigen Nächten ist alles möglich. Das gilt sowohl für die ruhigste Reisezeit, die australischen Frühjahrsmonate November und Dezember, wie auch in der Hauptsaison zwischen Februar und März. Auf dem Festland ist das Wetter deutlich stabiler, Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius sind normal. An der Great Ocean Road weht ständig ein kräftiger Wind, der sogar so heftig sein kann, dass die Straße für den Verkehr geschlossen wird. Eine konkrete Wettervorhersage für Tasmanien lässt sich nicht geben, an einem Tag kann man alle Varianten auf einmal erleben. Temperaturen über 20 Grad sind seltener, Regenschauer kommen dafür häufiger vor.

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Mit dem Motorrad in den Süden Australiens

Nun schlendern vom 12 Rocks Cafe zurück zu unserem Hotel, als der örtliche Polizei-Jeep an uns vorbeifährt und gleich wieder kehrt macht, als er uns erkennt. Hi Rita, ich habe gute Nachrichten, ruft er uns zu, wir haben Deine Handtasche gefunden. Sie liegt auf der Polizeistation in Apollo Bay, ein Tourist aus Melbourne hat sie am Loch Ard Gorge gefunden und bei der Polizei abgegeben. Der Urlaub ist gerettet, denke ich, denn seit gestern, als meine Begleiterin ihre Tasche inklusive Kreditkarte, Bargeld und Schecks am Parkplatz des Aussichtspunkts Loch Ard Gorge liegen gelassen hatte, war die Stimmung auf dem Nullpunkt. Nachfragen bei der Polizei, im örtlichen Verkehrsamt und den anderen Anlaufstellen von Touristen hatten zunächst keine Hoffnung gemacht, dass die Tasche wieder auftauchen würde. Aber jetzt können wir die Fahrt durch den Port Campbell Nationalpark, zu dem die Great Ocean Road gehört, wieder richtig genießen und ich habe einen gut bei meiner Sozia.

Sofort packen wir unsere Sachen, machen die BMW startklar. Los gehts. Apollo Bay liegt ohnehin auf unserem Weg, so müssen wir auch auf keinen Aussichtspunkt entlang der eindrucksvollen Panoramastraße verzichten. Davon gibt es wirklich viele, denn fast hinter jeder Biegung der Steilküste erwarten uns herrliche Buchten mit goldgelbem Sandstrand und außergewöhnliche Felsformationen. Sie verändern ständig ihre Form, denn Wind und Meer nagen unaufhörlich an dem sehr weichen Kalksandstein. Erst im Juni 2009 verlor der Küstenabschnitt eines der bekanntesten Landschaftsmerkmale. Der Island Archway, ein imposant aus dem Meer ragender, mehr als 25 Meter hoher Steinbogen war in sich zusammengebrochen und ins Meer gestürzt. Nun sind nur noch die beiden Pfeiler zu sehen. Auch die berühmten Zwölf Apostel, eine wie an der Perlenschnur aufgereihte Formation, besteht mittlerweile nur noch aus sieben Felsen, der Rest löste sich im laufe der Zeit in der tosenden Brandung einfach auf.

Great Ocean Road Australien
Die Great Ocean Road windet sich entlang der malerische Steilküste und spektakulärer Felsformationen

Die Geschichte der Great Ocean Road ist genauso spannend wie das Wechselspiel aus Wind, Meer und Kalkstein. Im Jahre 1919 begann man mit dem Bau der Straße, die die einzelnen Küstenorte und Fischerhäfen miteinander verbinden sollte, die bis dahin nur über den Seeweg erreichbar waren. Ausgeführt wurden die Arbeiten von einheimischen Soldaten, die aus dem 1. Weltkrieg zurückgekehrt waren, aber keine Arbeit im Land fanden. Gleichzeitig gilt das Bauwerk als Denkmal für die im Krieg gefallenden Australier. Erst 1932 waren die Arbeiten an dem 250 Kilometer langen Streckenstück abgeschlossen. Der größte Teil der Straße führt immer am Meer entlang und folgt der Struktur der stark zerklüfteten Küste. Für uns heißt das jede Menge Kurven und fantastische Aussichten auf den Ozean vom bis zu 100 Meter hohen Küstenplateau.

