Gib nix Härteres zur Zeit aus Bayern. Schlimmer Antritt, böser Auftritt und furchtbarer Preis.
BMW HP2 Megamoto
BMW HP2 Megamoto Video
Wir entdeckten ein uns bisher unbekanntes
Gebiet direkt vor der Haustüre. Eigentlich grob fahrlässig, dass wir dort bisher
noch nicht gefahren sind. Die HP2 war der passende Partner für die erste Fahrt.
Onboard-Aufnahmen, Eindrücke vom Bike und ein Wheely ist auch passiert.
Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte,
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hier und wählt "Ziel speichern unter".
Schnitt: KarolettaLamretta
Videodreh: NastyNils
Die BMW HP2 Megamoto in Fahrt
Der Star am Gürtel
Die HP2 Megamoto ist hier am Wiener Gürtel der Star auf der Bühne.
Leider kam das
grelle Blitzlichtgewitter nicht von frenetischen Fans am Strassenrand. Doch es ist schwer an der Ampel zu widerstehen und noch schwerer
den Wheely im legalen Geschwindigkeitsbereich zu Ende zu bringen. Die HP2
Megamoto ist eine Luxus-Göre. Sie kostet nicht nur einmal richtig viel Geld und
fällt nicht nur durch ihr dekadentes Auftreten unangenehm auf. Sie will
ungezogen gefahren werden, viel ungezogener noch als alle bisherigen Motorräder
von BMW.
Würdiges Statussymbol
Bei der Proleten-Tankstelle an der Stadtausfahrt wird kurz pausiert und
beobachtet. Diese HP2 ist auch unter vollkommen Ahnungslosen ein treffsicheres
Statussymbol. In Sachen Wirkung steht sie an der Tankstelle auf einer Ebene mit
der neuen 1098er von Ducati oder einem dicken Quad wie zum Beispiel dem Can-Am
Renegade. Auch ohne Vorkenntnisse merkt man, dass man hier keine Stangenware vor
sich hat und der Besitzer ein notorischer Aufschneider ist. Die Carbonteile
glänzen einfach echter (weil sie ganz einfach echt sind) als auf anderen
Motorrädern. Der weiße Lack ist von feinster Güte und wird vermutlich
normalerweise bei BMW in der 7er Serie verwendet und nach Arabien geliefert. Auf
die Größe kommt es leider auch an der Tankstelle an: Die HP2 ist groß, lang,
breit und die Zylinder ragen dominant aus dem Motorblock. In dieser Form kann
die HP2 endlich ihre volle Wirkung erzielen - ganz anders als in einer, in
letzten Instanz dann doch immer grindigen, Enduro.
Neid, Verachtung oder Respekt
Aber auch bei Insidern der Motorradszene wird die Megamoto viele Gefühle
auslösen. Entweder solche von Neid, solche von Verachtung oder solche von tiefem
Respekt. Die Tatsache, dass man aus anderen Schauräumen gleich 2 oder gar 3
Motorräder um diesen Preis mitnehmen kann, trifft den Pragmatiker sicher hart.
Denn klarerweise kann sie nie 2 oder 3 mal so viel Freude im Sattel bereiten.
Doch das war bei Spielzeugen für Männer schon immer so. Das Verhältnis von Spaß
/ Kosten ist leider kein lineares. Wer 20% mehr möchte muss meistens 200% mehr
bezahlen. Wer jedoch auf 10% verzichten kann, kommt 100% billiger weg.
Direkter Output - ohne Pause
Zurück am Sattel beginnt man sich dann wieder auf andere Dinge zu
konzentrieren. Zum Beispiel an den festen Griff am Lenker. Warum nur klammere
ich mich immer so fest und lass die HP2 nicht einfach locker dahin marschieren?
Das liegt möglicherweise daran, dass man wirklich keinerlei Atempause zwischen
Input und Output bekommt. Beschleunigt man aus dem Stand muss man nicht warten,
bis der Drehzahlmesser eine magische Grenze überschritten hat oder gar die Nadel
mit Hilfe der Kupplung über eben diese Grenze gehievt wird. Hubraum und Leistung
wurden verschwenderisch installiert und in Kombination mit dem langen Radstand
und dem hochwertigen Fahrwerk schiebt die HP2 mit brutalem Antritt vom Stand weg
an. Schon in der optisch relativ langweiligen BMW R 1200 R beeindruckte uns
diese Fähigkeit des 1200er Boxermotors. In der HP2 Megamoto kommt er noch besser
zur Geltung. Erstens sorgen eine sportlichere Abstimmung und Igor Akrapovic für
zusätzliche PS und zweitens helfen der breite Lenker und die angriffslustige
Sitzposition mit, diese Leistung auch direkter zu befehligen.
