Yamaha MT-09 2017 Tuning Projekt

Yamaha MT-09 2017 Tuning Projekt

1000PS macht die dunkle Seite Japans nun richtig finster!

Wir spendierten dem ohnehin schon begehrenswerten Dreizylinder alles was gut und teuer ist um ein noch besseres und auch rennstreckentaugliches Einsereisen daraus zu machen. Die Liste der Teilelieferanten ist lang und schmeichelt mit wohlklingenden Namen dem Ohr eines jeden Motorradfahrers. Akrapovic, Öhlins, Gilles, Magura, AB-M, SW-Motech, Carbon2Race... um nur einige zu nennen. Auch bei Einbau, Umbau und Abstimmung vertrauten wir auf renommierte Namen wie beispielsweise Martin Bauer mit MB-Bikeperformance.

Wie alles begann...

Ich MEX, bekennender Yamaha MT-09 Fan, bekam das Projekt in die Hand gedrückt und freute mich darüber wie ein kleines Kind am 24. Dezember. Dieses Motorrad hat es mir bereits bei der Vorstellung im Herbst 2013 gewaltig angetan. Dennoch gab es immer gewisse Schwächen, welche das Bike mit sich brachte. Sei es das Fahrwerk, welches durchwegs als lasch bezeichnet werden kann und wenig Reserven aufweist, oder auch der Motor, welcher nie wirklich perfekt am Kabel hing, das Ansprechverhalten und auch die Lastwechselreaktionen waren von Anfang an etwas ruppig und somit gewöhnungsbedürftig. Allessamt nichts Tragisches, die Punkte auf der Habenseite überwiegen meiner Meinung nach kräftig. Tolle Verarbeitungsqualität, gewaltiger Motor, geringes Gewicht, super agiles Handling, coole Supermoto-Sitzposition, etc...

Im Modelljahr 2017 wurden bereits seitens des Herstellers einige der oben genannten Schwächen in Angriff genommen. Das Ansprechverhalten wurde verfeinert und ist in den Modi "Standard" und "B" nun wirklich in Ordnung. Die Lastwechsel-Reaktionen wurden etwas weniger, sind aber für sensible Reiter immer noch spürbar. Ebenfalls bekam die Optik ein knackiges Facelift verpasst. An der Front thront nun eine futuristisch, aggressiv gestaltete LED Leuchteneinheit und auch am Heck wurde das etwas aufgesetzt wirkende Rücklicht gegen ein wunderschön integriertes Modell getauscht. Performanceseitig gab es ebenfalls einige Veränderungen: Die 41mm Upside-Down Gabel an der Front wurde um eine anpassbare Druckstufen-Dämpfung erweitert und ist nun voll einstellbar. Der neu integrierte Schaltautomat erlaubt flinkes Hochschalten. Butterweich flutschen die Gänge beim Dauerfeuer auf Start/Ziel durchs Getriebe. Auch die Anti-Hopping-Kupplung macht ihre Sache ausgezeichnet. Die Gänge können knackig runter gesteppt werden, keine zusätzliche Unruhe im Fahrwerk - herrlich.

Dennoch sahen wir bei 1000PS noch richtig viel Tuning-Potential in diesem Motorrad. Auch das Interesse unserer Leserschaft und den Zusehern auf 1000PS TV an der MT-09 war gewaltig. So entschieden wir uns im Mai 2017 das Projekt anzupacken. Nach dreiwöchiger Planungsphase wurde bestellt: Yamaha MT-09, Modelljahr 2017, Modellcode RN43. Farbe? Tech Black! Abholen durfte ich das Bike dann Mitte Juni. Voller Motivation und Datendrang machte ich bei der Übergabe gleich für 5 Tage später den Termin für´s erste (1000 km) Service aus. Ranhalten war angesagt, denn gleich die Woche darauf sollte sie schon bei unseren 1000PS Trackdays am Pannonia Ring mit dabei sein.

