Aprilia SR GT 400 vs Honda ADV350 – der theoretische Showdown

Die Daten lügen nicht!

Dieser theoretische Vergleich zwischen Honda ADV350 und Aprilia SR GT 400 zeigt, wie unterschiedlich zwei Crossover-Scooter konzipiert sind. Wer bietet mehr Leistung, Komfort und Abenteuerpotenzial – zumindest auf dem Papier?

Der Markt der mittelgroßen Crossover-Scooter boomt – kaum ein Segment wächst derzeit schneller. Mit dem Honda ADV350 Modelljahr 2026 und dem brandneuen Aprilia SR GT 400 treffen zwei Konzepte aufeinander, die auf den ersten Blick vieles gemeinsam haben: Adventure-Optik, große Räder, moderne Elektronik und reichlich Komfort. Doch ein genauer Blick auf die technischen Daten zeigt, dass die beiden Roller unterschiedliche Prioritäten setzen. Zeit für einen theoretischen Vergleich, der klärt, welcher Scooter im Alltag, auf Tour oder im urbanen Abenteuer letztlich die Nase vorn haben könnte.


Design & Konzept: Urban Adventure trifft italienischen Crossover-Sport

Honda führt mit dem ADV350 sein bewährtes "New Urban Adventure"-Konzept fort. Der Roller verbindet klassische Crossover-Elemente mit hoher Alltagstauglichkeit: großzügiger Stauraum, niedrige Sitzhöhe, verstellbares Windschild und eine robuste Optik, die vom großen X-ADV inspiriert ist. Das Modelljahr 2026 bringt frische Farben und feine Detailverbesserungen, bleibt aber klar auf Komfort und Funktionalität ausgelegt.


Besonders in der Replica-Version zeigt sich der SR GT 400 sportlich
Besonders in der Replica-Version zeigt sich der SR GT 400 sportlich

Aprilia hingegen verfolgt beim SR GT 400 einen mutigeren Ansatz. Das Design lehnt sich stark an die Enduro- und Sportmodelle der Marke an. Schlanke Linien, hohe Bodenfreiheit und die markante LED-Front schaffen einen sportlichen, dynamischen Look. Der SR GT 400 wirkt wie ein Roller für all jene, die eigentlich Motorrad-Feeling suchen, aber den Komfort eines Scooters beibehalten wollen.


Motor & Leistung: Effizienz gegen Performance

Der Honda ADV350 setzt auf einen 330-Kubik-eSP+-Einzylinder, der 29,2 PS und 31,5 Nm Drehmoment liefert. Der Motor ist auf Laufruhe, Effizienz und Alltagstauglichkeit abgestimmt. Mit einem Verbrauch von rund 3,4 bis 3,5 Litern pro 100 Kilometer bietet der ADV350 beeindruckende Reichweiten von über 330 Kilometern - ein Vorteil für Vielfahrer und Pendler.


Der sparsame Motor des Honda ADV350.
Der sparsame Motor des Honda ADV350.

Aprilia geht einen deutlich sportlicheren Weg. Der neu entwickelte 400-Kubik-HPE-Motor bringt 36 PS und 37,7 Nm. Damit besitzt der SR GT 400 nicht nur eine der höchsten Leistungen seiner Klasse, sondern auch ein hervorragendes Leistungsgewicht, da er trotz größerem Hubraum dasselbe fahrfertige Gewicht wie der Honda aufweist. Die Kraftreserven dürften vor allem beim Beschleunigen und Überholen spürbar sein, was den Aprilia-Motor besonders für sportlich orientierte Fahrer interessant macht.


Honda ADV350Aprilia SR GT 400
Hubraum330 cm³399 cm³
Leistung21,5 kW / 29,2 PS @ 7.500 U/min26,4 kW / 36 PS @ 7.500 U/min
Drehmoment31,5 Nm @ 5.250 U/min37,7 Nm @ 5.700 U/min
Gewicht fahrfertig186 kg186 kg
Tank11,7 l12 l

Beide wiegen 186 kg, aber die Aprilia legt deutlich mehr Leistung und Drehmoment drauf.


Fahrwerk & Handling: Komfortabler Allrounder vs. sportliche Dynamik

Beim ADV350 setzt Honda auf einen Stahlrohrrahmen, eine 37-Millimeter-USD-Gabel und zwei hintere Federbeine mit Ausgleichsbehälter und einstellbarer Federvorspannung. Die 125 beziehungsweise 130 Millimeter Federweg sorgen für ein neutrales, komfortbetontes Fahrverhalten. Mit seinem 15-Zoll-Vorderrad, dem kürzeren Radstand und der moderaten Bodenfreiheit von 145 Millimetern fühlt sich der ADV350 vor allem im urbanen Verkehr spielerisch und kontrolliert an.


