Einsteiger-Naked Bikes

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Ducati Monster 696 vs. Kawasaki ER-6n vs. Suzuki SFV 650 Gladius.
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Einsteiger-Naked Bikes im Vergleich – Ducati Monster 696 vs. Kawasaki ER-6n vs. Suzuki SFV 650 Gladius

 

Seitdem es schick ist, bärenstarke Superbike-Motoren in Naked Bikes zu stecken, wurden Maschinen mit rund 100 PS zur Mittelklasse degradiert und quirlige Motorräder mit rund 75 PS sind nun sogar nur noch die Einsteigerklasse. Drei dieser unterschätzten Gattung zeigen, was sie wirklich am Kasten haben.

 
Früher, ganz früher war es nicht notwendig, Motorräder in Kategorien einzuteilen. Da gab es nur eine Art, vergleichbar mit dem, was wir heute als Naked Bikes bezeichnen. Heutzutage gibt es aber bereits so viele verschiedene Segmente, dass selbst diese Einteilungen bald nicht mehr ausreichen werden: Sport-Tourer, Power-Naked oder Big-Enduro sind nur drei der vielen Spielarten. Trotzdem gibt es noch Motorräder, von denen jeder weiss, in welche Sparte sie passen. Bei einem Supersportler etwa gehe wohl nicht nur ich davon aus, dass ich auf der Rennstrecke sicher schnell bin, auf längeren Touren dafür Kreuzschmerzen bekomme. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_33.jpg
Bei einem Cruiser bekommt man stattdessen zum Grossteil coolen V2-Sound und viel Chrom serviert. Und was ist mit sogenannten Einsteigerbikes? Nun ja, theoretisch wird bei dieser Klasse zugunsten eines günstigen Preises auf vieles verzichtet. Sei es Motorleistung oder Qualität, irgendwie müssten die gesparten Euro auch am jeweiligen Motorrad fehlen.

Erwachsener, als man von Einsteigerbikes erwarten würde.

Aber nur theoretisch. Denn in der Praxis gibt es drei „Einsteiger“-Bikes, die da nicht ganz mitspielen wollen. Zwar stimmt der Preis, allerdings muss man trotzdem auf nichts verzichten. Ducati Monster 696, Kawasaki ER-6n und Suzuki SFV 650 Gladius heissen die drei Kandidatinnen, die schon rein optisch erwachsener wirken, als man von Einsteiger-Bikes erwarten würde. Vor allem die Ducati Monster 696 profitiert davon, dass sie ihren grossen Schwestern stark ähnelt, der Prestigepunkt geht also eindeutig nach Italien. Allerdings können auch die Japaner fesche Motorräder bauen, die Kawasaki ER-6n sieht mit dem filigranen Rahmen, der herrlichen Schwinge und der dynamischen Linie ebenfalls hinreissend aus. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_53.jpg


Und auch die Suzuki SFV 650 Gladius macht keine schlechte Figur, die lackierten Felgen meiner Testmaschine sind zum hinknien und der fesche Gitterrohrrahmen beherbergt das, was bei der Suzuki wahrlich als Herzstück bezeichnet werden kann. Der V2-Motor mit 645 Kubik Hubraum leistet zwar beschauliche 72 PS bei 8400 Umdrehungen, bei den meisten Prüfstandsläufen wird der kleinen Japanerin aber etwas mehr attestiert, 75 PS am Hinterrad sind da die normalen Werte. Im Vergleich mit anderen, aktuellen Naked Bikes immer noch nichts, das mich aus den Socken reissen würde. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_8.jpg
Das Besondere an der Sache ist jedoch, wie herrlich diese Pferde als Gesamtwerk auftreten. Schon von weit unten ist genügend Kraft vorhanden, steigert sich bis zum Begrenzer bei knapp 11.000 Touren stetig und macht einfach nur Spass. Auf ganz ähnlichem Niveau präsentiert sich der Kawasaki-Zweizylinder. Die parallele Anordnung hat keine Nachteile, auch ihre 72 PS bei 8500 Touren benehmen sich äusserst agil und herzhaft.

Ducati Monster 696 Bildergalerie (43 Fotos) - hier klicken!


