California Touring

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Schwermetall und hochmoderne Technologie schließen einander nicht aus.
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Moto Guzzi California 1400 Touring Tradition trifft Zukunft

Bei einer langen Firmengeschichte kann es schon mal vorkommen, dass ein Unternehmen nicht nur rosige Zeiten erlebt, sondern zeitweise auch auf dem Zahnfleisch daher kriecht. So gesehen und geschehen bei Moto Guzzi, ein italienisches Traditionsunternehmen, das seit 1921 in der legendären Fabrik in Mandello del Lario Motorräder produziert und seine größten Erfolge mit schweren Geräten im Cruiser- und Tourerbereich hatte. Nun ist Moto Guzzi wohl behütet im riesigen Piaggio-Konzern eingebettet und konzentriert sich wieder voll und ganz auf seine Kernkompetenz und das sogar ganz eindrucksvoll.
 
Neuester Streich der Italiener ist nämlich die Moto Guzzi California 1400 Touring, ein ausgewachsenes Reisemotorrad, das sowohl optisch als auch technisch als absoluter Höhepunkt in der langen Firmengeschichte gesehen werden kann. Geschickt verbindet die neue California gewohnte Stilelemente mit modernster Technologie: Es bleibt beim einzigartigen Motorkonzept mit dem quer eingebauten V2-Triebwerk, nun sogar mit dem größten, in Europa produzierten V2-Murl, wie bei Moto Guzzi extra erwähnt wird.

Volle Punkte für das Drehmoment
Die Techniker sind also stolz auf ihr neuestes Werk und das nicht ganz ohne Grund. Natürlich sind 96 PS bei 6500 Touren kein Wert, wegen dem ich vor Begeisterung ausflippen würde, das Drehmoment von 120 Newtonmeter bei nur 2750 Touren lässt mich hingegen anerkennend nicken. In der Praxis macht der Dampfhammer dann auch genau das, was man von ihm erwarten kann: Schon von ganz weit unten schiebt der mächtige Murl mit 1380 Kubik an wie eine Dampflok, bei jedem Schaltvorgang drückt es mich aufs neue fest in den Sattel die wahre Kraft findet sich bis in den mittleren Drehzahlbereich ein, oben raus spielt sich dann nichts spektakuläres mehr ab.
motoguzzi california 1400 touring


Schalten wie eh und je
In diesem Zusammenhang fällt auch das Getriebe auf ich weiß nur nicht so recht, ob ich es positiv oder negativ werten soll. Für jemanden, der moderne, butterweich werkende Schaltboxen mag, mutet das Getriebe der neuen California 1400 Touring an, wie vor 20 Jahren. Mit einem lauten Klacken rasten die Gänge ein, den Leerlauf einzulegen wird zum Geduldspiel. Aus der Warte des Traditionalisten macht das Getriebe damit aber genau das, was die Fans so sehr an ihrem Schwermetall mögen - und auch gerne verzeihen.

Vollgestopft mit modernster Elektronik
Interessant ist dabei vor allem, dass sich solche altehrwürdigen Eigenschaften durchaus mit modernsten Technologien verbinden lassen, die neue Guzzi ist so vollgestopft mit Elektronik, dass sich sogar Technologieträger wie Superbikes anderer Hersteller verstecken müssen. Gas gegeben wird per Ride-by-Wire, eine MGCT-Traktionskontrolle(dreifach einstell- und ganz deaktivierbar) hält das Hinterrad im Zaum, ein einfach bedienbarer Tempomat ist mit dabei und drei verschiedene Fahrmodi passen Leistung und Traktionskontrolle an die Wünsche des Fahrers an: Turismo klingt schon nach Touring und bietet sich für die weite Reise an, Veloce steht für die sportliche Abstimmung der Systeme und Pioggia sollte man für nasse Fahrbahnzustände nutzen. Umgeschaltet werden die Modi ganz leicht vom Lenker aus, auf der modernen Full Matrix Anzeige mit Multilayer Konfiguration sieht man stets das gewählte Programm.

