Harley-Davidson Pan America 1250 Limited Test
Einmal alles für Touring und Offroad
Das Adventure-Flaggschiff aus Milwaukee richtet sich an Abenteurer, die weder Wetterkapriolen noch lange Etappen fürchten, und rollt serienmäßig mit umfangreichem Touring- und Offroad-Equipment an den Start. Rund um das spektakuläre Málaga stellte sich NoPain mit der neuen Harley-Davidson Pan America 1250 Limited jeder Wetterlage. Zwischen Regenfront und strahlendem Sonnenschein durfte die Reiseenduro eindrucksvoll beweisen, was wirklich in ihr steckt.
Ausstattung & Zubehör der Limited
Technisch entspricht die Harley-Davidson Pan America 1250 Limited der 1250 Special, kommt jedoch bereits ab Werk vollständig ausgestattet. Kein Nachrüsten, keine zusätzlichen Montagekosten – einfach starten und Kilometer sammeln.
Zum Komplettpaket zählen unter anderem ein robustes Leichtmetall-Topcase sowie Seitenkoffer mit insgesamt 120 Litern Volumen, ein Screamin Eagle Quickshifter für kupplungsloses Schalten, ein Auspuffschutz, ein Leichtmetall-Unterfahrschutz, ein Kühlerschutz sowie verstellbare Fußbrems- und Schalthebel, die speziell für Fahrten im Stehen angepasst werden können.
Darüber hinaus verfügt sie über semiaktives Fahrwerk, Adaptive Ride Height, Daymaker Signature LED-Scheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht, neun Fahrmodi inklusive Offroad-Programme, ein 6,8 Zoll TFT-Display mit Bluetooth und USB-C, Heizgriffe, Reifendruckkontrollsystem, Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, elektronische Bremskraftverteilung, Schleppmomentregelung sowie Berganfahrhilfe.
In Kooperation mit SW-Motech entwickelte Aluminiumkoffer stellen 120 Liter verschließbaren Stauraum bereit, das Top-Case fasst einen Integralhelm. Robust, ausgewogen konstruiert und wetterfest ausgeführt, eignen sich die Koffer für lange Touren unter den unterschiedlichsten Bedingungen.
Schlauchlose Alu-Speichenräder kombinieren klassische Adventure-Optik mit moderner Alltagstauglichkeit. Pannen lassen sich unterwegs unkomplizierter beheben, ohne auf den markanten Offroad-Look verzichten zu müssen.
Serienmäßige Zusatzscheinwerfer erzeugen eine breite, gleichmäßige Ausleuchtung des Vorfeldes. In Schräglage aktiviert das adaptive Daymaker Signature Fahrlicht zusätzliche LEDs, wodurch Kurven besser ausgeleuchtet und Hindernisse früher erkannt werden. Das erhöht die Sicherheit bei Dämmerung und auf dunklen Waldpassagen.
Neue Hochglanzlackierungen, überarbeitete Grafiken und hübsche Embleme betonen den Premiumcharakter der Limited. Der schwarz beschichtete Motor und pulverbeschichtete Schutzelemente ergänzen das Design harmonisch und sorgen für ein stimmiges, praxisorientiertes Gesamtbild mit klarer Abgrenzung zur Standardversion.
Einzelpreise der verbauten Komponenten liegen uns nicht vor, weshalb wir nicht beurteilen können, ob der Aufpreis von rund 6.000 Euro rechnerisch exakt gerechtfertigt ist. Fakt ist jedoch, dass sämtliche Teile perfekt integriert und werkseitig montiert sind und die Limited zudem eine hochwertigere Lackierung erhält.
Wer individuell konfigurieren möchte, könnte alternativ zur deutlich günstigeren Pan America 1250 Special greifen und nur jene Komponenten nachrüsten, die tatsächlich benötigt werden.
Ergonomie & Sitzkomfort
Während der Fahrt liegt die Sitzhöhe bei rund 840 Millimetern und bietet volle Bodenfreiheit sowie die optimale Geometrie für Stabilität und Schräglagenfreiheit. Sobald das Motorrad zum Stillstand kommt, senkt das Adaptive Ride Height System die Maschine automatisch um etwa 25 Millimeter auf rund 815 Millimeter ab, damit der Fahrer sicherer mit beiden Füßen den Boden erreicht. Beim erneuten Anfahren hebt sich das Fahrwerk selbstständig wieder auf die höhere Fahrposition an und stellt automatisch die passende Fahrwerksabstimmung her.
So erreichen auch kleinere Fahrer sicher den Boden, ohne während der Fahrt Kompromisse bei Bodenfreiheit oder Fahrwerksgeometrie eingehen zu müssen. Gerade mit Sozius oder viel Gepäck sorgt diese automatische Anpassung für ein spürbares Plus an Stabilität beim Anhalten.
Ein kleiner Kritikpunkt zeigt sich jedoch beim Abstellen: Das Ausklappen des Seitenständers erfordert etwas Gefühl und Übung, da er sich auf unebenem oder schrägem Untergrund leicht verhakt und das Motorrad dafür bewusst etwas nach rechts geneigt werden muss.
Die Sitzbank ist straff gepolstert, bietet aber ausreichend Bewegungsfreiheit für eine aktive Fahrweise. Der Kniewinkel fällt angenehm langstreckentauglich aus, bleibt jedoch sportlich genug für dynamische Etappen. Sowohl Kupplungs- als auch Bremshebel sowie Schalt- und Fußbremshebel lassen sich individuell einstellen.
