Suzuki GSX-S 125 Test 2017

Suzuki GSX-S 125 Test 2017

Ist weniger wirklich mehr?

Die Klasse der 125er Motorräder ist ein hart umkämpftes Schlachtfeld. Fast jeder Hersteller hat inzwischen ein Achtelliter-Modell, das sich Jahr für Jahr in seiner Optik und Ausstattung übertrifft. Doch von Suzuki gab es außer dem Spaßbike VanVan 125 noch kein Naked Bike in der A1-Führerscheinklasse. Mit der GSX-S 125 soll sich das nun ändern. Suzuki lädt zum Test Ride auf den Straßen rund um den Silverstone Circuit.

Es ist wahrscheinlich eine der schwersten Aufgaben für einen Hersteller, ein A1-Motorrad zu konzipieren. Denn das Zielpublikum ist gnadenlos: 16 Jahre junge MotorradfahrerInnen, die ihren Stolz auf dem Schulparkplatz präsentieren. Da muss der Auftritt stimmen und auch die Performance darf beim Verlassen des Schulgeländes nicht zu kurz kommen. Suzuki hat dafür eine einfache Lösung: Hübsche Lackierungen regeln die optische Komponente, während niedriges Gewicht und ein kurzer Radstand die fahrdynamische Komponente übernehmen. Also, hat’s geklappt?

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Leistung Suzuki GSX-S 125: 15 PS, 11.5 Nm Drehmoment

Zuerst einmal auf Anfang. Die technische Basis teilt sich die Suzuki GSX-S mit ihrer verkleideten Schwester GSX-R 125. Der 124,4 große Einzylinder mit DOHC (doppelt obenliegender Nockenwelle) leistet 15 PS bei 10.000 U/min und 11,5 Nm bei 8.000 U/min. Mehr geht in der A1-Führerscheinklasse nicht, aber trotz allem reicht die Leistung dafür aus, auf der Landstraße kein Verkehrshindernis darzustellen.

Um für Vortrieb zu sorgen, muss das Aggregat fleißig in den Drehzahlbegrenzer gedreht werden. In der 125er Klasse eine Alltagssituation. Die GSX-S 125 schmeichelt dem Fahrer aber mit einem kernigen Klang, sodass man keinerlei Mitleid mit ihr bekommt. Ganz im Gegenteil: je mehr Drehzahl, desto mehr Spaß. So muss es sein.

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Nach langem Warten traut sich Suzuki mit der GSX-S 125 in die A1-Führerschein Klasse. Als nackte Schwester der GSX-R 125, konzentriert sich die GSX-S 125 auf den alltäglichen Weg zur Schule über Landstraße und Stadt. Aber auch bei schnellerem Tempo kann sie überzeugen, wie wir in England getestet haben.

Klassenprimus im Gewicht

Wenn schon die Leistung begrenzt ist, muss eben beim Gewicht gespart werden. Die Ingenieure in Suzuki haben sich deswegen das Ziel gesteckt, das leichteste A1-Naked Bike zu bauen – mit Erfolg. Mit einem fahrbereiten Gewicht von 133kg ist die Suzuki GSX-S 125 bei Weitem das leichteste 125er Naked Bike. Das kommt nicht nur dem Handling zugute, sondern vereinfacht auch das Rangieren enorm. Die Reifenwahl wurde von Suzuki ebenfalls bewusst auf einfaches Handling ausgelegt. In der Front findet man die Bereifung in der Dimension 90/80-17, während im Heck ein 130/70-17 Reifen arbeitet. Serienmäßig wird die GSX-S 125 mit Dunlop D102 Pneus ausgestattet.

Handling Suzuki GSX-S 125

Wie bereits erwähnt, liegt das Gewicht der Suzuki GSX-S 125 bei 133kg, dazu kommt ein Radstand von nur 1300mm. Rechnet man 1+1 zusammen, sollte das ergeben, dass die GSX-S wendig und einfach zu fahren ist. Und die Rechnung geht auch auf, im alltäglichen Gebrauch, bestehend aus Stadt- und Überlandverkehr, überzeugt die Suzuki mit einfachem Handling, welches niemanden überfordern dürfte. Erst ab Tempo 110 km/h aufwärts, merkt man eine leichte Instabilität im Fahrzeug. Aufgrund der fehlenden Verkleidung wirkt die GSX-S bei hoher Geschwindigkeit deutlich nervöser als die verkleidete Schwester GSX-R 125.

Hier schafft es auch das Fahrwerk leider nicht, mehr Sicherheit zu geben. Denn wie die gesamte Basis, wurden auch die Fahrwerkskomponenten der GSX-R übernommen, samt der straffen Abstimmung. Auf der Rennstrecke ist solch eine Einstellung sehr willkommen, doch auf teils schlecht asphaltierten Straßen zahlt man dafür schnell den Preis. Schläge werden direkt ans Rückgrat des Fahrers weitergegeben – auf Dauer könnte das unangenehm werden.

