Dunlop macht den Roadmsart noch besser. Der sportliche Tourenreifen wird zum
Universaltalent und deckt von der GSX-R 750 bis zur RT 1200 von BMW alles ab.
Volles Programm beim Reifentest von Dunlop! Tour auf Korsika, Wet-Test,
Track-Test und Kreiselbahn im Testzentrum in Südfrankreich. Die Mitbewerber im
Vergleich.
Dunlop RoadSmart 2
Wie auf Mallorca beim Poolliegenkrieg. In Reih und Glied
standen die feinsten Nakedbikes, Tourer und Sporttourer vor dem Hotel auf
Korsika. Allesamt bereift mit frischen Dunlop Roadsmart 2 Pneus. Abfahrt um
08:15 Uhr. Die ersten deutschen Journalistenkollegen schlenderten schon um halb
Acht um die Motorräder und platzieren ihr Handtuch – Verzeihung – ihren Helm auf
dem Favoritenofen.
Dunlop geht den
harten Weg: Korsika!
Ich selbst entschied mich für die 990er SM-T von KTM und
startete zufrieden meine Tour. Dunlop hat es sich hier nicht leicht gemacht. Man
hätte wie die meisten Hersteller auch, eine Runde in Sardinien für den Reifentest
ausstecken können. Denn dort ist der Asphalt von rennstreckenähnlicher Güte, die
Radien traumhaft und der Reifen wird zwangsläufig zum Weltpneu. Ganz anders
präsentieren sich die Straßen auf Korsika. Oben auf den Bergen ist der Asphalt
von Frostbeulen zersetzt, die Radien variieren und die Asphaltgüte ändert sich
hinter jeder Ecke. Ein Tourenpneu der hier funktioniert, für den wird die
Alpentour zur Kinderjausen.
Auf den ersten flüssigen Kurven achtete ich zuerst auf das
Handling. Denn die SM-T ist eine echte Fahr- und Spaßmaschine und ich hätte ihr
offen gesagt privat niemals so einen vermeintlich lauwarmen Tourenpneu montiert.
Doch der Roadsmart 2 lenkt ausgesprochen willig ein, hat wenig Aufstellmoment
und ist auch in Wechselkurven ein wendiger Reifen. Insgesamt bestand für mich
auch nach der langen Testfahrt keinerlei Grund einen sportlicheren Pneu aufs
Motorrad zu schnallen. Der Roadsmart 2 wildert ganz klar im Revier von
Sportsmart, Pilot Power, BT-016 und Co. Nur eben mit mehr Laufleistung. Doch
auch die anderen Hersteller bauen Reifen auf ähnlichem Niveau und Dunlop musste
sich vor allem in zwei Bereichen verbessern.
Belastungstest für Nüsse und Bandscheiben
Oben auf den Bergen glich der Asphalt einer Buckelpiste,
besserte sich dann jedoch, hatte aber immer wieder ein paar Buckel für Mensch und
Maschine zu bieten. Bisher war es so, dass die Dunlop Tourenreifen und auch
Sportpneus bekannt für Präzision und tollen Grip sind, aber beim Fahrkomfort im
Vergleich zum Michelin und Metzeler abbeißen. Da hat Dunlop nun deutlich
nachgebessert. Bei den tiefen Schlaglöchern konnte uns auch das beste schwarze
Gold nicht vor Tiefschlägen vom Tank bewahren, doch die bockharte Verbindung zum
Asphalt gehört der Vergangenheit an. Trotzdem konnten wir dann auf den frisch asphaltierten
Stellen die Dunlop-typische Präzision genießen und auch die harten Linien
fahren.
Nachschlag im Testzentrum
Ich begann zu grübeln und versuchte mich an die Powerpoint
Folien des gestrigen Abends zu erinnern. Die Dunlop Techniker sprachen von „Liquid
Polymers“, eine technische Errungenschaft bei den Rohstoffen welche nun den
nächsten Entwicklungsschritt bei den Reifen möglich machte.
