Würdige R Variante. Deutlich stärker, deutlich schneller!
Trotzdem mit den guten Tugenden der RC8.
KTM 1190 RC8 R
R! Deutlich teurer, aber auch deutlich
stärker! Die neue RC8 R schöpft beim Hubraum aus dem Vollen, wurde schärfer und
die Schwachstellen aus dem Vorjahr wurden beseitigt.
KTM 1190 RC8 R Video
Nur mit Sturzszenen können wir diesesmal nicht dienen. Denn trotz teilweise
nasser Piste legte keiner der 50 Journalisten die RC8 R ins Kies. Was entweder
für die Qualität der Journalisten, oder die Qualität des Eisens spricht.
Rennstrecke? Hochschaubahn wäre wohl der
richtige Ausdruck für die WM-Anlage hier in Portimao. Leider vermiest uns der
Regen den ersten Eindruck ein wenig, doch trotzdem kommt dieses ergreifende
Gefühl im Sattel der neuen RC8 R von KTM auf. Endlich reißt sie richtig an. Ich
meine auch die normale RC8 hat viel Leistung und geht brav, doch sie ist eben
für orange Verhältnisse etwas zu kultiviert. Wo R draufsteht ist mehr Adrenalin
drinnen und die neue RC8 R feuert spürbar energischer die Zielgerade entlang.
Weniger Vibrationen, bessere Schaltung
Nicht nur im Regen erfreuten wir uns an
den Tugenden, welche wir schon aus dem Vorjahr kannten. Also die tolle
Sitzposition und der hohe Fahrkomfort - von den Vibrationen mal abgesehen. Doch
hier wurde die neue R etwas ruhiger, die Ingenieure arbeiteten penibel an der
Kurbelwelle und die RC8 R kribbelt nun deutlich weniger in den Händen.
Beim Thema Nachbessern fällt auch sofort
der neue Schaltmechanismus auf. Bisher hat KTM hier mit einer Lösung aus dem Offroadsport daneben gegriffen, ab Modelljahr 2009 wurde auf eine gängige
Supersport Lösung gesetzt. Die Gänge rasten nun exakter ein und bei
unseren Testfahrten verirrte man sich nicht mehr in den Leerlauf. KTM rüstet
übrigens auch 2008er RC8 Modelle kostenlos mit dem neuen Schaltmechanismus aus.
Am Nachmittag trocknete es auf und
endlich konnten wir auf der irren Strecke endlich auch irre Feuer geben. Die
üblichen Journalistenduelle sorgten für die nötige Motivation und schon war die
R in ihrem Element. Der Schub aus den Ecken darf nun als richtig hart bezeichnet
werden. Traktion liefert das hochwertige Fahrwerk samt ausgereiften Chassis ohne
Ende und so fährt man doppelt schräg aus den Kurven. Offen gesagt gelangen mir
diese „Wheely in Schräglage aus den Ecken“-Manöver bisher noch nie, doch
Motorcharakteristik, Fahrwerk und natürlich auch Streckenlayout harmonieren
perfekt.
Besonders stolz ist KTM auf die edle
Brembo Bremsanlage. Offen gesagt bremsen billigere japanische Bremsanlagen auch
nicht schlechter. Hier schenken sich im Moment die Supersportler nichts. Die
hochwertige, aus dem vollen gearbeitete Monoblock-Anlage der KTM, hält die hohe
Bremsleistung vermutlich auch über längere Turns konstant und benötigt etwas
weniger Handkraft. Dafür muss man bei harten Bremsmanövern etwas vorsichtig
sein.
Unterschiedlich waren die Meinungen zur Stabilität. Auch sehr schnelle Piloten
attestierten der RC8 R absolute Ruhe im Sattel, während manche Kollegen etwas am
Setup zu arbeiten hatten. KTM bietet an der RC8 R gewaltig viele Möglichkeiten
um das Fahrzeug an seine Bedürfnisse anzupassen. Da gibt es natürlich auch
ebenso viele Möglichkeiten die Schraube in die falsche Richtung zu drehen.
