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Frühlingsbeginn bei 0 Grad
Wir fuhren die 800er GS in den
freundlichen ersten Frühlingstagen des Jahres 2008. Also bei Schneetreiben,
Temperaturen um 0 Grad und für eine Enduro perfekte Strassenverhältnisse.
Also grindig. Trotzdem oder möglicherweise gerade deswegen kam im Sattel das große
Motorradglücksgefühl aus. Wieder einmal wurde ich daran erinnert wie tief ins
Herz ein Motorrad fahren kann. Während die anderen Menschen wegen des langen
Winters griesgrämig über den Hauptplatz eilen um ihre Termine zu erreichen, stehe ich
grinsend vor der GS und denke über das Motorrad nach.
BMW Kauf - Viele geile Extras machen
das Kraut fett
Die Griffheizung verdient in Tagen wie
diesen ein besonderes Lob. Leute die solche Motorräder fahren wissen es ohnehin
selbst – keine Motorradbestellung ohne ein Kreuz neben diesem Extra am
Kaufvertrag. Kurze Erläuterung für BMW-Neulinge: Bei BMW Motorrad Kaufverträgen
ist es wie bei den Kollegen in der Autoabteilung. Der eigentliche Grundpreis des
Motorrades ist eigentlich ganz günstig, doch es stehen schon vom Werk aus
zahlreiche Features als "Sonderausstattung" zur Verfügung. Rüstet man das
Motorrad so auf dass sie richtig komplett wird, kostet es dann auch richtig
Geld. Wer dann noch Kohle übrig hat greift beim Händler noch zum "Sonderzubehör"
und ist dann richtig glücklich aber auch richtig pleite.
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Überblick Sonderausstattung |
- BMW Motorrad ABS (abschaltbar), 816 Euro
- Heizgriffe, 225 Euro
- Bordcomputer, 167 Euro
- Hauptständer, 126 Euro
- Niedrige Fahrersitzbank (850 mm, ohne Aufpreis)
- weiße Blinker, 40 Euro
- Diebstahlwarnanlage, 235 Euro
- Kennfeldänderung für 91 Oktan (aufpreisfrei)
Eigentlich alles sinnvolle Sachen. Die weißen Blinker
gehören für mich in dieser Preisklasse eigentlich zur Serienausstattung
müssen aber extra bezahlt werden. Auf alle Fälle Pflicht beim Kauf sind
Heizgriffe und ABS (für Wiederverkauf). |
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Überblick Sonderzubehör |
- Gepäcksystem mit Vario Koffer
- Vario Topcase
- Innentaschen für Variokoffer und Topcase
- Wasserdichter Tankrucksack
- Rückenpolster für Topcase
- Softbags in 2 verschiedenen Größen
- BMW Motorrad Navigator mit Halterung, Kabel und Anbausatz
- Handschutzbügel mit Protektoren
- Motorschutzbügel (Unterfahrschutz ist Serie)
- Verschiedene Windschilder (Standard Höhe, Touring und Niedrig,
sowie getönt)
- Akrapovic Auspuff
- Windabweiser Satz
- Endurohecktasche
Das gesamte Zubehör lässt sich wie in einem Guss in
die BMW integrieren. Bei 1200er GS Käufern bestellen laut Info von BMW
80% ihr Fahrzeug gleich mit dem passenden Gepäcksystem. Die Vario Serie
(Vario steht für das variable Stauraumsystem) ist richtig gut und
hochwertig und hat schon tausende Piloten glücklich gemacht. Der
Akrapovic Auspuff sorgt für richtig guten Sound und spart 2 Kilo ein.
Das BMW Navi kommt von Garmin. Im BMW Zubehör natürlich mit nahtlos
passender Halterung, Kabelset usw. |
Man bekommt aber auch etwas für sein
Geld geboten. Zum Beispiel eben eine Griffheizung die schön ins Motorrad
integriert ist und nicht mit herumflackernden Kabeln aus dem Zubehör
rangeschraubt wird. Oder aber ein hochwertiges Gepäcksystem. BMW-Fans kennen die
Systematik schon von anderen Modellen. Über einen schlauen Hebelmechanismus kann
man die Koffer breit oder sehr breit machen. Je nachdem ob eine große oder eine
sehr große Reise ansteht. Die Koffer, sowie die darin verstaute Kameraausrüstung
mussten im harten 1000PS Test übrigens ein Schlammbad sowie eine anschließende
Wäsche mit der Hochdrucklanze überstehen. War kein Problem. Beim ABS vertraut
man bei der F 800 GS auf die leichtere, simplere und billigere Version ohne
Bremskraftverstärker. Praktisch, dass die für uns bessere Lösung auch gleich
günstiger ist.
Nicht BMW, sondern ganz normal
So wie beim Bremssystem sind an der BMW F 800 GS einige Komponenten verbaut die
keine BMW-typischen sondern ganz normale Motorradlösungen sind.
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Bei der Gabel verwendet man eine
konventionelle Upside Down Telegabel. Trotz der herkömmlichen Bauart geht
BMW hier aber trotzdem einen eigenen Weg. Man bietet keine
Verstellmöglichkeiten sondern verbaut stattdessen lieber gut abgestimmte und
hochwertige Innereien. Man geht davon aus, dass ein typischer Käufer dieses
Motorrades einfach nur fahren und niemals Fahrwerk einstellen möchte.
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Ganz konventionell auch die Lösung
beim Antrieb. Kein Kardan, kein Riemen sondern eine ganz normale Kette mit
allen Vor- und Nachteile.
