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„Die Rennstrecke ist hier in Ascari!“,
lauteten die mahnenden Worte von KTM Pressesprecher Thomas Kuttruf. Doch es
schwer seinen mahnenden Worten den nötigen Respekt zu gewähren. Denn ich weiß
genau, dass er am Asphalt eine ganz schlimme Furie ist. Die spanische
Rennstrecke Ascari ist eingebettet in ein gewaltiges Kurvenmeer im andalusischen
Süden.
Andere Hersteller lassen uns mit Supersportlern bei
Motorradpräsentationen schon lange nicht mehr auf der Strasse fahren. Offiziell
aus Gründen der Sicherheit, inoffiziell vermutlich deshalb weil Sie wissen dass
die Bikes auf der Strasse weniger Spaß machen. Von Ronda ausgehend hat man die
Wahl. Hinunter in Richtung Gibraltar sind die Radien eher eng und der Verkehr
bescheiden. Hinunter in Richtung Marbella sind die Radien weit und der Verkehr
recht kräftig. Ich entschied mich für beides.
Herbrennung mit Komfort Die Sitzposition auf der KTM RC8 ist
überraschend komfortabel. Überraschend jedoch nur auf dem 1. Blick. Sitzhöhe,
die Höhe des gesamten Heckaufbaus, die Position der Fußrastenanlage und die
Lenkerstummeln sind auf die Bedürfnisse des Piloten anzupassen. So haben uns die
fleißigen Mechaniker die RC8 am Vormittag für die Strasse und am Nachmittag für
die Rennstrecke angepasst. In den engen Radien gleite ich aufrecht sitzend durch
das undurchsichtige Geschlängel und korrigiere sehr einfach. Die Bremse beißt zwar
kräftig, zum Glück aber nicht gefährlich. Die Brembo Monoblocks sind für mich
auf der Strasse in einer idealen Konfiguration montiert.
Auch die Wahl der Linie
ist einfach und schnell zu korrigieren. Doch schon hier auf der Landstrasse
merkt man, dass die RC8 ein komplett neues Motorrad aus dem Hause KTM ist. Denn
sie fährt ganz anders als bisherige Strassenmotorräder aus Mattighofen. Die
Superduke und hier besonders die R Version sind mit aggressiver
Fahrwerksgeometrie zwar sehr handlich aber auch sehr fordernd und für Neulinge
zu kippelig zu fahren. Die RC8
gleitet beinahe schon ruhig durch die Kurven und fährt sich auf der Strasse sehr
unspektakulär. Schaltvorgänge sind wenige nötig und der Motor passt zum Chassis
geradezu perfekt.
155PS und trotzdem unspektakulär Bei der Kurveneinfahrt in blinde Ecken ist
Ruhe im Fahrzeug
kein Nachteil, damit man gelassen kleine Anpassungen an der Linie vornehmen
kann. Auch wenn der Gasgriff in der Kurve mal geöffnet und dann wegen plötzlich
auftauchender Ziegen am Strassenrand wieder geschlossen wird, behält die RC8
brav und wieder ganz unspektakulär ihre Linie. Klar sieht es lässig aus und
fühlt sich manchmal auch lässig an, wenn das Motorrad nicht nur schnell fährt,
sondern auch ins Fahrwerk etwas Bewegung kommt. Doch mit dieser Tugend kann die
KTM nicht aufwarten.
Überlegenheit wo Fahrwerk gefragt ist Dramatisch wird es aber erst, als wir auf die langen Radien auf der Mutter aller
andalusischen Motorradstrecken wechseln. 50km hauptsächlich weite Radien warten
zwischen Ronda und der Küste bei Marbella auf uns. Auch wenn man mit guten
Vorsätzen die Fahrt beginnt, wird man spätestens vom ersten Rudel Local Heroes
mitgerissen. Die Kurven werden hier ausnahmslos am Knie genommen und selbst wenn
hier Autobahntempo erlaubt wäre, ist man in manchen Scheiteln immer noch zu
schnell. Die KTM liegt hier satt auf der Strasse und vermittelt viel Vertrauen.
Das Gas kann in den Kurven früh geöffnet werden und das gesamte Fahrzeug bleibt
komplett ruhig und wird immer schneller. Auch hier sind Schräglage und
Kurvenradius sehr exakt und auch sehr einfach zu dosieren.
Macht wieder viel Spass auf der
Strasse zu brennen Auch die Aufsteiger
von Naked Bikes oder aus der Supermoto Fraktion sollten kein Problem mit der RC8
haben. Es war eine gute Entscheidung von KTM uns hier von der Leine hinaus auf
die spanischen Bergstraßen zu entlassen. Mit diesem Supersportmotorrad hat man
auch auf der Strasse wieder richtig Spaß.