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Die ersten Teile für unsere Yamaha MT-09

Natürlich wollten wir auf der Rennstrecke auch gleich den Effekt der ersten Zubehörteile testen, welche zwischenzeitlich bei uns eingelangt waren. Der erste Karton, welcher auf meinem Schreibtisch landete, war jener von SW-Motech. Blieb zu hoffen, dass die darin enthaltenen Crashpads, Achsprotektoren sowie der Lichtmaschinendeckel-Schutz nicht gleich auf die Probe gestellt werden mussten. Montiert haben wir die Teile zur Sicherheit natürlich trotzdem. Tolle Verarbeitungsqualität und Passform verstehen sich bei SW-Motech von selbst. Speziell der Sturzpad-Kit für den Rahmen macht auch optisch einen sehr wertigen Eindruck und fügt sich toll in die Gesamterscheinung der MT-09 ein. Des Weiteren war ein Tankrucksack samt Quick-Lock Arretierung im Paket. Konkret das Modell EVO Engage, das sich wunderbar an die Tankform der MT-09 anschmiegt. Da die Anreise zu den kommenden Trackdays ohnehin auf Achse geplant war, konnte auch dieser gleich gute Dienste leisten. Zuletzt schraubten wir dann noch den Bugspoiler ans Bike. Dieser macht, mit seinem gefalzten, 3 mm starken, Aluminium Material so einen massiven Eindruck, dass ihm zusätzlich zur coolen Optik auch noch eine ehrliche Schutzwirkung beim Ausritt in den Kies attestiert werden kann.

Zwei Tage später drückte uns der Paketbote dann auch schon das nächste Päckchen mit feinen Teilen für unser Tune-Up Projekt in die Hände. Absender war die Firma Fechter Drive, welche uns mit einem kompakten Windschild von Ermax und einigen Verkleidungsteilen von Bodystyle ausstattete. Speziell auf den Effekt des Windschilds war ich mit meiner Größe von 1,90 m sehr gespannt. Erwähnenswert dabei auch die Verarbeitungsqualität und Detailverliebtheit, mit welcher Scheibe samt Halterungen gefertigt sind. Jeden einzelnen, der schwarzen Schraubenköpfe, ziert beispielsweise ein dezenter, gelaserter Ermax-Schriftzug. Ein weiteres optisches Highlight ist die Sitzbankabdeckung von Bodystyle. Diese sieht toll aus und bietet dem Fahrer darüber hinaus beim Beschleunigen eine gewisse Stützwirkung und fängt etwas von der Masse ab, welche beim kräftigen Zug am Gasgriff nach hinten wandert. Wie auch der Kettenschutz und der hintere Spritzschutz von Bodystyle ist sie in Fahrzeugfarbe lackiert und passt somit wunderbar zum Look der Yamaha MT-09. Die Abdeckung bietet auch optisch, zum ansonsten sehr „frontlastigen“ Design der Yamaha, einen sehr guten Gegenpart.

Carbon2Race – der Name ist Programm

Am selben Tag kamen auch noch die feinen Rahmen- und Schwingen-Abdeckungen von Carbon2Race aus Slowenien bei uns an. Damit war die Ausrüstung für den ersten Rennstreckeneinsatz komplett. Als Montage-Variante entschied ich mich für die Befestigung mittels Silikon. Da ich aber den direkten Kontakt des Klebers mit dem Rahmen vermeiden wollten, wurde vorher alles großzügig mit hochwertigem Racetape abgeklebt. Einmal über Nacht mit Kabelbindern fixiert, konnte sich das Ergebnis am nächsten Tag bereits sehen lassen. Optik und Passform der Carbon2Race-Teile darf als sehr gut bezeichnet werden. Einzig die Bohrungen für die Montageständer Bobbins mussten nachträglich gesetzt werden. Sinnvolles Detail: Sowohl bei den Covers für den Rahmen als auch bei denen für die Schwinge wurden die besonders sturzgefährdeten Bereiche mit Kevlargewebe an der Innenseite ergänzt. Bleibt abschließend nur zu hoffen, dass wir niemals testen müssen, was die Teile tatsächlich wegstecken. Schade wär´s um das feine Carbon!

Der erste Service und der erste Rennstreckeneinsatz

Knapp 900 Kilometer waren auf der asymmetrischen Instrumenteneinheit abzulesen, als ich nach den besagten 5 Tagen bei Yamaha Binder in Wiener Neustadt vorfuhr, quasi der Händler vor der 1000PS Haustüre. Ein paar Stunden später kam dann auch schon wieder der Anruf, dass unser Baby nun fit für die nächsten 10 Tausend Kilometer wäre. Gemacht wurde neben einer gründlichen Rundum-Kontrolle der vorgeschriebene Ölwechsel samt neuem Filter. Obendrauf bekamen wir die Freigabe bei unseren Trackdays nun ordentlich Feuer geben zu dürfen.

