Triumph Rocket 3 GT vs Rocket III Roadster - Giganten im Duell

Britische Muscle Bikes im Vergleich - kann die neue alles besser?

221 Newtonmeter - Dieser Wert ist bis heute Rekord bei Serienmotorrädern. Er wurde bisher nur von zwei Bikes erreicht, beide kommen von Triumph, beide hören auf den Namen Rocket. Zeit für einen Vergleich alt gegen neu: Rocket III Roadster gegen Rocket 3 GT!

Vergleiche alt gegen neu sind immer spannend, aber schwierig zu realisieren

Vergleiche zwischen aktuellen Modellen und deren Vorgängern sind für uns bei 1000PS nicht leicht auf die Beine zu stellen. Der Pressefuhrpark der Hersteller gibt meistens nur die aktuell neuen Modelle her und Privatmotorräder können wir aus Versicherungsgründen leider nicht bewegen. Bleiben also nur Händler, die verwegen genug sind, uns ihre gebrauchten Schätze zum Testen zur Verfügung stellen. So einen haben wir in Braunschweig gefunden! Scheibner & Olk ermöglicht uns nach dem Vergleich Speed Triple 2021 vs. 2020 auch das Raketen-Duell Rocket III Roadster 2016 gegen Rocket 3 GT 2021- leiwand!

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So viel Motor! Die Triples in den Rockets sind einfach irre

Die beiden Monstertriebwerke mit rund 2,3 bzw. 2,5 Liter Hubraum mobilisieren jeweils 221 Nm Maximaldrehmoment. Bei der neuen Rocket stehen diese bei 4.000 U/Min an, bei der Rocket III Roadster gar noch früher und das spürt man. Beide Cruiser schieben mächtig an, aber die alte Rocket mit ihrem relativ eng abgestuften 5-Gang-Getriebe ist unten herum noch etwas spektakulärer. Ein interessantes Phänomen bei beiden: Dank Kardanantrieb und hohem Eigengewicht hebt man gefühlt erst etwas nach oben ab, bevor es dann vehement nach vorne geht. Aber irgendwie passt es auch schließlich sitzt man auf einer Rakete.

Dreht man die Gänge weiter aus zeigt sich, dass Triumph die neue Rocket nicht nur in ein moderneres Kleid gesteckt hat, sondern auch dem Riesen-Drilling eine gehörige Überarbeitung verpasst hat. Wesentlich beschwingter dreht der Motor der neuen hoch und legt dabei auch ordentlich an Leistung zu. Knapp 20 PS mehr drückt das neue Aggregat. Dank niedrigem Gewicht und gut einem abgestimmten 6-Gang-Getriebe hat man subjektiv aber deutlich mehr Power zur Verfügung.

Beim Thema Elektronik kann die alte Rocket der neuen nicht das Wasser reichen

ABS. Damit wären alle elektronischen Helferlein der Rocket III Roadster 2016 genannt. Keine Beschneidung des massiven Drehmoments durch eine Traktionskontrolle, der 240er Schlapfen hinten wird´s schon richten. Auch der Blick auf die Armaturen zeigt klassische Rundinstrumente, einzig die kleinen und nicht wirklich gut ablesbaren LC-Displays bieten mit Gang- und Reichweitenanzeige zusätzliche Informationen. Ansonsten ist der Fahrer durch nichts abgelenkt.

Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich auf der neuen Rocket 3: Ein Farb-TFT Display mit verschiedenen Anzeigeoptionen, Connectivtiy, LED-Scheinwerfer, verschiedene Fahrmodi, eine (keine Sorge abschaltbare) Traktionskontrolle, Kurven-ABS. Kurzum, das komplette Paket an modernen Fahrassistenzsystemen. Unglaublich, was sich in diesem Bereich in nur 5 Jahren getan hat. Die rohe Unvernunft die die Rocket III Roadster ausstrahlt hat zweifelsohne ihre Reize und das Fahren auf so einem Ungetüm macht einem wieder einmal bewusst, welche Kräfte man durch einen kurzen Dreh am Gasgriff in Gang setzt. Hier gibt es weder Netz noch doppelten Boden. Am Ende des Tages, bzw. im Alltag, ist man über die Entwicklung im Sicherheitssektor, aber doch froh und wenn einen doch der Hafer sticht, schaltet man die Traktionskontrolle einfach aus.

Agilität ist relativ - Handling von Motorrädern 300 Kilo plus

Die Rocket 3 GT ist mit einem Trockengewicht von 294 Kilogramm kein leichtes Motorrad. Im Vergleich zu ihrer Vorgängerin, die fahrfertig 367 Kilogramm auf die Waage bringt, hat sie jedoch ordentlich abgespeckt. Selbst vollgetankt sprechen wir bei der neuen Rakete von gut 40 Kilogramm weniger und das spürt man in allen Lebenslagen: Beim Rangieren, im Einlenkverhalten, beim Anbremsen und beim Rausbeschleunigen aus Kurven. Im direkten Umstieg fühlt sich die Rocket 3 GT beinahe wie ein handliches Naked Bike an.

Es fällt schwer zu glauben, dass die Reifendimensionen der beiden Triumph-Bikes ident sind. Unglaublich wie locker die Rocket 3 in die Kurve fällt und wie dynamisch sie sich bewegen lässt. Auf der alten Rakete ist vor, in und nach jeder Kurve ein gutes Stück Arbeit gefragt. Die Rocket III Roadster ist, verzeiht mir das liebe Damen, ein echtes Männermotorrad, sie zu bewegen ein richtiger Kraftakt. Auch beim Ankern muss man sich und die alte Rocket ordentlich anstrengen, bei vergleichsweise mäßigem Erfolg.

