Motorrad Reifen Beratung

Motorrad Reifen Beratung

Welcher Dunlop Sportreifen passt für Dich

Die Auswahl an Motorradreifen wird immer größer. Schwer hier den Überblick zu behalten. NastyNils testet in Oschersleben.

Den Überblick zu behalten ist nicht einfach. Die Reifenhersteller bringen jedes Jahr neue Reifen auf den Markt. Gleichzeitig bleiben aber auch noch die Vorgängermodelle als günstige „Second-Liner“ im Programm. Zusätzlich dazu werden auch noch zusätzliche Modelle in ein bestehendes Sortiment eingeschoben. Da ist guter Rat teuer.

Dunlop hat im Jahr 2018 bestimmt das modernste Sortiment an Sportreifen am Start. Auf der Strecke in Oschersleben testeten wir das komplette Angeboton sportlichen Reifen. Für den Test setzten wir zwei BMW S 1000 RR ein.

Dunlop Sportsmart 2 max

Der Name vom Reifen ist nicht besonders griffig. Doch eigentlich ist es ganz einfach. Der Pneu ist ein Upgrade vom Sportsmart 2. Der Reifen steht im Mitbewerb zum Bridgestone S21 oder zum Metzeler M7RR. Dunlop empfiehlt den Reifen zum Einsatz auf sportlichen Nakedbikes und Supersportlern. Der Reifen wurde für die Landstraße entwickelt, funktioniert jedoch auch für einzelne Trackdays. Bei der Testfahrt offenbarte er sofort zwei große Pluspunkte. Er hatte eine richtig kurze Aufwärmzeit und war überraschend präzise. Hier machte sich die Entwicklungsarbeit und auch die Zusammenarbeit mit den Rennteams bezahlt. Der Landstraßenpneu war von der ersten Kurve an präzise, handlich und bot viel Vertrauen. Beim Test auf der Rennstrecke senkten wir den Reifendruck auf 2,5 bar vorne und hinten ab. Die Laufleistung vom Reifen liegt laut einschlägigen Berichten bei ca. 5000 km. Wobei hier natürlich sehr viele Parameter die Laufleistung beeinflussen: Leistung, Fahrweise, korrekter Reifendruck, Fahrwerk in Ordnung, Belag usw. Der Pneu ist eine tolle Empfehlung für sportliche Piloten die auch mal bei schlechtem Wetter unterwegs sind. Auf der anderen Seite aber auch einen Trackday im Jahr mitnehmen möchten.

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Dunlop Sportsmart TT

Der Sportsmart TT ist der neue Pneu im Sortiment. Er ist kein Nachfolger von einem bestehenden Produkt. Er bereichert das Sortiment - und macht damit die Entscheidung etwas schwerer. Wer die Wahl hat, der hat die Qual. „TT“ steht für Track-Technology. Damit ist auch schon viel gesagt. In dem Pneu steckt schon einiges an Technik von den Dunlop Rennreifen mit drinnen. Zum Beispiel die „NTEC RT“ Technologie. Der Pneu hat einen stabileren Karkassenaufbau und kann so auf der Strecke mit niedrigerem Luftdruck gefahren werden. Wir testeten den Pneu hier in Oschersleben mit 1,8 bar hinten und 2,2 bar vorne (am kalten Reifen gemessen). Beim Losfahren wurde schnell klar, dass hier schon ein sportlicher Reifen am Start war. Er benötigt etwas Aufwärmzeit um eine geschmeidige Linie zu ermöglichen. Der Pneu wird ohne Heizdecken gefahren. Nach 1-2 lockeren Runden begann der Sportreifen dann richtig Spaß zu machen. Die Front war richtig präzise und die S1000RR so handlich wie mit einem Rennreifen. In diesem Punkt ist dieser Reifen bestimmt führend unter den sportlichen Straßenreifen. Hier auf der S1000RR passte das wunderbar. Bei Motorrädern mit radikaler Geometrie könnte er evtl. Probleme mit der Stabilität bereiten. Doch das sind im Moment nur Mutmaßungen. Wir probierten den Pneu in einer 200/55 Dimension hinten. In Oschersleben fuhr ich damit (erstes Mal in Oschersleben) eine 1:44. Der Pneu ist sensationell, aber nicht für jedermann die bessere Wahl. Er bietet weniger Laufleistung als der Sportsmart 2 max und benötigt auch höhere Betriebstemperatur. Wer also viele Alltagsstrecken fährt - bei schlechtem Wetter und tiefen Temperaturen - ist mit dem Sportsmart 2 max besser beraten. Wer jedoch hohe Ansprüche an Handling und Grip stellt, wird zufrieden sein. Der Pneu macht auch einige Trackdays gerne mit. Tolle Bereicherung!