Aprilia hingegen hat das Fahrwerk des SR GT 400 kompromisslos sportlich ausgelegt. Eine 41-Millimeter-USD-Gabel, ein verstärkter Stahlrohrrahmen und 120 Millimeter Federweg an Vorder- und Hinterrad vermitteln ein präzises, motorradähnliches Fahrgefühl. Die Bodenfreiheit von 190 Millimetern und die großen Enduro-Trail-Reifen auf 16-Zoll-Vorderrad geben ihm zudem echte Offroad-Ambitionen. Hier wird besonders deutlich: Der SR GT 400 ist kein gewöhnlicher Roller, sondern ein dynamischer Crossover, der auch abseits des Asphalts bestehen will.


Links: Honda | Rechts: Aprilia
Links: Honda | Rechts: Aprilia

Bremsen & Elektronik: intuitive Sicherheit oder maximale Kontrolle

Honda stattet den ADV350 mit einem bewährten Bremsset-up aus: eine 256-Millimeter-Scheibe vorne, eine 240-Millimeter-Scheibe hinten sowie ein Zweikanal-ABS. Dazu kommt die zweistufige HSTC-Traktionskontrolle, die sich unauffällig in den Alltag einfügt und für zusätzliche Sicherheit sorgt. Funktionen wie selbstrückstellende Blinker oder das ESS-Notbremssignal unterstreichen den praxisorientierten Charakter.


Aprilia geht hier ebenfalls einen Schritt weiter: ein 300-Millimeter-Vorderrad-Bremsscheibe mit radial montiertem Vierkolbensattel, ein zweikanaliges Bosch-ABS mit variabler Steuerung und die ATC-Traktionskontrolle, die sogar komplett deaktiviert werden kann. Damit lässt der SR GT 400 deutlich mehr Spielraum für sportliche Fahrer, die gerne selbst entscheiden, wie intensiv die Assistenzsysteme eingreifen sollen. Besonders im leichten Offroad-Einsatz dürfte diese Flexibilität ein Vorteil sein.


Ergonomie & Komfort: niedrige Sitzhöhe oder Adventure-Feeling

Der Honda ADV350 glänzt mit einer niedrigen Sitzhöhe von 795 Millimetern, die vielen Fahrerinnen und Fahrern entgegenkommt. Dazu bieten der großzügige 48-Liter-Untersitzstauraum, die beleuchteten Fächer und die angenehme Sitzbank ein sehr alltagstaugliches Gesamtpaket. Das vierfach höhenverstellbare Windschild unterstützt sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Autobahn.


Aprilia positioniert den SR GT 400 höher. Mit 820 Millimetern Sitzhöhe und breitem Lenker fühlt sich die Ergonomie mehr nach einem Adventure-Motorrad an. Die Scheibe ist in fünf Positionen verstellbar, die Aerodynamik wurde für hohe Geschwindigkeiten optimiert. Der Stauraum fällt kleiner aus als beim Honda, bietet aber dennoch Platz für einen Integralhelm und zusätzliche Kleinigkeiten.


Konnektivität & Ausstattung: moderne Technik auf beiden Seiten

Beide Scooter setzen auf ein 5-Zoll-TFT-Farbdisplay mit Smartphone-Konnektivität, Navigation, Telefonfunktionen und Sprachbedienung. Honda nutzt RoadSync, Aprilia das MIA-System, das bei der Rally Replica Variante serienmäßig integriert ist. Die Unterschiede sind gering und eher markentypisch geprägt. Wer Wert auf intuitive Bedienbarkeit legt, kann beim Honda leichte Vorteile finden, während Aprilia stärker auf sportliches Design und eine dynamische Darstellung setzt.


TFT, Keyless Go - bei der Ausstattung ist man auf Augenhöhe.
TFT, Keyless Go - bei der Ausstattung ist man auf Augenhöhe.

Fazit: Vernunft und Alltagssouveränität gegen Leistung und Dynamik

Der theoretische Vergleich zeigt klar, dass sich die beiden Crossover-Scooter trotz ähnlicher Ausrichtung an unterschiedliche Zielgruppen richten.


Der Honda ADV350 ist der perfekte Begleiter für Pendler, Stadtfahrer und komfortorientierte Abenteurer. Er überzeugt mit niedriger Sitzhöhe, viel Stauraum, hervorragender Effizienz und einem durchdachten Gesamtkonzept, das in erster Linie im Alltag glänzt.


Der Aprilia SR GT 400 hingegen spielt in der Rolle des sportlichen Herausforderers. Mehr Leistung, ein stabileres und motorradnahes Fahrwerk, größere Bodenfreiheit und umfangreiche Elektronikeinstellungen machen ihn zum emotionaleren, dynamischeren Crossover, der auch auf schlechten Straßen oder bei höherem Tempo wahre Freude bereiten dürfte.


Zusammengefasst könnte man sagen: Der Honda ADV350 spricht den Kopf an - der Aprilia SR GT 400 das Herz.


Ob dem nun wirklich so ist, wird sich zeigen, wenn wir beide Roller im direkten Vergleich gefahren sind.


Bericht vom 19.02.2026 | 22.199 Aufrufe