Moto Morini: Italienische DNA trifft globale Ambitionen
CEO Alberto Monni über Tradition, Design und neue Motoren
Moto Morinis CEO Alberto Monni spricht über die Balance zwischen italienischer Seele und globaler Produktion, die Rückkehr des V-Twin und was Fahrer 2026 erwarten können.
Poky, 1000PS: Alberto, danke für deine Zeit! Wenn möglich in einem Satz: womit sollen Motorradfahrer Moto Morini im Jahr 2026 verbinden?
Alberto Monni: Die DNA von Moto Morini ist in erster Linie italienisch. Wir versuchen, das in jedes Design, jedes Detail der Ergonomie und des Handlings einfließen zu lassen. Genau das macht den Unterschied zwischen Moto Morini und anderen chinesischen Herstellern aus. Wie du weißt, ist Moto Morini eine große italienische Marke, aber seit 2018 gehören wir zu einem chinesischen Unternehmen. Das war ein großer Schritt für uns, weil wir jetzt die finanziellen Mittel haben, die Motorräder zu entwickeln, die wir im Kopf haben, ohne große Kostenbeschränkungen. So können wir sie richtig im Markt positionieren – in Bezug auf Preis und Qualität.
Der italienische Geist steht also immer an erster Stelle. Aber wir wollen auch unser Sortiment erweitern, denn unser Ziel ist es, mit den großen Marken in allen wichtigen Segmenten zu konkurrieren. In den letzten fünf Jahren sind wir stark gewachsen – von unserem großen 1200-ccm-Erbe hin zu den mittleren Hubräumen mit der 6.5, unserer Bestsellerin der X-Cape. Dann kamen die 500er und die Sei-Mezzo SCR, und jetzt kehren wir mit der neuen 1200 X-Cape zurück, die gerade in Italien auf den Markt kommt und bald auch in anderen Ländern. Wir möchten, dass jedes Moto-Morini-Modell sofort erkennbar ist – durch Design, Fahrverhalten und Charakter.
Poky, 1000PS: Wie beeinflusst die Balance zwischen italienischer Entwicklung und globaler Produktion eure Motorräder?
Monni: Italienische Entwicklung und Design machen 90 Prozent des Projekts aus. Die restlichen zehn Prozent – also die finale technische Umsetzung und die Serienproduktion – finden in China statt. Die Tatsache, dass wir die Motorräder intern in Italien entwickeln können, macht einen großen Unterschied. Wir sind selbst Motorradfahrer. Wenn wir andere Motorräder testen, spüren wir etwas – dieses unmittelbare Gefühl, wenn man sich draufsetzt. Auf einer Moto Morini fühlt es sich italienisch an. Das ist es, was wir auch in Zukunft beibehalten wollen.
Wir investieren außerdem stark in Motoren – insbesondere in den V-Twin. Er galt in den letzten Jahren vielleicht als überholt, aber jetzt ist sogar Suzuki wieder damit zurück. Für uns ist der V-Twin Geschichte: Moto Morini begann in den 1970er-Jahren mit V-Twin-Motoren, und wir wollen diese Linie fortsetzen. Unsere V-Twins sind Eigenentwicklungen, mit unserem eigenen Charakter.
Poky, 1000PS: Bei eurer X-Cape 700 hat sich der Hubraum von 650 auf 693 Kubikzentimeter vergrößert. Warum?
Monni: Es gab zwei Gründe. Erstens war die 650 X-Cape etwa drei Jahre auf dem Markt – das ist normalerweise der richtige Zeitpunkt für ein Facelift. Zweitens kam die Euro-5+-Norm genau zur selben Zeit, also hatten wir die Gelegenheit, auf die neue Motorplattform umzusteigen. Unsere Kunden sagten uns, sie lieben die X-Cape – Fahrwerk, Rahmen, Bremsen – aber sie wollten mehr Leistung. Mit der 700 haben sie sie jetzt.
Poky, 1000PS: Die neue 1200 X-Cape wirkt beeindruckend, wie sie hier auf der EICMA steht – rund 130 PS, aber auch 269 Kilo trocken. Das ist schwerer als die meisten Konkurrenten. Warum?
Monni: Ja, der V-2 ist ein großer Motor, nicht gerade leicht. Auf dem Papier könnte man sagen, wir könnten zehn oder fünfzehn Kilo sparen, aber die echte Überraschung kommt beim Fahren. Wir haben den Pressetest für italienische Medien gemacht, und die Tester kamen zurück und sagten: "Sie fühlt sich gar nicht schwer an."
Wir haben viel an der Gewichtsverteilung gearbeitet. Der Tank sitzt nicht oben, sondern zieht sich tief an den Seiten hinab – ähnlich wie bei KTM – und das Chassis ist sehr gut ausbalanciert. Auch wenn die Zahlen am Papier hoch erscheinen, fühlt sich das Motorrad in der Praxis leicht und handlich an.
Poky, 1000PS: Ihr habt jetzt auch eine 700er Bagger im Programm – zielt die auf den US-Markt?
Monni: Ja. Moto Morini hat vor drei Jahren eine eigene Dependance in Kalifornien eröffnet. Dieses Motorrad wird sicher auch den US-Markt ansprechen, auch wenn wir es aufgrund der Importsteuern und Zöllen der Trump-Ära momentan nicht leicht haben. Trotzdem habe ich dieses Modell stark vorangetrieben, weil es in Europa keine mittelgroße Bagger zu einem vernünftigen Preis gab. Keine Konkurrenz. Und die Ergebnisse geben uns recht – unsere Calibro Standard und Calibro Bagger haben sogar unser eigenes Vertriebsteam überrascht. Außerdem haben wir auf der EICMA eine optionale Batwing-Verkleidung gezeigt – die Kunden lieben diesen Stil.
Poky, 1000PS: Ihr habt den neuen 750er V-Twin und den 700er Parallel-Twin. Wird einer den anderen ersetzen?
Monni: Nein, beide bleiben. Der V-Twin ist Teil unserer DNA, aber der Parallel-Twin erlaubt uns, in preissensiblen Segmenten mitzuhalten. Der V-Twin wird die höherwertigen Modelle antreiben, während die 700er Plattform den mittleren Bereich abdeckt.
Poky, 1000PS: Was können die Fahrer in den nächsten Jahren von Moto Morini erwarten?
Monni: Mehr Auswahl, aber immer dieselbe Seele. Egal ob 300, 500, 700, 750 oder 1200 – jede Moto Morini muss sich italienisch anfühlen: im Design, im Handling und in der Emotion.
Poky, 1000PS: Vielen Dank, Alberto.
Monni: Danke dir.
Gespräche mit den Entscheidern in der Zweiradwelt
Bericht vom 02.01.2026 | 8.785 Aufrufe