Suzuki V-Strom 1050DE vs. Husqvarna Norden 901 Motorrad-Vergleich

Gleiche Power, Preis und Zielgruppe? - Duell auf Augenhöhe

Die Suzuki V-Strom 1050DE und Husqvarna Norden 901 ähneln sich in vielerlei Hinsicht. Wir haben sie auf und abseits der befestigten Wege getestet und überprüft, ob es nicht doch wissenswerte Unterschiede gibt.

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Die V-Strom 1050DE ist das absolute Flaggschiff Suzukis im Adventure-Bereich, was auch die Norden 901 für Husqvarna lange Zeit war, inzwischen aber durch die Norden 901 Expedition an der Spitze abgelöst wurde. Preislich sind sich V-Strom 1050DE und Standard-Norden aber deutlich näher, weshalb sie sogleich gegeneinander antreten müssen.

Die technischen Eckdaten im Vergleich - Suzuki V-Strom 1050DE versus Husqvarna Norden 901 2023

Vergleicht man nur die Datenblätter, dann ist dieser Vergleich eine ganz knappe Kiste. 107 PS und 100 Nm Drehmoment aus dem 1037 cm³ 90°-V2 bei der Suzuki, 105 PS und 100 Nm aus dem 889 cm³ Reihen-Twin in der Husqvarna. Voll einstellbare 43 mm USD-Gabeln vorne bei beiden, in Federvorspannung und Zugstufe einstellbare Federbeine, nahezu idente Bremsanlagen, Tankvolumen und Raddimensionen... - Alles klar, sie sind sich ähnlich. Aber so schwarz-weiß wie das Datenblatt ist die Welt des Motorradfahrens zum Glück nicht und im Sattel spürt man das ganze Spektrum. Alle Technokraten mit einer Vorliebe fürs Quartettspielen und den Datenvergleich können hier im technischen Vergleich der Suzuki V-Strom 1050DE und Husqvarna Norden 901 2023 genau nachlesen.

Ergonomie im Vergleich - Suzuki V-Strom 1050DE versus Husqvarna Norden 901 2023

Im direkten Vergleich der Suzuki V-Strom 1050DE und der Husqvarna Norden 901 fallen einige signifikante Unterschiede in Bezug auf Sitzposition und Ergonomie auf. Die Suzuki V-Strom 1050DE präsentiert sich mit einer Sitzhöhe von 880 mm, was auf den ersten Blick massiv wirken mag. Dennoch bleibt der Schrittbogen schmal und kurz und damit der Boden noch recht gut erreichbar. Für kleinere Fahrer kann das große Adventure Bike dennoch eine Herausforderung darstellen. Die Sitzbank der Husqvarna ist zwischen 854 mm und 874 mm verstellbar, in der höchsten Position aber schon ein echt hoher Bock, selbst mit meinen 1,85 m und langen Beinen. Das liegt auch an der breiten Sitzbank der Husky, wodurch der Schrittbogen wächst und die Beine schwerer zum Boden gelangen. Die Fußrasten der Suzuki befinden sich weiter vorne, was zu einem entspannteren Kniewinkel führt und der Fahrer ist tiefer ins Motorrad integriert. Die massive Front ragt weit hinauf, und die Hände greifen nahezu waagrecht zum breiten Lenker. Im Gegensatz dazu sitzt man auf der Husqvarna Norden 901 mehr auf dem Motorrad und exponierter. Die Fußrasten liegen höher, was zu einem spitzeren Kniewinkel führt. Diese Position ist nicht unbequem, aber dennoch spürbar aktiver als auf der Suzuki. Mal schauen, ob dieser Ersteindruck vom Fahrverhalten im Winkelwerk bestärkt wird.

Suzuki V-Strom 1050DE gegen Husqvarna Norden 901 im Winkelwerk

Die größte Stärke der Suzuki V-Strom 1050DE ist ihr starker V2-Motor, der bereits im Drehzahlkeller und in der Mitte des Drehzahlbandes viel Druck erzeugt. Dies ermöglicht ein äußerst souveränes Beschleunigen in jeder Fahrsituation und zaubert ein breites Grinsen unter den Helm. Dass die Charakteristik des V2-Motors in diesem Vergleich heraussticht ist schon bemerkenswert, denn auch der Reihen-Zweizylinder liefert früh sein Drehmoment, doch kein Vergleich zur Suzuki. Die Husqvarna Norden 901 hingegen verfügt über einen quirligeren, spritzigeren Motor, der gerne hochdreht und im oberen Drehzahldrittel zusätzliche Leistung bietet. Grundsätzlich sind es eher Nuancen, die zwischen den beiden Motor-Konzepten liegen, aber im Sattel spürbar werden. Die Motoren beider Bikes sind fein dosierbar und lassen keine Wünsche in Bezug auf Leistung, Beschleunigung und Fahrbarkeit offen.

