Dunlop Sportsmart TT Test

Dunlop Sportsmart TT Test

Dunlops neuer 50/50 Hypersport-Reifen

Von der Straße auf die Renne - Das unbegreiflich schnelle Straßenrennen auf der Isle of Man, jener Insel im Herzen der Irischen See zwischen Großbritannien und Irland, die heuer zwischen 28. Mai und 8. Juni wieder ein Stück besorgniserregend selten gewordene bedingungslose Freiheit zulassen wird, ist so schnell, dass man es mit zwei gleichen Buchstaben abkürzen muss: TT. Die beiden Tees stehen für Tourist Trophy, womit vermeintlich zum heute vorgestellten Produkt übergeleitet wäre, den Dunlop Sportsmart TT. Doch die beiden Tees des smarten Reifens stehen diesfalls für Track Technology, die allerdings von den Erfahrungen und Entwicklungen im Straßeneinsatz hergeleitet wurde. Aber es ist alles nicht so kompliziert, wie es sich liest.

Den Sportsmart TT reiht Dunlop über dem Sportsmart2 Max und unter dem GP Racer D212 und D213 GP Pro. Der Sportsmart2 Max gilt als reiner Hypersport-Straßenreifen, der auch den einen oder anderen Trackday mitmacht. Reifenwärmer sind wie beim TT nicht zwingend notwendig, die Aufwärmphasen sind extrem kurz und die optimalen Betriebstemperaturen niedriger als bei den reinen Rennreifen. Während der Max auch auf nassem Asphalt noch eine ordentliche Performance abliefert, ist sie beim Sportsmart TT ein wenig schwächer. Der Fokus liegt auf der Leistung bei trockener Witterung, weshalb kein Silica zum Einsatz kommt; dieser Füllstoff mag zwar Wasser, hat aber mit Hitze ein großes Problem. Den TT positioniert Dunlop nämlich als 50/50-Reifen, der auf der Straße wie auf der Rennstrecke zu Hause ist. Wer einen Schritt weiter gehen möchte, seine Rundenzeiten verbessern oder sogar ein Hobbyrennen bestreiten möchte, der sollte dann zum GP Racer D 212 greifen. Dieser Reifen bietet noch mehr Performance und Belastbarkeit, während er in Set-Up und Handling bedienerfreundlich bleibt. Für den regelmäßigen Einsatz in Rennen oder Rennserien kommt nur noch der D213 GP Pro infrage, der allerdings eine eingehende Beschäftigung mit der Materie voraussetzt.

Dunlops Hypersport Segment

NameSegmentVerwendungEigenschaften
D213 GP PRORoad Legal Race ProProfessionelle Straßenrennen und Seriennahe RennklassenUltimativer Grip, Langlebigkeit, Stabilität
GP Racer D212Easy Racing & TrackdayTrackdays und HobbyrennenSofortiger Grip, einfaches Setup, begrenzte Straßentauglichkeit
Sportsmart TTHyperSport Track - Road 50/50Straßenbetrieb und TrackdaysPerformance auf jedem Untergrund, keine Reifenwärmer nötig, kurze Aufwährmphasen, akzeptabler Grip bei Nässe, für häufigen Straßenbetrieb empfohlen
Sportsmart² MAXHyperSport StreetStraßenbetrieb und gelegentliche TrackdaysAllround Performance bei Trockenheit und Nässe, kurze Aufwärmphase, ausgeglichenes Handling

Dunlops vier Hypersportreifen und ihre Einsatzzwecke

Baby-Boom im Hypersport Segment

Warum Dunlop sein Supersport-Segment weiter ausbaut und auffächert? Im Gegensatz zum Supersportmotorrad-Sektor selbst wächst der Bedarf an heute Hypersport genannten Reifen, während jener an Sporttouring-Reifen stagniert. Das hätte ich so nie erwartet. Scheinbar gehört für viele zu einem schnellen Motorrad, sei es verkleidet, halb-verkleidet oder nackt, auch ein schneller, nein, der schnellste Reifen mit dem schärfsten Profil. So werden allerdings auch die Beschwerden über die beschränkte Laufleistung dieser Gummis nicht weniger. Man muss sich halt bewusst sein, was einem die Eitelkeit wert ist.

Viele Reifenmodelle, oder zumindest deren Namen, überleben mehrere Generationen. Aus diesem Grund nahm ich bisher auch an, dass es sich bei einem neuen Modell immer um eine weitere Evolutionsstufe handelt und sich die Entwicklungszeit entsprechend in Grenzen halten würde. Damit lag ich leider falsch. Die Projektdauer des TT vom ersten „Sketch“ bis zum Abschluss der Testphase dauerte 2,5 Jahre, der Startschuss fiel bereits im Juni 2005.

