Weltreisestory 1.Teil

Anzeige
Felix Bergmeister fährt um die Welt. In zahlreichen Atemberaubenden Episoden erzählt Felix Bergmeister von seiner Reise um die Welt. Pflichtlektüre für Reisefans. Heute: Bad Vöslau - Spanien

 

1.Tag: Österreich

Mein Wecker läutet um 6 in der Früh. Ich bin sofort hellwach und mache das, was ich die letzten Jahre über um diese Zeit gemacht habe, ich stehe auf, zieh meine Laufsachen an und geh trainieren. Es ist noch dunkel draußen und ich laufe in den Sonnenaufgang, zum letzten Mal auf der mir so vertrauten Strecke, zum letzten Mal, wer weiß für wie lange.
Heute ist kein Tag wie jeder andere, nach dem Laufen mache ich mich nicht auf den Weg in die Arbeit, nein, ich setze mich auf mein Motorrad und mache mich auf den Weg um die Welt.

Mein Motorrad steht schwer beladen in meinem Garten, alles was ich besitze, alle meine Träume, alles steht startbereit vor mir. Ich bin 29 Jahre alt und habe mich auf diesen Moment fast 10 Jahre lang vorbereitet. Viele Freunde und Bekannte in meinem Alter liegen nun mitten in der Familienplanung, bauen ein Haus oder arbeiten rund um die Uhr um im Job gut vorwärts zu kommen. Mein Arbeitsplatz für die nächste Zeit hat zwei Räder und 50 Ps. Immerhin, mit 50 Pferden wäre ich früher ein reicher Mann gewesen. Das klingt nach einem guten Anfang und wer weiß, am Ende meiner Reise bin ich sicher auch reich, reich an Erfahrungen. Ich steige auf, drehe den Zündschlüssel um und fahre los. Der Weg führt mich durch meine Nachbarschaft, alles ist so wie immer. Die Leute fahren in ihren Autos zum Wochenendeinkauf, erste Kolonnen bilden sich und ich finde es ein wenig lustig. Vielleicht hat der Hofer um die Ecke gerade ein Sonderangebot und das ist der Grund für die allgemeine Eile.



Es geht über die bekannten Berge in der Nachbarschaft, zum Gasthof Kalte Kuchl. Dort stehen ein paar Supersportler und denken sich was macht der da mit dem ganzen Gepäck wo er doch eine Badener Nummer hat. Vorsichtshalber schauen sie weg wenn ich grüße, vielleicht lade ich sie auf eine Tour in den Kongo ein.

Nächster Halt Mariazell, traumhaftes Wetter und Scharen von Menschen erfreuen das Herz. Zumindest das der Kaufleute und Hoteliers. Ich gehe kurz in die Kirche und fahre dann weiter. Sonne und Wärme begleiteten mich über die Wildalpen und das Ennstal bis in die Flachau. Still und verschlafen liegen die Berge in der Abendsonne und von den legenderen Skipiste auf denen der Herminator groß geworden ist kann man noch nichts erahnen.

Die erste Nacht am Beginn einer Weltreise ist lustig, man schläft gut, wacht auf und glaubt man ist auf Urlaub. Vorerst mal gar nicht so schlecht!


2.Tag: Österreich

Das Wetter bleibt zum Glück so schön wie gestern und sobald sich der Frühnebel gelegt hat fahre ich in Richtung Großglockner. Ich beschließe die Hochalpenstrasse zu fahren und über den Glockner nach Italien zu fahren. In 10 Tagen möchte ich in Spanien sein und jetzt mal gemütlich über die Berge ans Meer fahren.

Trotz schwerer Beladung geht es flott hinauf auf die Passhöhe und ich genieße die wunderbar warme Sonne. Eigentlich unglaublich für Ende Oktober auf 2500 Metern!

