KTM 890 Duke R vs. KTM 790 Duke Vergleich

Muss es immer die Große sein?

Das Scalpel gegen das Super Scalpel. Für 2020 stellt KTM zwei mächtige Naked Bikes an den Start, die im Herzen zwar gleich sind, doch letzten Endes zwei vollkommen unterschiedliche Zielgruppen anvisieren. Muss es immer die Große sein? Diese Frage haben sich Zonko und Horvath erneut gestellt!

Erneut gestellt? Ganz richtig: "Muss es immer die Große sein" ist unsere neue Serie, in der wir herstellerinterne Duelle austragen, die sich die Frage stellen, ob das größere - und teurere - Modell immer die bessere Wahl ist. Hier findet ihr alle Berichte: Muss es immer die Große sein?

Die KTM 790 Duke - The Scalpel est. 2018

Bereits 2016 wurde uns das erste Konzept der scharfen 790 Duke präsentiert. Zwei Jahre später durften wir uns über das Serienmodell freuen, das zwar im optischen Vergleich gegen das Concept Bike verlor, in fahrerischer Hinsicht jedoch voll und ganz überzeugte. Anfängliche Probleme mit undichten Motoren sind inzwischen auch Vergangenheit, weshalb man sich entweder als gedrosselte L-Variante, oder als normale 105 PS Variante an einem angenehm abgerundeten Naked Bike der Mittelklasse erfreuen kann. Mit ihrem umfangreichen Elektronikpaket spielte sie in unserem Naked Bike Vergleich 2018 sogar die Hauptrolle, als das Thema "Alle gegen die neue 790 Duke" lautete. Hier alle Berichte: Naked Bike Vergleich 2018.

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Die KTM 890 Duke R - The Super Scalpel est. 2020

Gefühlt ab der ersten Sekunde waren KTM Fans enttäuscht, keine R-Version der 790er Duke zu bekommen - wie man es unter anderem von der 690er Familie gewohnt war. 2 Jahre später und KTM erfüllt alle Wünsche und noch mehr: In Form der neuen 890 Duke R. Wir waren inzwischen so ungeduldig und bauten uns eine eigene 790 Duke R, a.k.a. Dunlop Duke, doch selbst dieses Tune Up kann mit der neuen 890er aus Mattighofen nicht mithalten. Größerer, leistungsstärkerer Motor, ein neuer Heckrahmen, verbesserte Bremsen, sowie ein voll einstellbares WP-Apex Fahrwerk bilden nur einen Teil der Verbesserungen an der neuen Duke. Wie sich die Upgrades im Einzelnen bewähren, erfahrt ihr im Landstraßentest: KTM 890 Duke R auf der Landstraße.

KTM 790 Duke gegen 890 Duke R Motor und Leistung

Voller Spannung ging es zuerst zur Motorenwertung. Der 890er Motor nimmt zwar das 790er Aggregat als Basis, wurde aber mit mehr Bohrung und Hub, sowie einer höheren Verdichtung aufgewertet. Somit leistet er nun 121 PS statt 105 PS und 99 Nm anstatt den 87 Nm in der Duke 790. Ein deutlicher Unterschied, der besonders in der Motorcharakteristik spürbar wird. Während sich die "kleine" 790 als sehr drehfreudig präsentiert, bringt die 890 ihre Leistung weiter unten im Drehzahlband und fordert zu früherem Schalten auf. Beide Bikes waren in unserem Fall mit dem Quickshifter + (mit Blipper-Funktion) ausgestattet, wobei für diesen in der 890 Duke R ein Aufpreis verlangt wird, während er in der 790 Duke serienmäßig verbaut ist. Leider sind wir während unserer Ausfahrt auch zum Schluss gekommen, dass der Quickshifter in der 790 Duke etwas feinfühliger funktioniert - erklärbar dadurch, dass der Schaltautomat damals gemeinsam mit dem Zweizylinder entwickelt wurde. Ein perfektes Zusammenspiel, das in der 890 Duke R ein wenig fehlt.

Fahrwerk der 890 Duke R werden im Rennstrecken-Einsatz ihre Vorteile ausspielen

Wie wir es von KTM Motorrädern gewohnt sind, finden wir in beiden Fahrzeugen ein WP-Fahrwerk wider. Der große Unterschied findet sich in der Breite des Einsatzbereiches: Die nicht einstellbare 43 mm Open-Cartridge-Upside-Down-Gabel und das in der Federvorspannung einstellbare Federbein der 790 Duke leisten auf der Landstraße einen großartigen Job, doch ein wirkliches Feintuning bieten sie nicht an. Hier kommt die 890 Duke R ins Spiel: voll einstellbares WP Apex Fahrwerk vorne und hinten sind der feuchte Traum jedes KTM-Trackday-Piloten. Hier können je nach Gewicht und Einsatzzweck die richtigen Maßnahmen getroffen werden, um das Fahrverhalten an die aktuellen Bedingungen anzupassen. Diese KTM verkörpert den Ready to Race Ansatz voll und ganz!

Ergonomie-Wertung geht an die KTM 790 Duke

Um die 890 Duke R Track-ready zu machen, wurden nicht nur Motor, Fahrwerk und Bremsen verfeinert, auch die Ergonomie wurde so scharf wie eine Jalapeño - also scharf, aber für die meisten Menschen ertragbar. Was meine ich damit? Ganz einfach: Im Vergleich zur 790 Duke bekam die 890er einen flachen Lenker, die Sitzposition wurde um 9 mm auf 834 mm erhöht und die Fußrastenposition wurde zuletzt weiter oben gewählt. Damit sitz man spürbar eingespannt auf der 890 Duke R, was zwar während einer Tagestour ertragbar ist, auf der 790 Duke aber deutlich komfortabler von statten geht. Denn es stellt sich die Frage: Wie oft braucht es im Alltag oder am Wochenende die Trackday-bereite Sitzposition? Eher selten, weshalb die ausgeglichene Ergonomie der KTM 790 Duke diesen Aspekt gewinnt.

