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Weltmeister! Die Erwartungen sind
hoch.
Ich selbst hab manchmal Probleme die Vorteile eines Reifens auf der Strecke auch
zu spüren. Denn ich bin ein verwöhnter Fratz und geh einfach davon aus das alles
passt. Wir haben das Jahr 2008 und Bridgestone ist MotoGP Weltmeister. Alles
andere als ein mörderischer Reifen wäre eine Schande. Viel einfacher fällt es
daher auf Makel zu achten und diese dingfest zu machen.
Den neuen Reifen fuhr ich übrigens schon bei der Yamaha R6 Präsentation im
japanischen Sugo und war offen gesagt ein wenig enttäuscht. Das Wunderding war
nicht schlecht, aber auch nicht besser als andere Reifen am Markt. Hier auf der
Rennstrecke in Jerez war plötzlich alles anders.
Feine Ware nur beim Reifenhandel,
Sparversion bei Erstausrüstung
Beim Mittagessen, nach gewaltigen Duellen der Journalisten und Bikers Friends
wurde nebenbei auch über den Reifen gesprochen. Wir hatten den ganzen Vormittag
mächtig eingeschenkt und niemand hatte Probleme. Wir mussten uns selbst daran
erinnern, dass wir eigentlich auf sportlichen Strassenreifen unterwegs waren und
nicht auf Slicks. Vor allem der Hinterreifen begeisterte mit klassem Grip.
Die
Bridgestone Techniker klärten nach Anfrage auf: "Bei den Erstausrüstungsreifen
auf der R6 und auch auf der GSX-R handelt es sich um andere Spezifikationen ohne
die 5LC (5 Layer Compound) Technik. Zum Serienstart der Maschinen, war der
Reifen einfach noch nicht 100% fertig und wir mussten eine etwas abgespeckte
Version mit ausliefern." Die ehrliche Antwort beruhigte mich!
Rein in den Kopf: Vorsicht
Strassenreifen!
Am Nachmittag wurde die Gangart noch weiter verschärft. Im Kopf konnte ich auch
diesem Strassenreifen nicht 100% trauen. Denn es war ein Strassenreifen und er
musst auch auf der Strasse tausende Kilometer überleben. Daher versuchte ich beim harten Duell
zumindest am Kurveneingang etwas weniger Schräglage zu fahren als ich es von Slicks gewohnt bin. Hier wird etwas gespart, etwas früher aufgestellt und recht
früh beschleunigt. In der Bremszone davor kannte ich aber keine Gnade und
ankerte so hart wie nur möglich. So konnte ich insgesamt einen tollen Speed
gehen ohne die angeblichen Qualitäten "der Reifen zeigt Gripverlust am Vorderrad
langsam an" testen zu müssen.
Beim Anbremsen war der Reifen perfekt stabil,
beim Einlenken war er trotz Bremseinsatz auf jedem der getesteten Motorräder
handlich genug und das Hinterrad überzeugte sowohl beim V2-Drehmoment der Ducati
als auch bei der R4-Drehzahlorgie bei der 750er GSX-R. Stabil genug war er auf allen
Motorrädern.
Nur bei der Kawasaki ZX-10R konnte auch der BT-016 keine Wunder
vollbringen. Die fahrende Gewalt ist bärenstark und vom Fahrwerkslayout auf der
radikalen Seite. Am Kurvenausgang klopfte der Lenker dem kroatischen Kollegen
gewaltig auf die Finger und er drosselte das Tempo deutlich.