Bergab läuft dann alles etwas anders als gedacht. Nach einigen steilen Kehren und etwas sportlicher Fahrweise trotz Beladung versagt die Vorderradbremse fast total. Ich merke das zum Glück auf einem geraden Stück und kann das Motorrad mit der Fußbremse zum stehen bringen. Wie ich die Fußbremse löse kann ich das Motorrad mit der Vorderbremse nicht mal im Stand auf der Stelle halten. Wirkung ist null. Aber es kommt noch unglaublicher. Als ich so auf meinem Motorrad sitze und durchatme bleibt hinter mir meine Mutter stehen. Sie begleitet mich auf der Etappe über den Glockner mit dem Pkw um gute Fotos von mir machen zu können. Sie steigt aus dem Auto und fragt was los ist, in dem Moment löst sich die Handbremse des Autos und der Wagen beginnt auf der gut 12% steilen Bergstrasse Richtung Abhang zu rollen.

Mir bleibt nichts anderes über als meine voll beladene Maschine in den Strassengraben zu werfen, dem Auto hinterherzulaufen, hineinzuspringen und es auf filmreife Art und Weise knapp vor dem Abhang zum Stillstand zu bringen. Wie das Auto dann steht hat sich einen Schlange von schaulustigen Pkws gebildet die ich dann auch noch beruhigen muss. Weil ja ein Motorrad im Straßengraben liegt, ein Motorradfahrer mit Helm aus einem Auto aussteigt das quer über eine Bergstrasse steht und den Verkehr sperrt, auf 2500 Meter Höhe. Das passiert nicht alle Tage!



Auf diese unerwartete Überraschung brauche ich mal eine Pause. Ich fahre dann weiter ab, ohne viel mit der Bremse vorne zu arbeiten und wechsle in Heiligenblut die Bremsklötze. Sie sind total verglasst. Unglaublich, neue Bremsklötze mit einer Lebensdauer von nicht einmal 500km. Nie mehr nehme ich Sinterbeläge. So geht das nicht weiter, ich muss schonender fahren und für Afrika sicher noch etwas Gewicht reduzieren. Auf einmal bin ich wieder guter Dinge, ich befinde mich auf einer Weltreise, bin gerade mal 450km gefahren und meine Bremse ist unzuverlässig. So etwas hätte bös ausgehen können, ist es aber nicht, das gibt Hoffnung. Ich mache heute nicht mehr viele Kilometer und übernachte bei Lienz. Morgen geht's nach Italien.



3.Tag: Italien

In Lienz steuere ich den Stützpunkt vom Öamtc an und lasse meine Bremsflüssigkeit überprüfen. Zum Glück ist damit alles ok! Ich habe auf meiner Tour noch einige Berge vor mir und mit funktionierender Bremse fährt es sich unbeschwerter! Ich fahre über die Grenze und mein Glück mit dem guten Wetter lässt mich vorläufig im Stich. Es beginnt zu regnen. Ich beschließe auf die Autobahn aufzufahren um dem Regen in Richtung Süden davon zu fahren.
Die nächsten 400km werden zum Härtetest für meine Regenbekleidung, es geht aber alles gut. Ich verlasse die Autobahn in Novi Liguri und suche mir in der Dunkelheit ein Hotel. Wie ich mich noch über die hohe Autobahnmaut ärgere bekomme ich ein Zimmer für 30 Euro. Nicht gerade billig aber so ist es in Italien nun mal. Wenigstens ist der Hotelbesitzer so freundlich und sperrt mein Motorrad in seine eigene Garage.



4.Tag: Frankreich

Ich mache mich wieder auf den Weg auf die Autobahn, da der Regen immer noch nicht aufgehört hat. Einzig der Wind hat zugenommen, als ich über die Berge nach Genua komme klart der Himmel auf.

Endlich bin ich am Meer und die Sonne ist auch da. In Ventimiglia verlasse ich die Autobahn um an der Küste entlang das schöne Wetter und die schöne Aussicht zu genießen.
Es ist fast unwirklich wenn man im Spätherbst an die Cote Azur fährt. Überall Palmen, in den Cafes herrscht Hochbetrieb und die Leute schauen entspannt aus, weil die Massen der Touristen schon abgereist sind.

