KTM 890 Duke R Test

Nicht zu unterschätzen

Die neue KTM 890 Duke R im Test. Die neue Maschine wirkt am Papier wie ein Upgrade der 790er. Doch in der Praxis entpuppte sie sich als schwerer Gegner für die 1290er. Ein Geheimtipp - aber mit klarem Focus!

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude! Lange fieberten wir auf den Test der neuen 890 Duke R Test hin. Doch Ende April war es dank der Hilfe der Firma KTM Braumandl in Wels endlich so weit. Die Testmaschine war, dass muss man bei der für Customizing bekannten Firma explizit erwähnen, serienmäßig. Mit installiert waren jedoch die Extras "Track Pack" für 350 Euro sowie der "Quickshifter Plus" für 390 Euro. Die Testfahrt führte entlang der Autobahn und auf kurvige Landstraßen aber auch durch Kleinstädte.

Keine Mittelklasse

Schon nach dem Start wird klar, dass diese Maschine der Mittelklasse entflohen ist. Der Motor hat nicht bloß ein paar Kubikzentimeter Hubraum bekommen. Er wurde größer, souveräner und ernster. Er bekam mehr Leistung (121 PS), mehr Drehmoment (99 Nm) und mehr Schwungmasse. Erzielt wurde das durch zahllose Maßnahmen am gesamten Motor. Somit hinkt auch jeder Vergleich mit der kleineren 790er - die 890er ist ein neues Motorrad für eine andere Zielgruppe.

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Alternative zur 1290er?

Nun begann ich auch die zahllosen Nachrichten an mich zu verstehen. Via Instagram und Facebook bat man mich endlich einen anständigen Test mit der 890er durchzuführen. Denn man wolle den Kaufvertrag unterschreiben. Die Furcht vor Lieferschwierigkeiten im Jahr 2020 ist groß und man möchte auf der Liste ja möglichst weit oben stehen. Bei den Nachrichten aus unserer Community schwankten viele Leute zwischen der 790er und der 890er Duke doch auch einige zwischen der 890er und der 1290er. Das überraschte zuerst doch ein wenig, denn am Papier ist die Maschine doch deutlich schwächer als die 1290er.

Vergleich KTM 890 Duke R

Der Motor der 890er ist einfach herrlich dimensioniert. Er hängt gut am Gas, ist aber nicht mehr ganz so quirlig wie bei der 790er. Er strahlt etwas mehr Routine aus. Die Kraft serviert er mit mehr Vehemenz und deutlich mehr Selbstvertrauen. Das Motorrad wheelt im 1er manchmal überraschend, im 2er mit viel Freude im Sattel und mit etwas Nachdruck auch im 3er. Dabei ist die Motorcharakteristik perfekt an die Realität angepasst. Du hast von unten raus einen herrlichen Druck für ein tolles Beschleunigungserlebnis im Sattel. Oben raus wird es dann irgendwann uninteressant. Der 2-Zylinder hat auch bei der 890er keine endlosen Drehzahlreserven. Das ist OK, holt aber jene auf dem Boden der Realität zurück, die der Meinung sind mit dieser Maschine auf der Rennstrecke 600er Supersportler besiegen zu können. Die Maschine ist gut und schnell aber keine Wunderwaffe. Sie ist für ein Nakedbike überraschend präzise und kann auf kompakten Rennstrecken mit vielen Motorrädern mithalten. Die Puste geht ihr ab ca. Tempo 180 aus. Hier beginnt das Revier von der SuperDuke R und von den aerodynamisch besseren 600ern mit ihren Drehzahlreserven.

Der Motor der KTM 890 Duke R: Alles richtig gemacht!

Insgesamt kann man dem Aggregat nur Bestnoten geben. Ob dieses Motorrad in der Oberklasse oder der Mitteklasse positioniert ist weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass dieser Motor goldrichtig positioniert ist. Er ist ein echter Freudenspender! Nur an der Peripherie gibt es einen kleinen Wermutstropfen. Wer empfindlich bei Vibrationen im Lenker ist, sollte dies bei einer Probefahrt abprüfen. Auf der Autobahn waren die Vibrationen im Lenker nicht schlimm aber doch spürbar und erwähnenswert.

