Kawasaki Ninja H2 SX SE vs. Ninja 1000SX Test auf Schweizer Boden

Ein stallinternes Duell auf Schweizer Landstraßen

Die beiden Kawasaki Motorradmodelle, die Ninja H2 SX SE und die Ninja 1000SX, haben wir auf den malerischen Landstraßen des Kantons Aargau einem ausführlichen Vergleichstest unterzogen. Dabei wurden die grundlegenden technischen Unterschiede zwischen den beiden Schwesternmodellen Kawasaki deutlich.

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Kawasaki Ninja H2 SX SE mit beeindruckender Kompressor Power

Beginnen wir den Vergleich mit einem Blick auf die Motoren. Die Kawasaki Ninja H2 SX SE ist mit einem der wohl beeindruckendsten Antriebe am Markt ausgestattet, welche man für Geld kaufen kann. Der 998 Kubik Vierzylinder wird von einem Kompressor zwangsbeatmet und schiebt damit ganze 200 PS bei 11.000 Umdrehungen in Richtung Hinterrad. Für einen Vierzylinder Reihenmotor kommt damit - bei Bedarf - ungeahnte Emotion im Sattel auf. Fauchend und zwitschernd surft man im Attacke-Modus aus den Radien. Bereits ab niedrigsten Drehzahlen liegt viel Druck an. Die Laufkultur des Aggregats ist dabei mustergültig. Fein dosierbar in jedem Drehzahlbereich, sanft in der Gasannahme, durchgehend nahezu vibrationsfrei. Im Vergleich dazu wirkt der Reihenvierzylinder der Ninja 1000SX, welcher über einen etwas größeren Hubraum von 1.043 Kubikzentimetern verfügt, fast ein wenig handzahm. Der Antrieb glänzt ebenfalls mit beeindruckender Laufkultur und einem beinahe noch geschmeidigerem Ansprechverhalten. Die Leistungsabgabe der 142 Pferdchen erfolgt durchwegs linear und berechenbar. So stellte sich auf unserer Tour ein entspanntes und souveränes Fahrgefühl ein. Es liegt auch ohne Kompressor-Power immer genügend Druck an. Sogar Spitzkehren lassen sich mit diesem kultivierten Antrieb anstandslos im 3. Gang durchfahren. Das maximale Drehmoment liegt an der Ninja 1000SX mit 111 Newtonmetern bei 8.000 Umdrehungen etwas früher an als bei der aufgeladenen H2. Dort beeindrucken dafür dann ab 8.500 Umdrehungen ganze 137 Newtonmetern. Wer auch gut ohne den regelmäßigen Kompressor-Adrenalinkick auskommt, ist mit dem bewährten und sehr elastischen Basis-Vierzylinder bestens bedient.

Fahrwerke im Fokus: Unterschiede zwischen der Ninja H2 SX SE und der 1000SX

Bereits der generelle Aufbau des Chassis verfolgt an den beiden Modellen unschädliche Ansätze. Die Ninja 1000SX setzt auf einen klassichen Doppelprofil-Aluminiumrahmen. Für die Kompressor-Modelle konstruierte man bei Kawasaki einen neuen Stahl-Gitterrohrrahmen. Die hohe Steifigkeit sorgt für die nötige Stabilität und mit einer maximalen Zuladung von 195 kg auch reichlich Reserven für Sozius und Gepäcksystem. Letzterer Wert ist übrigens an beiden Modellen identisch.

Die Federungssysteme der beiden Bikes unterscheiden sich ebenfalls. In der Ninja H2 SX SE werkelt sowohl vorne in der 43mm Upside-Down-Gabel, wie auch hinten im Federbein das elektronische Fahrwerk namens KECS. Dieses passt sich laufend den Straßen- und Fahrbedinungen an und verändert seine Charakteristik auch mit dem ausgewählten Fahrmodus. Vor allem auf längeren Autobahnabschnitten und bei längerer Fahrt auf schlechten Straßen spürt man, wie ausgereift das System ist. Souverän bügelt es Unebenheiten weg und spendiert viel Komfort. In der Ninja 1000SX setzt man hingegen auf ein klassisches, manuelles Fahrwerk. Letzteres ebenfalls von hervorragender Güte und in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbar. Die 41er-Gabel an der Front spricht super sensibel an und generell darf angemerkt werden, dass man hier einen ausgezeichneten Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit geschafft hat.

