X-Lite Check: X-803 RS Ultra Carbon, X-903 Ultra Carbon, X-1004

Wie machen sich die drei Modelle auf der Motorradtour?

Eine längere Tour stellt ganz spezielle Anforderungen an einen Motorradhelm. Er soll nicht nur schick aussehen und natürlich den Kopf im Falle des Falles schützen, sondern auch Komfort in allen Bereichen bieten. Dazu zählt das Tragegefühl, wie auch das Auf- und Absetzen und die Akustik. X-Lite X-803 RS Ultra Carbon, X-903 Ultra Carbon und X-1004 auf der mehrtägigen Tour rund um den Gardasee - so haben sie sich geschlagen.

X-Lite X 803-RS Ultra Carbon auf der Tour

Beginnen wir mit dem Highend-Racing-Modell der Italiener. Der X-803 RS Ultra Carbon passt in vielerlei Hinsicht zu unserem "Touring-Bike", der Honda CBR 1000 RR-R Fireblade SP. Beide sind für den Rennsport entwickelt, aggressiv gestylt und haben Flügel. Ok, genau genommen ist der Spoiler des X-803 RS kein Winglet, er soll aber wie eben jene die Aerodynamik bei hohen Geschwindigkeiten im Zusammenspiel mit Verkleidung und Kombihöcker optimieren.

Auf unserer Fireblade-Tour rund um den Gardasee knacken wir die 100 km/h Marke eher selten. Bei den niedrigen Geschwindigkeiten merkt man von der Highspeed-tauglichen Aerodynamik freilich nichts, zumal die zusammengefaltete Rennhaltung eigentlich nie eingenommen wird. Insgesamt liegt der X-803 RS aber in jedem Bereich ruhig und stabil in der Windabrisskante der Fireblade-Scheibe. Die Innenpolster sind wie die der anderen beiden Modelle aus antibakteriellem Material - X-Lite spricht von Carbon Fitting - und schmiegen sich angenehm aber straff an die Wangen. Das Material verhindert unangenehme Gerüche durch Schwitzen zuverlässig, das kann eine Trackday-Saison mit diesem Helm bereits belegen.

Insgesamt ist es dann aber recht laut und zugig im Innern des X-803 RS. Mit Gehörschutz auf der Rennstrecke weniger ein Problem, Komfortpunkte sammelt er so aber natürlich nicht. Den Optik-Check für die Verwendung auf einem Supersportler entscheidet er dafür mit Abstand für sich.

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Visiermechaniken abhängig vom Anwendungszweck

Belüftungsstellung und Verriegelung des Visiers des X-803 RS sind ebenfalls sinnvolle Funktionen. Da Rennfahrer die Verriegelung gerne vergessen, kann die gesamte Mechanik auch von Beginn an straffer eingestellt werden, was auf Tour allerdings nicht zu empfehlen ist, denn das Öffnen fällt dann deutlich schwerer. Auch ein optionales 2D-Visier mit Abreißfolien gehört eindeutig auf den Track und nicht auf die Straße.

Dass der X-903 für Letztere konzipiert ist, zeigt sich schon an der Visiermechanik. Dank Magnet-Mechanik lässt sich das Visier mit einem Handgriff in wenigen Sekunden tauschen - top! Die Rastung des Visiers wirkt nicht ganz so wertig wie die des X-803 RS, aber eine ausklappbare Sonnenblende spendet Komfort. Sie reicht weit ins Sichtfeld, ihre untere Kante ist daher kaum störend, verzerrt aber ganz unten das Bild etwas. Die Mechanik ist schmal, nach ein paar Versuchen lässt sie sich zielsicher erreichen.

X-Lite X-903 Ultra Carbon auf der Motorradtour

Die Höhenverstellung von allen drei Modellen, LPC genannt (Liner Positioning Control), ist grundsätzlich sehr praktisch, bei beiden Testern war die Feinjustage aber gar nicht nötig und die X-Lite Modelle passten im Standardsetup bestens.

In Sachen Komfort verschafft sich der X-903 dann einen Vorsprung. Es ist deutlich ruhiger unterm Helm und der weniger zugig. Die Schale schließt sich enger um den Kinnbereich. Die Belüftungsöffnungen an Kinn und Stirn fallen riesig aus und sind entsprechend effektiv. LPC-Höhenverstellung und Innenmaterial überzeugen wie beim X-803 RS.

Insgesamt gefällt der X-903 in fast allen Belangen. Einzig der Doppel-D-Ringverschluss braucht beim Auf- und Absetzen bekanntlich etwas Geschick. Da er der sicherste aller Helmverschlüsse ist, bekommt er dennoch Pluspunkte

X-Lite X-1004 auf der Motorradtour

Pluspunkte für das Auf- und Absetzen sackt dann der Ratschenverschluss des X-1004 ein. Schnell und einfach geöffnet und geschlossen, das taugt Nasty Nils auch auf der Fireblade. Für kurze Fotostops ist das Klappsystem zudem Gold wert. Die Optik eines Klapphelms muss bekanntlich gefallen, der X-1004 ist aber ein extrem sportlicher Vertreter seiner Gattung und im getesteten Design mit blau schimmerndem Carbon alles andere als altbacken.

Ebenfalls praktisch ist die Funktion, den Klappmechanismus im geöffneten Zustand zu sperren. Das Kinnteil kann dann nicht mehr herunterklappen und der X-1004 als Jethelm getragen werden. Geschlossen umschlingt er Kinn und Hals zudem am exaktesten und sorgt so für Windstille und Ruhe um den Kopf.

Fazit X-Lite Modelle auf der Motorradtour

Nils kürt den X-903 zu seinem Gewinner, weil der X-1004 außer Konkurrenz läuft. Er schätzt den Komfort des Klapphelms auf längeren Trips eigentlich so sehr, dass er ihn gewählt hätte. Der X-903 ist aber trotz der sportlichen Optik sehr vielseitig und wer den Ringverschluss beherrscht, wird große Freude mit ihm haben.

Auch für mich gewinnt der X-903 - ganz objektiv betrachtet. Klares Visier und Sonnenblende taugen vor allem bei Tunneldurchfahrten oder Regen. Außerdem trocknen die Augen durch den geringeren Zug nicht ganz so schnell aus. Auf einem Motorrad mit Winglets würde ich aber alleine aus optischen Gründen zum supersportlichen X-803 RS mit getöntem Visier greifen. Es ist, wie so vieles am Motorradfahren, eben eine Glaubensfrage.

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Bericht vom 09.10.2020 | 5.912 Aufrufe

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