Die KTM 890 Duke R - Für sportliche Piloten

Anders sieht die Sache beim Chassis aus. Denn während der tolle Motor einfach in jeder Lebenslage seine Vorteile zur Schau stellt, hat das Fahrwerk einen klaren Focus: Sportliches Fahren! Diese Disziplin beherrscht das Motor sehr gut. Der Sattel ist recht hart und die Sitzposition etwas gebückter als man es von einem Nakedbike gewohnt ist. Man nimmt automatisch die richtige Sitzposition ein. Etwas nach vorne gebeugt entlastet man das Fahrzeug von allzu viel Winddruck auf den Fahrer. Die Maschine fühlt sich präzise, stabil und schnell an. KTM Fans werden hier Qualitäten von einigen Legenden wieder entdecken. So ähnlich fuhr damals die legendäre KTM 990 Super Duke oder auch die unfassbar gute KTM 990 SMR. Das tolle Fahrwerk bietet im Alltag in Kombination mit der recht straffen Sitzbank aber weniger Fahrkomfort als man es von einem Produkt eines großes Herstellers gewohnt ist. KTM geht mit diesem Motorrad also wieder mal einen unvernünftigen aber durchaus richtigen Weg. Die Palette aus Mattighofen ist mittlerweile sehr groß und so ist es großartig, dass man auch ein solch sportliches Motorrad anbieten kann. Das Fahrwerk präsentiert sich im Testbetrieb als präzise und schnell aber eben auch als Kompromiss. Offenbar ist es mit der Umlenkung an der 890er nicht möglich, die Grätsche zwischen Komfort und Präzision perfekt zu realisieren.

IMU aus der Superbike Liga

Ganz anders wieder die Bremse. Diese verzögert zwar brachial. Wenn man richtig ernst ankert, spürt man sogar diesen angenehmen Schmerz im Oberkörper wie man es sonst nur von Rennmotorrädern kennt. Man muss sich schon richtig ins Motorrad krallen um diese Verzögerung verkraften zu können. Das schafft viel Vertrauen und bietet auch viel Sicherheit. Denn die Bremse ist auch gut dosierbar und das gute ABS schützt bei schreckhaften Bremsungen. Also hier passt die Kombination als Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit perfekt. Ähnlich hochwertig präsentierte sich auch die Traktionskontrolle. Diese regelte sanft bei den noch kühlen Temperaturen am Morgen und ist praxistauglich auch während der Fahrt einfach zu justieren. Die Traktionskontrolle funktioniert auch noch bei deaktiviertem "Anti-Wheely-Mode". Diesen kann man mit dem "Track-Pack" auch dauerhaft deaktivieren. Möglich macht dies die getrennte Regelung von Wheely und Schlupf mit der 6D IMU welche man so aus diversen Superbikes kennt.

Kaufentscheidung

Am Ende möchte ich der 1000PS Community gerne noch ein paar Ratschläge bei der Kaufentscheidung geben. Pragmatisch betrachtet bietet die 790er immer noch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie ist für den Alltag und für das fahrerische Niveau der meisten Kolleginnen und Kollegen da draussen einfach goldrichtig dimensioniert. Ihre Ausstattung ist großartig und das Motorrad spendiert viel Freude. Wer im Sattel gerne Angst hat und auch gerne in Brünn oder am Slovakiaring Gas gibt, der muss zur Super Duke R greifen. Wer einfach ein sportliches Motorrad möchte, welches praxistauglich motorisiert ist und auf kompakten Rennstrecke wie dem Pannoniaring oder dem Baden Airpark sicher großartig fährt, ist mit der 890er bestens bedient. Sie wird eingefleischte KTM Fans bestimmt glücklich machen, da sie endlich wieder mal unvernünftig und weniger massentauglich ist. Dabei erinnert sie an einige der legendärsten KTM Straßenmodelle der letzten Jahrzehnte. Die schlechten Nachrichten zum Schluss. Die Maschine wird im Jahr 2020 bestimmt nicht in ausreichender Menge verfügbar sein. Das Nadelöhr sind jene Komponenten, welche von den Zulieferbetrieben aus Norditalien kommen. Es wurden bis jetzt einige Modelle präsentiert, eine nennenswerte Stückzahl soll Ende Mai 2020 folgen.

Preis und weitere Informationen zum KTM 890 Duke R Test

Fazit: KTM 890 Duke R

Die neue KTM 890 Duke R ist mehr als bloß ein Upgrade der 790er. Sie ist ein eigenständiges Modell. Einerseits darf man die Maschine keinesfalls unterschätzen. Das Upgrade vom Motor macht sie zu einem größeren und ernsten Motorrad. Der Motor hat Druck und wirkt souveräner. Tolle Hardware-Ausstattung machen die Maschine schnell und stellen vor allem erfahrene und sportliche Piloten zufrieden. Im Alltag muss man jedoch beim Komfort etwas zurückstecken. Sie ist kein Mainstream-Eisen


  • Tolle Hardware - macht auch am Parktplatz eine sehr gute Figur
  • Souveräner Motor mit ordentlich Druck, gutem Ansprechverhalten und einem praxistauglichem Drehmomentverlauf
  • Sportliche Sitzposition sorgt für Stabilität
  • Hochwertiges Fahrwerk ermöglich hohen Kurvenspeed
  • Tolle Bremsen
  • Stabil auch auf den schnellen Geraden
  • Vibrationen im Lenker etwas störend
  • Sportliches Gesamtlayout reduziert Fahrkomfort in der Praxis
  • Fahrwerk sehr straff und sportlich

Bericht vom 24.04.2020 | 36.703 Aufrufe

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