Aber irgendwie muss es doch möglich sein, mit dem Motorrad näher ans Meer zu gelangen, denke ich mir noch, als ein Schild Bootsbesitzer darauf hinweist, dass von einem Aussichtspunkt kurz vor Peterborough eine Rampe an den rund 40 Meter tiefer gelegenen Strand führt. Das riecht nach Abenteuer. Die Bedenken meiner Sozia wie auch die Steilheit der Rampe, die an eine Skischanze erinnert, können mich nicht abhalten. Wo Autos runter kommen, findet auch meine GS ihren Weg. Allerdings habe ich vergessen, dass Australier ausschließlich mit Allrad-Fahrzeugen unterwegs sind. Kaum habe ich den weichen Sandstrand erreicht, stecke ich auch schon fest. Wäre ja eigentlich kein Problem, aber die Wendemöglichkeiten auf dem kurzen Strandabschnitt sind eingeschränkt und die Wellen des Meeres kommen der BMW recht nahe. Also Koffer und Topcase abmontiert und mit Hilfe einer vorwurfsvoll dreinschauenden Sozia bekomme ich die GS wieder frei und mit qualmender Kupplung auch wieder die Rampe hoch. In Sachen Dusseligkeit steht es zwischen Fahrer und Sozia jetzt 1:1 Unentschieden das Beweisfoto am Strand habe ich auch noch vergessen.

Formalitäten und Einreisebestimmungen für Australien

Für die Einreise sind ein Visum und der Reisepass erforderlich. Das reguläre Touristenvisum für Aufenthalte bis zu drei Monaten ist kostenlos und gilt 12 Monate für mehrmalige Einreise. Reiseveranstalter bieten einen kostenlosen Visa-Service für das Besuchervisum an, dies geschieht zusammen mit der Flugbuchung. Selbstanmelder erhalten ihr Visum über die Einwanderungsbehörde online (www.immi.gov.au/visitors/index.htm). Touristenvisa für längere Aufenthalte bis sechs Monate sind gebührenpflichtig. Infos erteilt die Australische Botschaft (Berlin) unter www.australian-embassy.de.

Zwischen Koalas und Kängurus im Great Otway Nationalpark

Das einzige Mal, dass die Panoramastraße von der Küstenlinie abweicht, ist am Cape Otway, eine Landspitze, an deren Ende der älteste noch existierende Leuchtturm Australiens steht. Das ganze Gebiet zählt zum Great Otway Nationalpark, der durch seine Vielfalt an Landschaften auffällt. So gibt es neben offenen Gras- und Buschflächen in Küstennähe auch ausgedehnte Eukalyptuswälder und weiter landeinwärts dichten, ursprünglichen Regenwald. Die Chance, in der Eukalyptusallee, die die 14 Kilometer lange Stichstraße zum Cape Otway säumt, einen freilebenden Koala-Bären zu beobachten, stehen hier nicht schlecht. Ansonsten sind die scheuen Beuteltiere schwer auszumachen und meistens nur in einem der vielen Wildparks zu sehen. Für Kängurus gilt das übrigens nicht, die sind fast schon eine Plage. Auf dem Golfplatz von Anglesea zum Beispiel sind sie sogar deutlich in der Überzahl gegenüber den Golfspielern.

Otway Lighthouse
Der älteste Leuchtturm Australiens - das Otway Lighthouse

Bis 1994 hat der bereits 1848 erbaute Leuchtturm Schiffen den rechten Weg gewiesen. Dann wurde er in Ruhestand geschickt und dient jetzt als Museum. Leuchtturmwärter John verrichtet aber weiterhin seinen Dienst. Der graubärtige Seebär erzählt den Besuchern gerne etwas über die Geschichte der Anlage und stellt sich stolz für ein Foto in Pose. Dabei erfährt man dann auch, dass die einzelnen Mauersteine des Leuchtturms alle von Hand behauen und ohne Zement verbunden sind. Die kraftraubende Arbeit mussten damals Strafgefangene erledigen, die größtenteils aus Großbritannien in die Strafkolonie Australien verschifft worden waren. 160.000 waren es bis zum Ende der Gefangenentransporte im Jahr 1868. Zeitweise gab es in Australien mehr Strafgefangene als Siedler. So wundert es nicht, dass viele Australier unter ihren Urahnen derartige Einwanderer haben. Wer möchte, kann übrigens im alten Leuchtwärter-Haus übernachten, eine Kaffeepause in dem gemütlichen Häuschen sollte man auf jeden Fall einlegen.

