KTM 1290 Super Adventure S 2021

Elektronikinferno - wohl doch nicht alles beim Alten!

Auf den ersten Blick haben wir der neuen KTM 1290 Super Adventure S Unrecht getan: „Schaut aus wie die Alte!“ Stellt man die beiden Modelle 2020 und 2021 aber nebeneinander (das geht vorerst nur mit Bildern), so merkt man schnell und an allen Ecken und Enden - da blieb kaum ein Stein auf dem anderen! Die neue SASi 2021 kommt außerdem mit einem gehörigen Elektronikpackage samt radargestützter Geschwindigkeitsregelanlage daher.

Pressetexte müssen offensichtlich immer etwas überheblich klingen. Vor allem bei einer Marke, die sich Ready to race auf jeden Werbebanner heftet. KTM spricht bei der neuen 1290 Super Adventure S 2021 jedenfalls von einem neuen Zeitalter der technischen Überlegenheit und Performance-orientierten Technologie. Nun, was ist dran, an dieser vollmundigen Aussage?

Der schmalzige V2-Dampfhammer mit 1301 Kubik bleibt sich treu

Eines steht zumindest vorher tatsächlich schon fest: KTM konnte bereits in den letzten acht Jahren das Segment der Adventure-Bikes mit seinen Modellen gehörig aufmischen. Kein anderer Hersteller hatte mehr Hubraum - und das auch noch aus nur zwei Zylindern! Trotzdem lässt sich dieser 1301 Kubik riesige V2-Dampfhammer mit satten 160 PS ganz gesittet und easy bewegen. Das ist und bleibt beeindruckend. Denn selbst Ducati setzt bei der Multistrada, die vormals mit 1262 Kubik und ebenfalls 160 PS aus einem V2 im Motorenkapitel noch am ehesten der KTM ähnelte, auf einen neuen V4-Motor. Zur Duc aber später noch mehr.

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Das riesige Triebwerk lässt sich von Euro5 nicht kleinkriegen

Das Triebwerk der neuen KTM 1290 Super Adventure S 2021 bleibt im Grunde genommen (glücklicherweise) der alte Bekannte, nun aber auf Euro5 optimiert. Dank dünnerer Motorgehäuse und einem neuen Ölkreislauf liefert er seine 160 PS und 138 Newtonmeter Drehmoment nun um 1,6 Kilo schlanker ab. Dafür atmet der Motor über eine neue Auspuffanlage aus, die man besser nicht mit der Anlage der Vorgängerin vergleicht - Euro5 macht die Auspuffsysteme nicht unbedingt schöner. Wir werden uns aber sicher daran gewöhnen, versprochen. Neue Kolben sollen die Zuverlässigkeit des Motors weiter verbessern, der gleichzeitig dank eines neuen Kühlflüssigkeits-/Ölsystems kühler arbeiten kann. Seine beiden neuen Kühler sorgen zusammen mit dem neu gestalteten Bodywork dafür, dass heiße Luft von den Beinen des Fahrers weggeleitet wird. Serviceintervalle von 15.000 Kilometer und ein niedrigerer Verbrauch runden das überarbeitete Motorpaket ab.

Die Ergonomie der neuen KTM 1290 Super Adventure S - doch alles anders!

Nun aber zum bereits erwähnten neu gestalteten Bodywork - die Ergonomie wurde ordentlich überarbeitet. Die Beine des Fahrers umschließen jetzt einen neuen 23 Liter-Tank mit schlüssellosem Verschluss, der mit seinen bauchigen Ausläufern nach unten stark an den Tank der 790 und 890 Adventure-Modelle erinnert. Das Prinzip ist schlau und senkt klarerweise den Schwerpunkt. Außerdem wurde der neuen 1290er SASi, um das Handling zu schärfen, ein neues Fahrwerk verpasst, das die Gewichtsverteilung zu Gunsten der Wendigkeit noch weiter verbessert. Kurven sollen dank des zurückverlegten Steuerkopfes um 15 mm und der Verlagerung des vorderen Teils des Motors jetzt noch dynamischer durchstochen werden. Zusätzlich dazu trägt die Fachwerk-Schwinge zu ordentlicher Stabilität beim Beschleunigen bei. Ihr Ausleger wurde so gestaltet, dass die Sitzhöhe verringert wurde, ohne seine Robustheit oder Praxistauglichkeit zu schmälern. Schließlich ist die neue Sitzbank zweigeteilt und kann um 20 mm verstellt werden. Ebenso einstellbar sind der Lenker sowie die Verkleidungsscheibe, die im Windtunnel entwickelt wurde und in einem Bereich von 55 mm verstellt werden kann. Und wir dachten, es wäre eh alles beim Alten!