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Motor & Performance
Angetrieben wird die Pan America 1250 Limited vom flüssigkeitsgekühlten Revolution Max 1250 V2 mit 1.252 Kubikzentimetern Hubraum. Er leistet 152 PS bei 8.750 Umdrehungen und stellt 129 Newtonmeter bei 6.750 Touren bereit.
Dieser Twin liefert brachiale Power bereits aus niedrigen Drehzahlen, legt in der Mitte ordentlich nach und begeistert mit sattem Durchzug. Der Charakter ist rau und direkt. Geschaltet wird über ein Sechsganggetriebe mit Kettenantrieb. Der serienmäßige Quickshifter funktioniert präzise, zeigt sich beim Raufschalten jedoch etwas ruppig und verlangt nach höheren Drehzahlen. Trotzdem möchte man ihn im sportlichen Einsatz nicht missen.
Mit einem Verbrauch von rund 5,6 Litern auf 100 Kilometer ergibt sich bei 21,2 Liter Tankvolumen eine theoretische Reichweite von etwa 375 Kilometern.
Fahrwerk & Handling
Vorne arbeitet eine 47 Millimeter Upside-Down-Gabel mit elektronischer, semiaktiver Dämpfung. Hinten kommt ein elektronisch geregeltes Zentralfederbein mit automatischer Vorspannung zum Einsatz.
Auf der Geraden liegt die Pan America stabil wie auf Schienen und bleibt auch im Winkelwerk souverän und berechenbar. Das elektronische Fahrwerk ist hochwertig abgestimmt und arbeitet harmonisch. Die Michelin Scorcher Adventure Reifen liefern soliden Grip und viel Stabilität, auch wenn nasse Passagen im Test Respekt einforderten.
Trotz einem fahrfertigen Gewicht von knapp 300 Kilogramm vermittelt die Pan America viel Vertrauen; beim Rangieren bleibt die Masse jedoch deutlich spürbar - so viel Ehrlichkeit muss sein.
Elektronik & Assistenzsysteme
Neun Fahrmodi stehen zur Verfügung. Die Unterschiede zwischen Rain, Road und Sport sind eindeutig erkennbar. Offroad-Programme sind integriert, wurden im Test jedoch nicht genutzt.
Das 6,8 Zoll TFT-Display ist sehr gut ablesbar und intuitiv bedienbar. Die Assistenzsysteme arbeiten unauffällig im Hintergrund und unterstützen, ohne sich aufzudrängen.
Sound & Charakter
Im Stand wirkt der V2 zurückhaltend. Unter Last und beim Beschleunigen entwickelt sich ein kerniges Klangbild mit deutlichem Ansauggeräusch - zeitgemäß, präsent und passend zur Charakteristik der Maschine.
Die Harley-Davidson Pan America 1250 Limited ist in Deutschland ab 26.900 Euro, in Österreich ab 31.900 Euro und in der Schweiz ab 25.700 CHF erhältlich und wird in den Farben Olive Steel Metallic, White Onyx Pearl sowie Dark Billiard Gray angeboten.
Fazit: Harley-Davidson Pan America 1250 Limited 2026
Die Harley-Davidson Pan America 1250 Limited präsentiert sich als umfassend ausgestattete Reiseenduro mit kräftigem Motor, moderner Elektronik und hohem Langstreckenkomfort. Die Sitzposition ist entspannt, die Ergonomie vermittelt viel Übersicht und Kontrolle, während der kultivierte V2 seine Leistung gleichmäßig und vibrationsarm entfaltet. Mit großem Tank, Quickshifter und umfangreichen Assistenzsystemen eignet sie sich hervorragend für lange Etappen auf Autobahn und Landstraße. Fahrdynamisch bleibt sie souverän und stabil, optisch setzt sie sich klar von der Masse ab. Leistung und Dimensionen verlangen jedoch nach Erfahrung. Für Einsteiger mit wenig Praxis ist sie anspruchsvoll, für Umsteiger mit solider Basis hingegen eine interessante Wahl. Wer ausschließlich auf der Straße unterwegs ist, findet in der 1250 ST möglicherweise die stimmigere Alternative. Kritisch anzumerken sind das hohe Gewicht beim Rangieren, die spürbare Hitzeentwicklung im Stand, der etwas ruppige Quickshifter beim Hochschalten sowie die gewöhnungsbedürftige Mechanik des Seitenständers. Unterm Strich bietet die Limited jedoch ein durchdachtes Komplettpaket für Fahrer, die Adventure-Optik und volle Ausstattung ab Werk schätzen.- charakterstarker, kultivierter V2 mit 152 PS
- gut gelungene Geometrie
- umfangreiche Elektronik
- Vollausstattung ohne Kompromisse
- harmonisches Schräglagenverhalten
- bequeme Sitzposition
- anpassbare Ergonomie
- stabile Brembo-Bremsen
- ruppiges Hinaufschalten trübt die sonst gute Funktion des Quickshifters
- relativ hohes Gewicht
- Hitzeentwicklung am Stand und bei niedrigen Geschwindigkeiten
- Motor weniger emotional als bei klassischen Harleys
- Seitenständer stößt beim Abstellen im Gelände an (seine Grenzen)
Bericht vom 16.02.2026 | 786 Aufrufe