390, 250 oder 200? Husky, Husaberg und KTM im Vergleich.
Kleine Enduros im
Vergleich
KTM EXC 200, Husqvarna
TE 250, Husaberg FE 390 im 1000PS Test
Drei
Enduro's drei unterschiedliche Charakter
Der Waldboden hier in Ungarns Nordosten war perfekt vorbereitet. Die ganze Nacht über hat es geregnet und auch nun sind die Wolken einfach noch nicht leer. Doch das ist kein Problem. In Sachen Video- und Fotooutput wird es unter diesen Bedingungen zwar sehr mager, Schwächen der Testmotorräder treten jedoch umso schonungsloser zu Tage.
Der erste Eindruck passt bei allen Motorrädern. Husaberg trägt den Premiumanspruch im KTM-Konzern zu Recht. Die FE 390 hat ein neues Motorenkonzept, hochwertigste Komponenten und nicht eine Beilagscheibe an dem Motorrad macht einen lausigen Eindruck. Bei Husqvarna hat der Einstieg von BMW gut getan. Die TE 250 bietet italienisches Design zum Niederknien, die strebsamen Bayern kümmern sich um die langweiligen Dinge wie Produktionsprozesse, Lieferantenkontrolle und Qualitätskontrolle. Die 200er EXC von KTM repräsentiert die geballte 2-Takt Macht von KTM. Unendlich viel Erfahrung steckt in dem Motorrad und deshalb gibt es hier nicht das kleinste Detail, welches nicht richtig perfekt auf die Enduro passt.
Dauerregen versaut Foto- und Videoshooting
Perfekt
wenn's ans eingemachte geht - einfache, fast unzerstörbare Technik
3 Enduros - 2 Tage - 0 Problem
Eines Vorweg: Wir sind mit den 3 Motorrädern 2 harte Tage gefahren und es gab nicht ein Problem an den Motorrädern. Keine Startprobleme, keine losen Schrauben, sorgenfreies Enduro fahren ohne Wartungsaufwand. Beim Wartungsaufwand sind wir schon beim 1:0 für die 2 Takter von KTM. So billig und einfach kommt man mit keiner anderen Enduro durch die Saison. Auch verglichen mit anderen 2-Takt Enduros hat KTM in Österreich noch den Vorteil, dass man Know-How und Teile
zu sehr fairen Preisen quasi an jeder Ecke findet. Selbst verweichlichte Schreibtischhengste können Servicearbeiten an diesem Motorrad selbst erledigen. Gemeinsam mit dem dem günstigen Anschaffungspreis gewinnt die EXC 200 jeden Preis / Leistungsvergleich.
Die Testtour beginnt auf eigentlich gemütlichen Waldwegen. Doch das
nasse Laub, welches die schlammigen Spurrillen garniert, sorgt für einen
würdigen Auftakt. In Sachen Motorcharakteristik kam das Terrain der
390er von Husaberg am meisten entgegen.
Die sehr sanfte Leistungsentfaltung machte es uns leicht, hier Grip zu
finden. Doch die Husaberg ließ sich von den Spurrillen leichter aus dem
Konzept bringen als die anderen beiden Enduros. Das auf Handlichkeit
getrimmte Gesamtkonzept offenbart hier seine Nachteile. Besonders gut
präsentierte sich bei den schlammigen Spurrillen das Fahrwerk der TE 250
von Husqvarna. Das war insofern überraschend, da die Husky in den Kurven
mit spielerischem Handling glänzte aber auf der anderen Seite auch
die größte Stabilität in dieser Umgebung bot.
Husqvarna TE 250
Den Luxus
eines Zundschlüssels kennen die Fahrer von Orange und Blaugelb nicht.
Ebenso wenig wie einen Drehzahlmesser, der am Tacho integriert ist
Klein
aber oho! Gelangt der 250er erst mal auf Touren, dann geht die Post ab.
Der kleine Hubraum spart nicht nur Sprit, sondern auf langen Touren vor
allem Kraft.
Doch schon bei den nächsten Sektionen war klar, wie die TE 250 zu
schlagen ist. Der kleine und leichte Motor muss auf Drehzahl gehalten
werden um im schlammigen Boden zu bestehen. Die steile und lange Auffahrt im
tiefen Waldboden erfordert Leistung und ausgesprochen exaktes
Ansprechverhalten, um das Fahrzeug mit Traktion zu versorgen. Doch untenrum hat die Husqvarna nicht besonders viel zu bieten. Lässt man die
Drehzahl zu sehr abfallen, stirbt der kleine und quirlige Motor auch
relativ leicht ab. Man muss also die Kupplung quälen, um in solchen
Sektionen die interessanten Drehzahlbereich des Motors nutzen zu können.