Ich fahre nach Monaco mache ein paar nette Fotos und sehe dort mit meiner alten BMW wohl aus wie aus dem vorigen Jahrhundert, was ja nicht ganz falsch ist. Ich fahre heute noch weiter bis an die Mündung der Rhone. Dort schlage ich in einen alten Hafen mein Zelt auf und übernachte am Meer. Zu teuer sind die Hotels in Frankreich, dafür gibt es zum Abendessen gegrillten Octopus in einem Restaurant.






5.Tag: Frankreich

An der Südküste entlang führt mich mein Weg weiter nach durch die Camarque. In Arles bleibe ich bei der berühmten Pont Van Gogh stehen. Ein schöner Moment, wie ich so in der Morgensonne an der alten Holzbrücke stehe und darunter das Spiegelbild der Landschaft im Wasser verschwimmt. So was muss wohl die alten Meister inspiriert haben.

Nach einem schnellen Cafe in Narbonne sur Plage geht es in die Pyrennen. Ich möchte statt den eher langweiligen Weg an der Küste zu nehmen lieber über die Berge nach Spanien fahren, noch dazu wo das Wetter hier so schön ist. Ich fahre heute bis nach Prades und übernachte dort auf einem Campingplatz. Zuvor besuche ich noch die kleine Stadt Eus.

Eus liegt auf einem Hügel und ist angeblich eine der schönsten Städte Frankreichs. Ich steige auf den Berg hinauf und besichtige die beeindruckende Festungsanlage und die Kirche. Wirklich, Europa hat so viele schöne Plätze zu bieten, man kommt viel zu wenig herum, nun ja das soll sich ja jetzt ändern.




6.Tag: Spanien

Ich gehe heute in der Früh laufen und genieße die gute Luft in den Bergen. Weiter geht es über eine wunderschöne Bergstrasse zu der Festung von Mont Louis, der am höchsten gelegenen befestigten Stadt Frankreichs.

Hier hat die Französische Armee eine Basis für Kommandokräfte und Fallschirmjäger eingerichtet, mitten in den Mauern der alten Festung. Ich fahre weiter durch eine fast zauberhafte Berglandschaft aus der sich der Morgennebel so gar nicht heben will. Alles liegt unter einem Schleier der auf gespenstische Weise das Sonnenlicht bricht.

Hier kommt es auch zum gefährlichsten Moment meiner Reise bisher. Als ich in eine Gabelung einfahre und mich auf einer Strasse mit Vorrang bewege kommt eine Frau von links und lenkt ihren Pkw geistesabwesend auf meine Maschine zu. Ich bremse voll und lenke dabei das Motorrad irgendwie an ihrem Auto vorbei. Alles geht sich auf Zentimeter aus und meine Vollbremsung inkl. Lenkbewegung versetzt das Motorrad arg ins Pendeln. Ich brauche fast 10 lange Meter um die Fuhre am Schotter neben dem Straßengraben zum Stillstand zu bringen. Die Frau fährt weiter als ob nichts passiert wäre.

Ich habe mir oft gedacht, dass die Strassen in Europa einfach zu den gefährlichsten der Welt gehören. Die Leute nehmen das Lenken eines Fahrzeuges oft nicht ernst und sind in Gedanken ganz woanders. So was kann tödlich ausgehen. Als ich mit dem Fahrrad in Indien unterwegs war hatte ich kaum eine Situation die wirklich gefährlich war, nicht einmal im Stadtverkehr von Dehli. Dort heißt das Geheimnis Kontaktaufnahme untereinander, man hupt oder schreit, man macht sich bemerkbar und ist auf jeden Fall voll bei der Sache, das ist viel wert. Nach dem Schrecken fahre ich langsam um die nächste Kurve und muss wieder voll bremsen, diesmal treibt ein Bauer seine Kühe über die Strasse. Das überrascht mich weniger, ein bekanntes Bild aus Korsika.



