Husqvarna Svartpilen 801

Das Naked Bike das mitten ins Herz trifft

Ein Arbeitstag, der nicht enden will. Dann 20 Minuten auf der Husqvarna Svartpilen 801 – und plötzlich ist alles leiser. Wir haben den urbanen Rebellen gefahren und herausgefunden, warum dieses Bike mehr kann als nur gut aussehen.

Manchmal merkst du schon beim Helmaufsetzen, dass das jetzt genau das Richtige ist. Irgendwann am Nachmittag, nach zu vielen Verpflichtungen und zu wenig Kaffee, standen wir neben den Bikes. Die Svartpilen 801 wirkte ruhig, fast unscheinbar, während ein Kollege noch irgendwas an der Kamera richtete. Zehn Minuten später war davon nichts mehr wichtig. Die Strecke führte raus aus der Stadt, ein bisschen Verkehr, dann freiere Abschnitte. Erst Sonne, dann Wolken, dann wieder Sonne. Klassisch. Und irgendwo zwischen drittem und viertem Kreisverkehr hab ich gemerkt, wie der Kopf leer wurde. Die Svartpilen macht kein Drama, sie fordert nichts, sie schreit nicht. Sie fährt einfach. Und genau das war in diesem Moment perfekt. Kein Bike für große Gesten, sondern eines, das dich einfängt. Wir sind nicht gerast, niemand wollte den Helden spielen. Trotzdem war da dieses Grinsen, das sich langsam breitmacht und bleibt. Dachte ich zuerst, das liegt nur am Feierabend. Stimmt aber nicht ganz.

Konzept, Charakter und für wen dieses Bike Sinn macht

Die Husqvarna Svartpilen 801 ist kein klassisches Naked Bike und will es auch nicht sein. Sie steht irgendwo zwischen urbanem Allrounder, sportlichem Spielzeug und leichtem Abenteuergeist. Offroad-DNA nennen sie das bei Husqvarna, und ja, ein bisschen davon spürt man wirklich. Bordsteinkanten, schlechter Asphalt, ein kurzer Schotterweg zur Aussichtsstelle alles kein Thema. Für mich mit 1,70 m passt die Sitzhöhe von 820 Millimetern gut, ich komm gerade noch runter, auch wenn der Boden schräg ist. Gleichzeitig wirkt das Bike nicht klein. Die Sitzposition ist aufrecht, der Lenker breit genug, um Kontrolle zu geben, ohne dich nach vorne zu zwingen. Zielgruppe? Menschen, die im Alltag fahren, aber am Wochenende nicht gelangweilt sein wollen. Leute, die keinen Bock auf Vollverkleidung haben, aber trotzdem Druck wollen. Und ja, auch für jene, die sagen: Ich fahr bei jedem Wetter, aber bitte mit Stil.

Die Bekleidung beim Test

Beim Fotoshooting kam ein vollständiges Outfit aus dem Vanucci-Sortiment zum Einsatz. Die Damen-Lederjacke Vanucci VSJ-6 und die passende Lederhose Vanucci VST-6, ergänzt durch die Handschuhe Vanucci VSG-2 sowie die Stiefel Vanucci VTB 16 mit Sympatex-Membran. Kopfschutz: Nishua NRX 3.

Ergonomie und Alltag zwischen Pendeln und Abschalten

Im Alltag zeigt die Svartpilen schnell, wo ihre Stärken liegen. Rangieren geht leicht, das Gewicht von 181 Kilo trocken fühlt sich sogar noch weniger an. Der Lenkeinschlag reicht für enge Gassen, der Motor läuft sauber im unteren Drehzahlbereich. Die Sitzbank ist straff, das merkst du. Nach einer Stunde denkst du kurz drüber nach, nach zwei Stunden wirds deutlich. Für den täglichen Weg zur Arbeit oder eine Abendrunde passt das aber. Die aufrechte Sitzposition entlastet die Handgelenke, der Kniewinkel ist angenehm. Windschutz gibt es quasi keinen, aber das erwartet hier auch niemand. Sozius? Möglich, aber eher theoretisch. Ich fahr ohnehin immer alleine! Gepäck ist so ein Thema. Es gibt Lösungen, klar, aber schön sind sie nicht. Wir haben relativ schnell gesagt: Rucksack drauf, fertig. Alles andere nimmt der Svartpilen ihre Linie. Und das wäre schade.

Produkttipps

Der Motor macht, was du brauchst, nicht was das Datenblatt sagt

Der bekannte 799-ccm-Parallel-Twin aus Mattighofen fühlt sich hier erstaunlich fein an. 105 PS bei 9.250 Umdrehungen lesen sich sportlich, aber entscheidend ist das Gefühl dazwischen. Unten raus schiebt sie sauber an, ohne Ruckeln, ohne Stress. Im mittleren Bereich lebt der Motor, genau dort, wo man im Alltag unterwegs ist. Und wenn du am Ortsausgang doch mal länger am Gas bleibst, kommt obenraus dieses zweite Gesicht. Nicht aggressiv, eher wild. Der Quickshifter arbeitet leichtgängig, die Gänge flutschen rein, auch wenn man mal nicht ganz sauber ist. Der Sound mit dem optionalen Akrapovic-Endtopf ist warm und präsent, aber nicht nervig. Kein Krawall, eher dieses tiefe Brummen, das man gern hat. Die Svartpilen zwingt dich nicht zum Heizen, aber sie hält mit, wenn du willst.

