BMW S 1000 RR 2019 Vergleich

BMW S 1000 RR 2019 Vergleich

Wo steht die RR? Test in Jerez!

Erster Vergleich der BMW S1000RR 2019. Wo steht die RR? Was kann sie besser als das Vorgängermodell? Hat sie Schwächen? Hier die Antworten!

Die Ruhe im Sattel war trügerisch. Das dicke Ende ist noch in Sicht. Die neue BMW S1000RR gibt sich aus den Kehren umgänglich und zerrt kaum an den Armen. Doch ein Blick auf das Display macht klar: Die Traktionskontrolle regelt ständig und der Straßenreifen bringt am Kurvenausgang nicht die volle Leistung auf die Strecke. Das Regelverhalten ist dabei so fein, dass man sich immer wohl und sicher fühlt. Doch mit sinkender Schräglage und steigender Drehzahl kommt der infernale Hammer. Anders als beim Vorgängermodell kommt die Power nicht mit einem harten Drehmomentkick sondern liniear und fein dosierbar. Der Speed wird gespenstisch ruhig und stabil serviert. Die Bremspunkte werden förmlich an Dich rangezoomt.

Tolle Elektronik und linearer Drehmomentverlauf - Großes Plus beim Vergleich Alt vs. Neu

In Situationen wie diesen offenbart die neue S1000RR ihre Stärken. Das Fahren mit ihr ist kräfteschonender als bisher. Doch die Fahrt in der Wohfühlzone muss nicht immer schnell sein. Die feine Elektronik regelt zwar wunderbar wenn man schlampig im Sattel sitzt. Doch schneller ist man alleine deshalb nicht. Die tolle Traktionskontrolle muss also in Kombination mit dem Laptimer bedient werden. Zu gemütlich darf man es sich nicht machen, sonst ziehen Leute mit dem Vorgängermodell vorbei.

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Sitzposition BMW S 1000 RR 2019

Schneller wird die S1000RR bei vielen Fahrern vermutlich durch das bessere Handling. Das kompaktere Layout ist schon im Stand für jeden Laien spürbar. Die Maschine fühlt sich eine ganze Klasse kompakter an. In den Kurven hat man für die Hände und für den Oberkörper viel mehr Bewegungsfreiheit als früher. Das kommt aktiven Piloten entgegen. Man kann sich radikal in den Radius lehnen aber das Motorrad auch schneller durch die Wechselkurven prügeln.

Rennfahrer haben beim Vorgängermodell die etwas behäbige Sitzposition und Schwächen bei der Traktion kritisiert. Normalverbraucher waren mit der RR jedoch durch die Bank zufrieden. Die Maschine bot ein wunderbar breites Einsatzgebiet und punktete auf der Straße und auf der Rennstrecke. Es war also durchaus mutig von BMW das Chassis der RR radikaler zu machen. Doch betrachtet man das Gesamtpaket ist wieder alles stimmig. Motor und Elektronik wurden performanter, machen die RR aber auch zugänglicher.

Vergleich BMW S 1000 RR 2019 gegen Ducati Panigale V4S

Diese Stärke der RR ist auch der große Vorteil im direkten Vergleich mit der Ducati Panigale V4S. Sie ist einfacher zu fahren. Im Sattel der Ducati fühlt man sich als großer Pilot etwas wohler. Doch am Kurvenausgang regiert die Angst. Der Motor fühlt sich aggressiver an und drückt vehement aus der Mitte. Beim Windschattenduell schenken sich die beiden Motorräder nix, doch der Drehmomentverlauf der BMW ist gleichmäßiger. Der Schweiß / Speed Faktor ist bei der BMW also entspannter. Die Panigale punktet dann aber am anderen Ende der Geraden. Die Bremsen der Ducati sind sensationell. Während BMW aber auch Honda und die Standard GSX-R beim Test in Jerez Probleme mit Bremsfading hatten, blieb der Anker der Ducati stabil. Die 1000er sind auf einem irren Niveau, doch es war hier im direkten Vergleich schön zu sehen, dass es doch noch beträchtliche Unterschiede gibt.

Großartiges Chassis in der neuen Panigale V4R

Beim Test mit Straßenreifen auf makellosem Asphalt konnte die Panigale V4 ihre Schwäche verbergen. Steigt der Druck auf das Heck bekommen Panigale Piloten immer wieder mal Probleme mit der Traktion. Ein tolles Setup zu finden ist für Racer eine echte Herausforderung. Auch wenn die radikale Optik etwas Angst macht - die Panigale ist in der „S“ aber auch in der „Standard“ Version ein famoses Straßenmotorrad. Der breite Lenker und das tolle Gesamtpaket sind auf der Landstraße ein Gedicht. Und eben auch dann, wenn der Speed auf der Strecke nicht zu hoch ist. Möchte man die Rundenzeiten auf Topniveau senken, muss man bei Ducati zur „R“ greifen. Das Superbike gilt in Insiderkreisen als Traumgerät und bietet mit dem konventionellen aber hochwertigen Fahrwerk eine perfekte Wahl für Rennstrecken-Enthusiasten. Die R ist auf der Strecke schneller als die S. Bei Vergleichstest zur deutlich teureren R zu greifen empfinden viele 1000PS Zuseher jedoch als unfair.