Noch bessere Technologie für noch bessere Performance

Und da haben wir noch nicht einmal die unsichtbaren Elektronik-Innereien erwähnt, die der KTM 1290 Super Adventure S 2021 dazu verhelfen sollen, der Inbegriff der technischen Überlegenheit zu werden. Es könnte durchaus klappen, der Fahrer wird von einer neuen Generation von Assistenzsystemen unterstützt, die in den Fahrmodi Sport, Street, Rain, Offroad und dem verbesserten (optionalen) Rally-Fahrmodus noch unmerklicher eingreifen. Zudem verfügt die schräglagenabhängige Traktionskontrolle nun über zwei unabhängige Regler (einen für den Schlupf und einen für den Neigungswinkel), die ihre eigenen Daten und Strategien liefern. Die Systeme Kurven-ABS und Offroad-ABS verlassen sich auf die neue Stabilitätskontrolle von Bosch, während es nun optional eine Motorschleppmoment-Regelung gibt. Und dank der neuesten Generation des semiaktiven Fahrwerks vom Typ WP APEX soll die große 1290er-Kante selbst schwierige Pfade glattbügeln. Mit seinen neuen Ventilen soll es die Dämpfung verbessern, während der 6D-Sensor seine Daten zur genauen Berechnung des Fahrverhaltens direkt an die Einheit liefert.

Herrlich viele Features auf der neuen KTM - vieles aber nur gegen Aufpreis

Für ein rundum gelungenes Elektronik-Package bekommt die KTM auch noch ein brandneues 7-Zoll-TFT-Display, das für nahtlose Smartphone-Verbindung mit einer neuen Connectivity Unit ausgerüstet ist. Dank des nun größeren Kombiinstruments können die Menüs und verschiedene Informationsgrafiken nun noch übersichtlicher dargestellt werden. Direkt unter dem Display befindet sich ein neu gestaltetes Staufach mit USB-Ladebuchse. Zur Kommunikation mit dem neuen Display verfügt die 1290 SASi über völlig neue Schalter an beiden Seiten des Lenkers, die eine neue und nahtlosere Benutzerführung ermöglichen. Eine neue Reihe von Schnellauswahl- und Favoriten-Tasten erlaubt dem Fahrer, Einstellungen während der Fahrt zu verändern und sich gleichzeitig auf den Verkehr zu konzentrieren. Leider ist der Quickshifter+ nur gegen Aufpreis zu haben, diese Aufpreispolitik haben sich die Österreicher offenbar aus Bayern abgeschaut. Denn auch das Suspension Pro-Paket, das individuelle Dämpfung für Gabel und Federbein, automatische Vorspannungseinstellung sowie einen abschaltbaren Anti-Dive-Modus bietet, das Tech Pack inklusive Rally Pack und RALLY-Fahrmodus und zugehöriger MTC-Schlupfanpassung, die Motorschleppmoment-Regelung, Hill Hold Control und das adaptive Bremslicht kosten Aufpreis.

Geschwindigkeitsregelanlage auf der 1290er Super Adventure S - sogar serienmäßig

Abschließend noch der, von KTM wohl als absolutes Killerargument geplante Temporegler - eine innovative adaptive Geschwindigkeitsregelanlage ist nun auch mit an Bord! Diese wurde in Zusammenarbeit mit Bosch entwickelt und passt den Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern vor dem Motorrad über Radarsensoren automatisch an und kann über neu gestaltete Kombischalter in fünf Stufen eingestellt werden. Nun, alter Hut ist es klarerweise nicht, aber Ducati verbaut solch ein System, sogar kombinierbar mit einem Totwinkel-Assistenten bereits bei der neuen Multistrada V4. Allerdings ist der Tempomat auf der KTM 1290 Super Adventure S 2021 sogar serienmäßig mit dabei - der Kampf um die Käufergunst hat erneut begonnen!

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Bericht vom 26.01.2021 | 25.241 Aufrufe

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