MotoGP: Adelaide statt Phillip Island – Besucher schuld?
Hat der Australien-GP zu wenige Zuseher?
Die MotoGP verlässt ab 2027 Phillip Island und fährt künftig auf einem Stadtkurs in Adelaide. Während die Serie weltweit Rekordzahlen schreibt, blieb das Wachstum in Australien zuletzt moderat. War es nur ein Innovationsschritt oder auch eine wirtschaftliche Entscheidung?
Die MotoGP steht vor einem historischen Wechsel in Australien. Nach Jahrzehnten auf dem beliebten Rundkurs auf Phillip Island wird der Grand Prix ab 2027 in Adelaide ausgetragen. Erstmals in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft wird damit ein Stadtkurs Teil des Kalenders.
Die neue Strecke entsteht rund um den Victoria Park südöstlich des Stadtzentrums und orientiert sich am früheren Adelaide Street Circuit, auf dem zwischen 1985 und 1995 Formel-1-Rennen stattfanden. Das Layout wird rund 4,195 Kilometer lang sein, 18 Kurven umfassen und Geschwindigkeiten von über 340 km/h ermöglichen. Zahlreiche Anpassungen sollen sicherstellen, dass der Kurs den modernen Sicherheitsanforderungen der MotoGP entspricht. Der Vertrag zwischen der MotoGP und der Regierung von South Australia läuft zunächst bis einschließlich 2032.
Offizielle Begründung: Innovation und wirtschaftliche Impulse
MotoGP-Sportchef Carlos Ezpeleta spricht von einem ”bedeutenden Schritt in der Entwicklung der Weltmeisterschaft”. Die Möglichkeit, einen speziell konzipierten Stadtkurs zu realisieren, sei im Motorradrennsport einzigartig. Gleichzeitig betont die Regierung von South Australia die wirtschaftlichen Effekte und die internationale Sichtbarkeit für die Region.
Phillip Island im Kontext der aktuellen Entwicklung
Der Wechsel erfolgt in einer Phase starken Wachstums der MotoGP. 2025 erreichte die Serie mit über 3,6 Millionen Zuschauern an den Rennstrecken einen neuen Rekordwert. Viele Veranstaltungen konnten deutliche Zuwächse verzeichnen – insbesondere in Europa und Südostasien.
Phillip Island bewegte sich hingegen auf stabilem Niveau. Während andere Strecken teils fünfstellige Wachstumsraten erzielten, blieb der Australien-GP mit knapp über 91.000 Besuchern nahezu konstant. Das bedeutet keineswegs einen Einbruch – jedoch fand das allgemeine Wachstum der Serie dort nur eingeschränkt statt. Im direkten Vergleich liegt Phillip Island im unteren Mittelfeld der Saison.
Zuschauerzahlen MotoGP 2025 (Gesamtübersicht)
| Grand Prix | Zuschauer 2025 |
| Le Mans (Frankreich) | 311.797 |
| Sachsenring (Deutschland) | 256.441 |
| Buriram (Thailand) | 224.634 |
| Jerez (Spanien) | 224.420 |
| Brünn (Tschechien) | 219.544 |
| Termas de Rio Hondo (Argentinien) | 208.979 |
| Valencia | 205.319 |
| Assen (Niederlande) | 200.104 |
| Sepang (Malaysia) | 190.977 |
| Barcelona (Katalonien) | 187.086 |
| Portimao (Portugal) | 183.102 |
| Misano (San Marino) | 174.821 |
| Mugello (Italien) | 166.074 |
| Mandalika (Indonesien) | 140.324 |
| Austin (USA) | 125.806 |
| Spielberg (Österreich) | 117.560 |
| Aragon (Alcaniz) | 112.633 |
| Silverstone (Großbritannien) | 99.328 |
| Phillip Island (Australien) | 91.245 |
| Motegi (Japan) | 90.096 |
| Balaton Park (Ungarn) | 80.105 |
| Lusail (Katar) | 50.321 |
Einordnung
Mit 91.245 Zuschauern lag Phillip Island 2025 deutlich unter den großen europäischen Veranstaltungen wie Le Mans, Sachsenring oder Jerez, aber in einem Bereich vergleichbar mit Motegi oder knapp über Silverstone. Während der Gesamttrend der MotoGP klar nach oben zeigt, blieb das Wachstum in Australien moderat. Gleichzeitig setzt die Serie zunehmend auf urbane Eventformate, die zusätzliche wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen – insbesondere im Bereich Hospitality, Sponsoring und Infrastruktur.
Mit Adelaide erhält Australien ab 2027 ein neues Konzept: zentraler gelegen, stadtnah und als weltweit erster MotoGP-Stadtkurs positioniert. Wie sich dieser Schritt langfristig auf Besucherzahlen und Eventcharakter auswirken wird, bleibt abzuwarten.
Fest steht: Der Australien-GP schlägt ein neues Kapitel auf – in einer Phase, in der die MotoGP insgesamt stärker wächst als je zuvor.
Bericht vom 20.02.2026 | 477 Aufrufe