Viel Augenmerk legte Dunlop auch auf die Aufstandsfläche
der Reifen welche über den gesamten Schräglagenbereich möglichst konstant
bleiben soll und erst bei großer Schräglage abnimmt. Gerade in hoher Schräglage
wurde die Auflagefläche jedoch im Vergleich zum Vorgängerpneu vergrößert. Der
Techniker präsentierte Bilder und Simulationen in schillernden Farben und
berichtete auch, welch großen Einfluss das Profil auf eine optimierte
Aufstandsfläche hat. Egal ob Hauptentwicklungsziel oder nicht, der Roadsmart 2
hat ein gelungenes Antlitz welches der sportlichen Performance des Reifens
würdig ist.
Noch intensiver konnten wir den Reifen am 2. Tag im Dunlop
Testzentrum bei Mireval in Südfrankreich testen. Drei Teststationen musste das
schwarze Gold über sich ergehen lassen. Besonders beliebt bei uns verwöhnten
Journalisten: Der WET-Test. Bei strahlendem Sonnenschein wird ein wunderbarer
Handling-Parcoures mit Sturzbächen unter Wasser gesetzt. Man nimmt sich zwar vor
die Testerei hier ganz vorsichtig angehen zu wollen, doch spätestens wenn
der erste Kollege innen vorbeisticht wird mit großem Eifer gefahren.
Beeindruckend! Anders kann man die Leistungsfähigkeit von einem solch modernen Sporttouring-Pneu hier im Nassen nicht mehr bezeichnen. Dunlop scheute die
Konkurrenz nicht und stellte zwei weitere CB 1000 R bereift mit Michelin Pilot
Road 3 und Bridgestone BT-023 zur Verfügung. Beim Anbremsen waren die Pneus für
mich auf ähnlich hohem Niveau, in langen Rechtskurve jedoch schenkte ich dem
Dunlop aber auch dem Michelin etwas mehr Vertrauen. Die Messergebnisse beim Data-Recording aber auch die Eindrücke der anderen Kollegen verdeutlichten
dieses Bild: Der Dunlop Roadsmart 2 bietet im Nassen in etwa die gleiche
Leistung wie der bisherige Referenzpneu der Pilot Road 3.
Im offenen Gespräch mit dem Techniker erläuterte er mir den
Stand der Dinge. Fakt ist: Die Pneus der Premiumanbieter liegen alle auf einem
hohem Niveau. Der aktuellste Reifen hat eben immer einen leichten Vorsprung da
er den aktuellsten Stand der Rohstofftechnik, Produktionstechnik und der
Reifentechnologie im Allgemeinen beinhaltet. Interne Dunlop-Tests sollen gezeigt
haben, dass man im Trockenen in Sachen Stabilität, Grip und Handling den
Michelin Pilot Road 3 schlägt aber bei der Laufleistung um ca. 8-10% hinten
liegt.
Zweikomponentenlauffläche by Dunlup. Die harte Mischung (dunkelgelb) sorgt in
der Mitte für Laufleistung und ist über den gesamten Reifenquerschnitt quasi das
Fundament. Die weiche Mischung an den Flanken sorgt für den Grip.
Am Prüfstand wird das gemessen was wir im Sattel auf Korsika erproben durften.
Das Rad stößt auf ein Hindernis und gibt den Stoß ans Fahrwerk weiter. Beim
alten Roadsmart (blauer Graph) geschah das noch deutlich intensiver als beim
neuen Roadsmart 2 (roter Graph)
Mit dem Tourenpneu auf die Rennstrecke
Noch interessanter dann jedoch der Test auf der hauseigenen
Rennstrecke. Der Rundkurs ist 3,3km lang und bietet alle nötigen Passagen um den
Reifen hart an den Zahn zu fühlen. Nochmal zur Erinnerung. Wir testen hier einen
Tourenreifen welcher doch etwa 8.000-12.000 km Laufleistung bieten soll, der am
Tag davor die Buckelpiste von Korsika hinter sich brachte, vorhin eben
meisterlich durch den WET-Test wedelte und nun ganz normal bei 25 Grad
Lufttemperatur auf einer GSX-R 750 montiert auf die Strecke geschickt wird. Auch
nun wieder im direkten Vergleich mit den direkten Konkurrenten. Sowohl bei den
Reifen, als auch bei den Journalistenkollegen.