Anders die neue Rocket 3 GT, bedenkenlos würde ich sie auch weniger versierten Piloten empfehlen. Das Fahrwerk und die (kombinierten) Bremsen leisten vorbildliche Arbeit, schließlich stammen letztere aus dem Hause Brembo und werden an anderer Stelle in sehr sportlichen Motorrädern verbaut. Man darf sich allerdings durch die Leichtigkeit des Motorrads in Bewegung nicht täuschen lassen. Sobald die Fuhre steht, hat man immer noch verdammt viel Gewicht zwischen den Beinen.

Die Schräglagenfreiheit ist bei beiden Motorrädern dem Segment angemessen, allerdings schleift man mit der neuen Rocket schneller über den Asphalt weil sie einfach so viel mehr Vertrauen spendet. So sind auf ihr stressfrei stattliche Kurvengeschwindigkeiten möglich, während man im Sattel der Vorgängerin schon eine gehörige Portion Mut braucht, um bis auf die Rasten umzulegen.

Ergonomie-Duell: Designer Lehnstuhl gegen barockes Sofa

Der eben angesprochene Sattel der Rocket III Roadster ist ein unglaublich weiches und ausladendes Möbel. Die Polsterung entkoppelt den Piloten ein Stück weit von der Fahrbahn. Dies hilft eher dem Komfort als einem transparenten Gefühl dafür, was unter einem gerade so vor sich geht. Die Sitzhöhe von 750 mm bleibt die einzige Gemeinsamkeit mit dem Sitz der Rocket 3 GT. Hier ist man in einer anderen Welt, auch bequem, aber deutlich moderner als auf der Vorgängerin nimmt man Platz. Die Sitzposition ist auf beiden Motorrädern aufrecht, die Fußrasten der neuen sind allerdings cruiser-typisch positioniert, wodurch der Kniewinkel hier noch entspannter ist. Den Vergleich aller weiteren technischen Daten bietet euch wie immer unser Motorradvergleich zwischen Rocket III Roadster und Rocket 3 GT.

Beide Bikes haben einen breiten Lenker, der das Dirigieren der Kolosse vereinfacht. Durchschlängeln im Stadtverkehr ist sowohl mit der alten als auch mit der neuen Rocket mühselig, wobei die Lenkerendspiegel beim 2021er Modell die Sache noch weiter verschärfen. Ein Lob muss man Triumph hingegen bei der Verarbeitungsqualität und Materialanmutung aussprechen. Die neue Rocket lässt hier nicht nur die Vorgängerin alt aussehen, sondern setzt die Latte grundsätzlich verdammt hoch.

Im Soziusbetrieb mit 221 Nm sicher nützlich, aber optisch ein Fall für sich: Die Sissybar der GT. Wesentlich eleganter präsentiert sich die Mechanik, die die Soziusfußrasten an der Rocket wie aus dem Nichts erscheinen lässt. Der Sitzpolster für den Mitfahrer ist relativ klein, wie auch schon beim Vorgänger, wobei die von uns ausgefasste Roadster zugunsten eines Gepäckträgers gänzlich auf diesen verzichtet. Unser Martkplatz bietet einige Angebote zu Rocket III und Rocket 3 (GT) schon ab unter 8.000 Euro!

Fazit: Triumph Rocket III Roadster

Die liebevoll Barockengel genannte Triumph Rocket III Roadster ist ein Motorrad, wie es wohl nie wieder gebaut werden wird. Zu brachial, zu anstrengend, zu ungestüm, zu unhandlich, zu wild, zu roh: All das kann man ihr vollkommen berechtigter Weise anlasten. Nichtsdestotrotz hat die alte Rocket eine treue Fangemeinde. Wer sich heute eine holt erwirbt ein zuverlässiges Motorrad, das wahrscheinlich nie wieder weniger wert wird. Das Fahrgefühl im Sattel ist absolut einzigartig. Außerdem ist die Rocket III ein echter head-turner zu einem relativ vernünftigen Preis!


  • Brachiale Kraft
  • einzigartiges Motorrad
  • komfortabel
  • leistbare Preise am Gebrauchtmarkt
  • hohes Gewicht
  • nichts für unerfahrene Piloten
  • fordernd und anstrengend im Handling

Fazit: Triumph Rocket 3 GT

Die Rocket 3 GT ist ein Schiff von einem Motorrad. Angefangen beim irren Motor und vollendet im langen Radstand. Umso verwunderlicher ist es, dass es die Triumph-Ingenieure es geschafft haben ihr auch in engeren Kurven Manieren beizubringen. Die Handlichkeit der Rocket 3 ist die echte Überraschung an der über 300 Kilogramm schweren Maschine. Allerhand Helferlein ermöglichen sicheres Fahren in jeder Lebenslage. Toll, dass wir solche Meisterstücke der Ingenieurskunst bewegen dürfen - das nötige Kleingeld natürlich vorausgesetzt.


  • Authentischer Touring-Charakter
  • ein Monument von einem Motor, dennoch super beherrschbar
  • gute Bremsen
  • bequeme Sitzposition
  • neutrales Fahrverhalten
  • Weltrekord bei Hubraum und Drehmoment
  • hochwertige Verarbeitung
  • Sissybar nicht jedermanns Geschmack
  • Fahrzeug mit Lenkerendenspiegel sehr breit

Bericht vom 15.07.2021 | 10.461 Aufrufe

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