KTM RC8 R Setup Möglichkeiten
Spielwiese für Tüftler: An der RC8 R können zusätzlich zu den
üblichen Details die Heckhöhe und der Schwingenwinkel angepasst werden.
Gabel: Zug, Druck, Federvorspannung
Federbein: Zug, Druck, High und Lowspeed,
Federvorspannung
2 mögliche Fußrastenpositionen
Lenkerstummel können wie üblich etwas nach
vorne gedreht werden.
Heckhöhe – Hoch für Rennstrecke. Damit steigt
der Schwerpunkt und beim Beschleunigen hat man mehr Gewichtstransfer und
somit mehr Traktion am Hinterrad. Allerdings zu Lasten der Stabilität.
Mittels zwei Schraubenpositionen einzustellen.
Schwingenwinkel – Mittels exzentrischer
Befestigung am Umlenkhebel kann die
Schwinge in 3 Positionen gestellt werden. Wir fuhren meistens in der „High“
Position, einige Kollegen brachten in der „Low“ Position allerdings ein
stabileres Setup zustande.
2 verschiedene Gasgriffe im Lieferumfang.
Serienmäßig ein "kurzhubiger" für die Rennstrecke. Strassenfahrer montieren
besser den feiner zu dosierenden langhubigen Gasgriff.
Selbstverständlich sind wie üblich Kupplungshebel,
Bremshebel und Fußbremshebel einstellbar.
Höhepunkte gab es an diesem Tag gleich zwei. Zum Einen konnte ich wieder einmal
meinen Lieblingsjournalistenkollegen (Name der Redaktion bekannt) hinter mir
lassen. Was diesmal besonders herausfordernd war. Sein Ehrgeiz war groß und
seine Streckenkenntnisse ebenso. Doch hier kam mir das überaus einfache Handling
der RC8 R sehr entgegen. Ich musste auf keine Eigenheiten des Motorrades
Rücksicht nehmen und konnte mich sofort total auf die Rennstrecke konzentrieren.
Solche Eigenschaften lassen sich schwer mit Zahlen messen. Die Japaner sind
immer noch stärker und auch die Ducati drückt vom Gefühl her noch ein wenig
heftiger an. Die KTM lässt sich aber mit einer Leichtigkeit bewegen, die uns
jeglichen Respekt vor den 170 PS nimmt. Man sitzt entspannt und bringt ohne viel
Anstrengung anständig Druck auf die Rasten. In den Kurven kann man den Oberkörper
samt Arme komfortabel am Tank platzieren und beim Anbremsen ist die Last auf den
Armen erträglich. In der Disziplin „Ergonomie und Fahrkomfort“ ist die RC8 der
führende Supersportler am Markt. In der R-Version hat sich das nicht geändert,
trotz fallender Rundenzeiten.
Der zweite Höhepunkt war der Adrenalin-Turn mit
der RC8 R samt Clubsport Kit (Details siehe unten). 10 PS und 15 Nm mehr, sorgen
für Superbike Feeling im Sattel. Nach ein paar Runden war klar: Die 180 PS
klingen realistisch. Man hört und fühlt sie. Der Motorlauf wird allerdings
deutlich rauer, was in engen Kurven etwas Konzentration erfordert. Vom Gefühl
her kann man in dieser Konfiguration am Kurvenausgang gegen jedes Bike bestehen,
am Kontostand hat man aber selbst gegen schwer frisierte Nipponeisen schon
längst verloren.
RC8 R Upgrade Kits
Schon die normale RC8 R ist kein Schnäppchen, wer will kann
Sie aber zu einem echten Kontozerstörer aufrüsten.
Clubrace Kit: Großartige Akrapovic
Komplettanlage. Riesige Ofenrohre und mörderischer Sound. Keine Chance damit
auf 98 dB Strecken zu starten. Der Händler montiert gemeinsam mit der
Akra-Tüte eine andere Zylinderkopfdichtung (1:14,7 Verdichtung), verdreht die
Nockenwellen für mehr Überschneidung und spendiert der RC8 R ein neues
Mapping.