BMW S 1000 RR im Vergleich zur Aprilia RSV4 1100 Factory

BMW bietet in der RR ein elektronisches Fahrwerk an welches gut ist, aber in Sachen Fahrwerksgüte zum Beispiel nicht an die Öhlins-Teile der Aprilia RSV4 Factory oder auch an die R1M rankommt. Die Aprilia präsentierte sich beim Masterbike Vergleich in Almeria großartig - Der große Vergleich startet am 26. April auf 1000PS. Im Moment werden noch die Data-Recording Werte analysiert und die 500GB an Videodaten verarbeitet. Doch die Videoserie wird wirklich leiwand.

BMW S 1000 RR 2019 im Vergleich mit Kawasaki ZX-10R

Beim Bridgestone S22 Reifentest in Jerez war es oft die Ninja welche von den Journalisten zurückgelassen wurde. Alle drängten auf die RR oder die Panigale. Doch die Rundezeiten und die Performance auf der Strecke sprachen eine andere Sprache. Ich selbst fuhr beim Reifentest zu Beginn mit der ZX-10R schneller als mit der RR. Wie war das möglich? Die Ninja bietet ein ausgereiftes Paket. Die beschränkten Setup-Möglichkeiten erlauben keine großen Sprünge aber eben auch keine großen Fehler. Denn es gab wenig Zeit für Setuparbeiten im Sattel. Wenn man die Maschine innerhalb kürzester Zeit nicht zum Funktionieren brachte, hatte man schon verloren. Die ZX-10R funktionierte - und wie. Die Bremsen hielten im direkten Vergleich mit der RR länger durch, waren aber ebenfalls nicht perfekt. Die zu lange Übersetzung der Ninja war in 2 Kehren nervig, aber nicht kriegsentscheidend. Trotzdem spürte man, dass in der RR einfach mehr drinnen steckt. Die Elektronik wirkt ausgereifter und lässt Dich am Kurvenausgang das Drehmoment vom tollen Motor präziser an das Hinterrad entsenden. Auf der Zielgeraden drehte sie oben auch aggressiver aus. Meine Prognose für die kommenden Vergleiche: Auf Slicks und mit 1-2 Tagen Setupvorbereitung gewinnt die BMW. Doch hier punktete die Ninja.

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BMW S 1000 RR 2019 im Vergleich mit Honda CBR 1000 RR Fireblade

Auch beim Bridgestone S22 Test in Jerez errang die Fireblade SP jenen Titel den ein Motorrad vermutlich nicht haben möchte. Sie war das umgänglichste und am angenehmsten zu fahrende Motorrad. Wer nicht zu groß ist und Platz auf ihr findet, der findet sich innerhalb weniger Kurven sofort wohl. Die Maschine zeigt was Honda gut kann: Tolle Motorräder bauen die dem Fahrer viel ermöglichen und nicht überfordern. Am Stammtisch kann man damit kaum punkten. Dort fehlen Pferde und das wilde Image. Sie war auch die einzige 1000er im Feld die man auf den langen Geraden locker ausbeschleunigen konnte. Die anderen 1000er waren recht dicht beisammen, da lagen die Unterschiede eher in der Bremszone oder in den Kurven. Doch die Honda ist im direkten Vergleich mit der BMW motorisch einfach schwächer. Bei der Honda ist es die Perfektion von Chassis und Motor welche die Maschine einfach fahren lässt. Die Elektronik hat etwas weniger zu tun. Bei der BMW fährt man einfach die gesamte Kurve immer im Regelbereich der phantastischen Elektronik. Für viele mag der Ansatz etwas unsympathisch sein, doch in der Praxis funktioniert das großartig. Bei den Bremsen ist die Hardware der Honda bestimmt eine tolle Sache. Das ABS jedoch ist zu konservativ abgestimmt. Honda möchte der Maschine mehr Sicherheit spendieren. Das passt auf der Straße und bei gelegentlichen Trackdays wunderbar. Doch wenn man ernste Duelle fahren möchte, dann hätte man bei 250 km/h gerne einen harten und klaren Druckpunkt. Das machte die BMW auch nicht perfekt, doch besser als die Honda. Wobei auch hier eher die Elektronik als die Hardware den Unterschied machte.