Die Suzuki V-Strom weist mit 170 mm vorne und 169 mm hinten kürzere Federwege auf als die Husqvarna Norden, die mit 220 mm vorne und 215 mm hinten aufwartet. Trotz dieser Unterschiede zeigt sich, dass die V-Strom nicht zwangsläufig knackiger oder härter ist, während die Husqvarna nicht zwangsläufig weicher oder schwammiger wirkt. Der Grund dafür liegt vermutlich im Gewichtsunterschied, da die V-Strom mit 254 kg vollgetankt deutlich schwerer ist, als die 216,5 kg schwere Husqvarna. Zusätzlich ist das Fahrwerk der Norden härter abgestimmt und zeigt beim Beschleunigen und Bremsen kein übermäßiges Eintauchen. Beide Motorräder weisen auf Asphalt ein progressives und vorhersehbares Fahrverhalten auf, und sie sind in der Lage, selbst härtere Schläge gut zu absorbieren. Die Suzuki V-Strom vermittelt einen etwas entspannteren und gemütlicheren Eindruck. Ihr eine Spur trägeres Einlenkverhalten könnte auf die tiefer sitzende Sitzposition und den höheren Schwerpunkt zurückzuführen sein. Die Husqvarna lässt sich durch den tiefgezogenen Tank, den daraus resultierenden niedrigen Schwerpunkt, und durch die exponierte Ergonomie besonders gut über den Lenker in den Radius drücken. Die ausgezeichnete Haftung der Pirelli Scorpion Rally STR Reifen ermöglicht es ihr, sich auch in Kurven trotz des Stollenprofils selbstbewusst zu behaupten. Die Suzuki setzt auf Dunlop Mixtour Reifen.

In puncto Bremsleistung zeigen sowohl die Suzuki V-Strom 1050DE als auch die Husqvarna Norden 901 keine nennenswerten Unterschiede. Lediglich der Durchmesser der Doppelbremsscheiben an der Vorderseite der Suzuki ist um 10 mm geringer als bei der Husqvarna (320 mm). Beide Motorräder zeichnen sich durch einen sanften Initialbiss der Bremsen aus, gefolgt von einer progressiv zunehmenden Verzögerung, die eine präzise Dosierung ermöglicht. Bei genauem Hinsehen mag die Bremsanlage der Husqvarna minimal potenter erscheinen, die Suzuki muss ja auch deutlich mehr Masse abfangen, allerdings fällt dieser Unterschied im öffentlichen Straßenverkehr kaum ins Gewicht.

Offroad-Perfromance der Suzuki V-Strom 1050DE & Husqvarna Norden 901 im Vergleich

Als DE(=Dual Explorer)-Variante der V-Strom 1050 ist sie dafür gedacht auch mal unbefestigte Wege unter die Räder zu nehmen. Dafür hat sie auch ein 90/90-21 Vorderrad verpasst bekommen. Hinten baut die Suzuki auf ein 150/70-17 Hinterrad, während die Norden mit 90/90-21 vorne und 150/70-18 auf die ganz klassischen Reiseenduro-Dimensionen setzt. Das kann auch als Indiz verstanden werden, denn als wir die Waldwege und Schotterstraßen mit beiden in Angriff nehmen, treten erstmals größere Unterschiede auf. Die Husqvarna Norden 901 ist mit ihren längeren Federwegen, dem niedrigeren Schwerpunkt und ihrer stolligen Serienbereifung auch für ambitionierteres Gelände geeignet, während die V-Strom sich eher auf breiteren Wegen wohlfühlt. Im losen Gelände setzt immer der Fahrer das Limit, aber durchschnittliche Piloten wie ich tun uns ab einem gewissen Härtegrad mit den relativ kurzen Federwegen der V-Strom, dem hohen Gewicht und einer "touristischen" Stehposition schwer. Auf der Husqvarna hat man nach vorne hin durch den tiefen Lenker mehr Platz, durch den niedrigen Schwerpunkt leichteres Spiel bei langsamen Geschwindigkeiten und mit dem aufpreispflichtigen Explore-Modus auch noch eine exzellente, 10-stufig einstellbare Traktionskontrolle. Die Elektronik der Suzuki bietet einen ausgezeichnet konfigurierten Gravel-Modus, der aber wie es der Name vermuten lässt, auch eher für sanftes Gelände ausgelegt ist. Auf beiden Motorrädern lassen sich die Traktionskontrollen auch komplett deaktivieren und das ABS in einen Offroad-ABS-Modus mit blockierendem Hinterrad schalten. Eine komplette Deaktivierung des ABS ist nicht möglich.