Kaum am Pannonia Ring angekommen, zogen wir gleich mal die Blicke einiger aufmerksamer Beobachter auf uns. Die Carbonverkleidungen sind echte Eye-Catcher und wurden mehrfach bewundert. Ebenfalls bekamen Windschild, Bugspoiler und die Sitzbankabdeckung mehrfach Lobesworte spendiert. Nach einigen Turns, konnte ich mich den Lobesworten, vor allem für das Windschild, nur anschließen. Sehr empfehlenswert für all jene, welche den Oberkörper etwas aus dem Wind nehmen möchten aber dennoch Wert auf eine coole Optik legen. Im direkten Vergleich zum kleinen Sport Windschild aus dem Yamaha Original-Zubehör, welches wir etwas später ebenfalls am Bike testen durften, war der Effekt um einiges deutlicher spürbar. Letzten Endes wird hier aber wohl bei den meisten MT-09 Besitzern die individuelle Vorliebe im Hinblick auf die Optik die Kaufentscheidung begründen.

ABM Heckumbau, eine Wohltat für´s Auge?

Apropos Optik: Eine der wichtigsten Veränderungen war hier auch der Heckumbau. Weg mit der klobig wirkenden, einarmigen Halterung, welche an der Schwinge befestigt war und her mit dem feschen Teil von ABM. Schönheit liegt bekanntlich immer im Auge des Betrachters. Wir finden aber, der neue Kennzeichenträger verbessert die Optik ungemein. Bei der klassischen Montage unterm Heck, kann mit ein wenig Geschick und Anpassung, auch der originale Blinker-Träger weiterverwendet werden. Für Blinker aus dem Zubehör liefert ABM standardmäßig eine Halterung mit. Passform und Verarbeitungsqualität sind, wie auch von den Spezialisten aus Baden-Württemberg gewohnt, erstklassig. Der Umbau war in etwa einer Stunde fertiggestellt.

Um die Verfolger im Rückspiegel stets vibrationsfrei im Blick zu haben, montierten wir hübsche Teile aus gefrästem Aluminium, ebenfalls von ABM. Durchdachtes Detail: Die schwarzen Kunststoff-Kappen am Ende der Spiegel können kostengünstig ausgetauscht werden. Ein nützliches Feature, sollte man mal unbeabsichtigt beim Rangieren oder Parken die Hausmauer touchieren.

Stichwort touchieren: Bei ungewolltem Asphalt-Kontakt schützen auch die dezenten ABM Achs-Protektoren ausgezeichnet. Die Montage erfolgt super easy mittels Gewindestange, welche durch die Achse gesteckt wird. Dieses System ist im direkten Vergleich zu SW-Motech etwas einfacher aufgebaut und auch optisch weniger aufdringlich. Den gewünschten Schutz bieten im Fall der Fälle sicherlich beide Varianten. Passend zu den Achs-Slidern haben wir von ABM auch einen Satz Montageständer Bobbins bekommen - sehr nützlich, nicht nur in der Boxengasse. Dank der hochwertigen Verarbeitung und der mattschwarzen Beschichtung gliedern sich auch diese wunderbar in unser Projekt ein.

Zu guter letzt montierten wir, ebenfalls von ABM, die Lenkanschlagschützer. Diese verhindern beim Sturz (oder Umfaller) effektiv das Abbrechen der Lenkeranschläge und somit das Einschlagen der Gabel am Rahmen. Die Befestigung erfolgt schnell und einfach mittels Klebepad und Kabelbindern. Sie verringern im Alltag zwar minimal den Lenkereinschlag sind aber gerade auf der Rennstrecke eine sehr empfehlenswerte Sache.

