Motorrad-Hallentraining mit Roland Resch

Motorrad-Hallentraining mit Roland Resch

Rutschen, ohne zu stürzen, driften, ohne es zu können

Ein Erlebnis wird nur dann zur Offenbarung, wenn die Eindrücke und Gefühle in jede Zelle deines Körpers fließen und dort für immer verhaftet bleiben. Es sind jene Erlebnisse, die einen wachsen lassen. Beim Hallentraining mit Roland Resch habe ich das gespürt - und die ganze Nacht gezuckt.

Mir steht die Angst im Weg. Beim Motorradfahren meist die Angst vor Verletzung, im Wettbewerb die Angst vor dem Verlieren, im Leben die Angst vor Verlust. Aber bevor ich tiefer in meine Seele blicken lasse, bleiben wir beim Thema Motorrad. Angst ist berechtigt: Im letzten Moment vor dem Anbremsen; in maximaler Schräglage; beim Rausbeschleunigen; in der Startaufstellung...Doch sie sollte uns nicht daran hindern, unsere Fähigkeiten vollends einzusetzen, um Erfolg und Freude haben zu können.

Stürze und Schmerzen

Wozu man fähig ist, wenn die Angst wegfällt, durfte ich beim Hallentraining mit Roland Resch erleben; was nicht bedeutet, dass ich nicht wie immer sehr besorgt angereist wäre. Ich glaubte nicht daran, dass ein Normalsterblicher auch nur in die Nähe der Akrobatik von Roland Resch kommen könnte, ohne sich fest im Reifenstapel einzureiben und ein gebrochenes Schlüsselbein nach Hause zu tragen. Der Belag in der Daytona Kartsporthalle ist folgerichtig für Karts angerührt worden und nicht für motorisierte Zweiräder. Das Schlimmste ist, dass er schwarz ist und glänzt, was für einen Motorradfahrer höchste Alrambereitschaft bedeutet. Ich erwartete ein Revival meiner erfolglosen Supermoto-Saison: Ein erniedrigender Eiertanz mit zahlreichen Stürzen und unvergesslichen Schmerzen.

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6 verschiedene Reifen und mehrere Hallen später...

Doch es kam alles anders. Der Resch und die Reitwagler tüftelten intensiv an der perfekten Mischung - welcher Reifen harmoniert mit welchem Hallenbelag? 6 Reifenmodelle und verschiedene Hallen später stand Roland mit einer Suzuki DR-Z125L auf Heidenau-Gummis in der Daytona Karthalle und wusste, dass er sie gefunden hatte. Maximal breiter Grenzbereich, kalkulier- und kontrollierbare Rutschphase, sanfter Abgang. Auf seinem Weg zum österreichischen Supermoto-Meister musste er im Winter mit seinem 450er Hammer in die Halle und hämmerte gelegentlich gegen die Bande. Ein Überbrückungstraining, das riskanter war als die Saison selbst. Genau das war der Anstoß für die Idee mit den 125ern.

Locker aus der Hüfte

Es geht vornehmlich um den Bewegungsapparat und die Lockerung der Hüfte/Lendengegend, wo nicht nur das Zentrum der Lust, sondern auch der Motorradbeherrschung zu Hause ist. Man muss sich fallen lassen, tief runter gehen. Wer zu Boden geht, kann das Motorrad aufrechter halten und besser korrigieren und außerdem engere Radien zirkeln. (Natürlich könnte man das Motorrad auch drücken, aber das ist hier nicht Sinn der Sache.) Bei Resch sieht das in den Spitzkehren aus, als ob er sich am Stand ums eigene Knie dreht. Dabei schleift nicht nur das Knie, sondern der ganze Unterschenkel und Fuß am Boden. Zu empfehlen sind daher unbedingt schlanke Motorradstiefel (in meinem Fall Daytona) und keine Enduroboots, sie sind einem nur im Weg.

300 Euro All-Inclusive

Der Bodenbelag in der Halle ist gar nicht rutschig, im Gegenteil. Man hat lange guten Grip, Rutscher passieren nicht plötzlich. Man muss sie anfangs sogar provozieren. Wer das zu heftig angeht, der liegt auch mal auf der Go, so wie ich zweimal, aber man wird halt nicht in Schockstarre aus dem Kiesbett geborgen, sondern steht auf, nimmt den Fetz'n vom Lenker, wischt das Benzinlackerl weg, steigt auf und fährt weiter. Folgekosten? Keine. Hallenmiete, Motorrad, Sprudel und eventuelle Sturzschäden sind im Preis inbegriffen. Die Fahrtechnik-Tipps von Roland Resch sind hingegen unbezahlbar. All-Inclusive-Preis: 300 Euro. Wer möchte, kann auch mit seiner eigenen DR-Z antreten. Vorsicht aber bei neuen Reifen, bei denen der Grenzbereich noch sehr schmal ist. Man kann sie gerne vom Roland einfahren lassen.

Lerne das Unmögliche!

Drei Stunden Zeit, das Unmögliche zu lernen: Rutscher ganz kühl zu kontrollieren, nach Belieben. Fast halt, aber die ersten Fähigkeiten stellen sich schon viel früher ein, wenn man ein halbwegs guter Motorradfahrer ist. Man geht schneller mit dem Grenzbereich auf Tuchfühlung, weil dahinter kein finanzielles oder gesundheitliches Desaster zu befürchten ist. Und man spielt sich. Das Training ist einfach ein (immer noch relativ) harmloses Spiel, weil die Sorgen und Probleme, die einen bei einem Unfall auf der Straße oder Rennstrecke erwarten könnten, wegfallen. Ich hatte selten so viel Spaß wie mit der 10 PS starken 125er-Suzuki auf der Kartbahn. Ob mich das tatsächlich schneller macht? Man wird sehen.

Aber es macht mich besser, lockerer und glücklicher. Einen ganzen Abend und eine ganze Nacht habe ich davon geträumt. Mein Körper hat sich gewunden, Hände und Finger haben gezuckt, meine Gedanken sind rotiert. Muskeln speicherten Bewegungen ab, der Körper hat das Erlebte absorbiert. Eine Offenbarung eben.

Infos zu den Motorradtrainings

Bericht vom 19.03.2015 | 11.541 Aufrufe

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