Gewohnte Federelemente für ein stabiles Fahrwerk
Das Fahrwerk ist hingegen wieder vom alten Schrot und Korn, da kommen vorne und hinten bewährte Federelemente zum Einsatz. An der Front verrichtet eine konventionelle 46-Millimeter-Telegabel ihren Dienst, hinten filtern zwei Bitubo-Federbeine grobe Stöße heraus. Die Gesamtabstimmung ist naturgemäß eher auf der weichen Seite, die California 1400 Touring bleibt aber auch in weiten Kurven stabil und wirkt niemals schwammig. Dass ihr ganz enges Geläuf nicht so sehr liegt, ist wohl verständlich, sowohl das fahrfertige Gewicht von 337 Kilo als auch der lange Radstand von 1685 Millimetern und der fette 200-Millimeter-Hinterreifen tragen nicht unbedingt zum wieselflinken Kurvenwetzen bei.
motoguzzi california 1400 touring
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Nomen est Omen tadellose Touring-Eigenschaften
Dementsprechend gemütlich fällt auch die Sitzposition aus, man hat die Maschine über den breiten Lenker gut im Griff und die Füße ruhen auf riesigen Trittbrettern, die mit ihrer soliden, Vertrauen erweckenden Bauweise das hohe Gewicht der Maschine rechtfertigen. Glaubwürdig sind auch die Touring-Eigenschaften des Schwermetalls, der Sattel ist weich und bequem, der Windschutz geht bis zu einer Reisegeschwindigkeit von 150 km/h voll und ganz in Ordnung. Darüber bekommt man ab einer Größe von 1,85 Metern Verwirbelungen am Kopf zu spüren, die aber auch dann noch in einem erträglichen Maß bis 180 km/h ausfallen.

Üppig dimensionierte Bremsen
Einen soliden Eindruck hinterlässt auch die Bremsanlage, ein gut regelndes ABS ist Standard und die beiden radial montierten Brembo-Vierkolben-Bremszangen an der Front packen beherzt zu, die Scheiben mit 320 Millimeter Durchmesser haben selbst mit einem so hohen Gewicht keine Probleme. Zur Unterstützung kommt hinten eine große 282-Millimeter-Scheibe und ein Brembo-Zweikolben-Bremssattel zum Einsatz.

Die Optik ist das abolute Highlight
So modern, gut und trotzdem immer noch angenehm traditionell auch die Technik innerhalb der neuen California 1400 Touring ist, das wahre Killerargument beim ersten Kennenlernen ist dennoch die beeindruckende Optik der großen Guzzi. Sie wirkt schwer, keine Frage, aber nicht störend. Wer solch ein Motorrad mag, legt keinen Wert auf halbherzige Abspeckversuche sondern erfreut sich an der hübschen Reling hinter dem Sattel, den hübsch geformten, stabilen Seitenkoffern und den bereits erwähnten Trittbrettern. Und dennoch haben es die Designer geschafft, die neue California 1400 auf das aktuelle Mode-Level zu bringen, der Frontscheinwerfer mit jeweils drei Tagfahrleuchten an jeder Seite sieht einfach herrlich aus. Sogar noch besser kommen die Rückleuchten zur Geltung, die beiden LED-Streifen mit integrierten Blinkern wirken keineswegs deplaziert auf dem großen Tourer sondern einfach nur wunderschön und gelungen. Wem die California 1400 Touring im Übrigen zu schwer und wuchtig ist, kann sich auf die California 1400 Custom freuen, die zwar genauso hübsch wie die Touring daher kommt aber ohne Scheibe, ohne Koffer und einigen Kilos weniger.
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Interessante Links:

Text: vauli
Fotos:
1000ps

Fazit: Moto Guzzi California 1400 Touring

So modern, gut und trotzdem immer noch angenehm traditionell auch die Technik innerhalb der neuen California 1400 Touring ist, das wahre Killerargument beim ersten Kennenlernen ist dennoch die beeindruckende Optik der großen Guzzi. Sie wirkt schwer, keine Frage, aber nicht störend.


  • Aktuelle Technologie
  • Elektronik inkludiert
  • gemütliche Sitzposition
  • solide Bauweise
  • effizienter Windschutz
  • straffe Bremsanlage
  • ABS
  • gelungene Optik.
  • Klackendes Rasten der Gänge
  • Leerlauf einzustellen fördert die Geduld
  • hohes Gewicht
  • schlechtes Fahrwerk.

Bericht vom 18.03.2013 | 23.045 Aufrufe

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