High-Tech Navi für alle Einsatzzwecke - Garmin Tread Test 2021

Premium Navigationsgerät bei dem (fast) alles geht.

Offroad-Navigation, Onroad-Routen, Wetter, Verkehr, topographische Karten, Satellitenbilder und Group-Tracking - Es gibt so gut wie nichts, was das Garmin Tread nicht können soll. Wie gut das alles aber in der Praxis funktioniert, haben wir auf insgesamt 10.000 Kilometern überprüft.

Österreich, Schweiz, Italien, Slowenien, Kroatien, Rumänien - 2021 war ich soviel auf zwei Rädern unterwegs, wie noch nie. Von harten Offroad-Touren, bis zu gemütlichen Ausfahrten war alles dabei. Stets begleitet hat mich auf meinen Reisen das neue Garmin Tread. Das smarte 5,5-Zoll-Powersport-Navi bietet jede Menge verschiedener Funktionen, sowohl für Straßen-, als auch Geländefahrten. Auf ca. 10.000 Kilometern habe ich mir angesehen, welche der Features auf dem Motorrad Sinn machen und wie gut das Garmin Tread allgemein funktioniert.

Garmin Tread Look & Feel

Schon im ersten Moment merkt man dem Garmin Tread seinen Premium-Status an. Die harte Plastikschale fühlt sich wertig und robust an, das Display leuchte in kräftigen Farben, bietet ein klares Bild und der Touchscreen lässt sich leicht und präzise bedienen. Egal ob mit, oder ohne Handschuhen. Auch die Halterung des Garmin, für welches es unterschiedliche Befestigungsmöglichkeiten je nach Wunsch gibt, ist nicht nur simpel zu montieren, sondern zeigt bei heftigen Enduro-Passagen im rumänischen Wald auch seine Widerstandsfähigkeit. Aber dazu später mehr. Bevor man einen Meter gefahren ist, beeindruckt das Tread durch seine fühlbare Qualität. Bei einem Preis von 699,99 € (Stand Oktober 2021) soll das auch so sein, aber nichtsdestotrotz freut man sich über das tolle Look & Feel. Worauf es jedoch wirklich ankommt, sind die inneren Werte. Von diesen hat das Garmin Tread viele, zuerst widmen wir uns jedoch einer der zentralen Funktionen: Dem Echtzeit-Tracking!

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Garmin Tread Group Ride - Perfekt für Gruppenausfahrten und Veranstaltungen im Gelände

Stark im Fokus des Treads steht das Tracking von Fahrten bei Gruppentouren. Dazu wird auch schon der Group Ride Tracker, der in der Navi-Halterung integriert ist, mitgeliefert. Einfach erklärt verbinden sich alle Fahrer über die Group Ride Tracker und kompatible Navigationsgeräte zu einem Group Ride und sind dadurch auf den Geräten der anderen Teilnehmer in Echtzeit sichtbar. In unterschiedlichen Farben wird die Position laufend und bis zu einer bestimmten Reichweite (0,8-3,2 km im Wald, 3,2-13 km in offenem Gelände) genau angegeben. Zusätzlich kann mittels vordefinierten Nachrichten auch noch kommuniziert werden, ganz unabhängig vom Mobilfunkempfang. Mit bis zu 20 Teilnehmern eignen sich diese Group Rides vor allem für Gruppenausfahrten ins Gelände, oder Veranstalter/Organisatoren von Offroad-Events. Natürlich kann man die Funktion auch auf der Straße nutzen und über die einfachen Nachrichten kommunizieren, aber im Angesicht von immer moderneren Smartphones, Kommunikationssystemen und Connectivity-Optionen am Motorrad, gibt es dafür wahrscheinlich einfachere Möglichkeiten. Aber abgesehen von der Tracking-Funktion, passt so ein edles Navi überhaupt ins harte Gelände?

Edler Look, harter Kern - Verträgt das Garmin Tread hartes Offroad?

Laut Garmin soll es das Tread mit jedem Wetter und harten Anforderungen aufnehmen können. Ob dem wirklich so ist, habe ich bei der Enduromania überprüft. Bei der Enduro-Veranstaltung im Westen Rumäniens geht es auf der Suche nach verschiedenen Flaggen eine Woche lang über Stock und Stein. An die Bikes und Fahrer stellt das raue Gelände große Herausforderungen, da muss auch das Garmin zeigen was es kann. Das Tread soll wasserbeständig gemäß IPX7 sein und wurde nach US-Militärstandard 810 im Hinblick auf thermische Leistung und Stoßfestigkeit entwickelt. Aber nicht nur das Navi selbst, auch der Group Ride Tracker und die Halterung sollten die Woche überleben. Vor allem bei dem Dock-Punkt zwischen Navi und Halterung hatte ich meine Zweifel, denn hier wird das Tread nur mit sanften Klicken befestigt. Nach einer Woche in Rumänien war ich voller blauer Flecken, mein Bike geschunden, doch das Garmin unbeeindruckt. Trotz zahlreicher Stürze, rumpliger Bachdurchfahrten und rasanter Hillclimbs löst sich die Halterung nicht und auch sonst steckt das Garmin alles weg. Einmal kippt ein Kollege mit der Maschine in einen Graben, versenkt sein Motorrad kopfüber im Loch und biegt dabei die Antenne des Trackers übel um und trotzdem ... nichts! Als wäre nichts gewesen, das Garmin funktioniert weiter.