Fahrwerksumbau bei MB Bikeperformance

Martin Bauer, langjähriger und mehrfacher Betreuer unserer 1000PS Umbau- und Tune-Up-Projekte wusste auch bei der Yamaha MT-09 Rat. Das generell etwas weich geratene Originalfahrwerk wurde gegen feinste Ware aus Schweden getauscht. An der Front kommt eine Öhlins NIX 30 Cartrige zum Einsatz, welche Yamaha auch im Originalzubehör anbietet. Schon der direkte Vergleich, als die Gabel-Innereien am Werkstatttisch nebeneinander liegen, schafft Klarheit. Die Unterschiede bei Materialwahl, Oberflächen-Beschichtung sowie die deutlich massivere Bauart beim schwedischen Gold fallen selbst dem Laien sofort ins Auge. Sehr eindrucksvoll auch die penible Arbeitsweise von Martin Bauer und seinem Team. Mit akribischer Sorgfalt wird jeder Arbeitsschritt dokumentiert und am Protokollpapier festgehalten. Der Meister selbst drückt dann ganz selbstverständlich, als die neue Cartridge samt Feder und adäquatem Öl wieder im Gabelholm verstaut ist, mit dem eigenen Körpergewicht gegen den Boden und meint trocken: „Ich glaub‘, so passt 's gut.“

Einbau des Federbeins

Zugegeben, auf dieses Bauteil war meine Vorfreude riesig. Beim Federbein sah ich einfach das größte Verbesserungspotential im ganzen Projekt. Auch hier kommt wieder das gute goldene Öhlins Zeug zum Einsatz. Konkret das Modell STX 46 in der Spezifikation YA535 speziell für die MT-09. Letztgenanntes kann selbstverständlich auch wieder beim Yamaha Händler des Vertrauens geordert werden und besitzt sogar ein ABE. Der Einbau verlief bei Martin Bauer wie gewohnt problemlos. Im Anschluss wurden noch sämtliche Einstellungen auf das Fahrzeug sowie das Fahrergewicht von zarten 70 Kilo justiert. Nicht zuletzt ist das STX 46 auch ein richtiger Eye-Catcher. Der goldene Ausgleichsbehälter samt hydraulischem Vorspannungsversteller sticht nicht nur dem Kenner sofort ins Auge.

Yamaha MT-09 bekommt mehr Leistung dank Akrapovic

Richtig spannend wurde es auch rund um das Thema Abgasanlage. Ein durchaus häufiges Phänomen ist ja heutzutage, dass die Änderung des Auspuffs eher Leistung nimmt anstatt hinzufügt. Für unser Projekt suchten wir uns eine Komplettanlage vom slowenischen Hersteller Akrapovic aus. Unsere Wahl fiel auf das straßenzugelassene Modell „Racing Line Titanium“. Dieses macht auch optisch einiges her und besteht aus edlen Rohstoffen wie Titan, Carbon und Edelstahl. Positiv anzumerken ist gleich vorweg die Gewichtsersparnis: Ganze 2 kg lassen sich damit rausholen. Dank herausragender Verarbeitungsqualität und perfekter Passform gestaltet sich auch die Montage relativ simpel.

Soundcheck und Spannung am Prüfstand

In Sachen Lautstärke ist die Veränderung nur eine Unwesentliche. Zumindest solange der außergewöhnlich hübsche, dreiflutige DB-Killer drinnen ist. Die Soundkulisse wird insgesamt jedoch deutlich satter und dumpfer. Der Klang des 3-Zylinders wirkt nun einfach erwachsener. Offengesagt bin ich auch kein Freund von übermäßig lauten Motorrädern im Straßenbetrieb. Damit zieht man nur unnötiges Interesse von gewissen Personen auf sich, mit welchen der Motorradfahrer in der Regel nicht zwingend zu tun haben möchte. Gemeinhin interpretieren auch viele Leute „laut“ als „schnell“ und das schadet dann möglichweise wieder dem Image der motorisierten Zweirad-Gesellschaft... Doch diese philosophischen Ansätze überlasse ich dann aber lieber meinem Vollbart tragenden Kollegen für die nächste 1000PS Wutrede.

Zu überzeugen weiß das Akrapovic System glücklicherweise auch am Prüfstand. Ganze 5 Pferde mehr kommen nun am Hinterrad an. Von knapp 109 PS im Originalzustand brachten wir es auf 114 PS bei der Messung mit der neuen Abgasanlage. Angemerkt muss jedoch werden, dass wir die Messung ohne KAT durchgeführt haben. Ein Blick auf die AFR-Auswertung (Bezin-Luft-Gemisch) samt den erklärenden Worten von Martin Bauer zeigt, dass aber durchaus Potential für noch mehr Leistung vorhanden ist. Da die Abgasanlage im Vergleich zum Original mehr Durchfluss bietet, magert das Gemisch über nahezu das gesamte Drehzahlband etwas ab. Mittels Motorabstimmung am Prüfstand lässt sich das wieder korrigieren bzw. optimieren. Positiver Effekt ist dann natürlich ein weiterer Leistungsgewinn. Wobei es sich in unserem Fall „nur“ noch um 2 bis 4 PS handeln dürfte.