Langstreckentauglichkeit im Test - Suzuki V-Strom 1050DE versus Husqvarna Norden 901 2023

Wenn es um Reiseenduros geht, steht der Komfort auf langen Touren im Mittelpunkt. Hier führt die Suzuki V-Strom 1050DE. Sie bietet einen besseren Windschutz, einen entspannteren Kniewinkel und verfügt über einen minimal größeren Tank mit einem Fassungsvermögen von 20 Litern. Die Husqvarna Norden 901 hingegen hat in puncto Windschutz, insbesondere in der hohen Sitzposition, noch Potenzial nach oben. In Bezug auf den Kraftstoffverbrauch relativiert sich der Tankgrößenunterschied schnell, da die Husqvarna selbst bei sportlicher Fahrweise äußerst sparsam ist (ca. 5 L/100 km) und nur einen Liter weniger Sprit aufnehmen kann. Die breiten und gut gepolsterten Sitzbänke beider Motorräder ermöglichen es, auch sehr lange Etappen ohne allzu große Unannehmlichkeiten zu bewältigen. Ein weiterer Pluspunkt bei beiden Modellen ist, dass der Tempomat serienmäßig an Bord ist. Auch sonst bringen beide üppige Ausstattungspakete mit. Quickshifter, Ride-by-wire, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Kurven-ABS, Fahrmodi und farbige TFT-Displays, um nur ein paar zu nennen. Die Suzuki bietet auch noch eine Bergauffahrhilfe, die Husqvarna Smartphone-Konnektivität mit Navigationsanzeige im Motorraddisplay.

Fazit und Preisvergleich der Suzuki V-Strom 1050DE & Husqvarna Norden 901 2023

Die zwei ähnlichen Motorräder zeigen bei genauerer Betrachtung doch deutlich in welche Richtung sie sich bewegen wollen. Es sind beide vielseitige und gelungene Bikes mit mächtigen, spaßigen Motoren und vielen Features. Die Suzuki V-Strom 1050DE präsentiert sich mehr als klassische, Komfort-orientierte Reiseenduro mit viel Bumms und Langstreckentauglichkeit, während die Husqvarna Norden 901 das Abenteuer im Namen "Adventure Bike" ernster nimmt und für die Abenteuerlust auch auf eine Spur Komfort verzichtet. Welche für wen das richtige Eisen ist, hängt alleine von den persönlichen Präferenzen ab und da die Kaufpreise der beiden auf gleichem Niveau liegen, legen wir allen Interessenten eine Probefahrt mit beiden ans Herz. Die aktuellen Preise und Angebote der Suzuki V-Strom 1050DE und Husqvarna Norden 901 für Deutschland, Österreich und die Schweiz findet ihr hier.

Fazit: Husqvarna Norden 901 2023

Die Husqvarna Norden 901 ist einerseits mit ihrer üppigen Serienausstattung ein sehr reisetaugliches Motorrad, schreckt auf der anderen Seite mit ihren langen Federwegen, dem spritzigen Motor und der aktiven Ergonomie auch nicht vor Abenteuern zurück. Genial ist der niedrige Schwerpunkt dank des tief nach unten gezogenen Tanks, der einem das Leben auf und abseits der befestigten Wege das Leben leicht macht.


  • Großartiger Motor mit hoher Praxistauglichkeit
  • Tolles Ansprechverhalten vom Motor
  • Lineares Drehzahlband
  • Kaum Vibrationen im Sattel
  • hochwertiges Elektronikpaket
  • Hoher Reisekomfort
  • Angenehm abgestimmtes Fahrwerk
  • zugänglicher aber gleichzeitig aufregender Charakter
  • guter Wind- und Wetterschutz
  • hart im Nehmen
  • Zuverlässig auch auf langer Tour
  • unangenehme Hitzeentwicklung im Bereich der Waden bei tiefen Geschwindigkeiten
  • unruhiger Motorlauf nach dem Kaltstart
  • Geringe Schwungmasse, stirbt immer wieder ab
  • Durch breite Sitzbank auch mit langen Beinen ein recht hoher Bock

Fazit: Suzuki V-Strom 1050DE 2023

Mit Überarbeitung bzw. Erweiterung der 1050er-Modelle hat Suzuki nun für jeden die richtige, große V-Strom im Angebot. Wer von vornherein weiß, dass er fast nur auf der Straße bleiben wird, findet im Standard-Modell einen verlässlichen Reisebegleiter oder auch Kumpel für alle Tage, wer sich bei der Auswahl an Wegen weniger einschränken und auch regelmäßig unbefestigtes Terrain befahren will, der findet in der DE nun eine gute Wahl. Das Hauptargument bleibt aber weiter dieser Motor, der mit seinen 107 PS und vor allem seinem satten Drehmoment kaum Wünsche offen lässt.


  • durchzugstarker Motor
  • hochwertiges Elektronikpaket
  • hervorragende Ergonomie
  • sehr guter Gravel-Mode
  • Offroad-ABS
  • intuitive Bedienung der Elektronik
  • Langstreckenkomfort
  • gelungene Retro-Optik
  • hohes Gewicht
  • Federwege könnten größer sein

Bericht vom 12.12.2023 | 11.461 Aufrufe

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