BMW S 1000 RR 2019 im Vergleich zur Suzuki GSX-R

Schon im Stand wirkt die GSX-R 1000 eine Generation älter. Das liegt nicht nur am Display oder dem Auspuff, sonder auch an der Sitzposition oder am Elektronikpaket. Doch das muss nicht für alle von Nachteil sein. Auch sie bietet einen Quickshifter, eine Traktionskontrolle, ein ABS aber eben ein konventionelles Fahrwerk. Im Falle von der „R“ sogar ein recht gutes. Man steigt auf, fühlt sich wohl und hat das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben. Die Fahrt selbst ist dann weniger spektakulär als im Sattel von der BMW. Der Motor der GSX-R ist gut, sauber zu dosieren und bietet eine kräftige Mitte. Aber auch hier muss man wieder erwähnen. Paart man ein PS-Monster wie das der BMW mit einer tollen Elektronik kommt etwas phantastisches raus. Wer dem Computer vertraut schickt einfach Drehmoment nach hinten und holt so das Limit aus den Straßenpneus raus. Die Elektronik der Suzuki war gut, doch ist nun einfach 2 Jahre älter. Der Unterschied macht sich dann nicht nur im Display sondern auch auf der Stoppuhr bemerkbar.

Erfahrungen BMW S 1000 RR 2019

Am Ende des Tages waren wir uns bei den Gesprächen hier in Jerez durchaus einig. Die S 1000 RR ist faszinierend. Das Bike ist ein großer Wurf. Doch es gab wohl keinen Piloten der beim Aufsteigen das Gefühl hatte das Ding im Griff zu haben. Selbst sehr erfahrene Piloten schafften es nicht, das Fahrzeug innerhalb eines Tages zu verstehen und perfekt einzustellen. Ich war dann so nett und hab den englischen Kollegen zumindest mal den Quickshifter aktiviert. Denn irgendein Spaßvogel hat das Teil in den Tiefen des Menüs deaktiviert. Die BMW ist eine faszinierende Hightech Rakete. Wer daheim schon beim Aktivieren vom Browser am Smart-TV oder beim Setup vom WLAN Router seine Probleme hat, wird sich mit der BMW möglicherweise im Sattel etwas unbehaglich fühlen. „Hab ich auch wirklich alles richtig eingestellt?“ Wer bloß auf der Landstraße fährt hat da keine großen Probleme. Da stellt man einmal alles ein und ist zufrieden. Wer das Fahrzeug jedoch vielseitig einsetzt, muss sich genau damit beschäftigen und einen fähigen Berater zur Seite haben.

Was dann möglich ist erfahrt ihr ab 26. April bei der großen Masterbike Testreihe. Gemeinsam mit MOTORRAD haben wir da alle aktuellen Superbikes verglichen. Die Daten, Fakten, Rundenzeiten und Ergebnisse erwarten euch dann am Kiosk. Die Story hinter den Kulissen täglich ab 20 Uhr auf 1000PS TV. Jetzt den Kanal kostenlos abonnieren und kein Video verpassen!

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Fazit: BMW S 1000 RR

Die neue BMW S 1000 RR 2019 ist ein radikal neues Modell. Sie ist deutlich kompakter und bietet viel Bewegungsfreiheit für Oberarme und Körper. Die Sitzposition im Sattel ist aktiv und sportlich. Der Motor ist in Kombination mit dem tollen Elektronikpaket ein sagenhaftes Aggregat. In dieser Perfektion und Präzision kriegt man das im Moment sonst nirgendwo. Fahrwerk und Bremsen sind gut, kommen aber an das hohe Niveau vom Rest nicht ganz ran. Für einen großen Teil der Kunden passt das Paket natürlich so wie es ist, Racer müssen ein wenig investieren.

1
Vorteile
  • großartiger, sprich bester Quickshifter an Bord
  • Man spürt die Menge an Entwicklungsarbeit im Sattel. Ein hohes Maß an Perfektion wird geboten
  • toller Motor mit einem breiten Drehzahlband und angenehmer Dosierbareit
  • hochwertiges Elektronikpaket
  • aktive Sitzpostion für sportliche Fahrer
  • Viele hochwertige Details wie Schwinge, Display und Rahmen erfreuen das Technikherz
1
Nachteile
  • Bremse ist besser als vom Vorgängermodell, auf der Strecke aber immer noch nicht perfekt - Bremsfading bei längeren Turns möglich
  • Die durchdachte Menüführung im Display ist gut, trotzdem fühlt man sich beim riesigen Umfang der Möglichkeiten ein wenig unbehaglich

Bericht vom 09.04.2019 | 10.434 Aufrufe

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