Hard Core Technology von Magura für unsere Yamaha MT-09

Dafür steht das Kürzel HCT. Eine patentierte Technologie reduziert dabei die interne Reibung in der Brems- und Kupplungsarmatur und sorgt für feinstes Griffgefühl. Besonders gespannt waren wir auch auf den Effekt der Umrüstung auf hydraulische Kupplungsbetätigung. Magura - absoluter Spezialist auf diesem Gebiet - stellte uns für dieses Vorhaben Armaturen aus der High-End-Linie "HC3" zur Verfügung. Da die Maschine ohnehin noch bei Martin Bauer einquartiert war und wir beim Einbau doch lieber einen Spezialisten ans Werk gehen lassen wollten, vertrauten wir auch hier auf die Kompetenzen von MB Bikeperformance.

Zunächst einmal drückte mir bereits der schiere Anblick der goldenen Hebeleien eine Freudenträne aus dem Augenwinkel. Feinste Materialien, perfekte Verarbeitung und ein herrliches Design. Das große Aha-Erlebnis kam dann aber bei der ersten Ausfahrt. Unpackbar wie die Bremse mit der neuen Radialbremspume nun zubeißt. Bedienkomfort und Dosierbarkeit sind dabei trotzdem perfekt. Noch nie gelang der Einfinger-Stoppie so einfach. Tolle Sache, für die Bremsarmatur gibt´s sogar eine ABE.

Das hydraulische Kupplungssystem sorgt jetzt für etwas weniger Handkraft, die zum Auskuppeln benötigt wird. Dosierbarkeit und Griffgefühl sind auch hier Spitzenklasse. Ein so deutlicher Verbesserungs-Effekt, wie am gegenüberliegenden Lenkerende, lässt sich aber nicht feststellen. Ebenfalls erfreulich: Dank eines Unbedenklichkeitsbescheides, welchen Magura auf Anfrage ausstellt, muss auch die HYMEC nicht eingetragen werden.

Ergonomie und die Sitzbankfrage

Eine tolle Option für alle großen Piloten und/oder bequemlichkeitsorientierten Fahrer ist die Komfort Sitzbank von Yamaha. Sie bietet eine um etwa 3 cm höhere Sitzposition bei deutlich breiterer Sitzfläche, was mir mit meiner Größe von 1,90 m sehr entgegen kommt. Verarbeitung und Passform sind erstklassig. Der verwendete Schaumstoff ist im Vergleich zum Original für mein subjektives Empfinden etwas fester, das würde man im ersten Augenblick bei einer Komfort-Sitzbank nicht erwarten. Jedenfalls tut das dem Sitzgefühl und der Langstecken-Tauglichkeit keinen Abbruch. Auch auf der Rennstrecke stimmt das Feeling - absolute Empfehlung!

Eine richtig feine Sache sind auch die verstellbaren Lenkerklemmungen aus dem Original Zubehör. Für unser auf Sportlichkeit ausgelegtes Projekt, haben wir den Lenker auf vorderste und zugleich tiefste Position gestellt. Das entspricht knapp 1 cm tiefer und etwa 1,5 cm weiter vorne. Daraus resultiert eine aktivere Sitzposition mit spürbar mehr Druck am Vorderrad. Gefertigt werden die Klemmböcke von Gilles Tooling und sind dementsprechend qualitativ erste Sahne. Exklusives optisches Detail: Das eingefräste Logo der Yamaha MT-Reihe.

Das Gute liegt so nah: Schließlich haben wir aus dem Yamaha Zubehörkatalog noch die verstellbare Fußrasten-Anlage von Gilles Tooling geordert. Für eine aktivere Sitzposition und etwas mehr Schräglagenfreiheit haben wir die Rasten im Vergleich zum Original um etwa 1 cm weiter nach oben und rund 1 cm weiter nach hinten versetzt. Materialanmutung und Verarbeitungsqualität sind auch hier wieder top. Deutlich verbessert hat sich der Grip und das Feedback, welches die Rasten liefern. Vor allem im Racingbetrieb war die Haftung an den originalen Rasten zu lasch. Kleiner Wehrmutstropfen: durch die steifere Konstruktion, dringen nun etwas mehr Vibrationen an den Fuß des Fahrers. Der gefräste MT-09 Schriftzug an beiden Seiten stellt auch hier wieder ein gefälliges Detail dar.