Doch die Rahmenbedingungen hätten für den kleinen Motor wirklich nicht
schlechter sein können. Hier braucht man einen starken Motor der
trotzdem fein zu dosieren ist.
KTM EXC 200
Das
Cockpit der EXC ist doch sehr simpel aber Informativ: Tachometer,
Laptimer, Uhrzeit, und gefahrene Kilometer
Dass
einfache Technik kein Nachteil sein muss, zeigt die KTM - günstig in der
Anschaffung, günstig bei den Servicekosten, und trotzdem eine Macht im
Wald.
Erstaunlicherweise schlägt sich die kleine 200er EXC in diesem Terrain
gar nicht schlecht. Der 2-Takter ist in der Praxis fast nicht abzuwürgen und rettet trotz des kleinen Hubraumes auch im niedrigen Drehzahlbereich den Piloten auf jeden Hügel. Der tuckernde 2-Takter hört sich in solchen Situationen zwar immer so an, als würde er gerade seine letzten Takte aus dem Auspuff spucken, doch irgendwie geht es dann immer weiter. Keine Probleme hat man hier natürlich mit der deutlich stärkeren 390er von Husaberg. Die 390er ist in der Husaberg Palette zwar der kleine Zwerg, in der Praxis hat sie aber immer genug Leistung und bietet noch dazu eine narrensichere Motorabstimmung. Selbst unerfahrenen Piloten gelingt es hier, im schwierigen Umfeld Traktion aufzubauen.
Video
In den Bergabpassagen fühlten sich alle Motorräder recht wohl. Das ist eben das Heimspiel von den leichten Motorrädern. Die KTM wiegt
vollgetankt 107 Kilo, die Husaberg 121 kg und die Husky 113,5 kg. Leicht sind sie also alle, die Husqvarna ist aber auch hier im engen Bäumeslalom einen Tick stabiler. Das liegt aber nicht nur am Fahrwerk, sondern auch an dem idealen Maß an Motorbremswirkung, welches zur Verfügung steht. Profis wird das
relativ egal sein, sie können mit den hervorragend zu dosierenden Hinterbremsen an allen 3 Motorrädern durch die Bergabpassagen zirkeln. Rookies legen jedoch einfach den zur
jeweiligen Geschwindigkeit passenden Gang ins Husky-Getriebe und werden
wie von Geisterhand geführt, zu Tal getragen. Beim flotten Wedeln durch
die Anlieger im Hohlweg kommt schon wieder Freude auf. Die 200er holt
sich hier die Krone, die 250er von Husqvarna setzt aber definitiv
Maßstäbe in der 4-Takt 250 Klasse und kann beinahe mithalten. Das
Motorkonzept der 390er Husaberg sorgt dafür, dass sie trotz wesentlich
höherer bewegter Massen im Motor, den Anschluss an die kleinen Wieseln nicht
verliert. Jede andere 400er oder 450er fühlt sich in diesem Vergleich an
wie ein Traktor, die Berg aber eben nicht.
Husaberg FE 390
Nicht nur
Know How floß von KTM zu Husaberg, auch der eine oder andere Bauteil, wie
etwa der Tacho. Die Gabelbrücke hingegen gibt's bei KTM nur bei den Power-Parts.
Einmal
Motor für alles, bitte! Mit der Husaberg 390 hat man nie das falsche
Motorrad mit. Die Berg ist zwar nicht in jedem Terrain die Beste, kommt
aber mit allem gut klar.
Je länger die Tour wurde, desto begehrter wurde die kleine Husky. Das ausgewogene Fahrwerk und der kleine Motor kosten eben am wenigsten Kraft. Das macht die kleine Maschine zu einem richtig guten Motorrad für lange Endurorennen. Anfänger wie Profis können hier wertvolle Energie sparen. Zählt einzig und allein die Stoppuhr, wird vermutlich die EXC 200 auf den meisten Strecken das Rennen machen. Geringes Gewicht, ein tolles Fahrwerk und ein 2-Takt Motor vom Feinsten sind eben immer noch das schnellste Paket. Doch halt! Die KTM verbraucht auch mehr Sprit als die kleinen 4-Takter und das könnte bei den Rennen eben genau den Unterschied - Tankstopp Ja oder Nein - ausmachen. Die Husaberg FE 390 ist im Moment bestimmt die universellste Enduro am Markt. Sie hat niemals zu viel aber auch niemals zu wenig Leistung. Der Rest vom Fahrzeug passt wie bei der gesamten Husaberg Palette auch und so erwirbt sie quasi jeder Käufer mit einer Zufriedenheitsgarantie.