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Rundum-Verbesserungen am Dunlop Sportsmart TT

Beim Vorderreifen herrscht die Herausforderung, dass er die Lenkimpulse beim Einlenken reduzieren, den Grip während dieser Phase aber optimieren soll. Beim Bremsen in den Radius soll wiederum das Aufstellmoment möglichst gering sein. Diesem Dilemma wirkt Dunlop mit der Dynamic Front Formula entgegen, einer speziellen Lagenkonstruktion im Zusammenwirken mit Form und Profil des Reifens. Letzteres wurde aerodynamisch so ausgeformt, dass der Temperaturhaushalt des Gummis, der während nur einer Runde extremen Schwankungen ausgesetzt ist, verbessert wurde. Durch die NTEC RT (Road & Track) Konstruktion des Hinterreifens kann der Luftdruck für die Rennstrecke auf 1,5 bis 1,9 bar gesenkt werden, um die Auflagefläche um bis zu 25% zu erhöhen. Zwei Mischungen und drei Laufflächensegmente im Verhältnis 40-20-40 erhöhen den Grip in Schräglage und die Laufleistung im Geradeauslauf. Insgesamt wurde die Abriebfestigkeit durch Erfahrungen aus Langstreckenrennen gestärkt.

Vielseitiges Portfolio für den Sportsmart TT

Welches Vertrauen Dunlop in seinen neuen Reifen setzt, zeigte uns das Versprechen, der Reifen würde nach 4 Kurven warm genug für die absolute Attacke sein. Ganz wörtlich nahm ich diesen Rat nicht, ich gab ihm eine halbe Runde bis Runde, vorher hindert mich ein innerer, natürlicher Sicherheitsschalter daran, voll aufzudrehen. Nach all dem Hightech könnte der Eindruck entstanden sein, der Sportsmart TT würde nur auf Supersportlern zum Einsatz kommen, doch er kann viel mehr. Einerseits bedient er auch schwächere aber schwerere Nakedbikes und Roadster wie die Boxer-Klasse von BMW, andererseits noch schwächere aber noch leichtere Modelle wie die 300er Klasse, bei unserem Test durch eine 400er Ninja vertreten. Vergleichbare Typen wären die KTM RC390 oder Yamahas YZF-R3. Für diese A2-Supersportler bietet Dunlop den TT –Hinterreifen in 140/70-17 und 150/60-17 an.

Test auf der Kawasaki Ninja 400

Bei unserem Test stellte sich der schmälere Hinterreifen auf der Kawasaki als handlicher und flinker heraus. Ich fühlte mich damit sowohl beim schnellen Ein- und Umlenken als auch in Schräglage besser. Es zeigte sich letztlich, dass der 150er auf beiden Seiten einen schmalen Streifen ungenutzt ließ. Da es auf den ersten Blick kaum auszumachen war, welcher der breitere und welcher der schmälere Reifen ist, greift auch das Argument des optischen Eindrucks nicht. Der Reifen jedenfalls hat gezeigt, dass es nicht auf die PS, sondern auf den Pneu ankommt (und natürlich auf Fahrwerk und Bremsen), dass aus einem Motorrad ein Supersportler oder vielleicht sogar ein Racebike wird. Die 45 PS des 399 cc brauchten auf dem kleinen Kurs im Inneren der großen Rennstrecke von Monteblanco wieder 100% Spaß und Competition.

Funktioniert der Sportsmart TT auch auf großen Naked Bikes?

Ebenfalls erstaunlich waren die Turns mit den BMW-Modellen R 1200 R, R 1200 RS und R nineT Racer, allesamt also Boxer mit 125 bzw. 110 PS. Es dürfte der Charakteristik des Zweizylinders, der Fahrwerke und der Elektronik geschuldet sein, dass der Hinterreifen auf den Bayern stärker aufgearbeitet wurde als auf den Supersportlern. Dennoch ist es bemerkenswert, wie sportlich solche komfortablen Allrounder auf der Rennstrecke funktionieren können, wenn nur das Schuhwerk passend gewählt wird. Was ich am Sportsmart TT besonders mochte, ist seine steife, stabile Karkasse. Ich verzichte gerne auf ein wenig Komfort, wenn ich dafür etwas mehr Kontakt zur Straße und mehr Rückmeldung von selbiger erhalte. Der Reifen darf nicht walken oder wandern, sondern muss Haltung bewahren, um die direkte Info von Asphalt zu Arsch nicht zu verfälschen.

Fazit Dunlop Sportsmart TT

Wo der neue Dunlop aber eigentlich wirklich dran gehört, sind richtige 200 PS-Raketen wie Yamaha R1, Honda Fireblade, BMW S 1000 RR und wie sie alle heißen, denn dort zeigt sich seine Stabilität, seine Präzision und letztlich auch der massive Grip in Schräglage am deutlichsten. Einige der neuen Techniken des Sportsmart TT, die auf der Straße ihren Ursprung hatten und nun auf der Rennstrecke zum Einsatz kommen, werden auch in noch sportlichere Reifen wie den GP Racer GP212 einfließen, was ungewöhnlich ist, weil die Entwicklungen sonst nach unten durchsickern. Das zeigt, welch hohen Anspruch an dieses Produkt hatte. Der Sportsmart TT ist ins insgesamt 11 Dimensionen erhältlich. Nicht verfügbar ist ein 190/50-17!

Dunlop Sportsmart TT Dimensionen

Front/HeckFelgengrößeDimension
Front17110/70 R 17
120/70 R 17
120/70 ZR 17
Heck17140/70 R 17
150/60 R17
160/60 R 17
160/60 ZR 17
180/55 ZR 17
180/60 ZR17
190/55 ZR 17
200/55 ZR 17

Bericht vom 28.03.2018 | 16.014 Aufrufe

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