Kawasaki Versys

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Große Überraschung! Sehr vielseitig, agil und richtig schnell fuhr sich die neue Versys von Kawasaki.

Álle erwarteten einen Nachfolger der KLE und bekamen ihn in Form der Versys präsentiert. Handlich, komfortabel, praktisch und chic hat die Versys das Zeug zum Verkaufsschlager. 1000PS testet.

 

Ich ging mit großen Erwartungen an die Sache heran. Die Kawasaki Versys ist ein Motorrad welches laut Fotos und technischer Daten perfekt auf die europäischen Bedürfnisse abgestimmt ist. Es kommt ja manchmal vor, dass ein neues Motorrad auf den Markt kommt, dann aber aufgrund ein oder zwei vermurksten Details ein Schattendasein fristet. Einige japanische Ingenieure haben ein Talent dafür, in hervorragende Konzepte eben solche Details einzupflanzen. An der Versys scheint alles zu passen. Die ausgiebige Testfahrt in Südfrankreich wird für Klarheit sorgen.

 

Kawasaki Versys Video

Wie sich die Versys anhört und fährt seht ihr "live" im Versys Video.

Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte, klickt mit der rechten Maustaste hier und wählt "Ziel speichern unter".

Video: NastyNils
Schnitt: Cimple Moritz

 

Die Versys in Fahrt

   

Die Sadt ist eindeutig ein Revier in welchem die Versys sich wohl fühlt. Der Motor überzeugt hier vor allem mit Laufkultur.
Zweizylinder? Laufkultur? Ja! Lastwechselreaktionen gibt es fast keine, trotz Euro 3 Abgasnormen ist die Versys nicht zu mager abgestimmt und nimmt auch im unteren Drehzahlbereich sauber Gas an. Auch im Stop and Go Verkehr muss man nur selten zur Kupplung greifen.
Als hilfreich erweist sich in der Stadt auch der breite Lenker und die aufrechte Sitzposition. Ersteres sorgt für ultraschnelle Befehlsannahme, letzteres für den totalen Überblick.

Doch es war an der Zeit, sich wieder ein wenig um die Sache im Rückspiegel zu kümmern. Der russische Journalistenkollege wurde nicht kleiner, sondern größer. Gerade rechtzeitig bogen wir in der Kleinstadt Cassis rechts in die Berge ab.

Auf den winkeligen Bergstraßen konnte ich endlich für Klarheit sorgen. Die Radien der Kurven waren schwierig zum Einschätzen und wechselten ständig. Mit Hang Off und ausgefahrenem Knie ist man hier viel zu unbeweglich. Der Russe setzte eindeutig auf den falschen Fahrstil. Ich blieb aufrecht sitzen und drückte die Versys wie eine Supermoto von einer Kurve in die Nächste.

Eine Supermoto?

In den engen Kurven fühlt sich die Versys auch tatsächlich wie eine Supermoto an. Nur die fehlenden Vibrationen machen klar, dass wir hier eigentlich mit einer komfortablen Enduro unterwegs sind. Das Zusammenspiel von Motor, Fahrwerk und Räder funktioniert in diesem Terrain einfach perfekt.

Universaltalent!

Die Versys ist bestimmt ein Motorrad, mit welchem man sowohl als Einsteiger wie auch als flotter Fahrer seine Freude hat. Dem Einsteiger kommt vor allem der kultivierte Motor, die übersichtlichen Bedienelemente, die aufrechte Sitzposition und das leicht durchschaubare Handling entgegen. Für Führerscheinneulinge wird es die Versys klarerweise auch mit 34 PS beim Händler geben.

Auf der Bergstraße sind die Versys und ich mittlerweile perfekt verschmolzen. Die nächste Kurve wird anvisiert und angebremst. Ich bremse gerne mit nur einem Finger, was bei der Versys leider manchmal nicht ganz ausreichend ist. Das Bike wird mit einem kleinen Impuls in die Kurve gedrückt und in Lauerposition gehalten. Sobald klar ist, wie der weitere Verlauf der Strecke aussieht, wird der Radius durch einen weiteren Impuls am Lenker blitzschnell korrigiert und der Gasgriff auf Anschlag gestellt.