Raus mit den Drosseln

All jene, welche schon mal versucht haben die Yamaha MT-09 auszufahren, werden wissen, dass der 5. und 6. Gang elektronisch begrenzt ist. Soll heißen, trotz Drehzahlreserve und genügend Motorleistung fährt die Fuhre einfach nicht schneller als 225 km/h gemäß Tacho. Für den Otto-Normalbiker mag das ja durchaus reichen, doch dem geneigten Leser dieses Tests fällt auf, dass wir mit unserem Tune-Up überall ans Limit gehen. So also auch beim Top-Speed. Warum machen Motorrad-Hersteller so etwas? Die Gründe können vielfältig sein. Ein offizielles Statement von Yamaha gibt es dazu nicht. Wir denken aber aufgrund der leichten Fahrwerksschwächen im Originalzustand an ein Hochgeschwindigkeits-Stabilitäts-Problem. Dem haben wir mittels feinster Öhlins-Ware jedoch bereits erfolgreich entgegengewirkt. Nun darf also endlich auch über 200 km/h noch die volle Power ans Hinterrad.

Ursprünglich war eine Leistungsoptimierung und Anpassung der Einspritzung auf die neue Akrapovic Komplett-Anlage mittels Powercommander geplant. Da wir aber mit dem Bike regelmäßig auf der Rennstrecke unterwegs sind und sich dort die genannten Gangdrosseln extrem störend bemerkbar machen, begaben wir uns auf die Suche nach einer Lösung welche obendrein auch diese Problematik für uns behebt.

ECU-Flash bei Alex Radl

Das Feld der professionellen Motor-Optimierer in Österreich ist dünn gesät. Die Überarbeitung der originalen Motorsteuerung, kurz ECU (Electronic Control Unit), versteht sich dabei quasi als Königsdisziplin. Bevor es mit der Arbeit losgeht, müssen zuerst allerdings mal vom Spezialisten alle Codes geknackt werden um an die gewünschten Datensätze heranzukommen. So auch bei unserer Yamaha. Im Anschluss nimmt sich unser Mann des Vertrauens, Alex Radl von ECUflash.at, die MT-09 zu Herzen oder besser gesagt auf den Prüfstand.

Zusätzlich zu den Gangdrosseln, korrigiert ECUflash.at eine weitere verbreitete Maßnahme unter sämtlichen Herstellern: Die Leistungsreduzierung durch Abmagerung des Gemisches in bestimmten Drehzahl-Regionen. In einem gewissen Fenster, meist zwischen 2 und 5 Tausend Umdrehungen, wird einfach das Benzin/Luft-Gemisch etwas abgemagert und schon stimmen die Abgaswerte für den TÜV. Schlecht für uns Motorradfahrer, denn gerade im mittleren Drehzahlbereich, wo man sich häufig bewegt, wünscht man sich oft mehr Leistung und Drehmoment.

Zur weiteren Optimierung wurde auch die Airbox etwas überarbeitet und ein neuer Luftfilter mit mehr Durchlass eingesetzt. Durch Anhebung der Maximaldrehzahl wurde auch noch etwas Reserve für die Rennstrecke geschaffen. Installiert wurde bei dieser Gelegenheit auch ein Rapid-Bike-Easy Modul, welches in Kombination mit dem ECU-Flash für eine sanftere Gas-Annahme und ein besseres Ansprechverhalten im Drehzahlkeller sorgt.

Welche Reifen für die Yamaha MT-09

Über die Saison habe ich auch 3 verschiedene Reifenpaarungen an der Yamse testen dürfen. Der bei der Auslieferung montierte Bridgestone S20 war im Handling sehr neutral und unauffällig. Jedoch wäre etwas mehr Grip im Grenzbereich wünschenswert. Bei hohen Temperaturen am Pannonia Ring stieß die Mischung dann nach einigen flotten Runden auch an ihre Grenze. Trotz gutem und gleichmäßigem Verschleißbild betrug die Laufleistung in einem Mix aus 70 % Landstraße und 30 % Rennstrecke "nur" rund 1.500 KM. Vermutlich wäre bis zum gesetzlichen Limit noch etwas gegangen, da jedoch schon der nächste Proband bereit stand entschieden wir uns für einen Wechsel.

