Motorrad Fahrverbot in der Wiener Innenstadt kommt

Nächster Schlag gegen uns Motorradfahrer

Nach den Beschränkungen für "laute" Motorräder in Tirol, ist es nun das Bundesland Wien, das Schritte gegen das Motorradfahren setzt. Schikane oder sinnvolle Maßnahme? - wir gehen der Sache auf den Grund.

Plan der Stadtregierung und des Bezirkvorstehers zur Verbannung von Autos und Motorrädern

Die Wiener Innenstadt wird „autofrei“ Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) und Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) stellten Anfang der Woche das neue Verkehrskonzept für den ersten Wiener Gemeindebezirk vor. Kernaussage: Der gesamte motorisierte Verkehr, also auch Motorräder und Elektrofahrzeuge, soll aus dem Stadtzentrum vertrieben werden. Das Parken im öffentlichen Raum wird weder für Autos noch für Motorräder von Personen die außerhalb des Bezirks wohnen möglich sein.

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Geplante Ausnahmen für die Fahrverbote - wichtige Fragen bleiben offen

Die Ringstraße, die den ersten Bezirk umrundet, bleibt als einzige Straße von der Maßnahme ausgenommen. Darüber hinaus sind folgende Ausnahmen vorgesehen:

  • AnrainerInnen mit Hauptwohnsitz (Nachweis für Autos durch Parkpickerl für den ersten Bezirk, für Motorräder ungeklärt!)
  • Direkte Zufahrt zu (privaten und öffentlichen) Garagen
  • Unternehmen mit Standort im ersten Bezirk
  • Außendienst-Mitarbeiter mit "notwendiger, wiederkehrender Servicetätigkeit" im ersten Bezirk
  • Beschäftigte, die außerhalb der Öffi-Betriebszeiten beruflich zufahren müssen
  • Sozial- und Pflegedienste
  • Menschen mit Behinderung
  • Taxis und Gästewagen des Gewerbes
  • Hotelgäste, sofern das KFZ danach in einer Parkgarage geparkt wird
  • Diplomaten
  • Fahrzeuge für Ladetätigkeiten
  • Einsatzfahrzeuge und öffentliche Dienstleister wie Müllabfuhr, Pannendienste
  • Baufahrzeuge
  • Linienbusse und Omnibusse mit entsprechender Erlaubnis

Daten und Fakten zum motorisierten Zweirad in Österreich

  • Motorräder, Mopeds und Roller verursachen pro Personenkilometer durchschnittlich weniger Treibhausgasemissionen als PKW. Wenn alle mit dem Motorrad, Roller oder Moped gefahrene Kilometer stattdessen mit dem Auto gefahren würden, hätte Österreich einen um rund 108.000 Tonnen höheren Co2 Ausstoß pro Jahr (Besetzungsfaktor fast ident).

  • Der niedrigere, staubedingte Treibstoffverbrauch von Motorrädern, Rollern und Mopeds erspart den Fahrern Treibstoffausgaben von 4,2 Mio Euro jährlich im Vergleich zur Nutzung eines Autos.

  • Motorräder, Roller und Mopeds benötigen deutlich weniger Parkraum als PKW, wodurch sich auch die Parkplatzsuchkosten verringern. Durch das Erwerbspendeln mit dem Motorrad, Roller oder Moped entsteht ein Zeitgewinn mit einem Wert von insgesamt 2,7 Mio Euro pro Jahr verglichen mit Erwerbspendeln per PKW. (Quelle: VCÖ Angaben; 2,1 Cent externe Parkplatzsuchkosten pro PKW)

  • Verglichen mit dem Auto belaufen sich die Fahrzeitersparnisse von Motorrädern und Mopeds auf einen Wert von 25,7 Mio Euro jährlich. (Quelle: Studie „Der ökonomische und ökologische Fußabdruck der Motorradwirtschaft in Österreich“ von Economica GmbH)

Stellungnahme der Arge 2Rad zu den geplanten Beschränkungen

Karin Munk, die Generalsekretärin des Dachverband der österreichischen Motorradindustrie und Motorradimporteure meint dazu: "Wir sind entsetzt darüber, dass auch der einspurige KFZ Verkehr in der Wiener City verboten werden soll. Gerade im urbanen Bereich bewährt sich der einspurige motorisierte Verkehr als sinnvolle Alternative zum PKW: günstig, umweltfreundlich – in der Innenstadt sind zum größten Teil 125ccm Motorräder und Roller unterwegs, die einen CO² Ausstoß von durchschnittlich 55g haben.“ Auch der wertvolle Parkraum für Anrainer wird dadurch kaum belastet. Weiters wird seit mehreren Jahren die Elektromobilität durch Initiativen des Umweltministeriums gefördert, was diesem Segment erfreulich hohe Zuwachsraten beschert hat. Vor diesem Hintergrund wäre ein Verbot von Elektrofahrzeugen in der Wiener Innenstadt für viele Konsumentinnen und Konsumenten, die auf Elektromobilität setzen, nicht nachvollziehbar und eine große Enttäuschung. Auf die Vorschläge verkehrsberuhigter Zonen in der Inneren Stadt der TU-Wien und der IVS (Verkehrssystemplanung), die motorisierte Einspurige definitv ausnehmen, wurde leider nicht eingegangen.

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Bericht vom 18.06.2020 | 41.926 Aufrufe

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