Anreise nach Australien

Zahlreiche Fluglinien wie Quantas, Lufthanse und Emirates steuern Melbourne oder Sidney an. Manche Fluggesellschaften bieten attraktive Stop-Over-Programme an, bei denen mit dem Ticketkauf günstige Übernachtungen oder Kurzbadeurlaube gebucht werden können. Emirates zum Bespiel fliegt über Dubai, bietet manchmal sogar eine Übernachtung kostenlos im Flugpreis mit an. Die reine Flugzeit nach Australien beträgt circa 20 Stunden. Die Fähre von Melbourne nach Davenport auf Tasmanien legt am späten Nachmittag ab und kommt am nächsten Morgen auf der Insel an. Die Preise beginnen bei 80 Euro pro Person einfache Fahrt im Liegesessel, das Motorrad kostet noch einmal 40 Euro einfache Fahrt (www.spiritoftasmania.com.au). In der Doppelkabine zahlt man circa 140 Euro pro Person.

In Melbourne's Stadtgetummel mit dem Motorrad

In Torquay endet die Great Ocean Road. Von hier ist es über Geelong oder das hübsche Städtchen Queenscliff nur noch ein Katzensprung bis nach Melbourne. Der nach Sidney zweitgrößten Stadt Australiens sagt man nach, dass sie ihre britischen Wurzeln am deutlichsten bis in die Gegenwart bewahrt hat. Der Linksverkehr macht uns nach drei Wochen in Australien nichts mehr aus, nur die vielen Autos sind wir nicht mehr gewohnt wie auch die merkwürdigen Abbiegeregeln in Melbourne (siehe folgende Infos zum Motorradfahren in Australien). Dabei ist das Zentrum von Melbourne relativ einfach zu erkunden. Die Straßen sind wie ein Schachbrett angelegt. So reihen wir uns einfach in den Verkehr ein und fahren immer geradeaus Richtung Yarra-River. Kurz bevor wir den Fluss überqueren, haben wir den Mittelpunkt dieser lebendigen Stadt erreicht. Rechter Hand befindet sich der Bahnhof Flinders Street Station, ein Gebäude, dass so auch in London oder Glasgow stehen könnte. Der alte viktorianische Stil steht im krassen Gegensatz zu den Gebäuden auf der anderen Straßenseite, die zum Federation Square gehören. 2002 wurde der Komplex neu errichtet, ein supermodernes, architektonisch einmaliges Gesamtkunstwerk, in dem sich Restaurants und Cafes, aber auch ein Museum für Pferdesport und der Kunstverein der Stadt befinden. Im Visitor Center bekommt man außerdem alle Auskünfte und kostenloses Kartenmaterial.

Luna Park Melbourne
Der Luna Park in Melbourne

Motorradfahren in Australien - Infos und Tipps

In Australien herrscht Linksverkehr. Die Eingewöhnung fällt nicht schwer, da außerhalb der größeren Städte der Verkehr gering ist. Trotz Linksverkehr herrscht rechts vor links als Vorfahrtsregel. Speziell in Melbourne gibt es eine seltsame Abbiegeregelung: Wenn man in der Innenstadt rechts abbiegen will, muss man sich ganz links einordnen, rechts blinken und dann solange links auf der Kreuzung warten, bis alle geradeaus fahrenden Autos rechts vorbei gefahren sind. Wenn dann auch noch kein Gegenverkehr kommt, darf man rechts abbiegen. Total Verwirrend. Die Straßen sowohl auf dem Festland als auch auf Tasmanien sind überwiegend asphaltiert und in einem guten Zustand. Außerhalb geschlossener Ortschaften beträgt das Tempolimit 100 km/h, innerorts 50 km/h. Die Einhaltung wird häufig kontrolliert. Eine umfangreiche Flotte an Mietmotorrädern bietet Bikescape (www.bikeroundoz.com) in Annandale mit Mietstationen in Sidney und Melbourne an. Abgesehen von neuen BMWs, bietet der Vermieter auch Motorräder von Yamaha bis Harley an.