Sehr gespannt war ich auf den Michelin Power RS. NastyNils erzählte mir von seinem Test in Katar nur Gutes. Gefahren bin ich diesen Reifen knapp 500 KM auf der Straße und zwei Tage am RedBull-Ring. Bei diesen Tests funktionierte der Reifen richtig gut. Das Handling würde ich als noch neutraler als beim S20 einstufen. Ist der Pneu mal auf Temperatur weiß auch der Grip zu überzeugen. Ebenfalls sehr gefällig ist das geringe Aufstellmoment beim Beschleunigen und Bremsen. Die Überraschung mit dem Power RS erlebte ich dann aber einige Wochen später bei den Trackdays am Pannonia Ring. Die heißen Temperaturen und der raue Asphalt dort setzten der weichen Mischung an den Flanken sichtlich und spürbar zu. Das zuvor gefundene Vertrauen wollte sich hier nicht richtig einstellen.

Gegen Ende der Saison wurde dann noch eine alter Bekannten montiert, der ContiSportAttack 3, welchen ich auch zuvor bereits mehrfach gefahren bin. Das Einlenkverhalten ist mit dem Conti nicht ganz so neutral wie mit Bridgestone oder Michelin aber das satte Feeling in schnellen Kurven ist für meinen Geschmack erstklassig. Der Reifen benötigt kaum Einfahrzeit und auch die Aufwärmphase ist subjektiv empfunden sehr kurz. Kurzum, vermittelt mir der Reifen jederzeit ein sehr gutmütiges und kontrollierbares Fahrgefühl. Auch das Verhalten im Grenzbereich ist berechenbar und schafft jede Menge Vertrauen.

Fazit: Yamaha MT-09

Abschließend kann ich nach etlichen Stationen über die gesamte Saison hindurch auf ein tolles Ergebnis blicken. Sowohl in Sachen Performance als auch Optik steht unsere MT-09 perfekt da. Das Fahrwerk war vermutlich unser wichtigstes Thema. Wo zuvor in schnellen Kurven deutlich (zu viel) Bewegung im Heck war, wird nun ohne mit der Wimper zu zucken, drüber gebügelt. Das verbaute STX 46 Federbein ist in der Grundauslegung recht straff, schafft es aber auch problemlos durch den Alltag ohne unangenehm zu sein. Dank großzügiger Einstellmöglichkeiten bietet sich im Anschluss ohnehin noch Spielraum für individuelle Vorlieben und Einsatzzwecke. Eindrucksvoll ist auch die Funktion der NIX 30 Cartridge. Das Ansprechverhalten verbesserte sich - speziell unter Last - deutlich. Ebenfalls steht nun viel mehr Reserve beim Anbremsen zur Verfügung. Wo zuvor beim harten Ankern mit dem Original-Setup die Gabel auf Block ging und das ABS auslöste, wird jetzt einfach effektiv weitergebremst. Darüber hinaus folgt die MT-09 nun der anvisierten Linie im Kurvenradius wie von selbst - ein Hochgenuss. Pure Freude machen auch Anblick und Sound der Akrapovic Komplettanlage, dass dabei noch ein paar PS mehr rausschauen, spürt man vor allem im oberen Drehzahldrittel effektiv. Noch williger schießt das Vorderrad nun auch noch im 2. und 3. Gang in die Galerie.

1
Vorteile
  • Öhlins Fahrwerk eine extreme Bereicherung
  • dank Akrapovic stimmen nun Optik und Sound
  • Magura HC3 Radialbremspumpe funkioniert göttlich
  • Carbon2Race Abdeckungen bieten grandiose Optik
  • Kombination von Sitzbank, Fußrasten und Lenkerklemmböcken sehr effektiv
1
Nachteile
  • finanzieller Aufwand
  • jede Menge Arbeitszeit
  • Eintragungspflicht gewisser Teile
  • ECU Flash nicht straßenlegal

Bericht vom 28.10.2017 | 7.897 Aufrufe

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