Kawasaki Versys-X 300 Test

Kawasaki Versys-X 300 Test

Ins Abenteuer mit Gebrüll!

Reiseenduros sind meist groß, schwer und verfügen über jede Menge Leistung. Dass das aber nicht so sein muss, beweist Kawasaki mit der neuen Versys-X 300. Als nun kleinstes Modell der Versys Familie, bietet sie sich besonders für Einsteiger und Besitzer des A2 Führerscheins an. Trotzdem können auch erfahrene Motorradfahrer ihren Spaß haben. Das Stichwort: Drehzahl.

Leistung nur 40 PS? Macht trotzdem Spaß!

Das Herzstück der Versys-X 300 ist im Hause Kawasaki bereits ein alter Bekannter. Zuerst in der Ninja 300 verwendet, fand das Aggregat seinen Weg über die Z 300 nun auch in die Versys-X. Nach einigen Veränderungen an Luftfilterkasten und Auspuff ist die Maschine jetzt Euro-4 tauglich und es wurde dabei sogar noch 1 PS mehr herausgekitzelt. Die Leistung beträgt jetzt 40 PS bei 11.500 U/min und 25,7 Nm bei 10.000 U/min. Und wie fühlen sich geballte 40 PS an? Gar nicht mal schlecht, natürlich darf man keine brachialen Beschleunigungswerte erwarten. Dafür ist der Motor sehr drehfreudig, mit einem Drehzahlbegrenzer bei 13.000 U/min. Rennfeeling ist also garantiert, wenn man jeden Gang ausdreht und der Zweizylinder dabei satt um Gnade brüllt.

Denn im Fehlen an Leistung liegt der Spaßfaktor der Versys-X 300. Auch wenn man mehrfach den Drehbegrenzer ausreizt, kommt man nicht in den Geschwindigkeitsbereich, in dem der Führerschein gefährdet ist. Kurven fährt man ebenfalls überlegter an. Schwung wird mehr ausgenutzt, jeder Gangwechsel wird genau geplant. Auf der Versys-X 300 fährt man aktiv, denn jeder Fehler kann zum Zeitverlust auf der Hausstrecke führen. Eine Erfahrung, die man auf leistungsstarken Boliden nicht kennt, ich aber jedem schwerstens ans Herz legen kann.

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Reiseenduros sind meist groß, schwer und verfügen über jede Menge Leistung. Dass das aber nicht so sein muss, beweist Kawasaki mit der neuen Versys-X 300. Als nun kleinstes Modell der Versys Familie, bietet sie sich besonders für Einsteiger und Besitzer des A2 Führerscheins an. Trotzdem können auch erfahrene Motorradfahrer ihren Spaß haben. Das Stichwort: Drehzahl.

Any Road, Any Time!

Als Einsteiger Reiseenduro muss die Kawasaki Versys-X 300 nicht nur auf Asphalt bestehen, sondern auch den gelegentlichen Ausflug abseits der Straße überleben. Das soll jetzt nicht falsch verstanden werden, denn ein echtes Offroad Gerät ist sie nämlich nicht. Dafür ist auch die Bereifung nicht ausgelegt, wobei die Reifendimensionen viel Potential versprechen. 19 Zoll in der Front und 17 Zoll im Heck ermöglichen eine breite Auswahl an Reifen, unter anderem auch welche mit Stollen. Serienmäßig kommt sie mit Mehrzweck-Schlauchreifen, die einerseits leicht repariert werden können und andererseits bei genügend Temperatur viel Grip auf Asphalt und Schotter geben. Feldwege und unbefestigte Straßen macht sie also ohne Probleme mit. Dabei hilft das niedrige Gesamtgewicht von 175kg fahrbereit, womit sie sich leicht rangieren lässt.

Fahrverhalten Straße und Offroad

Während unserer Testfahrt nahe Frankfurt hatten die Möglichkeit, die Kawasaki Versys-X 300 sowohl auf Asphalt, als auch auf einem Feldweg zu testen. Auf Asphalt verhält sie sich sehr ruhig. Durch ihr niedriges Gewicht und den schmalen 130er Hinterreifen lässt sie sich leicht in Kurven werfen, in denen man den Radius mit minimalem Aufwand korrigieren kann. Einzig die Dynamik des großen 19 Zoll Vorderrads ist gewöhnungsbedürftig. Als echten Kurvenräuber kann man die Versys-X 300 leider nicht bezeichnen. Dafür ist die Kawasakis Assist- und Rutschkupplung besonders willkommen, die einerseits die Betätigung der Kupplung sehr leicht macht. Man hat beinahe keinen Widerstand am Hebel, was Stop-and-Go Verkehr deutlich erleichtert. Andererseits verhindert die Kupplung das Blockieren des Hinterrads, sollte ein niedrigerer Gang zu schnell eingelegt worden sein.

Vibrationen an Händen und Füßen halten sich dank genügend Gewicht an Lenkerenden und Fußrasten in Grenzen. Somit wird es nicht zur Qual, wenn man die Versys-X 300 länger im hohen Drehzahlbereich bewegt. Abseits der Straße, wo der Motor eher selten ausdrehen wird, kann die Kawasaki auch überzeugen. Feldwege und leichte Hügel auf unserer Strecke hat sie ohne Auffälligkeiten gemeistert und auch ein absoluter Offroad-Rookie wie ich, hat sich sehr wohl gefühlt. Die Leistung war leicht zu dosieren und das 19 Zoll Vorderrad hat kleinere Unebenheiten souverän überfahren. Der Spaß ist also nicht vorbei, wenn die Straße ihr Ende findet.

