| Zündversatz: 270º - 180º - 90º - 180º
Bei zahlreichen Tests mit einem Reihen-Vierzylindermotor fand Yamaha
heraus, dass eine Kurbelwelle mit jeweils um 90 Grad versetzten
Hubzapfen die harmonischste Leistungsentfaltung mit sich bringt. Im
Gegensatz zu einem konventionellen Aufbau wie im YZF-R1-Modell 2008, bei
dem die Hubzapfen so angeordnet sind, das zwei Kolben-/ Pleuelpaare
parallel auf der Kurbelwelle montiert sind und sich somit ein
gleichmäßiger Zündversatz alle 180 Grad Kurbelwellenwinkel ergibt,
sitzen beim neuen Motor die Hubzapfen auf völlig unterschiedlichen
Punkten, die jeweils um 90 Grad versetzt sind. Es gibt also in den
Zylindern keine Parallelbewegung der Kolben, es ergibt sich ein
Zündversatz von 270º - 180º - 90º - 180º.
Die im Vergleich zum konventionellen Aufbau ungleichmäßige Zündfolge
führt zu einem stärker pulsierenden Drehmomentverlauf im unteren und
mittleren Drehzahlbereich, womit aber der Einfluss der in Rotation
befindlichen Masse der Kurbelwelle in den Hintergrund gedrängt wird. Der
Fahrer bekommt ein besseres Gefühl für den äußerst linearen Kraftverlauf
und kann diesen beim Beschleunigen im gesamten Drehzahlbereich leichter
kontrollieren.
Um die Druckentfaltung beim Verbrennungsvorgang zu optimieren, steht für
jeden Zylinder ein eigenes Kennfeld für Einspritzung und Zündung zur
Verfügung. Auch diese Technik trägt zur linearen, kräftigen
Drehmomententfaltung bei, die in einem konventionell aufgebauten Motor
nicht möglich wäre. Tuner fürchten schon jetzt den gewaltigen Aufwand in
der Saison 2009, erfreuen sich gleichzeitig an den unendlichen
Möglichkeiten.
Damit der neue YZF-R1-Motor Laufruhe bewahrt, treibt die Kurbelwelle
direkt eine Ausgleichswelle an, die den Schwingungen des Kurbeltriebs
entgegen wirkt.
Die 182 PS der R1 werden laut Yamaha durch das komplett neue
Motorkonzept einfacher zu kontrollieren. Helfend zur Seite stehen dem
Piloten aber auch die elektronischen Helfer YCC-I und YCC-T. Mit dem
Ride-by-Wire System steuert wie auch schon in der R6 ein Zentralcomputer
die optimale Drosselklappenstellung und die optimale Ansaugrohrlänge.
Bislang wurden Kurbelwellen mit individuell platzierten Hubzapfen nur im
Rennsport eingesetzt. Der Fertigungsaufwand des Kurbeltriebs erschien zu
hoch, und auch andere Faktoren wie die zeitlich versetzten Druckverläufe
in den vier Zylindern und die Vibrationen sprachen dagegen. Yamaha zeigt
sich nach der R6 Granate vom Vorjahr auch bei der neuen R1 besonders
innovativ und lässt die Techniker von der Leine. Live zu sehen gibt es
die neue R1 auf der Intermot in Köln. Erstmals fahren werden wir sie
Anfang Jänner und danach sofort berichten. |