Am stärksten ist (zumindest laut Papierform) der traditionell per Desmodromik zwangsgesteuerte V-Zweizylindermotor der Ducati. 80 PS bei 9000 Umdrehungen sind schon näher dran an der Mittelklasse, wirklich davonziehen kann man den beiden Japanerinnen damit aber trotzdem nicht. Egal, der Klang der Italienerin macht am meisten an, wer sich also in den Sound aus den beiden hoch gelegten Trichtern verliebt, kann ohnehin nur zur Italienerin greifen. Für die Ducati sprechen auch die verbauten Komponenten, allesamt hochwertig und optisch ansprechender als bei den Japanerinnen. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_15.jpg
Vor allem die dicke Marzocchi-Upside-Down-Gabel mit 43 Millimeter Durchmesser und die radial montierte 320er-Brembo-Doppelscheibenbremsanlage an der Front schinden Eindruck. Die Wirkung der Bremse ist ebenfalls tadellos – guter Druckpunkt, solides Ansprechen und ein unauffälliges ABS. Auch das Fahrwerk könnte mit der bereits erwähnten Gabel und dem in Zugstufe und Federvorspannung verstellbaren Federbein gegen ihre Konkurrentinnen glänzen – wäre da nicht die Tieferlegung, die der Importeur bei meinem Modell eingebaut hat. Grundsätzlich eine Spitzen-Idee für kleine Fahrer, die logischerweise grossen Wert auf einen sicheren Stand am Motorrad legen. Bei mir schwerem Brocken schleifen die Fussrasten dadurch allerdings sehr schnell und verhindern eine schnellere Gangart. Aber auch so benehmen sich die Federelemente am souveränsten und machen die Ducati in schnellen Kurven am stabilsten.

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Der Funktionsumfang passt, die Ablesbarkeit nicht - der digitale Drehzahlmesser der Monster 696 ist kaum zu erkennen. Umso mehr glänzen die Komponenten: USD-Gabel von Marzocchi und radial montierte Brembo-Kolben samt zweier 320er-Scheiben.
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Das Fahrwerk wirkt stabil und kann mit der nötigen Härte überzeugen. Die geringe Schräglagenfreiheit ist nicht Standard, sondern resultiert aus der optionalen Tieferlegung.

Allerdings machen auch die ER-6n und die Gladius 650 ihre Sache ganz gut, die 41-Millimeter-Telegabel der Kawasaki sieht dank der oberen Verkleidung auf den ersten Blick wie eine Upside-Down-Gabel aus, das hintere, seitlich liegende und somit gut sichtbare Federbein ist in der Federvorspannung verstellbar. Am wenigsten optische Reize versprüht das Fahrwerk der Suzuki, die 41-Millimeter-Telegabel wirkt im Vergleich wie zwei Zahnstocher und der hintere, in der Federvorspannung verstellbare Mono-Dämpfer federt eine Kastenschwinge, die klar und deutlich erkennen lässt, wo der Rotstift angesetzt wurde. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_23.jpg

An der Abstimmung der Fahrwerke gibt es hingegen sowohl bei der ER-6n als auch bei der SFV 650 Gladius nicht viel zu meckern – akzeptiert man, dass ein unumgänglicher Kompromiss zwischen Komfort und Sport eingegangen werden musste. Das Ergebnis ist bei beiden ein solides Fahrverhalten, das erst bei Unebenheiten in schnell gefahrenen Kurven etwas schwammig und zu weich wird. Dafür kann man wiederum auf beiden auch längere Etappen unter die Räder nehmen ohne arge Komforteinbussen ertragen zu müssen. Dementsprechend zeigt sich dann auch die Ergonomie, auf der Suzuki sitzt man sportlich aufrecht und gut in die Maschine integriert vor dem relativ schmalen Lenker (gut für den Stadtverkehr). http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_22.jpg
Die Kawasaki ER-6n zeigt sich in der aktuellen Form ebenfalls sportlich und bequem zugleich, der seltsam gekröpfte Lenker der Vorgängerinnen wurde weitestgehend entschärft. Am sportlichsten hockt man auf der Ducati, am weitesten über den Tank gestreckt bis zum breiten und sehr geraden Lenker. Sieht gut aus und ist insgesamt auch ziemlich bequem, nur eben im direkten Vergleich mit den beiden Japanerinnen etwas anstrengender.

Kawasaki ER-6n Bildergalerie (49 Fotos) - hier klicken!


In Sachen Qualitätsanmutung überrascht die Kawasaki mit einem aussergewöhnlich hochwertigen Finish, die wunderschöne Schwinge, das seitlich angelenkte Federbein und der filigrane Rahmen sehen nicht nur hervorragend aus, sie sind auch sehr fein geschweisst und wirken wie von einem Motorrad zwei Klassen höher. Schlecht verarbeitet sind natürlich weder Ducati noch Suzuki, wobei die teurere Italienerin neben ihrem unverwechselbaren Design eben auch mit den fescheren Teilen wie Upside-Down-Gabel oder Brembo-Bremsen punkten kann. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_22.jpg

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Die Bremsscheiben der Kawasaki im Petal-Design sehen herrlich aus, die Wirkung darf als brav, aber bestimmt nicht giftig bezeichnet werden. Anders als viele ihrer Schwestern besitzt die ER-6n einen analogen, gut ablesbaren Drehzahlmesser. Sogar eine Tankuhr ist mit dabei.
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Die Sitzposition ist etwas gewöhnungsbedürftig, auf Dauer aber durchaus gemütlich. Auch das Fahrwerk schafft den Spagat zwischen Sport und Komfort ganz gut.

Suzuki SFV 650 Gladius Bildergalerie (42 Fotos) - hier klicken!