Bei Bikes dieser Klasse hat man bei solcher Vorgehensweise oft mit zu weichen Federelementen zu kämpfen. Die Spur war bei der alten KLE in solchen Situationen nicht immer leicht zu halten. Hier erlaubt sich die Versys keine Schwächen. Die USD Gabel ist gut abgestimmt und hat auch auf schlechten Böden noch einige Reserven.

Beim Rausbeschleunigen lässt einem das Federbein ebenfalls nicht im Stich. Wirklich interessant wird es dann aber in den schnellen Wechselkurven. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Trotz gespanntem Gasseil, anständiger Schräglage und sauberer Geschwindigkeit kann man mit einem Ruck am Lenker das Bike wunderbar durch die Wechselkurve manövrieren. Bei stärkeren Bikes drehe ich hier immer ab, bei Bikes mit ranzigem Fahrwerk ebenfalls. Kawasaki hat die Teststrecke schlau gewählt. Die 64 PS sind hier in Wahrheit ausreichend. Der Geschwindigkeitsbereich der Kurven liegt bei etwa 50-120 km/h und da ist vor allem Drehmoment im Keller gefragt. Klar, dass sich hier Euphorie breit macht.

Nicht offroadtauglich aber zumindest ostblocktauglich präsentiert sich das Fahrwerk der Versys. Auch auf dem zwischendurch immer wieder mal gefleckten Asphalt mit starken Bodenwellen, hatte das Fahrwerk genug Reserven. Die längeren Federwege im Vergleich zur ER-6 machen sich also bezahlt.

Die Bremsen arbeiten ebenfalls auf hohem Niveau. Die Vorderbremse verlangt aber etwas viel Druck auf den Hebel. Vorteilhaft jedoch das perfekte Verhalten beim Hineinbremsen in die Kurve. Auch bei starken Bremsmanövern kann die Versys schön in Schräglage gehalten werden.

Doch mittlerweile gesellte sich ein weiterer Verbündeter zur Versys und mir. Nebel machte sich breit und der Russe kennt den Trick mit Fahren auf Sicht mit GPS als hilfreichen Copiloten sicher noch nicht. Das überaus exakte Tom Tom Navi machte mich auf gefährliche Radien aufmerksam. Die kurzen Verbindungs-geraden konnten im Blindflug genommen werden. Der russische Scheinwerfer verschwand endgültig im Nebel.

Nach dem Essen hatte ich Zeit mir ein paar Gedanken zum Thema Komfort zu machen. Die Strecke hat nun für ein paar Kilometer ausnahmsweise einmal langweiligen Charakter und auch der Nebel war verschwunden.

Das Windschild ist zwar nicht groß, bietet im legalen Geschwindigkeitsbereich aber absolut ausreichenden Schutz. Ich würde sagen, bis 150 km/h sollten auch stramme Kerle damit zufrieden sein.

Die Sitzbank wirkt etwas breiter als bei der guten alten KLE. In Sachen Sitzkomfort steht die Versys den großen Reisenduros auf keinen Fall nach. Durch die breitere Sitzfläche sind nun aber auch etwas längere Beine nötig als bei der KLE. Auch im Vergleich zur ER-6 sind ein paar zusätzliche Zentimeter Körpergröße notwendig. Zierliche Mädels könnten mit der Versys in Bedrängnis geraten. Doch im Kawasaki Zubehör Katalog findet sich schon mit Modellstart eine abgespeckte Sitzbank.

Die Bedienelemente sind sehr leicht zu bedienen. Technische und optische Schmankerln gibt es hier zwar keine, trotzdem funktioniert alles überaus geschmeidig.
Sehr gut gelungen ist jedoch das Cockpit. Informationen bekommt man in der üblichen Dosis serviert, nur eben optisch recht ansprechend. Erwähnenswert ist die fein unterteilte digitale Tankanzeige. Beinahe schon so gut wie die guten alten analogen Geräte, aber natürlich wesentlich leichter und günstiger.
Insgesamt ist die Versys zwar ein günstiges Motorrad, kann aber trotzdem einige Eyecatcher bieten. Sie wirkt etwas hochwertiger als die ER-6 Modelle und wird preislich vermutlich auch über ihnen angesiedelt sein.