Große Unterschiede im Handling

Surft man im Sattel der Ninja 1000SX durch die Kurven, spürt man die Nakedbikegene auf jeden Meter. Sie SX basiert auf der Z1000 und ist als Ninja 1000SX die Touringversion ihrer gänzlich nackten Schwester. Insofern fällt ihr Handling entsprechend nakedbikehaft aus: Agil gelingen die Richtungswechsel, die Sitzposition ist aufrechter aber die große Scheibe nimmt viel vom Winddruck weg. Fräst man flotter ums Eck, spürt man im direkten Vergleich, dass die H2 SX SE ein echter Sporttourer ist, da ihre Stabilität mit der gefahrenen Geschwindigkeit eher zunimmt, während die Ninja 1000SX stets eher agil bleibt und nicht die Souveränität in Highspeedkurven hat wie ihre Kompressorschwester. Im Sattel von beiden lassen sich große Distanzen problemlos zurücklegen, ohne Knie-, Rücken- oder sonstigen Schmerzen. Trotzdem hat man im Sattel der H2 SX SE etwas mehr Druck auf den Handgelenken, was sich jedoch mit einem besseren Gefühl für das Vorderrad revanchiert. Kurz: Bequem sind beide, narrensicher im Handling sind auch beide. Aber wer etwas mehr Präzision im Sattel wünscht, der greift zur H2 SX SE und erlebt wie komfortabel Sporttouring anno 2023 sein kann. Wer sich mehr im Nakedbike-Segment beheimatet fühlt, der wird sich schneller im Sattel der Ninja 1000SX zurecht finden. Wir sind beide auf Bridgestone S22-Reifen gefahren, ein Pneu, der beiden Kawasakis perfekt passt und mit einem breiten Grenzbereich punktet, bei entsprechend großen Reserven wenn man es mal eilig hat.

Die Bremse - kein Platz für Experimente

Am Papier hat die Ninja H2 SX SE die bessere Bremse: die 320-Millimeter-Doppelscheiben werden von feinsten Brembo Stylema-Bremszangen gepackt und verzögern dementsprechend sicher und zuverlässig. Durch das eingebaute Abstandsradar und den Tempomaten gibt es auch einen "Adaptive Cruise Control" (kurz ACC), die nicht nur die Geschwindigkeit im Fließverkehr anpasst, sondern bei zu hohem Speedüberschuss selbstständig bremst. Dieses System verlangt aber zusätzliche Elektronik, womit sich der Druckpunkt am Bremshebel der Radialbremspumpe nicht ganz so knackig und präzise angefühlt hat, wie an der Ninja 1000SX. Diese hat an der Front zwar auch zwei radial montierte Vierkolbenbremszangen zur Verfügung, doch die Bremsscheiben sind mit 300 Millimeter doch einen Tick kleiner. Trotzdem ist die Verzögerung tadellos und fühlt sich im direkten Vergleich präziser an. Natürlich bieten beide Sporttourer modernstes ABS mit entsprechend feinen Regelintervallen, hier gibt es nichts zu beanstanden, sondern nur viel Lob. Trotzdem spürt mit der Kompressorversion das Mehrgewicht vor allem auf der Bremse an. In Verbindung mit dem etwas knautschigerem Druckpunkt am Bremshebel, macht die Nakedbikeschwester hier den etwas sportlich, knackigeren Eindruck, obwohl das Datenblatt es genau anders herum suggeriert.