Die Suzuki wirkt in diesem Vergleich vielleicht am altmodischsten, immerhin basiert sie auf der guten alten SV 650, allerdings ist sie dadurch eben auch schon extrem ausgereift, Erstserienmängel sucht man bei ihr vergeblich. Und diese gewisse Ausgereiftheit sieht man auch bei den Armaturen – die entsprechen vielleicht nicht mehr dem neuesten Trend, sind dafür mit dem grossen, analogen Drehzahlmesser und dem übersichtlichen Display optimal ablesbar und besitzen sogar eine riesige Ganganzeige direkt im Blickfeld! Ähnlich komplett präsentiert sich die ER-6n, ihr fehlt lediglich die Ganganzeige, der Rest ist mehr als vollständig. Sogar eine Tankuhr hat die Kawa, in dieser Klasse nicht unbedingt üblich. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_22.jpg

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Der Scheinwerfer an der Front polarisiert, für viele wirkt die Suzuki ein wenig zu rundlich - die coole Lackierung macht sie aber wieder hübsch. Speziell die blauen Felgen sind ein optischer Leckerbissen. Die Bremse ist anfängertauglich, könnte aber durchaus etwas bissiger sein.
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Der kräftige Motor ist eine Wucht und animiert zum Anrauchen, das komfortabel abgestimmte  Fahrwerk kann da nur mit Mühe mithalten. Dafür ist die Gladius enorm wendig.

Aber auch hier kann die Suzuki fast mithalten, hat sie doch eine Reservelampe, die zu blinken beginnt, sobald der Sprit zur Neige geht. Erst ganz am Ende leuchtet sie dann permanent, ab da kann man dann noch rund 10 Kilometer fahren und weiss, dass es nun wirklich an der Zeit ist, den armen Mineralölkonzernen die Mäuler zu stopfen. Sehr lobenswert an den Kawasaki-Armaturen ist auch, dass man die Drehzahl glücklicherweise analog ablesen darf (Kawasaki macht ja immer wieder unnötige Versuche mit unglaublich schlecht ablesbaren Digital-Drehzahlmessern). http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_22.jpg
Völlig indiskutabel ist hingegen das Display der Ducati Monster. Nicht etwa vom Umfang her, der passt schon, allerdings sind sie schlicht und ergreifend ganz schlecht ablesbar. Selbst bei optimalen Lichtverhältnissen sind die schmalen Ziffern und Buchstaben nur schwer zu erkennen, bei Sonnenlichteinfall geht dann gar nichts mehr. Wenigstens leuchtet die Reservelampe hell und gut sichtbar auf, wer es am Display erkennen kann, sieht dann auch praktischerweise wie viele Kilometer er schon auf Reserve unterwegs ist – das hilft bei der Planung des Tankstopps.

FAZIT
Insgesamt wird schnell klar, dass keine der drei Maschinen völlig perfekt ist. Allerdings ist auch keine der drei wirklich viel schlechter als die anderen. Jede hat ihre Vorzüge, die man als potentieller Käufer abwägen muss. Die Ducati sieht herrlich aus, hat die hochwertigsten Komponenten, besitzt einen gut klingenden Motor - und kostet auch am meisten. Die Kawasaki kostet um einiges weniger, sieht aber nicht unbedingt schlechter aus. Vor allem das hochwertige Finish gefällt auf der Japanerin. Selbst der Motor geht herzhaft zur Sache und macht eine Menge Spass.
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Das Schlagobershauberl der Suzuki ist eindeutig ihr Motor, herrlich agil und antrittsstark geht der V2 an die Sache. Das tröstet (zumindest mich) vielfach über die etwas zu feminine Optik hinweg, die dieser rassige Motor eigentlich nicht verdient hat. Hässlich ist natürlich auch die SFV 650 Gladius nicht, wirklich störend sind für mich nur der ovale Scheinwerfer und der riesige schwarz-graue Plastikteil am Heck. Sitz man aber erst mal auf der Suse drauf, zählt ohnehin nur noch der Spass am Fahren. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/009820/harley_davidson_breakout_2013_22.jpg
Egal, für welche der drei man sich entscheidet, selbst als erfahrener Motorradpilot macht man weder mit der Ducati, noch mit der Kawasaki oder der Suzuki etwas falsch. Einsteiger können sich sogar alle zehn Finger abschlecken, dass es solche Motorräder gibt, die für relativ wenig Geld alles können, was ein sportliches Naked Bike können muss. Natürlich ist bei allzu sportlicher Fahrweise durch den Kompromiss zwischen Komfort und Härte bei den Federelementen irgendwann Schluss, vor allem die Ducati Monster 696 stösst durch ihr (optional) tiefer gelegtes Fahrwerk zu schnell an ihre Grenzen. Allerdings eignet sie sich damit wieder optimal für kleinere Piloten, für die ein sicherer Stand am Boden bei den ersten „Gehversuchen“ oftmals den wichtigsten Faktor für die Beherrschbarkeit der Maschine darstellt.

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Text: Vauli
Fotos:
Kukla, Berger

 

Bericht vom 23.09.2013 | 69.409 Aufrufe

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