Dunlop GP Racer Slick D212

Dieser Reifen ist eigentlich die beste Wahl für die meisten Trackday Fahrer. Doch trotzdem kaufen ihn sehr wenig Leute. Der Reifen ist ein Slick, benötigt Heizdecken und ist nicht für den Profieinsatz gedacht. Er wurde speziell für Trackday Fahrer entwickelt. Ein Satz Pneus kostet rund 100 Euro weniger als die „KR“ - Profi-Gummis. Doch jeder im Fahrerlager weiß: Sie sind die Wahl für die „nicht ganz so schnellen Piloten“. Insider wissen aber auch, dass diese Reifen im Yamaha R6-Cup eingesetzt wurden. Die Cupserie war immer ein Garant für tiefe Rundenzeiten. Beim Test setzten wir vorne die Mischung „M“ ein und hinten die Mischung „E“. Und genau diese Mischungen funktionieren auch in allen Lebenslagen richtig gut. Man benötigt also in der Praxis keine unterschiedlichen Mischungen und wird mit dieser Kombination glücklich sein. Es gibt den Pneu auch mit Profil - als „GP Racer D212“. In jedem Fall ist er jedoch nix für die Straße sondern nur für die Rennstrecke gedacht. Die Pneus werden vorne mit 2,1 bar und hinten mit 1,2 bar (kalt gemessen) gefahren.

Im Test bot der Pneu auch jene Präzision die wir an den KRs so lieben. Die Performance vom Reifen blieb über 2 Tage konstant. Erfahrene Fahrerlager-Kollegen berichten von „6 Tage vorne / 4 Tage hinten“ mit einem Satz GP Racer Slick. Im direkten Vergleich mit den Toppneus von Dunlop verlieren sie in der Hand von Hobbyfahrern vor allem am Kurvenausgang. Hier halten die KRs stabiler die Innenlinie und ermöglichen härtere Beschleunigung. Profis verlieren damit natürlich auch am Kurveneingang. Die Pneus sind bestimmt eine sehr gute Wahl für 600er Piloten und 1000er Fahrer mit pragmatischem Ansatz und stabilem Ego. Günstiger fahren ist kaum möglich.

Dunlop D 213 GP Pro

Der D213 GP Pro ist ein Reifen der für Kunden ein wenig verwirrend ist. Er hat Straßenzulassung ist jedoch ein reinrassiges Profiprodukt. Das merkt man auch am Preis. Der Pneu wurde von Dunlop entwickelt um in Rennserien mit seriennahem Reglement mit feinster Ware an den Start gehen zu können. Zum Beispiel in der Roadracing-Szene oder in diversen Superstock Klassen. Für Trackday Piloten bietet er keine Vorteile im Vergleich zu einem „KR“ Slick, außer dass das Profil vom Pneu richtig mächtig aussieht. Klarerweise benötigt man für den Reifen Heizdecken und die Pneus sollten mindestens 45 Minuten angeheizt werden. Im Vergleich zu früheren Versionen hat Dunlop bei den Schwachpunkten deutlich nachgebessert. Er ist nicht mehr so heikel in der Wahl der Mischungen oder beim Fahrwerkssetup. Die „2er“ Mischung funktioniert vorne wie hinten in einem sehr breiten Temperaturfenster und ist daher für Hobbyracer eine goldrichtige Wahl. Wir fuhren den Reifen vorne mit 2,3 bar und hinten mit 1,2 bar kalt. Der Reifen ist faszinierend, funktioniert perfekt aber trotzdem gibt es keinen Grund in hier zu empfehlen! Hobbyfahrer ohne Reglement-Zwang sollten gleich zum KR-Slick greifen. Er kann alles was der GP Pro auch kann, hat aber keine Profilkanten welche bei schwierigen Bedingungen immer wieder mal aufreissen.