Mehr Elektronik geht nicht

Die Ninja 1000SX bringt fahrfertig 235 Kilogramm auf die Waage, die Ninja H2 SX SE knapp 30 Kilogramm mehr: 267 Kilogramm, um genau zu sein. Und ja, das spürt man ihr an. Nicht, dass sie dadurch zum unhandlichen Sporttourer der nur Geradeaus kann mutiert, sondern in Sachen Ausstattung: Der Kompressor-Tourer hat wirklich alles mit an Bord, was der moderne High-end-Motorradbau zu bieten hat: Neben dem elektronischen Fahrwerk, dem Abstandsradar, Tempomaten, ABS, Totwinkelassistenten und Reifendruckkontrollsystem, bietet sie auch noch eine Bergabfahrhilfe, Keyless Go, LED-Kurvenlicht, automatisches Fernlicht und ein Emergency Stop Signal, um den Folgeverkehr mit stark blinkendem Bremslicht vor der Notbremsung zu warnen. Mehr geht einfach nicht. Daher kommt auch ein Teil des Mehrgewichts auf die Waage. Denn auch moderne Elektronik braucht entsprechende Kabelleitungen, Steuergerät und Sensoren. Da kann die Ninja 1000SX so nicht mithalten, will sie aber vermutlich auch nicht. So ist da deutlich puristischer ausgestattet, bietet aber mit Tempomat, Quickshifter und Smartphone-Konnektivität genug Features, um das Reisen komfortabel und sicher zu gestalten. Verschiedene Fahrmodi und entsprechend abgestufte Traktionskontrollen bieten natürlich beide Modelle.

Flottes, gemütliches Reisen können beide

Wer am Motorrad reist, hat gewisse Ansprüche: Ein guter Windschutz mag bei Tagestouren nicht ins Gewicht fallen, werden mehrere Hundert Kilometer am Tag abgespult, dann freut man sich über einen effizienten Windschild. Hier bieten beide Ninja-Schwestern gute Lösungen. Hinter der Kanzel der Ninja H2 SX SE kann man sich, wenn man sich klein macht, sogar gänzlich dem Wind entkommen und hat das Gefühl, komplett im Windschatten zu verschwinden. Inklusive deutlich weniger Windgeräuschen am Helm. Toll! Ganz so geschützt ist man im Sattel der Ninja 1000SX nicht, weil die Sitzposition per se doch etwas aufrechter ist, aber auch auf ihr wird die lange Reise zum Kinderspiel, da der Windschild viel Druck vom Oberkörper nimmt und man nur minimale Windgeräusche am Helm hört. Hier hat Kawasaki auf beiden Modellen im Windkanal richtig gute Arbeit geleistet. Ebenso bei den vollintegrierten, durchdachten Koffersystemen auf beiden Modellen. Sowohl optisch als auch funktionell gliedert sich der zusätzliche Stauraum auf beiden Heckseiten perfekt ein, ohne die Bikes zu breit werden zu lassen. Selbst der Sitzkomfort ist durchaus vergleichbar, denn beide Sattel sind eine Mischung aus weich genug, um Komfort zu bieten, und stramm genug, um auch nach einem Tag im Sattel nicht durchgesessen zu sein. Hier hat Kawasaki einen tollen Kompromiss gefunden, der sowohl schwerere als auch leichtere Piloten Freude bereiten wird.

Mex' Fazit zur Kawasaki Ninja H2 SX SE

Die Kawasaki Ninja H2 SX SE ist faszinierend durch den Umfang an Technik, welchen sie an Bord hat und natürlich auch durch den genialen Kompressormotor. Herrlich, dass es die Japaner geschafft haben, so ein Aggregat, welches noch dazu durch hervorragende Fahrbarkeit glänzt, auf öffentliche Straßen zu bringen. Die Sitzposition ist durchaus sportlich und wird dem "Ninja" im Namen gerecht. Ebenso das Chassis, welches eine enorme Stabilität und Präzision im Fahrbetrieb ermöglicht. Ein rundum gelungener Sporttourer der alten Schule, ausgestattet mit einem herausragenden Antrieb und allem was an moderner Technik bzw. Assistenz am Markt verfügbar ist. Wer mit der sportlichen Sitzposition und dem saftigen Anschaffungspreis klarkommt, kann sich mit der H2 SX SE guten Gewissens einen echten Technologieträger in die Garage stellen.