Flinders Station Melbourne
Flinders Station in Melbourne

Wir folgen dem Yarra-River flussabwärts, passieren das Melbourne Aquarium und das Polizei-Museum und staunen nicht schlecht, als wir vor dem Telstra Dome stehen, ein riesiges Rugby-Stadion mitten in der Stadt, umgeben von den Docklands, dem alten Hafenviertel. Hier hat man wahrlich reinen Tisch gemacht. Die alten Speicherhäuser wurden abgerissen, und an deren Stelle hochmoderne Wohn- und Geschäftshäuser gestellt. Im Hafenbecken liegen passend dazu die Segel- und Motoryachten der Reichen und Superreichen vor Anker. Höhepunkt der Docklands ist The Southern Star, ein 120 Meter hohes Riesenrad, das dem Millenium Wheel in London nachempfunden ist. Bei gutem Wetter reicht der Rundblick von dem Riesenrad etwas 40 Kilometer weit.

Vorbei am Melbourne Port, wo die Fähre nach Tasmanien ablegt, fahren wir am Meer entlang auf der Beaconsfield Parade, im Rücken immer wieder die Skyline von Melbourne im Blick. Unser Ziel heißt St. Kilda. Das historische Strandbad ist einer der lebhaftesten Stadtteile von Melbourne. Der alte Pier und die viktorianischen Bäder am Strand wurden sorgfältig renoviert. Die bunten Badehäuser sind ein herrliches Fotomotiv. Zurück in die City müssen wir selbstverständlich in den Albert Park, der parallel zur Beaconsfield Parade liegt. Bis zum Corona-Ausbruch 2020 traf sich hier die Formel 1 zum Saisonauftakt, der beschauliche Park verwandelte sich dann in eine Vollgaspiste. In der übrigen Zeit dürfen auch Motorradfahrer wie wir einen Teil der Strecke befahren. Das Speedlimit auf der Strecke beträgt dann allerdings beherrschbare 50 km/h.

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Essen & Unterkunft in Australien und Tasmanien

Die Küche in Australien ist international und sehr vielfältig. An der Küste und auf Tasmanien werden überwiegend Produkte aus dem Meer angeboten. Spezialitäten sind Krustentiere wie Langusten und Hummer, aber auch Austern stehen auf der Speisekarte. In den zahlreichen Fish&Chips-Buden bekommt man frischen Fisch bereits ab fünf Euro. Im Landesinneren stehen neben Meeresgetier vor allem Wild und Lamm auf der Speisekarte. Das Restaurant-Angebot reicht von deftig bis fein, wobei die Preise mit den hiesigen zu vergleichen sind. Zum Frühstück speist man typisch englisch mit Eiern, Speck und Toast und einem typischen Muffin. Ausgezeichnet ist übrigens der australische Kaffee, der aus den Röstereien in Sidney stammt. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auf der Tour reichlich. Die Preise für ein ordentliches Motel beginnen außerhalb der Touristenhochburgen bei 100 Euro für ein Doppelzimmer für die Nacht. Fast jeder Ort hat ein Best Western Motel, die den besten Kompromiss aus Komfort und Preis bieten. Außerdem kann man bereits hierzulande über www.bestwestern.de vorbuchen.

Motorrad-Tour in Tasmanien

Nach etwas beschaulicher ist die Spirit of Tasmania unterwegs, auf der wir die Überfahrt von Melbourne nach Davenport erledigen. Sie legt abends ab und landet früh morgens auf Tasmanien. Auf der Passage bekommt man schon mal einen Vorgeschmack auf die größte Insel Australiens. Die Meerenge Bass-Strait präsentiert rau, stürmisch und unbeständig. Das gilt auch für Tasmanien und macht die Insel besonders interessant. Zu 45 Prozent besteht sie aus Nationalparks, die schwer zugänglich sind, ein Viertel gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Warum das so ist, erzählt uns ein Einheimischer in St. Helens, unser erster ausgedehnter Stopp an der Ostküste. Wir sollten unbedingt der Stichstraße nach Binalong Bay folgen, dort kämen wir an die Bay of Fires. Die Bucht sei einer der schönsten Flecken Tasmaniens.