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Der Motor ist zwar nicht neu, wird er
ja schon in der F800S und ST verbaut, aber bei der GS dachte man bisher
immer an den mächtigen Boxermotor. Jetzt gibt es eine große Reisenduro von
BMW auch mit einem (günstigeren) Zweizylinderreihenmotor.
Diese Positionierung ist von BMW kein
schlechter Schachzug. Altgediente BMW Fahrer werden weiterhin mit einer GS 1200
perfekt bedient. Reisenduristen die bisher mit den BMW-Eigenheiten der
Boxer-Kardan-Telelever Kombination nicht zurecht kamen, werden nun zufrieden
sein.
Sie erhalten ein Motorrad ohne die für sie ungewohnten BMW Eigenheiten aber mit
vielen Vorzügen die man auf Touren und Reisen zu schätzen weiß. Man könnten
sagen, dass den Nachfolger der Super Tenere und der Africa Twin nicht Yamaha
oder Honda baut, sondern spät aber doch von BMW umgesetzt wird.
Keine lange Probefahrt nötig
Viele Motorradfahrer haben nach einer
kurzen BMW 1200 GS Testfahrt schon zu früh die Flinte ins Korn geworfen. "Kein
Gefühl fürs Vorderrad, dann dieser komische seitliche Ruck beim Gasgeben",
waren die häufigsten Rückmeldungen nach zu kurzen Probefahrten. Die F 800 GS
wird jeden Transalp, V-Strom und Co Fahrer von den ersten Metern an liegen. Sie
fährt sich ganz normal aber richtig gut.
Keine kleine GS
Wäre das Wetter nicht so grausam gewesen,
hätten wir möglicherweise gar nicht so darauf geachtet. Aber der Wind- und
Wetterschutz ist richtig gut. Man fährt wohl behütet auch komfortable Reisetempi
über 180km/h. Also eigentlich genauso flott wie ich immer mit der 12er GS
unterwegs war.
Generell wäre es nicht richtig die F 800
GS als „kleine GS“ zu bezeichnen. Diese Rolle übernimmt sicherlich die F 650 GS.
Die 800er ist wie die 1200er auch ein Premiumprodukt mit hochwertigen
Komponenten, hochwertiger Verarbeitung und eben einen hochwertigen Windschutz
bei hochwertigem Preis.
Auch optisch macht die 800er einen super robusten Gesamteindruck. Ferner hat man
bei der Motorisierung ebenfalls nicht das Gefühl auf einem kleineren Motorrad
unterwegs zu sein. Der Zweizylinder leistet 85 PS und bietet ein Drehmoment von
83 Nm bei 5750 U/min. Hört sich im Vergleich zur R 1200 GS nicht besonders spektakulär
an, aber mir ging bei meiner Tour nichts an Leistung ab. Klar fuhr ich die 800er
GS in einem höheren Drehzahlbereich als die 1200er und ich war auch ohne Sozius
und schwerem Gepäck unterwegs, doch untermotorisiert werden sich auch ehemalige Varadero oder V-Strom Piloten nicht fühlen. Die F 800 GS ist als nicht die
kleine GS sondern die GS für bisherige Japanpiloten.
Recht viel Federweg für eine
Alltagsenduro
Am Papier wiegt die 800er GS zwar 18 Kilo
weniger, im Gelände spielt hier der große Bruder aber den niedrigen Schwerpunkt
des Boxermotors aus. Bei Schotterfahrten und engen Spitzkehren im Gelände ist
die 800er nicht schlechter aber auch nicht so viel besser als die 1200er GS.
Trotz 18 Kilo weniger. Erst bei schnelleren Etappen, dort wo eine schlanke
Silhouette gefragt ist oder wo man richtig viel Federweg braucht ist die 800er
GS vorne. Denn die konventionelle USD-Gabel vorne als auch das Federbein bieten
mit 230mm und 215mm relativ viel Federweg. Beim Federbein ist die Zugstufe und
die Federvorspannung einstellbar. Die Federvorspannung wäre zwar eigentlich
hydraulisch mit einem kleinen Handrad einzustellen, aber ohne den Schlüssel aus
dem Bordwerkzeug muss man sich schon richtig anstrengen um das Rad zu verdrehen. |
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Der moderne Motor ist gut, röhrt aber
nach Akrapovic!
Die Soundingenieure haben sicherlich ihr bestes getan aber irgendwie klingt ein
V2 oder auch ein Boxermotor immer irgendwie besser wie ein Reihenmotor. Das
dumpfe Bollern wird manchmal zu einem nicht ganz so imposanten Röhren – dies ist
aber schon der einzige hör- oder fühlbare Nachteil den der Reihenzweizylinder
hat. Konzeptbedingt kann man V2 Motoren schmäler bauen, doch die Aggregate aus
Japan sind alle schon etwas betagt und können in Sachen Gewicht und Abmessung
nicht mit dem modernen Motor der BMW mithalten.
Auch beim Sitzkomfort gibt es sowohl
vorne wie auch hinten nur Gutes zu berichten. Nicht zu hart und nicht zu weich
wird man damit sicherlich auch auf längeren Touren zufrieden sein.
Auch wenn viele Käufer die BMW F 800 GS
niemals ins Gelände entführen werden, werden sie sich an den Vorzügen dieses
Konzeptes erfreuen. Die robuste Bauart aller wesentlichen Bauteile sorgt für
Langlebigkeit und auch im hektischen Gassengewirr ist ein Endurolayout von
Vorteil. BMW kombiniert diese Vorzüge mit BMW-typischen Fahrkomfort für die Tour
oder die große Reise. Das Verhältnis von Abenteuertauglichkeit / Reisekomfort
wurde gerade richtig gesetzt. Wird bestimmt für viele schöne Momente sorgen! |