Irgendwo auf der Strecke nach Lleida bleibt plötzlich meine Maschine stehen. Es geht bergab, ich lasse das Motorrad ausrollen und halte an. Jeder Versuch wieder zu starten schlägt fehl. Heute muss mein Unglückstag sein! Auf einmal höre ich hinter mir eine Maschine. Ein Engländer parkt sich ein und fragt ob er mir helfen kann.

Gerne sage ich, mein Bike steht und springt nicht mehr an. Hast du Benzin fragt er und ich sehe, dass mein Bezinfilterglas leer ist. Das kann nicht sein denke ich, habe ich doch noch mindestens Treibstoff für 200 km. Bei näherer Kontrolle bemerkt Simon, dass mein Entlüftungsschlauch abgeknickt ist. Alles klar, kommt keine Luft in den Tank, kommt auch kein Benzin in den Vergaser. Ich danke Simon für seine Hilfe und wir fahren ein Stück gemeinsam. Er erzählt mir, dass er gerade 30 Cent in der Tasche hat und das alles ist was er besitzt.

Er hat England vor einem Monat verlassen und lebt von seiner Gitarre. Auf den Hauptplätzen der Städte spielt er für Benzin und was zu Essen. Er tut mir leid und ich helfe ihm mit einer Tankfüllung aus. Auf der anderen Seite denke ich mir, dass es so wie er es macht nicht wirklich schön ist. Ich habe so viele Jahre hart gearbeitet um mich auf den Weg zu machen, hinter jeder Freude steckt ein anderes Opfer und jede Rechnung muss bezahlt werden. Das Leben draußen auf der Strasse kostet Geld und das verdient man am wenigsten hier heraußen. Ich wünsche Simon viel Glück und mache mich wieder alleine auf den Weg. Ich finde einen netten Campingplatz bei Tarragona und schlafe tief und fest, war ein harter Tag heute. Beauty or death, both can be around the next corner! Meine Lektion für heute.




7.Tag: Spanien

Weiter geht's durch das Land des Jakobsweges, wie ein Pilger reise ich dahin, der Weg ist das Ziel. Ich möchte heute ein wenig durch das Hinterland bewegen, weil ich die Küsteregionen zum Teil schon kenne. Ich fahre noch bis Valencia am Meer entlang und biege von dort nach Albacete ab. Ich werde diesmal die Caretera 322 über Alcaraz und Obeda fahren, dann die Sierra Nevada überqueren und schließlich zurück ans Meer fahren.

Es geht durch wunderschöne, sehr abwechslungsreiche Landschaft durch den Tag. Nach langer Fahrt durch die Ebene wird die Landschaft nun hügeliger. Überall wachsen kleine buschartige Bäume, ich komme langsam in die Gebiete des berühmten spanischen Olivenanbaus. Für mich ein Paradies, wo ich Olivenöl liebe und man hier überall welches kaufen und verkosten! kann. Langsam jedoch wird die Besiedelung dünner. Verwöhnt von den vielen Versorgungsstellen sonst in Spanien fülle ich meinen Wasserkanister nicht mehr auf vor der Nacht.

Es wird dunkel und weit und breit sehe ich kein Licht mehr, keine Häuser, gar nichts kommt mehr. Zur nächsten größeren Stadt sind es laut GPS noch 56 km auf Straßen 3. Ordnung. Ist mit zu weit für heute. Wild campen ist angesagt.

Die Nacht verbringe ich abseits der Strasse irgenwo in den Bergen in einem Olivenhain unter tausend Sternen. Wunderschön, nur plagt mich der Durst. Diesen Fehler darf ich dann in der Sahara nicht machen.