Dann mal los! Die schmale Straße, gespickt mit Schlaglöchern, führt zunächst an einem Binnensee entlang. Warnschilder weisen auf regen Känguru-Verkehr hin. Dann stehen wir mit offenem Mund vor der Bucht. Einen so weißen und feinen Sandstrand haben wir noch nie gesehen, dazu schimmert das Meer in allen erdenklichen Türkistönen bis hin zum tiefsten Blau. Kugelrunde Felsbrocken mit einer Oberfläche so glatt wie ein Kinderpopo setzen als Kontrast das strahlende Rot des oxidierten, eisenhaltigen Gesteins. Kein Mensch weit und breit. Kein Wunder, das die Bay of Fires schon mehrfach von Reiseprofis zum schönsten Flecken auf der Erde gewählt wurde. Wir schließen uns dem Urteil an. Wer baden gehen möchte, sollte allerdings abgehärtet sein, die Wassertemperaturen sind nichts für Warmduscher.

Bay of Fires in Tasmania
Die Bay of Fires in Tasmanien

Wir folgen immer weiter dem Tasman Highway Richtung Süden. Er führt ständig am Meer entlang und gibt zwischen den mächtigen Dünenlandschaften immer wieder die Sicht frei auf unvorstellbar schöne und einsame Sandstrände. Unterbrochen wird diese Bilderbuchlandschaft nur durch wenige kleine Ortschaften, meistens Fischerhäfen, denn die Küste ist berühmt für ihre Hummer, Langusten und Muschel-Kolonien. Bicheno ist so ein charmanter Ort, bekannt für seine exzellenten Angelmöglichkeiten und Hochseefischerei. Die eigentliche Attraktion aber ist der Rocking Rock, ein 80 Tonnen schwerer Granitblock, der so auf einer Felsplatte positioniert ist, dass der mit den Wellen schaukelt. Dazu gibts das beeindruckende Blowhole mit größeren Wasserfontänen.

Landkarten und Reiseführer für Australien und Tasmanien

Aber wie findet man so versteckte Landschafts-Prachtstücke? Speziell für die beschriebene Tour bietet der Reiseführer Australien Der Osten und Tasmanien aus der Reihe DuMont Richtig Reisen sehr viele Informationen. Zudem ist das 24,99 Euro teure Taschenbuch handlich zu transportieren (ISBN 3-7701-7639-1). Sehr zu empfehlen als Straßenkarte sind die Blätter des australischen Automobilclubs RACV. Die beiden Karten Tasmania und Victoria decken das Zielgebiet voll ab. Hierzulande sind die Karten nur in Spezialgeschäften zu bekommen, in Australien erhält man die Straßenführer in den RACV-Shops in Melbourne oder Sidney bei Vorlage des ADAC-Ausweises für ein paar Euro oder online über www.racv.com.au.

Hobart - Tasmaniens Hauptstadt und das Umland

Die Fahrt auf der Küstestraße ist richtig entspannend, Autos kommen uns nur selten entgegen, so dass man die Seele richtig baumeln lassen kann. Dazu passt auch das Städtchen Richmond, ein verträumtes Nest mit der ältesten Brücke, der ältesten Kirche und dem ältesten Gefängnis von Australien. Mehr als 50 Gebäude also eigentlich alle stammen aus dem 19. Jahrhundert. Dazu gehört auch das Richmond Arms, ein wunderschönes Hotel mit Pub, im Kolonial-Stil erbaut, auf dessen Terrasse die Motorrad-Ausflügler aus Tasmaniens Hauptstadt Hobart, am Wochenende Platz nehmen. Auch wenn hier im Pub das heimische Cascade-Bier serviert wird, so zählt die Region rund um Richmond doch eher als Anbaugebiet edler Weine. Die sanften Hügel mit den zahlreichen Vineyards erinnert ein wenig an badische oder pfälzer Weinlandschaften, nur alles ein bisschen kleiner und bescheidener.