Technische Daten im Vergleich: KTM 790 Duke vs. KTM 890 Duke

KTM 790 DukeKTM 890 Duke R
Hubraum799 ccm890 ccm
Bohrung x Hub (in mm) 88 x 65,590,7 x 68,8
Leistung 105 PS121 PS
Drehmoment87 Nm99 Nm
Durchmesser Bremsscheiben vorne300 mm320 mm
Durchmesser Bremsscheiben hinten240 mm240 mm
Sitzhöhe825 mm834 mm
Trockengewicht169 kg166 kg

KTM 790 Duke und 890 Duke auf der Landstraße

Als Testgebiet suchten wir uns die wunderschöne bucklige Welt im östlichen Niederösterreich aus. Zonko und ich tauschten immer wieder Bikes und schnell war der große Unterschied klar: Die 790 Duke ist selbst nach 2 Jahren am Markt ein herrlich abgerundetes Naked Bike, das mit mehr als genug Leistung (schließlich sprechen wir hier von 105 PS) und einem wahnsinnig spielerischen Handling immer noch ein Lächeln unter den Helm zaubert. Eigentlich braucht es nicht mehr! Die 890 Duke R hingegen gefällt auch, denn endlich hat KTM wieder ein unvernünftiges Bike auf die Beine gestellt, das den Ready To Race Charakter so verkörpert, wie schon lange kein Bike mehr aus Mattighofen. Über den Tag folgten weitere Motorradtausche, doch am Ende des Tages kamen wir auf ein übereinstimmendes Fazit..

Fazit: Muss es immer die Große sein?

Ein herrlicher Tag auf der Landstraße geht zu Ende. Ein Tag, wie ihn jedes Wochenende abertausende MotorradfahrerInnen erleben. 790 und 890 stehen vor uns und wir finalisieren unsere Eindrücke. Braucht es die Extras, die die 890 Duke R liefert? Um ehrlich zu sein: Nein. Zonko und ich sind uns einig, dass die 790 Duke bereits ein so quicklebendiges Naked Bike ist, dass die vermeintlichen Defizite zur 890 Duke R auf der Landstraße nicht ins Gewicht fallen. Besonders wenn man den Preisunterschied betrachtet.

Doch letzten Endes entscheidet das Herz. Viele von uns mögen das Unvernünftige (im positiven Sinne) und das Gefühl, in jeder Lebenslage noch Reserven im Bike zu haben. Plant man zusätzlich, Trackdays zu besuchen und hat man die sportliche Ambition, schnelle Zeiten auf einem kompakten Rundkurs aufzustellen, lohnt sich der Griff zur 890 Duke R voll und ganz. Erst wenn die Rennstrecke schneller wird, lohnt sich vielleicht der Griff zur 1290 Duke R. Doch diese Frage klärt NastyNils in seinem Testbericht.

KTM 790 Duke und 890 Duke im Preisvergleich

Eine aktuelle Preisübersicht und ein Vergleich zwischen KTM 790 Duke und KTM 890 Duke findest du hier: KTM 790 Duke und 890 Duke Preise im Vergleich.

Fazit: KTM 790 Duke

Ein sportliches Naked Bike, das nicht nur über genügend Druck, sondern auch ein spielerisches Handling und eine hochwertige Ausstattung verfügt - die KTM 790 Duke kreuzt alle Kästchen an. Wenn die Optik nicht stört, wenn man nur schwer etwas finden, was die 790er nicht gut kann, denn in ihrem Jagdgebiet - der Landstraße - bildet sie ein herrlich abgerundetes Paket, das eigentlich keine Wünsche übrig lässt. Anfängliche Kinderkrankheiten sind auch schon gelöst, weshalb die KTM 790 Duke weiterhin eine echte Empfehlung ist!


  • drehfreudiger Zweizylinder
  • Quickshifter + serienmäßig
  • tolles Fahrwerkssetup
  • spielerisches Handling
  • hochwertiges Elektronikpaket
  • TFT-Display
  • gutes Preis/Leistungs-Verhältnis
  • Fahrwerk nur hinten in der Federvorspannung einstellbar

Fazit: KTM 890 Duke R

Ein Motorrad, das nicht nur am Blatt gut klingt, sondern auch mächtig abliefert! Die neue KTM 890 Duke R ist endlich wieder ein unvernünftiges Naked Bike aus Mattighofen, wie wir uns es schon die letzten Jahre wieder gewünscht haben. Wohl kaum ein Modell war in letzter Zeit so Ready To Race, während es gleichzeitig im Alltag gut einsetzbar war. Klar, sucht man mehr Komfort, sollte man zur kleineren 790 Duke greifen, doch alle die eines der schärfsten Mittelklasse-Naked-Bikes suchen, sind bei der KTM 890 Duke genau richtig!


  • Zweizylinder mit Druck von unten
  • voll einstellbares Fahrwerk
  • präzises Handling
  • Trackday-tauglich
  • Elektronikpaket
  • herrlich unvernünftig
  • Quickshifter + aufpreispflichtig

Bericht vom 16.07.2020 | 20.414 Aufrufe

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