Testverschärfung mit fahrenden
Hindernissen
Als Testverschärfung werden neuerdings nicht nur erfahrene Motorradjournalisten
auf die Strecke geschickt, sondern auch Schreiberlinge von Reifenmagazinen die
neben LKW-Reifen, PKW-Winterreifen auch mal ein paar Runden auf der Rennstrecke
im Sattel von Motorrädern drehen. Der beleibte Kollege tauchte aber auch
wirklich an der ungünstigsten Stelle der Strecke auf. Gerade eben ging Berzerk
mit seiner KTM RC8 an mir und meiner Suzuki GSX-R 750 vorbei. Wir orgelten die
Gegengerade hinunter zur Haarnadelkurve und standen dort nebeneinander am
Kurveneingang. Der arme Teufel im zweiteiligen Leder fuhr aufrecht sitzend einen
halben Meter von der Innenlinie entfernt. Wohl oder übel mussten wir nun also
doch noch riskieren. Ich bremste harte in den Scheitel und betete inständig,
dass die japanischen Ingenieure genauso brav gearbeitet haben wie die
Marketingfreaks beim Erstellen vom Prospekt. Berzerk wählte die Außenlinie und
wir gingen gleichzeitig an der letzten Rille am fahrenden Hindernis vorbei. Die
Angst war groß, doch der Reifen ließ uns nicht im Stich.
Einheitssetup für alle Piloten
Nachdenklich machte mich dann das Thema
Setup. Vollkommen unterschiedliche Fahrer mit komplett unterschiedlichem
Fahrkönnen (von Ex-GP Star McWilliams bis zum oben genannten Reifentester)
tauschten wild und munter in der Boxengasse ihre Motorräder. Es wurde niemals
am Setup geschraubt. Der Reifen musste also wie im wirklichen Leben auch,
verschiedenste Fahrstile verdauen. Denn draußen auf den Strassen wird der BT-016
sowohl auf einer Bandit als auch auf einer GSX-R montiert werden. Die
Reifenkonstruktion muss also jene Dämpfungsaufgaben übernehmen, die das nicht
perfekt abgestimmte Fahrwerk übrig lässt. Bei Bridgestone ist hier auch schon
anderen Reifen die Technik HTSPC und MSB verbaut.
Je komplexer der Name desto besser der
Prospekt? Hinter diesem irrsinnig griffigen Namen verbirgt
sich eine echte Kernkompetenz in der Bridgestone
Reifenentwicklung. 5 hochwertige Stahlfäden werden verdrillt, in
Gummi gelagert und bildet eine endlose Karkasse unter dem Gummi.
(High Tensile Super Penetraded Cord).
Durch die innere Reibung zwischen den Stahlfäden im Gummi werden
Schläge besonders gut gedämpft. Dieses Stahl-Gummi Seil ist in
Laufrichtung um den kompletten Reifen gewickelt und ist Federung und Stoßdämpfer
in Personalunion. Wer beim Fachsimpeln gerne große
Reden schwingt: High Tensile Super Penetrated Cord -Mono-Spiral
Belt.
Klares Testurteil:
Alle hatten Spaß, niemand ist gestürzt! Die wichtigste Erkenntnis kam dann am Abend. Ein Rudel Jungs hatte viel Spaß am
Spielplatz Rennstrecke. Die Gefechte wurden sowohl auf der Strecke als auch in
der Boxengasse mit üblen Attacken ausgetragen. Doch niemand stürzte und niemand
hatte eine heikle Situation. Echt fertig
waren wir dann aber, als Bridgestone Mitarbeiter aus Hamburg mit FZ1 uns
BMW K 1200S vorm Hotel einparkten. Sie haben mit dem sportlichen Strassenreifen
soeben mehr als 3.000km runtergespult und der Reifen sah echt OK aus. Der
Vorgängerreifen BT-014 hatte hier durch die einheitliche Lauffläche hinten echte
Schwächen. Mit der harten "Autobahnmischung" in der Mitte fährt der 16er aber
deutlich länger.

Dieser Hinterreifen hat bereits mehr als 3.000km quer durch Europa hinter sich.
Sieht so aus, als könnte man die Heimreise auch noch auf Achse machen. Schön, dass sich heutzutage Lebensdauer auf der
Autobahn und Überleben auf der Rennstrecke bei Reifen nicht mehr im Wege stehen.
Bridgestone legt die Technologielatte hoch! |