"Nur" 113PS aber trotzdem brachialer
Antritt
113 PS klingen heutzutage für einen Zweizylinder mit 1200 ccm nicht besonders
spektakulär. Ducati gibt bei der 1098S etwa 160PS als Spitzenleistung an.
Spektakulär jedoch der Drehmomentverlauf. Das maximale Drehmoment steht
mit 115 Nm bei 6.000 zur Verfügung. Und unter 100Nm ist man im täglichen
Gebrauch eigentlich nie unterwegs. Fühlt sich vom Stand weg unschlagbar stark
an.
Bei Bedarf auch mit Komfort
Wenn man möchte kann die angriffslustige HP2 aber auch äußerst komfortabel
durch die Gegend gleiten. Das Motorgeräusch reduziert sich auf ein sonores
Schnurren und die saubere Motorabstimmung machen auch das langsame Fahren zu
keiner Qual. Keine Qual ist auch die Sitzbank. Die Megamoto ist tatsächlich eine
halbwegs reisetaugliche Spaßmaschine. Offen gesagt hat die HP2 in dieser Form
ihre wahre Bestimmung gefunden. In der Offroad Variante ist gut, das hat sie
mittlerweile auch schon den ungläubigsten Motorrad Fans bei diversen
Renneinsätzen bewiesen, doch der praktische Einsatzzweck ist äußerst
eingeschränkt. So bleibt die gigantische Enduro dann doch für viele ein Traum
und man begibt sich mit weniger zufrieden. Die Megamoto macht jedoch Sinn. Mir
ihr kann man täglich Spaß haben, sie als Alltagsgerät gebrauchen und bei der
Urlaubsfahrt mit einem Rudel GS wirkt man auch nicht deplaziert. Am Ende bleibt
dann "nur" noch der Preis als Killerargument übrig.
Eigentlich keine BMW
BMW-Neulinge werden sich auf der Megamoto sehr viel leichter tun als auf
anderen Motorrädern aus Bayern. Denn die Megamoto ist zwar sündhaft teuer
aufgebaut aber trotzdem ohne "exotischer" Technologien am Fahrwerk. Also die
normale Telegabel taucht beim Anbremsen ein, wie es japanische Motorräder
ebenfalls tun. Hinten wurde auf das Luftfederbein aus der Enduro verzichtet und
zur Sicherheit gleich ein goldenes Öhlins Trum aus Schweden montiert. Einzig der
lange Radstand von 1610 mm (z.B. 10 cm länger als der einer KTM 950 Supermoto R)
lässt auf ein Chassis-Design der anderen Art schließen. Der niedrige Schwerpunkt
des Boxer-Motors hat hier sicherlich seine Finger mit ihm Spiel gehabt, denn
Handling-Probleme hat man im Sattel der Megamoto bei weitem nicht. Die Megamoto
lenkt sehr schnell und agil ein, die Linie lässt sich ohne Druck am Lenker sehr
einfach gestalten. In Sachen Linienwahl und Einlenkverhalten würde ich die HP2
Megamoto als sehr einfaches Fahrzeug bezeichnen.
Ein paar Eigenheiten an anderer
Stelle blieben dann aber doch übrig. Das ist zum einen der Kardanantrieb der zwar
Spaß macht wenn die Kollegen ihre Ketten schmieren aber sensiblen Piloten auf
den ersten Metern doch ein paar Sorgen bereitet. Es ist eben doch eine direkte
Verbindung von Motor zum Hinterrad ohne eine legere Kette dazwischen. Auch die
längs eingebaute Kurbelwelle hinterlässt im Alltag ihre Spuren. Denn durch einen herzhaften
Impuls am Gasgriff geht auch ein herzhafter Impuls durchs Motorrad welches immer
leicht zur Seite gedrückt wird. Supermoto Freaks, welche nach einer Erbschaft in
die 1200er Klasse aufsteigen, werden sich bei den ersten Ausfahrten blaue Flecken
an den Schienbeinen holen. Schuld daran sind die zwei Reaktorblöcke welche links
und rechts aus dem Motorrad ragen.
Kein ABS!
Was jedoch treuen BMW-Fahrern abgehen könnte ist ein ABS Bremssystem. Gibt es
nicht an der Megamoto dafür jedoch eine äußerst knackige Bremse welche vor allem
im Großstadtdschungel vorsichtig dosiert werden muss.
Trotz der vielen Qualitäten wird es die HP2 Megamoto aber trotzdem schwer
haben ein Verkaufsschlager zu werden. Denn auch in den Köpfen jener
Motorradfreaks mit genug Geld am Konto wird der Image-Wandel von BMW noch nicht
ganz vollzogen sein. Es wird noch dauern bis auch sie glauben, dass BMW richtig
scharfe Eisen baut. Langjährige BMW Fahrer wissen jedoch ganz genau, dass ihre
geliebte GS 1200 ein geniales Motorrad ist. Auch sie kann sehr flott bewegt
werden, bietet aber den doppelten Komfort.