Zum Glück wurden aber auch die Bremsen der Supersport-Schwester übernommen. Die Einzelscheiben vorne und hinten mit Durchmesser 290mm und 190mm wirken zwar vielleicht nicht nach viel, leisten aber dank dem niedrigen Gewicht hervorragende Bremskraft. Im Notfall greift ein Bosch-ABS ein, das mit Euro-4 zur Serienausstattung zählt.

Ausstattung für einen stressfreien Alltag

Die Suzuki GSX-S 125 richtet sich besonders an junge Einsteiger, die sich den Traum ihres ersten Motorrads erfüllen, um endlich Freiheit und Unabhängigkeit auf zwei Rädern zu verspüren. Dementsprechend wird die GSX-S 125 häufig genutzt und sollte deshalb auch mit genügend Ausstattung ausgeliefert werden. Dazu gehört unter anderem Suzukis Easy Start-System, bei dem ein kurzes Betätigen des Starters genügt, um das Aggregat zu befeuern. Außerdem bietet die GSX-S ein sehr aufgeräumtes LC-Display, das en Fahrer mit den wichtigsten Informationen wie Gang- und Tankanzeige, Drehzahlmesser, Tempo und mehreren Tripzählern versorgt.

Einzig das Fehlen des Keyless Go-Systems ist etwas schade. Im Gegensatz zur Schwester GSX-R, muss beim Naked Bike noch ein Schlüssel in das Zündschloss gesteckt werden, um die Zündung zu starten. Bei der Supersportlerin benötigt man dazu nur die Fernbedienung, die während dem gesamten Startvorgang in der Tasche verstaut bleiben kann. Die Elektrik erledigt den Rest.

Kann die Optik mit der Konkurrenz mithalten?

Neben dem Preisschild wird für viele Jugendliche aber die Optik das Hauptmerkmal den Kauf des ersten Motorrads entscheiden. Mit ihrem-LED Scheinwerfer geht die GSX-S 125 klar mit der Zeit und kann mit der Konkurrenz definitiv mithalten. Ein großer Vorteil gegenüber vergleichbaren Naked Bikes ist jedoch die spektakuläre Lackierung, die auf der Suzuki GSX-S 125 verfügbar ist. Das blaue MotoGP Replica Design stammt direkt von den Maschinen der Superstars Iannone und Rins – ein gewaltiges Plus am Schulparkplatz. Ob die restliche Optik auch mit der Konkurrenz mithalten kann, ist reine Geschmackssache und erst die Verkaufszahlen werden das Ergebnis liefern.

Gutes Gesamtpaket aber leider zu sportlich

Während unserer Testfahrt konnte die Suzuki GSX-R mit allen Attributen glänzen, die ein gutes 125er Naked Bike ausmachen. Sie ist einfach zu fahren, sehr leicht und überrascht mit keinen Eigenheiten, die Anfänger überfordern sollten. Doch leider stecken ihre Wurzeln tief und ihr Ursprung, die GSX-R 125, macht sich häufig bemerkbar. Somit ist die Fahrwerksabstimmung für den Alltag zu hart gewählt, was auch der straff gepolsterte Fahrersitz nicht retuschieren kann. Ebenso der enge Kniewinkel, der auf einer Supersportlerin durchaus annehmbar ist, wurde auf dem Naked Bike beibehalten. Natürlich wurden die Teile unverändert übernommen, um den Preis der GSX-S 125 niedrig zu halten. Trotzdem sinkt dadurch nicht nur der positive Gesamteindruck, sondern auch die Alltagstauglichkeit und folglich der Spaß am Weg zur Schule.

Fazit: Suzuki GSX-S 125

Der Horvath

DER HORVATH

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Die Suzuki GSX-S 125 macht einen positiven Gesamteindruck und kann sich gekonnt in die Reihen der A1-Naked Bikes einreihen. Sie ist einfach zu fahren, sehr leicht und bietet noch dazu den kürzesten Radstand der Klasse. Auch die Ausstattung mit hübschen LC-Display und spektakulären Lackierungen gefällt. Doch leider ist die GSX-S 125 einen Hauch zu sportlich abgestimmt und könnte im Alltag auf die Nerven gehen.

1
Vorteile
  • niedriges Gewicht
  • kurzer Radstand
  • einfach zu fahren
  • gut ablesbares Display
  • hübsche Lackierungen
1
Nachteile
  • zu straffes Fahrwerk
  • harter Sitz
  • enger Kniewinkel

Bericht vom 05.09.2017 | 4.106 Aufrufe

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