BMW F 800 GT 2017 Test

K.OT kehrt zurück zu den Sporttourern. Souveräne Sportlichkeit.

BMW trimmt die F 800 GT auf EURO4 und wertet seinen Mittelklasse-Sporttourer optisch und technisch auf. Fährt sich wie die Oberklasse.

Sporttourer habe ich nie so recht verstanden. Ich verstehe aber den positiven Ansatz der Sicht auf diese Art von Motorrad und diese begründet sich auf dem Leitsatz „Das Beste aus zwei Welten“. Ebenfalls anwendbar ist allerdings der negative Ansatz, der dem Leitsatz „Nicht Fisch, nicht Fleisch“ folgt. Es ist wie beim halb vollen/leeren Glas also eine geradezu philosophische Frage und die werden wir weder heute noch morgen klären können. Aber meine erneute Begegnung mit der F 800 GT hat mich erkennen lassen, dass es noch eine dritte Sicht der Dinge gibt. Die der Ausnahmen.

S 1000 XR, 1290 Super Duke GT und Co: Sporttourer 2.0

Mit dem (leistungs)technischen Aufrüsten der Bigenduros, der Rückkehr der Nakedbikes und der Evolution der Gattung Sporttourer schwand die Anzahl der sportlichen Touringmaschinen klassischer Art. Mit Modellen wie der Kawasaki Versys 1000, BMW S 1000 XR, Yamaha Tracer 700/900 oder KTM 1290 Super Duke GT kamen neue, modernere Interpretationen des Themas auf. Der Vorteil der aktuellen Konzepte? Sie bieten die selbe Performance bei zugleich höherem Komfort.

Warum also noch F 800 GT fahren?

Warum also noch F 800 GT fahren? Selbst würde ich sowieso zum Naked Bike F 800 R greifen, weil mir Windschutz nicht so wichtig und die Langstrecke nicht meine Welt ist – dachte ich. Die Koffer sehen auf der GT zwar besser aus und sind ein kräftiges Argument, zur Not ertrage ich aber auch meinen Hartschalen-Rucksack – dachte ich. Doch die GT des Modelljahres 2017 hat mich überrascht und überzeugt. Sporttouring is not dead!

Antrieb über Riemen

Angetrieben wird die überarbeitete und EURO4-upgedatete F 800 GT vom bekannten 798 Kubik Reihenzweizylinder, der 90 PS bei 8000 Touren leistet. Im Gegensatz zur R läuft der Sekundärtrieb bei der GT über einen Riemen. Die EURO4-Modelle erkennt man übrigens auf den ersten Blick an der Endkappe des Schalldämpfers. Über das E-Gas-System stehen nun zwei Fahrmodi serienmäßig zur Verfügung, nämlich Road und Rain. Der Fahrmodus Dynamic kann als Sonderausstattung dazu geordert werden.

F 800 GT optisch aufgewertet

Optische Aufwertungen erhält die F 800 GT durch ein Windschild mit mattiertem Modellschriftzug, Logos in galvanisierter Optik an den Seiten und neu gestalteten Analoginstrumenten. Durch die EURO4 ebenfalls Pflicht ist ein MIL, ein Malfunction Indicator Light. Zudem gibt es die Farben Gravityblue metallic matt, Lightwhite uni und Blackstorm metallic. Seit November 2016 sind die GT und ihre Schwester F 800 R bereits im Handel.

Nur 214 kg vollgetankt, 206 kg Zuladung

Mit einem Gewicht von nur 214 kg vollgetankt und einer Sitzhöhe von 800 mm (SA Komfortsitzbank: 820 mm, SA niedrige Sitzbank: 765 mm) ist die GT sehr zugänglich gebaut. Man hat einen sicheren Stand und alles fest im Griff, eine RT ist dagegen ein Motorhome. Die Zuladung beträgt stattliche 206 kg; wer Koffer und Zubehör montiert, muss natürlich ein paar Kilo abziehen. Für einen Sporttourer ist der Tank mit 15 l Fassungsvermögen nicht unbedingt großzügig ausgestattet, der Verbrauch lässt sich aber locker unter 5 und mitunter sogar 4 Liter halten.

Saubere Fahrwerksabstimmung

Da das maximale Drehmoment von 86 Nm schon bei 5800 Touren ansteht, muss man den Reihenzweier nicht ständig hochdrehen, um zügig voran und druckvoll aus den Radien zu kommen. Die nicht einstellbare 43 mm Teleskopgabel und das (über ein Handrad) in der Vorspannung und Zugstufe einstellbare Federbein mit 125 bzw. 123 mm Federweg sind angenehm straff abgestimmt, so wie auch die stattliche Bremse, bestehend aus zwei 320 mm Scheiben und 4-Kolben-Festsätteln vorne und einer 265 mm Scheibe mir Einkolben-Schwimmsattel hinten, gut dosier- und spürbar kräftig und souverän zubeißt. Das Motorrad bleibt dabei auch beim harten Ankern vor der Kurve beruhigend stabil und zielgenau.

Überraschend sportlich

Wie auf den Fotos in der Galerie zu sehen, habe ich mich auch in der Kurve sehr wohl im Sattel gefühlt, weil mich die Sportlichkeit der GT wirklich überrascht und begeistert hat. Ich hatte das Gefühl, auf einem Motorrad einer höheren (Preis-)Klasse zu sitzen und fühlte mich nicht nur wegen des ABS sicher wie in Mamas Schoß. Es hat schon seinen ganz eigenen Reiz, mit – so ganz nebenbei sehr einfach zu bedienenden und ansehnlichen – (Original) Koffern im Heck durch die Kurven zu wetzen und das Schräglagenlimit auszutesten. Also ich persönlich finde das leiwand.

Perfekte Reifenwahl

Das geht natürlich nur mit den entsprechenden Reifen und da hat BMW mit dem Metzeler Roadtec Z8 Interact in den Dimensionen 120/70-17 und 180/55-17 die richtige Wahl für die Erstausstattung getroffen. Die Koffer wird man trotzdem erst bei einem Sturz anschleifen können, dafür sind sie zu weit oben montiert, was mich besonders freut, denn so können sie den Blick auf das „fliegende Rad“ nicht verdecken. Wozu hat man denn schließlich eine Einarmschwinge?

Spezieller Sound

Der spezielle Sound des wassergekühlten Zweizylinders ist auffällig, aber nicht aufdringlich. Soundtuning wäre fehl am Platz, zumal man auf Touren und Reisen sicher nicht von einem kreischenden Auspuff belästigt werden will. Aber das bleibt jedem selbst überlassen, ebenso mit welchem Zubehör er die GT aufrüsten möchte, was im kostspieligen Luxus enden kann.

Gesamtpaket wie eine Große

Wie genau es die F 800 GT geschafft hat, mich auf ihre Seite zu ziehen und meine Meinung von den „alten“ Sporttourern zu überdenken, weiß ich nicht. Es gab und gibt stärkere, schönere, vielleicht auch bequemere. Doch das Gesamtpaket von BMW passt einfach. Das klingt jetzt sicher komisch, aber ich habe sogar Stolz empfunden im Chefsessel der F 800 GT. Und das will für einen verwöhnten Journo wie mich was heißen.

Bericht von kot am 14.05.2017 Aufrufe: 17.566
Über den Autor
kot

Gebrauchte BMW F 800 GT Motorräder

BMW F 800 GT
BJ: 2016 , 4.386 km
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