Royal Enfields Weg nach oben: Interview mit dem CEO

Govindarajan über globales Wachstum und Royal Enfields Zukunft

Royal-Enfield-CEO B. Govindarajan erklärt, wie die Marke ihre nächste Wachstumsphase plant, warum sie den Wettbewerbern nicht folgt und wie Elektrifizierung zur DNA des Unternehmens passen wird.

Interview mit B. Govindarajan, CEO von Royal Enfield Interviewer: Poky, 1000PS

Poky, 1000PS: Sie haben erwähnt, dass Royal Enfield aktuell etwa acht bis neun Prozent Marktanteil im Mittelklasse-Segment hält. Wo, wie und wann hat die Reise begonnen?

B. Govindarajan, CEO Royal Enfield: Im Moment produzieren wir über eine Million Motorräder pro Jahr. 2011 waren es nur rund 47.000 Einheiten. Damals sagten wir: Wenn wir 100.000 Motorräder im Jahr schaffen, können wir uns wirklich als Motorradhersteller bezeichnen.

Wir konzentrierten uns ganz auf die Mittelklasse ein damals unterversorgtes Segment. Unsere Vision war, Motorräder zu schaffen, die zugänglich sind und dem Fahrer Kontrolle geben. Wir nennen das "reines Motorradfahren". Mit konsequenter Produktarbeit und Markenaufbau wuchsen die Zahlen Schritt für Schritt auf das aktuelle Niveau. Heute sind wir profitabel und global Marktführer in der Mittelklasse. Doch wichtiger als Marktanteil ist für uns, den Markt zu gestalten, nicht ihm hinterherzulaufen.

Poky: Wenn Sie von "Mittelklasse" sprechen was bedeutet das für Royal Enfield?

B. Govindarajan: Wir definieren Mittelklasse als 250 bis 750 ccm. Auf der 350er-Plattform haben wir Modelle wie Hunter, Meteor, Classic und Bullet. Auf der 450er-Plattform die Guerilla 450 und die neue Himalayan. Und auf der 650er-Plattform Roadster (Interceptor), Classic 650, Bullet 650, Super Meteor 650 und Continental GT. Insgesamt sind es über fünfzehn Modelle auf drei Plattformen alle unterschiedlich im Charakter. Wir glauben an weiteres Wachstum zwischen 350 und 650 ccm, schließen aber auch nichts über 650 aus.

Poky: Bleibt Royal Enfield in der 650er Klasse bei luftgekühlten Motoren, oder wird an flüssigkeitsgekühlten Alternativen gearbeitet?

B. Govindarajan: Unser 650er-Twin mit 270-Grad-Zündfolge ist luftgekühlt und erfüllt alle aktuellen Emissions-Normen. Sollten neue Vorschriften Flüssigkeitskühlung erfordern, werden wir reagieren, aber derzeit optimieren wir die bestehende Plattform.

Poky: Mittlerweile ist Royal Enfield unter den sechs größten Zweiradherstellern der Welt und das ohne Roller oder 125er Motorräder zu produzieren. Die Konkurrenz in den vorhin besprochenen Kernsegmenten wächst besonders durch chinesische und europäische Marken. Wie sehen Sie das?

B. Govindarajan: Wettbewerb ist gut. Er bringt den Kunden am Ende des Tages bessere Motorräder. Wir haben das Segment ausgebaut, viele andere folgen uns. Natürlich werden wir von unseren Mitbewerbern lernen, aber wir reagieren nicht auf jeden Schritt der Konkurrenz, da wir ihre Strategie nicht kennen. Vielmehr werden wir uns weiterhin darauf konzentrieren, was wir für die globale Motorrad-Community tun müssen, und unser Fokus bleibt auf dem eingeschlagenen Weg.

Poky: Sie haben erwähnt, dass Sie 2011 nur ein Modell hatten und dass die Produktpalette inzwischen erheblich gewachsen ist. Bedeutet kontinuierliches Wachstum also auch, dass immer mehr Modelle hinzukommen?

B. Govindarajan: Nicht unbedingt. Wir glauben, dass weniger mehr ist. Unsere drei Plattformen sind klar aufgestellt. Außerhalb Indiens liegt unser Marktanteil bei rund acht Prozent da gibt es enormes Potenzial für Wachstum. Innerhalb jeder Plattform bieten wir unterschiedliche Charaktere, vom Roadster bis zum Cruiser. Es gibt Spielraum, um die unsere Definition von Mittelklasse mit einer 750er zu vervollständigen, aber sind wir in einer Position, in der wir dies sofort tun müssen? Nein.

Poky: Wie wichtig ist Europa strategisch für Royal Enfield?

B. Govindarajan: Europa ist sehr wichtig. Der Markt stabilisiert sich nach dem Euro 5+ Übergang wieder. Wir erwarten vier bis fünf Prozent Wachstum im Jahr 2026. Im Vereinigten Königreich haben wir 2025 die Direktdistribution übernommen und sind damit näher am Kunden. Über 35.000 Mitglieder zählt der European Riding Club in London ein Zeichen echter Markenliebe. In anderen Märkten wie Frankreich und Italien arbeiten wir mit starken Distributoren. Dieses Jahr, zu unserem 125-jährigen Jubiläum, planen wir eine weltweite Markeninitiative.

Poky: Wir haben jetzt bereits zum wiederholten Male am Stand den Prototypen einer elektrischen Himalayan gesehen. Wie passt ihre neue Submarke Flying Flea hier ins Konzept?

B. Govindarajan: Der Flying Flea ist unser leichtes, urbanes Elektromotorrad-Projekt. Die elektrische Himalayan ist dagegen ein Technologieträger unser Lernlabor für Batterietechnik. Wir investieren hier, um Erfahrung mit Elektrifizierung zu sammeln. Diese Erkenntnisse fließen in die Flying-Flea-Familie ein.

Poky: Also ist die elektrische Himalayan eher Entwicklungsplattform?

B. Govindarajan: Genau. Sie ist unser Labor. Wir arbeiten auch mit Stark strategisch (Anm. d. Redaktion: Royal Enfield hat 2022 50 Millionen Euro in Stark Future investiert) zusammen, die uns bei der E-Technologie unterstützen. Das Motorrad fährt stark, doch primär hilft es uns, elektrische Kompetenz aufzubauen.

Poky: Bleibt das Design künftiger E-Modelle klassisch, oder ist eine futuristischere Designsprache geplant?

B. Govindarajan: Unsere E-Modelle werden die DNA von Royal Enfield tragen, aber moderner auftreten. Die gezeigte C6 war klassisch inspiriert, die ES6 Scrambler deutlich progressiver. Flying Flea richtet sich an junge urbane Fahrer, die Stadt und Umgebung erkunden wollen mit leichtem Offroad-Touch.

Poky, 1000PS: Vielen Dank für Ihre Zeit.

B. Govindarajan: Danke. Es war mir eine Freude.

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Bericht vom 06.01.2026 | 5.032 Aufrufe

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