8.Tag: Spanien

Weiter geht's über endlose Highways in Richtung Süden. Die Landschaft wird nun immer unwirklicher für einen Mitteleuropäer, über hunderte Kilometer sehe ich nichts anderes als Olivenplantagen.

Es ist unglaublich, ich fahre auf einer modernst ausgebauten Strasse die zu nichts anderem führt als zu Olivenbäumen. Weit und breit nichts, keine Menschen, keine Häuser, kein Wasser und kein Benzin.

Ein traumhafter Tag heute der mir viel Zeit zum Nachdenken gibt, ich bin fast ständig allein auf der Strasse umringt von der endlosen Weite der Sierra de Cazorla. Die Kurven wechseln sich ab, die Maschine läuft ruhig dahin und nichts stört diesen Einklang. Die Sonne ist sehr warm und brennt durch die Goretex Jacke, so stellt man sich glaube ich Freiheit vor. Es ist schon ein Traum der wahr wird, wenn man sich auf sein Motorrad setzen kann um sich die Welt anzusehen.

Im Laufe des Tages wird die Landschaft dann noch karger, ich fahre durch riesige Canyons und glaube ich bin irgendwo in Death Valley. Unglaublich was Spanien alles so zu bieten hat. Ab und zu kann ich es nicht lassen und verlasse die Strasse um auf den zahlreichen Pisten die Offroad Eigenschaften des Motorrades mit Gepäck zu testen. Afrika kommt langsam aber sicher und hier kann ich gut trainieren.

Die Nacht verbringe ich auf einem schönen Campingplatz in der Sierra Nevada als einziger Gast.




9.Tag: Spanien

Was für ein wunderschöner Tag heute! Nachdem ich die Nacht alleine auf diesem wunderschönen Campingplatz in der Nähe von La Calahorra am Fuße der Sierra Nevada verbracht habe gehe ich in der Früh gleich mal laufen. Die Luft in der Höhe ist total klar und rein es macht unglaublich Spaß die Berghänge zu Fuß mit der Kamera zu erkunden. Plötzlich bemerke ich, dass ich 2 Begleiter habe. Die beiden Hunde vom Campingplatz haben beschlossen mich hinaus zu begleiten und mit mir in die Berge laufen zu gehen. Die Geschichte erinnert mich an Corsica wo ich immer mit den beiden Hunden von meinen Freunden am Monte Cinto laufen gehe.

Heute beschließe ich die Sierra Nevada mit dem Motorrad zu überqueren. Das ist nicht ganz einfach, weil es nur eine mögliche Verbindung gibt. Wie ich mich auf die Suche nach der Zufahrt mache halte ich in einem kleinen Gasthof in einem ganz kleinen Dorf. An der Bar stehen die Männer und trinken bier, ich stelle mich dazu und versuche mit ihnen zu reden. Es funktioniert irgendwie und sie fragen mich wie mir Spanien gefällt, ich sage wunderbar und einer beginnt zu tanzen und lacht. Dann sagt er Senioritas ha ha. Lustig sind die Leute hier das mag ich. Nach einem Sandwich mache ich mich dann auf den Weg auf die Bergstrasse.

Diese kleine unbefestigte Passstrasse führt von La Calahorra mitten durch das Gebirge nach Laujar de Andrax und über Berja hinunter ans Meer. Dabei muss man sich aber auf was gefasst machen, links und rechts hat die Strasse keine Begrenzung und die Locals mit ihren weißen Lieferbusse glauben alle sie sind Alonso und es geht um den Pokal bei der Formel 1.

Also hupen vor jeder Kurve und hoffen, dass kein Idiot bei der Talfahrt ins Schleudern kommt. Auf der anderen Seite der Sierra Nevada erwartet mich dann der tiefe Süden, es ist heiß und alles easy going! Ich fahre die Küste entlang von Adra bis nach La Herradura bei Almunecar.