Garmin Tread im Offroad-Einsatz
Auch im Gelände macht das Tread eine gute Figur und kann auch harte Schläge wegstecken.

Akku-Laufzeit Garmin Tread

Noch etwas konnte ich in den Wäldern Rumäniens gut testen: Die Laufzeit des Akkus im Garmin Tread. Natürlich liefert Garmin ein Ladekabel mit, welches auf unterschiedliche Arten montiert werden kann. Alternativ kann es auch an ein Dauerplus eines 12V Verbrauchers (z.B. Licht oder direkt an das Zündungsplus) angehängt werden, die meisten nutzen aber die Motorradbatterie als Stromquelle. Nur blöd, dass meine KTM 125 EXC, eine alte 2-Takter Enduro aus 2006, keine Batterie verbaut hat. So heißt es über Nacht laden und tagsüber beten, dass der Akku hält. Aber meine Sorgen diesbezüglich sind selbst in der tiefsten rumänischen Wildnis unangebracht, einen Fahrtag kommt man mit dem Garmin Tread gut durch. Meist schaltet sich nach ca. 5-6 Stunden der Energiesparmodus ein (Display verdunkelt sich), doch wir waren da oft schon so gut wie zurück im Basis-Camp.

Navigation und Karten des Garmin Tread

In puncto Karten braucht sich Garmin auch nicht zu verstecken. Zu Beginn sind bereits 14 Karten für die verschiedenen Regionen und Kontinente weltweit installiert, einige davon auch als topographische Karten, um das Gelände besser lesen zu können. Wem das nicht reicht, der kann sich im Nachhinein noch Karten herunterladen und installieren. Selbst detaillierte Birdeye-Satellitenbilder können heruntergeladen werden, um Kartenbereiche ganz genau zu studieren und zu navigieren. Die Installation funktioniert dabei schnell und recht einfach. Selbst am rumänischen Berg gelingt es mir die Enduromania Karte aufzuspielen.

Garmin Tread
Verschiedene Karten können installiert werden. Mit den Satellitenbildern kann man das Gelände genau navigieren.

Durch diese Karten lässt es sich per Route oder Track navigieren. Bei Routen werden Abbieger und Co. klar mit Richtungsanweisungen versehen, beim Track folgt man einfach der farbigen Linie am Display. Auch Zwischenstopps können recht schnell eingefügt und Points-of-Interest anvisiert werden. Das funktioniert alles wie es sollte, allerdings zeigt sich das Tread recht störrisch, wenn es um die Fahrrichtung geht. Routen verlaufen sowieso von Anweisung zu Anweisung, kehrt man hier um und fährt in die "falsche" Richtung, wird die Route meist neu berechnet. Ein Track verändert sich üblicherweise nicht von selbst, allerdings kann es gerade im Offroad-Gebrauch vorkommen, dass man diesen entgegen der ursprünglich erstellten, "richtigen" Richtung fährt. Das mag das Tread gar nicht! Wie in der typischen Samstag-Nacht beginnt sich alles zu drehen, das Navi kennt sich gar nicht mehr aus und lässt die "Blickrichtung" der Anzeige rotieren. Das nervt vor allem, wenn man einen Abstecher zu einem interessanten Punkt in den Track einplant, dann aber den gleichen Weg wieder zurückfahren muss. Ständig will das Gerät dann in die andere Richtung blicken und zeigt nicht den vor einem liegenden Weg. Das Problem beschränkt sich allerdings fast nur auf solche Schlenker mit gleichem Hin- und Rückweg. Den ganzen Track betrifft es nie, da das Tread zu Beginn fragt, ob der Track von "Anfang bis Ende" oder "Ende bis Anfang" gefahren werden soll. Trotzdem könnte das "verkehrte" Fahren mit dem High-Tech-Gerät besser funktionieren.