Superstock Kit: Damit ist die RC8 R motorisch
bereit für nationale Meisterschaften. Im Powerparts Programm finden sich
natürlich auch noch ein closed-Cartridge Einsatz für die Gabel und ein noch
hochwertigeres Federbein.
Superbike Kit: Andere Zylinder, andere Kolben,
Antihopping-Kupplung (höhere Handkraft nötig, dafür totale Stabilität in der
Bremszone). Viele aufwendige Details – die RC8 R wird damit sündhaft teuer
und sehr brutal.
KTM 1190 RC8 R -
Technik
Motor:
170 PS an der Kurbelwelle, das sind 15 PS mehr als
bisher bei 123 Nm Drehmoment.
In der RC8 R: riesiger 105 mm Kolben anstelle eines
103 mm in der Standard RC8.
Titaneinlassventile (R und Standard) Wie bisher hat
die RC8 auch wieder einen sehr kompakten Brennraum. In der R mit etwas
geänderten Steuerzeiten und einstellbaren Nockenwellen.
Neuer Ölwärmetauscher in der R.
Schaltbarkeit des Getriebes wurde verbessert. Sowohl
für R als auch für Standard RC8. 2008er Piloten können beim Händler
kostenlos aufrüsten!
Chassis:
Sehr teure und leichte Marchesini-Schmiederäder.
Nicht zuletzt deshalb ist die R um insgesamt 6 kg leichter als die RC8.
Sehr viele Setup-Möglichkeiten am gesamten Chassis.
Neue Gabelbrücken. Mehr Nachlauf, kürzerer Radstand
für mehr Gewicht aufs Vorderrad.
Die neue WP Gabel ist mit Titannitrit beschichtet.
Das minimiert die Reibung und sorgt auch bei harter Biegebelastung (z.B.
beim Anbremsen) für gutes Ansprechverhalten.
Neues Federbein mit geänderter Abstimmung. Der Aufbau
gleicht dem Superstock Motorrad vom Vorjahr. Anders als bei den meisten
Seriendämpfern ist der Ölfluss bei Zug- und Druckdämpfung komplett getrennt.
Dadurch beeinflussen sich die Einstellungen nicht gegenseitig.
Brembo Monobloc 4 Kolben Bremse
Der Carbonkotflügel wiegt 150 g weniger als das
Standardteil und ist mit 4 Schrauben für rasche Radwechsel sehr einfach zu
demontieren.
Viele weitere technische Details mit Bildern
in der Bildergalerie von 1000PS.
KTM 1190 RC8 R
Notizen aus dem Testprotokoll
-
+
Bremsdosierung bei harten Manövern nicht ganz einfach.
Die fehlende Anti-Hopping-Kupplung wird mittels Elektronik entschärft.
Beim Zudrehen vom Gasgriff bleiben die Drosselklappen leicht geöffnet. Damit
hat man zwar kein Stempeln, aber die Motorbremswirkung ist sehr gering und
die Maschine schiebt etwas in die Kurve. Wer hinten mit bremst, hat
natürlich kein Problem.
Schlechter Spritzschutz vom Hinterrad bei Nässe.
Kritischer Punkt beim Setup ist die Stabilität: Beim Beschleunigen wird
die Front nervös, ein elektronisch gesteuerter Lenkungsdämpfer würde es dem
Piloten leichter machen.
Sehr guter, weil nicht zu übersehender Schaltblitz im Cockpit.
Das Fahrwerk bietet Reserven für ein breites Spektrum an
Abstimmungsmöglichkeiten.
Tolle Bremswirkung bei geringer Handkraft.
Schaltbarkeit wurde deutlich verbessert.
Durch gute Ergonomie ist sehr Kräfte sparendes Fahren möglich.
Der Motor spricht gut an und leistet sich über den gesamten
Drehzahlverlauf keine Schwächen.
Sehr direkt und agil beim Einlenken.
KTM gewinnt mit der RC8 R die
Disziplin Ergonomie und Fahrkomfort, hebt die Leistung in Augenhöhe der Gegner, startet aber mit einem harten Preis. In Österreich sind ca. 20-30 Stück
für orange PS-Freaks reserviert.