Tasmanian Devil Street Sign
Achtung vor tasmanischen Teufeln

Auf dem Weg von Hobart ganz in den Süden der Insel nach Port Arthur treffen wir auch endlich auf das wohl bekannteste Lebewesen der Insel, den Tasmanischen Teufel. Um das kleine Beuteltier ranken sich allerlei Fabeln und Vorurteile. Das etwa katzengroße Raubtier verdankt seinen teuflischen Namen seinem schwarzen Fell und den großen, bei Erregung rot leuchtenden Ohren. Sein lautes Kreischen ist schon aus großer Entfernung zu hören. Allerdings ist das nur noch auf Tasmanien lebende Tier fast ausgestorben. Straßenschilder am Straßenrand weisen zwar auf seine Anwesenheit hin, in freier Wildbahn bekommt man ihn dennoch nur selten zu Gesicht. Dazu muss man den etwa zehn Kilometer von Port Arthur gelegenen Tarana Tasmanian Devil Park besuchen, ein kleiner Tierpark, der sich um den Erhalt der Tiere kümmert.

Der schlimmste Ort der Welt - Port Arthur in Tasmanien

Wer im 19. Jahrhundert in das Sträflingslager von Port Arthur deportiert wurde, musste jeden zum Tode Verurteilten beneidet haben. Das entlegene Gefängnis galt damals als einer der schrecklichsten Plätze auf Erden. Davon ist heute bei der Besichtigung der beeindruckenden Anlage kaum noch etwas spüren. Die Rasenflächen erinnern an einen Golfplatz, es gibt sogar Picknickplätze. Die Reste der Zellentrakte wirken fast schon wie eine Hotelanlage, so gut sind sie restauriert worden. Wie grausig das Leben für die Häftlinge wirklich gewesen sein muss, davon zeugt der Sträflingsfriedhof auf der Isle of the Dead, eine Insel mitten in der Bucht von Port Arthur, wo die Gefangenen teilweise in Massengräbern beerdigt wurden. Die Flucht von Port Arthur war so gut wie unmöglich. Zur Landseite hin war der Fluchtweg sehr schmal und leicht zu bewachen, über das Meer gab es auch kein Entrinnen, das Meer am Cape Pillar gilt als eines der gefährlichsten Gewässer der Welt. Die Teilnehmer der berühmten Segelregatta Sydney-Hobart können ein Lied davon singen. Persönlich kann man sich bei einem Ausflug mit dem Speed-Boot davon überzeugen, vom Wasser aus hat man den besten Blick auf die schroffen Felsformationen dieser atemberaubenden Steilküste, die Namen wie etwa Devils Kitchen tragen.

Tasmanien auf dem Motorrad - Eine der spektakulärsten Motorradstrecken weltweit

Auf die Frage nach den spektakulärsten Motorradstrecken weltweit werden immer wieder Namen wie der Chapmans Peak Drive in Südafrika, der Highway Nr. 1 in Kalifornien, der Blue Ridge Highway in Virginia, oder die Großglockner Hochalpenstraße in den Alpen genannt. Wir hätten da noch eine Alternative zu bieten: der Lyell Highway in Tasmanien. Die Straße führt etwa 250 Kilometer von Hobart quer über die Insel durch den Franklin-Gordon Wild Rivers National Park nach Queenstown und dann noch einmal 50 Kilometer weiter nach Strahan wieder ans Meer. Das sind insgesamt 300 Kilometer völlige Einsamkeit und eine unendliche Anzahl von Kurven. Auf dieser Tagesetappe, die uns noch einmal alle Facetten der Insel wie Buschland, Regenwald, kristallklare Bachläufe, romantische Wasserfälle und hochalpines Gebirge bietet, kommt uns den ganzen Tag kein einziges Auto entgegen und wir selbst haben auch nur drei Fahrzeuge überholt. Hätte es zwischendurch nicht eine Tankstelle mitten in dieser Wildnis gegeben, wir wären zu dem Schluss gekommen, nicht nur am anderen Ende der Welt unterwegs zu sein, sondern diese bereits verlassen zu haben. Tasmanien ist ein Traum, nur einer, der sich realisieren lässt.

Bericht vom 15.01.2021 | 2.108 Aufrufe

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