Zurück auf der Rennstrecke bringen wir
die RC8 in Racing-Konfiguration. Nun wird der Komfort der Schräglagenfreiheit
geopfert und die Fußrastenanlage nach oben gestellt. Auch die Sitzposition rückt
nach oben und das komplett einstellbare Fahrwerk bekommt das Rennstreckensetup
spendiert. Die Rennstrecken-mechaniker sind zwar fleißig aber hackeln trotzdem
nicht gerne wie die Tiere. Deshalb haben ihnen die durchwegs benzinverseuchten
Entwickler einige Gefallen getan. Alle Einstellungen sind sehr einfach und ohne
blutige Hände zu bewerkstelligen. Gustostückerl für Profis auf der Rennstrecke:
Das komplette Federbein wird völlig entspannt in 10 Minuten demontiert.
Auch KTM Entwickler essen gerne
Schweinsbraten Die
Ergonomie der KTM passt schon mal in der Grundauslegung des Fahrzeuges, wird aber
zum größten Pluspunkt der KTM sobald man beginnt das Fahrzeug für seinen eigenen
Körper herzurichten. In Europa haben hier einfach die europäischen Hersteller
mit europäischen Entwicklern, europäischen Testpiloten auf europäischen
Landstrassen die Nase vorne. Denn sowohl Entwickler wie auch Testpiloten essen
genauso gerne Schweinsbraten wie die Motorradfans in den Schauräumen der
Händler. Japanische Hersteller entwickeln Supersportler laut Aussage der
zuständigen Techniker bei den letzten Kawasaki und Honda Präsentationen für
Normbürger mit 75 Kilo und 1.70 Körpergröße. Klingt logisch dass große und
voluminöse Biker hier Komfortprobleme bekommen könnten.
Ready to Race auch bei der RC8? Der bekannte „Ready to Race“ Slogan
wird von KTM natürlich auch auf die Rennstrecke getragen. Das Fahrwerk kommt vom
hauseigenen Profi WP. Im Rennstreckensetup wird die KTM richtig straff und fühlt
sich an wie ein Ringumbau mit teuren Fahrwerksteilen. Viele Journalisten kennen
die Rennstrecke hier in Ascari und hatten Respekt vor den Steilkurven. Denn bei
vergangenen Events gingen die Fahrwerke der Japaner bei der Einfahrt in die
Steilkurven gewaltig in die Knie. Mit der KTM wird hier einfach und ohne einen Muckser im Fahrwerk durchgezogen. Der grundsätzliche Charakter der RC8 ist trotz
des neuen Setups hier für die Rennstrecke gleich geblieben. Also eher straff und
stabil, nicht nervös und einfach zu bewegen. Das stabile Layout erfordert in
einigen Passagen jedoch mehr Arbeit vom Piloten. In engen Kurven die hart
angebremst werden, braucht die KTM sehr deutlichen Druck am Lenker um die
Innenlinie zu erwischen. Man kann die harte Linie zwar fahren, muss fürs
Handling aber
auch arbeiten.
Der schnelle Rechtsknick hier in Ronda wird von einigen
Maulhelden angeblich mit Vollgas genommen. Komisch nur, dass der dreimalige IDM Champ und nunmehrige KTM Testpilot Stefan Nebel angibt vor der ominösen
Vollgaskurve sogar leicht zu bremsen um dann recht früh ans Gas zu gehen. Am
Ende der dann folgenden Geraden hatte er dann merkwürdigerweise immer mehr Topspeed im Cockpit gespeichert als
die Vollgas-Helden. Ich versuchte die KTM hier
zumindest mit leicht offenem Gasgriff um die Kurve zu bringen. Der
Einlenkvorgang erforderte auch hier wieder deutliche Impulse. Die Vorteile des
stabilen Chassislayouts bekommt man dann aber immer ab dem Scheitel zu spüren.
Das Gas wird geöffnet und die KTM schiebt nicht nach außen. Am Kurvenausgang
geht mir nie der Platz aus und die Linie wird total präzise zu Ende gefahren.
Gute Komponenten sind teuer, machen
sich aber bezahlt Wir fuhren übrigens den ganzen Tag in doch recht langen 30 Minuten Turns. Das
entspricht in Pannoniaring-Währung mindestens ein gutes Dutzend Runden.
Motorräder und Piloten verschnauften dann für eine viertel Stunde und gingen
dann wieder auf den die Strecke. All das bei ca. 20 Grad Lufttemperatur und
einem fordernden Streckenlayout. Die Federelemente waren jedoch noch nicht am
Limit. Vorne wie hinten blieben immer noch Möglichkeiten eine Spur straffer zu
gehen. Die Performance der Federelemente bleibt über einen sehr langen Zeitraum
sehr konstant. Für Rennstreckeneinsätze im Hobbyumfeld sollten weitere
Investitionen ins Fahrwerk überflüssig sein. |