Bremse und Fahrwerk Kawasaki Versys-X 300

Für ein Dual-Purpose Fahrzeug wie die Versys-X 300 ist die Kombination aus Bremse und Fahrwerk entscheidend über Sieg und Niederlage. Der erste Blick auf die Vorderbremse hat erschreckt. 290mm Einzelscheibe mit Zweikolben Bremszange. Das soll für ein ausgewachsenes Motorrad reichen? Zum Glück wurde ich eines Besseren belehrt. Für die Klasse verzögert die Kawasaki sehr gut und auch der Bremspunkt ist klar definiert. Einsteigern wird die Bremsanlage sehr entgegen kommen, denn mit ABS und ihrer transparenten Bedienbarkeit gibt sie das Gefühl von Kontrolle und viel Sicherheit.

Auch das Fahrwerk wurde im Vergleich zur Ninja 300, auf der die Versys-X basiert, für den Offroad-Einsatz angepasst. Die Showa-Teleskopgabel mit 41mm Durchmesser bietet 130mm Federweg und genügend Fahrkomfort auf Asphalt und Schotter. Im Heck arbeitet ein Gasdruck-Stoßdämpfer mit 148mm Federweg, der Schläge gegen den Rücken entsprechend dämpft. Ebenfalls verändert wurde die Schwinge, die 27mm verlängert wurde, womit der Radstand auf 1.450mm wächst. Stabilität bei hoher Geschwindigkeit ist somit geboten. Trotzdem bleibt die Versys-X bei langsamen Tempo sehr handlich, mit einem Lenkeinschlag von 40 Grad lässt sie sich selbst auf einer schmalen Straße in einem Zug wenden.

Sitzposition: entspannt, wenn auch hart

Typisch für eine Reiseenduro sitzt man sehr aufrecht auf der Kawasaki Versys-X 300. Die Arme ruhen entspannt am Lenker und der Kniewinkel wird auch zu keinen Schmerzen führen. Anders jedoch bei der Sitzbank. Zwei Höhen sind erhältlich, eine niedrige mit 820mm Sitzhöhe und eine hohe mit 845mm. Eher untypisch wird die Versys-X in Europa serienmäßig mit der höheren Option ausgeliefert, die bodennahe Sitzbank muss im Zubehör bestellt werden. In Asien hingegen, wo der Hauptabsatzmarkt für dieses Modell liegt, wird die niedrige Version als Serie verkauft. Sitzhöhe hin oder her, das Material bleibt dasselbe. Zwar ist die Oberfläche rutschfest gestaltet, der Sitzkomfort ist verbesserungsbedürftig. Nach 100km kamen die ersten Beschwerden vom Sitzkissen, aka dem Allerwertesten. Vielleicht verbessert eine harte Polsterung die Haltbarkeit der Sitzbank, bei dem gebotenen Komfortlevel wird man sie aber davor tauschen wollen.

Reisetauglich ab Werk

Welche Punkte muss eine Reiseenduro erfüllen? Tank und Stauraum müssen ihre Kapazitäten auf langen Distanzen beweisen und das Zubehörangebot sollte nicht zu klein sein. Von Seiten des Tanks gibt es schon mal gute Nachrichten. 17 Liter Volumen und ein realistischer Verbrauch von circa 4,5 Liter versprechen knapp 400km Reichweite. Auch die Zuladung ist vielversprechend mit einem serienmäßig verbauten Halter für das Topcase, in dem die Bohrungen für die Topcase-Platte bereits vorhanden sind. Seitenkoffer werden ebenfalls von Kawasaki angeboten, die Kombination Topcase und Seitenkoffer ist aber nicht möglich. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 355kg will Kawasaki hiermit eine Überladung verhindern.

Kawasaki Versys-X 300 Zubehör

Ab Werk bietet Kawasaki folgendes Zubehör an:

  • Handprotektoren
  • Motorschutzbügel
  • Hauptständer
  • LED-Nebelleuchten
  • DC-Steckdose
  • Topcase, 30 L
  • Niedrigerer Sitz (-25 mm)
  • Tankpad
  • Seitenkoffer

Die Versys-X 300 ist außerdem in den zwei Sondermodellen Urban und Adventure verfügbar, die bereits mit einigen Zubehörteilen ausgeliefert werden. (siehe Galerie)

Fazit: Kawasaki Versys-X 300

Der Horvath

DER HORVATH

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Solide, einfach, gut. Die Kawasaki Versys-X 300 ist bestimmt nicht das aufregendste Modell in der Produktpalette der Grünen. Sie ist aber eine gelungene Erweiterung für die Versys-Familie und wird vielen Einsteigern zusprechen. Das Handling ist einfach und bringt auf Asphalt und Schotter jede Menge Spaß. Ob man sie nun bei 12.000 U/min bewegt und Fußrasten anschleift oder die Landschaft über Feldwege erkundet ist egal, die Versys-X 300 beweist sich als sehr vielseitiges Motorrad. Mit Zubehör kann sie auch schnell in eine Reisemaschine verwandelt werden, die mit einfacher Technik Langzeit Qualitäten verspricht.

1
Vorteile
  • drehfreudiger Motor
  • niedriges Gewicht
  • großer Lenkeinschlag
  • Assist- und Rutschkupplung
  • gute Basis für Reisemaschine
1
Nachteile
  • harte Sitzbank

Bericht vom 02.05.2017 | 13.840 Aufrufe

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