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Doch ich erinnerte mich auch, dass mir die Schaltung vom Getriebe nicht mehr
ganz so gut gefällt wie früher. Es war mal präziser, knackiger und fühlte sich
einfach an wie feinster Maschinenbau für Rennfahrzeuge. Nun erwischte ich zum
Ende der fordernden Tour immer wieder mal einen Leerlauf im Getriebe. Ein
anderes Bindeglied zwischen Motor und Asphalt funktioniert jedoch immer noch
sehr gut. Das ist die Anti-Hopping-Kupplung von Adler aus Italien. Gemeinsam mit
der Motorelektronik hält sie den rasanten Piloten am Kurveneingang präzise auf
Kurs und verschont den Anfänger schon in der Bremszone vor einem stempelnden
Hinterrad.
Apropos Stempeln! Die Duke 690 hat nun ABS! Doch bevor die harten Dukefans
nun beginnen mit dem Kopf auf die Tastatur zu hämmern muss ich auch gleich
einwerfen, dass dieses wirklich gut funktioniert und auch abschaltbar ist. In
der Praxis ist es so, dass man damit sehr sehr flott fahren kann und eigentlich
kein Bedarf besteht es zu deaktivieren. Es gibt jedoch ungezogene Piloten,
welche gerne mit sehr viel Reifenverschleiß und anständiger akustischer
Untermalung in die Kurven fahren. Wem sein Image auf der Hauskurve wichtig ist,
der kann solche Spielereien also immer noch problemlos durchführen.
Stellschraube Nummer 3 war der Preis. Die neue Duke 690 ist satte 20%
billiger als das Vorgängermodell. Dabei ist das ABS nun mit eingerechnet. Damit
wird die Duke 690 mit einem Schlag zu einer Alternative zu ER-6n, Suzuki Gladius,
Ducati Hypermotard 796 oder auch BMW F 800 R. Bei vielen Elementen am Motorrad
ist es so, dass die Preisreduktion weder sichtbar noch spürbar ist. Der
Heckrahmen zum Beispiel war früher mal ein Rahmengeflecht, welches sehr viele
Arbeitsschritte und auch Einzelteile benötigte. Mit der höheren Stückzahl welche
mit der neuen Duke 690 angepeilt wird, hat es sich gelohnt in ein
Druckgusswerkzeug zu investieren (Kostenpunkt mehrere 100.000 Euro). Der gesamte
Heckrahmen mit viel Funktionalitäten wird nun aus zwei relativ günstigen,
optisch und technisch jedoch tadellosen Aludruckgussteilen hergestellt.
Bei anderen Bereichen ist es so, dass der niedrigere Preis zwar sichtbar aber
nicht erfahrbar ist. Zum Beispiel bei den Armaturen und Bedienelementen.
Kupplung und Bremse liegen immer noch gut in der Hand, der Gasgriff fühlt sich
gut an, es sieht aber einfach nicht mehr so exklusiv wie früher aus. Wo man
definitiv spürt und sieht dass im Vergleich zu früher gespart wurde ist die
Gabel und das Federbein. Auf den Federelementen prangt zwar immer noch das
WP-Logo, sie bieten jedoch weder die Güte wie man es von KTM immer gewohnt war
und auch keine Einstellmöglichkeiten. In der Praxis offenbart sich das mit etwas
zu wenig Reserven am Kurveneingang. Also dort wo man über Bodenwellen hart
anbremst und dann die Duke 690 auch noch in den Radius prügeln möchte. Oder aber
bei den feinen Bodenwellen und kleinen Unebenheiten. Dort würde ich mir ein
etwas feineres Ansprechverhalten wünschen um die Räder auch wirklich ständig
satt am Boden zu halten.
Ich bezeichne mich selbst auch als Duke-Fan der ersten Stunde und versuche
die Sache einmal ganz rational zu beleuchten. Das Teil ist 20% günstiger als
früher. Der Motor ist bestimmt um 5% besser, mit Chassis und Sitzposition kann
ich wirklich gut leben, das Fahrwerk ist jedoch um mindestens 20% schlechter. Das reicht
immer noch um japanische Mittelklasse-Bikes locker in die Tasche zu stecken. Wer
jedoch die Duke 690 wieder für Ausflüge auf die Rennstrecke verwenden will, der
muss das gesparte Geld wie bei anderen Herstellern auch, in Fahrwerkstuning
investieren.
Apropos Zubehör. Die neue Duke 690 lässt sich wie man das von KTM gewohnt ist
kräftig aufmagazinieren. Das Geschäft mit den Powerparts und Powerwear Artikeln
macht mittlerweile schon 20% vom KTM Umsatz aus und ist damit sowohl für den
Händler als auch fürs Werk ein wichtiges Standbein. Die Duke 690 kann man zum
einen in Richtung "Stuntbike" oder in Richtung "Touring" entwickeln.
Zurück im Hotel verschwand ich nicht wie meine geschätzten Kollegen sofort in
Richtung Pool. Nicht nur weil ich Angst hatte, über die Brüste der 50+ Ladys zu
stolpern welche dort ihre Leiber eine Woche in der Sonne braten ließen. Ich
wollte die aktuellen technischen Daten der Duke auch kurz in Relation zu anderen
Nakedbikes in dieser Hubraumklasse setzen. Beim stöbern im 1000PS
Motorradkatalog konnte ich folgende Werte ermitteln:
Leistungsgewicht KTM 690 Duke 2012: 70PS, 160 kg, 2.29 kg / PS
- Kawasaki ER-6n: 72 PS, 206 kg, 2.86 kg / PS
- Ducati Monster 696: 75 PS, 185 kg, 2.47 kg / PS
- Ducati Hypermotard 796: 79 PS, 190 kg, 2.44 kg / PS
- BMW F800R: 87 PS, 199 kg, 2.29 kg / PS
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