Mex' Fazit zur Kawasaki Ninja 1000SX

Die Ninja 1000SX begeistert durch ihr spielerisches und sehr auf Agilität getrimmtes Handling, man erkennt in ihr die nahe Verwandtschaft zur (leider eingestellten) Z1000. Sie bieten viel Sportlichkeit bei gleichermaßen hohem Komfort im Sattel. Der Motor läuft seidenweich und hängt geschmeidig am Gas. Lastwechsel sind ein Fremdwort für den bewährten Vierzylinder aus Japan und auch die Vibrationen halten sich in angenehmen Grenzen. Technologisch ist an der Ninja 1000SX das kleine Einmaleins an Bord. Traktionskontrolle und ABS regeln einstellbar und zuverlässig - zwar nicht schräglagenabhängig aber in Summe vermisst man auch nicht wirklich etwas. Das Getriebe samt Quickshifter funktioniert erstklassig und mit wenig Kraftaufwand. Sämtliche dieser Features verstehen sich als serienmäßig ohne Aufpreis, somit ist nicht zuletzt auch das Preis-Leistungsverhältnis bestechend.

Preise Kawasaki Ninja H2 SX SE und Ninja 1000SX

Hier gibt es eine Übersicht der aktuellen Preise zur Kawasaki Ninja H2 SX SE.

Und hier kommt man direkt zu den aktuellen Preisen für die Kawasaki Ninja 1000SX.

Fazit: Kawasaki Ninja H2 SX SE 2023

Die Kawasaki Ninja H2 SX SE gehört mit Sicherheit zu den flottesten Reise-Motorrädern am Markt. Aber ist sie auch eine der besten Tourer? Die üppige Ausstattung und Elektronik von Kawasakis technologischem Flaggschiff bietet Komfort, Stabilität und funktioniert einwandfrei. Mit dem saustarken Motor und etwas trägem Einlenkverhalten muss man umzugehen wissen, doch dann bietet die Ninja H2 SX SE auch in engen Kurven Fahrspaß. Schlussendlich entscheidet noch die Ergonomie, ob das Motorrad auch reisetauglich ist. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er oder sie mit der doch sehr sportlichen Haltung. Falls ja, dann ist die Kawasaki Ninja H2 SX SE eine gewaltige Reisemaschine, die von der Autobahn bis zum Alpenpass eine gute Figur macht.


  • Bärenstarker Motor
  • Extrem stabiles, semi-aktives Fahrwerk
  • State-of-the-art Elektronik
  • Sehr viel Gefühl fürs Vorderrad
  • Guter Windschutz
  • Schöne Verarbeitung und großes TFT-Display
  • Top Bremsen
  • Etwas träges Einlenkverhalten
  • Hoher Preis

Fazit: Kawasaki Ninja 1000SX 2023

Ein Sporttourer der alten Schule. Die Kawasaki Ninja 1000SX erfüllt alle Punkte, die man sich von dieser Bikekategorie erwartet. Hinzu kommt ein umfangreiches Elektronikpaket, das alles bietet, was man sich auf Reisen wünschen könnte - und das ohne Aufpreis! Dass die Bedienung vielleicht nicht ganz so intuitiv ist, wie es die Konkurrenz bereits schafft, verzeiht man ihr spätestens, wenn man einen Blick auf das Preisschild wirft.


  • seidiger Vierzylinder
  • bequeme und trotzdem sportliche Ergonomie
  • Windschutz
  • serienmäßiges Elektronikpaket
  • viel Stabilität dank Vollverkleidung
  • sehr zugänglich
  • Motor braucht Drehzahl
  • Elektronik könnte benutzerfreundlicher sein
  • Windschild nur mit zwei Händen verstellbar

Bericht vom 13.09.2023 | 16.650 Aufrufe

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