Garmin Adventurous Routing - Die Kurvensuche leicht gemacht

Noch ein großes Feature von Garmin, wenngleich auch nicht neu im Tread, ist das sogenannte Adventurous Routing. Damit sucht das Gerät selbst nach abenteuerlichen, also kurvigen, Strecken. Es reicht ein Ziel anzugeben, über einen Slider den Grad der Abenteuerlichkeit der Route zu bestimmen und schon wird eine schöne Strecke berechnet. Zum Beispiel schickt mich das Tread bei Abenteuerlichkeits-Stufe 2/3 von Wiener Neustadt nach Linz über Rohr im Gebirge und den Ochssattel, einer der bekanntesten Motorradstrecken Ostösterreichs. Das Adventurous Routing braucht zwar nur einen Zielpunkt, funktioniert aber am besten noch mit einigen Zwischenpunkten. Auf meiner Motorradtour durch die Toskana habe ich eine Tagestour probehalber nur mit dem Feature geplant. Auf dem Hinweg habe ich noch Zwischenpunkte, wo ich von leiwanden Straßen in deren Umgebung wusste, hinzugefügt. Mit den abenteuerlichen Verbindungen dieser Punkte wird die Hinfahrt zum reinsten Kurvengenuss. Die Rückfahrt ohne Zwischenpunkte enthält zwar auch ein paar schöne Radien, nutzt aber auch recht viele Straßen im Ortsgebiet. Adventurous Routing ist definitv ein tolles Feature, braucht aber für das beste Ergebnis doch einen kleinen Fingerzeig in die richtige Richtung.

Die Nachteile des Garmin Tread

Wo Licht, da auch Schatten. Die zahlreichen Funktionen des Garmin Tread sind zwar toll, bringen aber auch Nachteile mit sich. Zum Beispiel sollte es nicht über den USB-Anschluss geladen werden, da dieser den doch beträchtlichen Stromverbrauch des Tread nicht abdecken kann. Schlechte Nachrichten also an alle, die ihr Navi gerne über die 12V-Buchse laden. Es geht zwar trotzdem, jedoch verdunkelt sich das Tread nach einiger Zeit fast bis zur Unlesbarkeit, da es weniger Saft zugeführt bekommt, als verbraucht wird. Außerdem ist der USB-Anschluss weder gegen Erschütterungen, noch gegen Staub und Regen geschützt. Etwaige dadurch entstandene Schäden, so wird mir von Garmin erklärt, können daher auch nicht von der Garantie abgedeckt werden. Man sollte also wirklich das mitgelieferte Stromkabel verwenden.

Garmin Tread
Zum Laden des Treads reicht nicht ein USB-Kabel (zu sehen grau im Hintergrund), sondern es braucht das originale Ladekabel.

Noch ein Nachteil der modernen Technik im Tread ist, dass auch die Software besondere Anforderungen mit sich bringt. So erkennen PCs zum Beispiel das Tread nicht als externes Gerät, solange nicht die Garmin Express App installiert ist. Wird für die meisten Besitzer des Tread, die sich einfach Zuhause am PC die Route zusammenstellen, kein Problem sein. Doch wenn man sich über ein fremdes, vielleicht älteres Gerät verbinden möchte, kann das schon schwierig und mühsam werden. Der rumänische Trackmeister und ich haben ziemlich rackern müssen, bis die Routen von seinem Laptop aus dem Jahr 2005 ihren Weg auf das Tread gefunden hatten. Doch mit halbwegs modernen Gerätschaften im Haus fällt dieses Problem weg, schließlich ermöglicht das Tread verschiedene Arten der Verbindung. Neben der klassischen Methode mit dem USB-Kabel, kann auch per Bluetooth, entsprechenden Apps von Smartphones und erstmals auch über Wlan verbunden werden.

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Kommandozentrale statt Navigationsgerät - Garmin Tread Test 2021

Größter Pluspunkt und Argument für das Garmin Tread ist wohl die schiere Anzahl an gebotenen Funktionen. Die Navigation ist hier nur ein Puzzleteil von vielen. Sensoren wie ein Höhenmesser, ein Barometer, ein Kompass und Anzeigen für die Längs- und Seitenneigung sind in das Gerät integriert. Neben unzähligen verschiedenen Karten können auch Live-Wetterdaten angezeigt und sogar Musik abgespielt werden. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Features ist das Tread auch mit einer Vielzahl von anderen Garmin Produkten kompatibel und damit noch vielseitiger nutzbar. InReach Satellitenkommunikationssysteme können gesteuert, drahtlose Kameras überblickt, mobile Schaltkästen kontrolliert und sogar Hunde geortet und getrackt werden. Das Garmin Tread ist weniger als Navigationsgerät, sondern eher als Garmin-Kommandozentrale zu bezeichnen. Als normaler Motorradfahrer wird man vermutlich nur einen Bruchteil der Funktionen nutzen. Doch Offroad-Spezialisten, Garmin-Enthusiasten, oder auch Menschen mit vielen verschiedenen Hobbies können dem umfassenden Gesamtpaket des Tread sicher viel abgewinnen. Für Leute die einfach von A nach B navigieren wollen, fällt das Tread wohl in die Kategorie "Overkill".

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Bericht vom 20.10.2021 | 6.814 Aufrufe

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