Fahrwerk und Handling zwischen Gleiter und Kurvenräuber

Was mich überrascht hat, war die Bandbreite. Im entspannten Modus gleitet die Svartpilen fast lässig über schlechten Asphalt. Die WP-APEX-Gabel vorne mit 140 Millimetern Federweg schluckt viel, ohne schwammig zu werden. Hinten mit 150 Millimetern bleibt sie stabil. Grobe Lenkbewegungen verzeiht sie, das Bike bleibt ruhig. Und dann, irgendwann auf einer freieren Landstraße, drehen wir das Tempo hoch. Plötzlich ist sie da, die Präzision. Sie lenkt leicht ein, hält sauber die Linie und fühlt sich erstaunlich straff an. Kein Hardcore-Sportgerät, aber sehr ehrlich. Du merkst, was die Reifen machen, ohne dass es anstrengend wird. Die Pirelli MT-60 RS mit ihrem Semistollenprofil kippen nicht weg, sondern geben Vertrauen. Weniger nervös als reine Sportreifen, dafür vielseitiger.

Elektronik, die dich in Ruhe lässt

Cornering-ABS, Traktionskontrolle, Fahrmodi. Alles da. Und genau so unaufdringlich, wie ich es mag. Die drei Fahrmodi Street, Sport und Rain verändern das Bike spürbar, aber nicht künstlich. Mit dem optionalen Dynamic Paket kommen Anti-Wheelie, MSR und der fein abgestimmte Quickshifter dazu. Im Alltag vergisst du die Helferlein fast, weil sie nicht ständig eingreifen. Das TFT-Display ist hell, gut ablesbar, auch bei Sonne. Die hinterleuchteten Bedientasten wirken hochwertig und sind logisch angeordnet. Kein Gefummel, kein Rätselraten. Technik übersetzt sich hier in Vertrauen. Du steigst auf, fährst los, fertig.

Bremsen, Gefühl und dieser Moment vor der Kurve

Vorne packen zwei 300-Millimeter-Scheiben mit radialen Vierkolben-Sätteln zu, hinten arbeitet eine 240er Scheibe. Das Setup passt. Die Bremsen sind präzise dosierbar, der Druckpunkt klar. In der Stadt fein, auf der Landstraße kräftig. Das Cornering-ABS greift sauber ein, ohne dich zu erschrecken. Gerade in Schräglage bleibt das Gefühl im Hebel erhalten. Ich hatte nie das Bedürfnis, früher zu bremsen als nötig. Vertrauen ist da, und das ist am Ende das Wichtigste.

Diese kleinen Szenen, die hängen bleiben

Stadtverkehr am Morgen, Landstraße am Nachmittag, ein kurzer Abstecher auf Schotter. Die Svartpilen macht überall mit. Im Stop-and-Go bleibt sie gelassen, der Motor wird nicht hitzig. Auf der Landstraße spielt sie mit dir, ohne dich zu überfordern. Und auf dem Schotterweg zur Aussicht bleibt sie stabil, als würde sie sagen: Passt schon. Mein Kollege ist vorgefahren, ich hab mir Zeit gelassen. Kein Stress, kein Wettkampf. Genau da zeigt sie ihren Charakter.

Technik, die Sinn ergibt

799 Kubikzentimeter Hubraum, zwei Zylinder, 105 PS, 87 Nm Drehmoment. Der Rahmen ist ein Chrom-Molybdän-Gitterrohrrahmen, der Motor mittragend. Sitzhöhe 820 Millimeter, Tankinhalt 14 Liter, Reichweite um die 300 Kilometer. Das Gewicht von 181 Kilo trocken macht sie handlich. Der Verbrauch liegt bei rund 4,5 Litern. Alles Zahlen, ja. Aber wichtiger ist, dass sie sich im Alltag leicht anfühlen.

Die Husqvarna Svartpilen 801 ist ein Bike für Tage, an denen man einfach fahren will. Sie kann entspannen und fordern, ohne laut zu sein. Ein ehrlicher Allrounder mit Charakter, der den Kopf frei macht.

Fahrendes Motorrad

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Fazit: Husqvarna Svartpilen 801 2024

Die Husqvarna Svartpilen 801 ist ein sportliches Naked Bike mit modernen Assistenzsystemen, das besonders auf kurvigen Strecken glänzt. Ihr quirliger Motor und straffes Fahrwerk machen sie agil und dynamisch, doch auf langen Geraden etwas fordernd. Für Fahrer, die Retro-Optik mit moderner Technik und sportlichem Fahrverhalten suchen, ist sie eine spannende, aber anspruchsvolle Wahl.


  • toller Zweizylindermotor mit Kraft in allen Lebenslagen
  • für die Klasse überragende Elektronik (teilweise gegen Aufpreis)
  • Quickshifter Serie
  • gute Verarbeitung
  • stimmiges Gesamtpaket
  • niedriger Verbrauch
  • optische Highlights (Heckrahmen, Auspuff)
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • agiles Handling
  • präzise Bremsen
  • Vielseitig einsetzbar
  • Bei Niedrigen Drehzahlen etwas unruhig
  • Straffes Fahrwerk samt straffer Sitzbank auf langen Strecken unbequem
  • Vorderradbremse etwas bissig für ungeübte Fahrer
  • Windschild nur optisch, kein funktionaler Windschutz
  • nur eine Farbvariante erhältlich

Bericht vom 21.01.2026 | 1.716 Aufrufe