Als ich vor 6 Jahren hier war verbrachte ich einige Tage auf dem wunderschönen Campingplatz von Herradura. Es war eine wunderschöne Zeit. Wie automatisch finde ich heute gleich auf Anhieb den Campingplatz, alles ist noch genauso wie damals. Ich glaube sogar das Mädchen an der Rezeption wieder zu erkennen. Heute verbringe ich den Rest des Tages in einem netten Restaurant wo ich Octopus mit Pommes esse, so wie damals. Spanien ist schon wunderschön, besonders wenn man etwas vom Hauptstrom der Touristen abweicht.




10.Tag: Spanien

Heute geh ich es locker an, das ist das Schöne am Reisen ohne Terminkalender. Ich gehe in der Früh fast zwei Stunden laufen, und freue mich, dass ich auch die Laufstrecke auf Anhieb wiederfinde. Wunderschön geht es am Strand entlang in der Morgensonne, kaum Leute sind hier, die Saison geht ja auch hier dem Ende zu. Im Spätherbst steht der Drehzahlmesser in Europa einfach auf Vollgas, der Urlaub ist vorbei und für Weihnachten muss man noch schnell etwas Geld verdienen. Schließlich muss die Wirtschaft auch von was leben, das gilt genauso für Spanien. Nach einem guten Frühstück mache ich mich auf ins Internet Cafe und verschicke meine Reiseberichte. Mit dem Motorrad möchte ich heute einen Ausflug in die Berge machen.

Es gibt eine Strecke, die ehemalige Hauptverbindungsstrasse die von Almunecar an der Küste durch die Berge in Richtung Granada führt. Ich kenne diese Bergstrasse nur aus Berichten und es soll wirklich beeindruckend sein wie sie sich von der Küste über hunderte Kurven hoch ins Gebirge windet. Auf dem Weg durch Almunecar bleibe ich noch in einem kleinen Restaurant an der Strasse stehen und esse zu Mittag. Der Besitzer serviert mir das Menü des Tages, irgendeine Paella mit Tintenfisch. Schmeckt sehr gut. Als ich fertig bin kommt plötzlich der Nachbar daher, er hat gerade gegrillt und bringt für mich ein Grillsteak mit Pommes mit über die Strasse! Er meint, ein Mann auf dem Motorrad muss auch genug essen. Unglaublich ist das, ich gehe in ein Restaurant, esse zu Mittag und jemand bringt mir als Geschenk Essen ins Lokal damit ich genug habe. Wo passiert einem so was.

Der darauffolgende restliche Tag auf dem Motorrad ist ausgesprochen spektakulär. Die Strasse ist unglaublich schön und fährt sich traumhaft mit der BMW.

Bergab geht's über steile Kurven, ich muss viel bremsen und habe keine Probleme. Die Probleme am Großglockner sind also von den Bremsbelägen gekommen. Den Abend verbringe ich in La Heradura in einem netten Cafe.