Das perfekte Bike für große und reiche
Kerle
In Sachen Sitzhöhe ist die Megamoto zwar ein wenig massentauglicher als die
Enduro aber mit 890 mm immer noch kein Damenfahrzeug. Mit niedriger Sitzbank und
heruntergeschraubten Fahrwerk lässt sich die Sitzhöhe jedoch auf 845 mm
reduzieren. Jubilieren dürfen jedoch Motorradfahrer mit 1.90m und mehr. Auf
vielen Motorrädern wirken diese deplaziert und ärgern sich über anstrengende
Kniewinkel. Die HP2 Megamoto wäre genau ihr Fall. Apropos Damenfahrzeug: Wie bei
vielen echten Männermopeds wurden auch bei der Megamoto auf Fußrasten für eine
zweite Person verzichtet. Die Auswirkungen auf den privaten Hausfrieden muss
natürlich jeder von euch Lesern selbst für sich herausfinden.
Insgesamt ist die HP2 Megamoto ein kompromisslos sportliches Fahrzeug. In
dieser Konsequenz hat es so etwas von BMW noch nicht gegeben. Der Fahrspaß und der
Speed am Berg steht über allem. Beim Fahrwerk wählte man ein hartes Setup
welches zwar mit den hochwertigen Komponenten verändert werden kann, von der
Grundausrichtung jedoch immer auf der straffen Linie bleibt. Das kann man vor
allem bei schnellen Strecken wo Stabilität gefragt ist perfekt umsetzen.
Ganz normale Gabel, ganz normale Bremse! Zumindest in Sachen Funktionsprinzip -
denn in Sachen Wirkung spielen beide in der Oberklasse mit.
Der Tacho ist zwar größer, aber der Drehzahlmesser springt immer als erstes ins
Blickfeld.
Schon serienmäßig sind jene Teile verbaut, von denen man mit
einem Serienmotorrad normalerweise träumt. Wer weiß was Akrapovic und Öhlins
kosten, weiß auch wie der Gesamtpreis der HP2 zustande kommt.
Die mächtige Einarmschwinge packt eine zierliche Felge. Auch die Hinterbremse
lässt keine Wünsche offen.
Insgesamt ein sehr minimalistisches Bike und es taucht die
Frage aus wie es denn so viel kosten kann, wenn so wenig dran ist? Doch wie
immer liegt die Wahrheit im Detail. Zum Beispiel bei der gefrästen
Ständeraufnahme. Die BMW HP2 ist eigentlich wie eine Kleinstserie aus einer
Edel-Tuningschmiede. Hat mit üblichen Serienmotorrädern wenig zu tun!
BMW HP2 Megamoto -
Technische Daten
Bauart
Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, eine Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, zentrale Ausgleichswelle
Bohrung x Hub
101 mm x 73 mm
Hubraum
1.170 ccm
Nennleistung
83 kW (113 PS) bei 7.500/min
max. Drehmoment
115 Nm bei 6.000/min
Verdichtungsverhältnis
11,0 : 1
Kraftstoffaufbereitung / Motorsteuerung
Elektronische Saugrohreinspritzung/digitales Motormanagement: BMS-K mit Schubabschaltung, Doppelzündung
Abgasreinigung
geregelter 3-Wege-Katalysator, Abgasnorm EU-3
Kraftstoffart
Superplusbenzin bleifrei, Oktanzahl 98 (ROZ); durch automatische Klopfregelung aber betreibbar bis Mindestoktanzahl 95 (ROZ)
Kupplung
Einscheiben-Trockenkupplung, hydraulisch betätigt
Getriebe
klauengeschaltetes Sechsgang-Getriebe mit Schrägverzahnung
Sekundärantrieb
Kardan
Rahmen
Gitterrohrrahmen aus Stahlrohren
Vorderradführung / Federelemente
Upside-down Gabel, Zug-und Druckstufe einstellbar
Hinterradführung / Federelemente
Geschmiedete Aluminium-Einarmschwinge mit BMW Motorrad Paralever; Öhlins-Zentralfederbein, Federvorspannung stufenlos einstellbar, Zug- und Druckstufendämpfung einstellbar
Federweg vorne / hinten
160 mm / 160 mm
Radstand
1.615 mm
Nachlauf
95 mm
Lenkkopfwinkel
61,4°
Räder
Aluminium-Gussräder
Felgenmaß vorne
3,50 x 17"
Felgenmaß hinten
5,50 x 17"
Reifen vorne
120/70 ZR 17
Reifen hinten
180/55 ZR 17
Bremse vorne
Doppelscheibenbremse, schwimmend gelagerte Bremsscheiben, Durchmesser 320 mm, 4-Kolben-Festsattel
Bremse hinten
Einscheibenbremse, Durchmesser 265 mm, Doppel-Kolben Schwimmsattel