Dunlop KR106 / KR108 - Slick

Die „KR“ Slicks sind 2018 wieder die Benchmark unter den Rennstreckenreifen. Jahrelang war Dunlop Nummer 1. Dann gab es Produktionsprobleme durch die Übersiedlung von England nach Fankreich. Pirelli holte auf und punktete gewaltig. Doch schon 2017 schlug Dunlop gnadenlos zurück und dominiert nun das Segment. Womit wir auch gleich beim einzigen Minuspunkt des Reifens sind: Er ist teuer. Eine Garnitur kostet deutlich über 400 Euro. Damit war es das aber schon mit der Kritik. Der Reifen bietet ein beängstigend hohes Niveau und schafft schon durch das unschlagbare Image ein irres Vertrauen im Sattel. Lohnt es sich auch für Hobbyfahrer das Wunderding zu kaufen: Ja und Nein! Fährt man zu langsam, wirft man das Geld zum Fenster raus. Denn dann könnte man ja den deutlich günstigeren GP Racer Slick kaufen. Kommt man aber einigermaßen an die jeweiligen Topzeiten auf der Rennstrecke ran, kann man die Vorteile vom Reifen intensiv genießen. Am Kurveneingang zum Beispiel erlaubt der KR den härtesten Druck und fährt den Strich präziser als jeder andere Pneu. Beim direkten Wechsel von einem anderen Pneu, kommt Dir der Zug in den Scheitel richtig unwirklich vor. Diese Perfektion an der Front ist gepaart mit einer mörderischen Traktion am Hinterrad. Hier in Oschersleben fuhr ich quasi in jeder Kurve schräg aus dem Radius - am Hinterrad. Der Pneu hat eine sehr breite Auflagefläche. Dies wurde durch den niedrigen Reifendruck erreicht. Damit kann das Traktionsniveau auch bei langen Kurven sehr lange hoch gehalten werden. Möglicherweise liegt es auch an der stabilen Karkasse, dass die Reifen insgesamt eine sehr lange Lebensdauer haben. Die Dunlops sind bekannt dafür, dass sie auch am Ende ihres Lebenszyklus noch tiefen Rundenzeiten ermöglichen. Das wurde zuletzt bei der Isle of Man eindrucksvoll bewiesen. Dort brannte Peter Hickmann den Rekord in der letzten Runde in den Asphalt.

In Oschersleben aber auch in Brünn und am Pannoniaring hatte ich mit den Dunlops zuletzt keinerlei Probleme am Setup. Die Pneus wurden montiert und das Reifenbild war einfach makellos. Bleiben außer Lob noch Ansätze zur Kritik übrig: Gerne würde ich ja sagen, dass ich auf schlechtem Asphalt eine weichere Karkasse bevorzugen würde. Doch irgendwie läuft die Kritik ins Leere - wenn der Siegerreifen mit Rundenrekord auf der Isle of Man „KR“ heißt. Der Preis für eine Garnitur Reifen ist am ersten Blick sehr hoch. Insider wissen jedoch, dass der Vorderreifen gefühlt „ewig“ hält und der Hinterreifen länger schnelle Rundenzeiten ermöglicht als die Pneus anderer Marken. Doch in der Praxis ist es so, dass viele Fahrer diesen Vorteil gar nicht richtig nutzen. Die Pneus werden aus logistischen Gründen zu früh gewechselt und nicht richtig ausgequetscht.

Hier beim Test fuhren wir den KR106 (vorne) mit 2,1 bar kalt und den KR108 (hinten) mit 1,2 bar kalt gemessen.

Wer soll den Reifen kaufen? Pauschal gesagt: Wenn man rund 15 Sekunden hinter dem Rundenrekord der jeweiligen Strecke ist, kann es schon sein dass man in einzelnen Streckenabschnitten relativ hohe Geschwindigkeiten fährt. Dann kann man in einzelnen Situationen die Vorteile vom Reifen ausnutzen und sich mit einem Sicherheitspuffer nach vorne arbeiten. Vor allem am Kurvenausgang gibt es keinen besseren Pneu um früh ans Gas zu gehen. Fährt man jedoch langsamer ist der Reifen Geldverschwendung und bei kühlen Temperaturen auch fehl am Platz. Dann läuft man Gefahr den Pneu kalt zu fahren und der Hightechgummi wird zur Zicke. Der GP Racer Slick ist dann die bessere Wahl.

Preisvergleich Dunlop Sportreifen

Die Reifenhersteller selbst haben keine verbindlichen Verkaufspreise. Die Preise werden von den Händlern gemacht. Um die Preisunterschiede der unterschiedlichen Pneus darzustellen, vergleichen wir hier die Preise von der transparenten Webseite www.zweiradprofi.at. Preise können je nach Verfügbarkeit variieren.

  • KR Slick 106 / 108 Garnitur: 439 Euro

  • D213 GP Pro Garnitur: 397 Euro

  • GP Racer Slick Garnitur: 349 Euro

  • Sportsmart TT Garnitur: 369 Euro

  • Sportsmart 2 max Garnitur: 339 Euro

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Dunlop Reifentest in 1000PS Liveshow

Das Video vom Reifentest kommt demnächst auf 1000PS TV. Die Story von "Tag 2" inklusive 200 km/h Abflug von NastyNils im Regen in der Liveshow am 5. Juli 2018 um 19 Uhr.

Bericht vom 18.06.2018 | 13.766 Aufrufe

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