Material und Ausrüstungsbericht I.Teil Europa
Auf diesem ersten Abschnitt der Reise läuft materialtechnisch fast alles wie geplant. Ich bin jetzt 3700 km gefahren und habe mittlerweile subjektiv ein recht gutes Gefühl für das Motorrad mit Beladung, auch abseits der befestigten Strasse. Probleme hat es nur mit der Vorderradbremse und dem Seitenständer gegeben. Man muss sagen, dass an den Bremsproblemen am Großglockner sicher die gesinterten Bremsbeläge einen Teil der Schuld getragen haben, ebenso wie meine etwas zu flotte Fahrweise. Nachdem ich auf normale Beläge(von Hein Gericke) umgestiegen bin, nützen sich die Beläge an der Reibfläche zwar recht flott ab(was die Sinterbeläge überhaupt nicht gemacht haben), zeigen dafür aber eine ordentliche Bremswirkung und die Scheibe wird offenbar etwas weniger heiß. Bei einer modernen Doppelscheibenanlage dürfte das kaum ins Gewicht fallen, bei der R 80 GS ist der Unterschied aber sehr deutlich. Sämtliche Passfahrten in Spanien sind bei gewohnter Fahrweise ohne Probleme gelaufen. Ich muss aber sagen, es handelt sich hier um meine subjektiven Einschätzungen, gerade bei einem so heiklen Thema wie bei den Bremsen sollte man immer die Werkstätte ranlassen.
Die Sache mit dem Seitenständer war deutlich harmloser, dafür aber recht nervtötend. Aus irgendeinem Grund ist dieser Ständer so konzipiert, dass er das Motorrad in extremer Schräglage abstützt. Das ohne Gepäck. Mit Beladung wird es lustig. Ist der Untergrund komplett eben steht die Maschine dann gerade mal so. Ist es nur ein wenig schräg, fällt sie über den Ständer, so wie wenn jemand einen Schulterwurf damit machen würde. Das ist ein besonders erfreuliches Erlebnis auf Tankstellen oder bei Fotopausen, man müsste vorher den Untergrund mit der Wasserwaage vermessen um dann sicher zu parken. Ich habe beschlossen diesem Unfug ein Ende zu setzen.

In Malaga finde ich einen Mechaniker der so nett ist und mir auf den zu tief liegenden Endanschlag des Ständers eine Schraubenmutter schweißt. Jetzt kann der Ständer nicht mehr so weit aufklappen und die Maschine steht aufrecht. Perfekt!

Letzte Wartungs und Servicearbeiten vor Spanien
Ein neuer Satz Reifen. Ich wechsle von Michelin Syrac auf Metzeler Enduro 3. Ich habe mit diesen Reifen sehr gute Erfahrungen gemacht und bin früher mit einem Satz plus Gepäck 15000km gefahren, ohne Pannen und Problemen. Für meine Streckenwahl stellen sie trotz Abstrichen im harten Gelände, wo ich alleine und mit viel Gepäck ohnehin nicht fahren kann, aufgrund ihrer Langlebigkeit die ideale Lösung dar. Ölwechsel : Wichtig, denn auf den nächsten rund 8000km ist nicht in gewohnter Form mit qualitativer Versorgung zu rechnen. Ich habe erst in Lomè in Togo wieder die Möglichkeit in eine einigermaßen gut ausgestattete Werkstatt zu fahren. Bis dort sollte das Material halten. Sonst gibt es in Afrika großteils nur gebrauchte Teile. Die brauchbaren von den gebrauchten haben dann aber ihren Preis. Ein Reifen mit 2000km Restleitung fällt unter Topgebraucht. Der kann dann schon mal 100 Dollar kosten wenn es dir pressiert und das Visum in zwei Tagen abläuft!
Modifikationen in der Ausrüstungsliste
Einige warme und schwere Kleidungsstücke werden nach Hause geschickt. Wichtig sind jetzt Wasser, Benzin, Ersatzteile und Medikamente.

Positive Erfahrungen
Die beiden Panasonic Kameras sowie das IBM Notebook versehen tadellos ihren Dienst. Die Touratech Alukoffer schützen die Ausrüstung hervorragend. Das Garmin GPS map 60 Csx hat mich ebenfalls nur positiv überrascht. Trotz vergleichsweise kleinerem Bildschirm ist die Ablesbarkeit am Lenker in jeder Fahrsituation gegeben. Funktion und Bedienbarkeit sind zu 100 Prozent verständlich und verlässlich. Im Taschenbetrieb ist das Gerät auch ein toller und leichter Begleiter für die Laufstrecke oder Stadtwanderung. Don`t want to miss it!
www.felix-bergmeister.at
Autor

Bericht vom 14.02.2007 | 11.123 Aufrufe

Du hast eine Neue?

Verkaufe dein Gebrauchtmotorrad im 1000PS Marktplatz.

Inserat erstellen

Empfohlene Berichte

Pfeil links Pfeil rechts