Ganz große Klasse! Der Dunlop lenkt linear, einfach zu
beherrschen und vertrauenserweckend ein. Egal in welcher Schräglage man sich
befindet, werden Impulse am Lenker mit einer exakten Übersetzung immer in noch
mehr Schräglage umgesetzt. Dabei wirkt das Fahrzeug niemals kippelig, aber auch
keinesfalls träge. Würde ich es nicht wissen, hätte ich mein letztes Hemd
verwettet hier zumindest einen sportlichen Straßenreifen auf den Felgen zu
haben. Ein Turn dauerte überschaubare 5 Runden – genug um den Reifen kräftig auf
Temperatur zu bringen, aber natürlich in einem für diese Reifengattung
realistischen Rahmen. Klarerweise müssen wir am Kurvenausgang etwas mit dem Gas
sparen, aber wir fuhren definitiv Geschwindigkeiten und Linien welche auf
öffentlichen Straßen nur sehr schwer möglich sind. Ganz klares Urteil: Auch für
sehr sportliche Piloten bietet dieser Reifen genug Grip und genug Präzision um
mächtig andrücken zu können.
Während der Michelin im Nassen eine große Nummer war,
überzeugte er mich persönlich auf der Rennstrecke nicht mehr 100%ig. Er bot ein
ähnliches Gripniveau, hatte aber am Vorderrad nicht dieses lineare
Einlenkverhalten. Vor allem nicht so routinierte Fahrer werden auf der Straße da
etwas geschreckt reagieren.
Da muss man durch! Harte Powerpoint Präsentation mit gnadenlosen 30 Seiten!
Auch da muss man durch. Feinstes Futter spätabends an der
Journalistenlabestation. Sorgt für unruhigen Schlaf.
Das Dunlop Hauptquartier vor dem Hotel an der korsischen Küste. Volle Auswahl!
Eine kleine Erfrischung gefällig? Standesgemäße Rast in den korsischen Bergen.
Die Dunlop PR-Crew versuchte uns mit eindrucksvollen Grafiken die Vorteile der
neuen Gummimischung näherzubringen. Links die alte Mischung mit den relativ
groben Silica Elementen, rechts die neue Mischung mit viel feiner verteilten
Elementen.
Noch einprägsamer als die Charts waren jedoch links das nette Hotel an der
Küste, sowie rechts die Canapes beim abendlichen "come together".
Dunlop Roadsmart 2 - Dimensionen
Verfügbare Reifendimensionen Roadsmart II ab 1. Oktober 2011
120 / 60 - 17
120 / 70 - 17
150 / 70 - 17
160 / 60 - 17
180 / 55 - 17
190 / 50 - 17
zusätzliche Reifendimensionen Roadsmart II ab 1. April 2012
110 / 70 - 17
110 / 80 - 18
120 / 70 - 18
110 / 80 - 19
150 / 70 - 17
170 / 60 - 17
160 / 60 - 18
190 / 55 - 17
FAZIT
Fazit: Der Roadsmart I war ein guter Reifen. Doch Dunlop hat sich
nicht auf den Lorbeeren ausgeruht und einen guten Pneu im Detail verbessert.
Stammkunden erfreuen sich an einer ähnlichen Charakteristik zum Vorgänger jedoch
mit mehr Komfort und höherer Laufleistung. Die lieben Ingenieure sollen sich nun
aber nicht zufrieden ins Sofa fallen lassen sondern hurtig die Arbeit am Roadsmart 3 aufnehmen. Wir freuen uns schon wieder auf die Canapes am Strand und
noch mehr Grip, Laufleistung und Feedback.
Selbstverständlich haben wir den Reifen
Dunlop RoadSmart 2 auch schon auf der Seite für Motorradreifen
Bewertungen - www.gripguru.at
- bewertet.
Eindrücke vom Reifentestevent "Dunlop Roadsmart 2"