Die Autobahn, darf bei einer gewissenhaften Testrunde natürlich auch nicht fehlen. Das Fahrwerk spielte auch hier alle Spielchen mit, der Motor kam aber erwartungsgemäßes an seine Grenzen. Kein Vorteil ohne Nachteil - und so darf ab 170 km/h ordentlich gebettelt werden. Auf einem kurzen Bergabstück holte ich mir den nötigen Schwung um die 200er Marke zu knacken. Doch diese Geschwindigkeitsregion ist nicht die Heimat der Versys und ich freute mich schon auf die enge Abfahrt.

Nachdem wir nun die gesamte Bandbreite an Terrains erforscht haben, war es an der Zeit ein paar Vergleiche zu ziehen.

Im Vergleich zu den ER-6 Modellen spielt die Versys in der Stadt und in engen Kehren ihre Stärken aus. Die Versys wirkt handlicher und agiler. Bei schnellen Touren mit weiten Radien und Autobahnstücken werden die Kollegen mit der ER-6f ein wenig flotter und auch entspannter fahren können. Insgesamt ist die Versys sicherlich das Motorrad mit dem breiteren Anwendungsspektrum.

Betrachtet man die Kataloge der Mitbewerber, sticht eigentlich kein Bike als echte Konkurrenz ins Auge. Die Versys ist keine Reiseenduro wie z.B. die V-Strom 650 aber auch keine Supermoto. Die kleine Suzuki V-Strom hat bis zum Modelljahr 2006 zwar nominell etwas mehr Leistung, ist dafür aber auch deutlich schwerer und nicht so handlich wie die Versys. Dafür punktet sie bei langen Touren mit dem noch besseren Windschutz.
In Sachen Handlichkeit erinnert mich die Versys ein wenig an die Multistrada. Doch die Versys schafft es trotz tollem Handling nicht nervös und überagil zu wirken.

Probefahren sollten die Versys auch jene Motorradfahrer, welche zwar gerne eine Supermoto hätten, aber nicht auf Komfort verzichten möchten. Die Versys lässt sich sehr schwer in bestehende Segmente einordnen. Dies könnte die einzig echte Schwäche aber auch die größte Stärke sein. Willkommen in der klassenlosen Gesellschaft.

   

Spielerisches Handling! Einen Teil dazu tragen bestimmt die 17" Felgen bei.

 

Vorsicht Technik - Warum 17" Felgen?

Bis dato erbten Strassenenduros die Felgendimensionen ihrer Namenskollegen fürs Gelände. Spät aber doch begriffen es die japanischen Ingenieure. Ins Gelände fährt man mit den Strassenenduros recht selten, eine Stollenbereifung und große Felgendimensionen sind für die meisten Piloten nicht notwendig. Performancehungrige Piloten rüsteten schon die gute alte KLE auf 17" Felgen um und erfreuten sich an 2 Vorteilen:

  1. Die volle Auswahl an Strassenreifen
    Das meiste Hirnschmalz stecken die Reifenhersteller nach wie vor in das imageträchtigste Segment  der Strassenreifen. In diesem Bereich gibt es auch eine sehr feine Unterteilung für die verschiedensten Einsatzbereiche. Erhältlich sind die Strassenreifen aber natürlich nur für Strassendimensionen, also hauptsächlich in 17". Bei der Versys hat man also die volle Auswahl. Vom Tourenreifen für Kilometer ohne Ende bis hin zum Slick für die Supermoto Strecke wird alles geboten.
     

  2. Höhere Agilität
    Schöne Grüße vom Physikprofessor. Unsere Räder beim Motorrad folgen natürlich auch den Gesetzen der Physik und hier sind natürlich die Kreiselkräfte ein interessantes Thema. "Ein rotierender Kreisel ist stets bestrebt, seine Lage im Raum beizubehalten." Auf Deutsch für uns Motorradfahrer: Die drehenden Räder wehren sich ein wenig gegen jegliche Richtungsänderung. Die drehenden Räder wehren sich umso stärker, je schneller sie sich drehen und je schwerer sie sind. Außerdem spielt der Radius der Kreisbahn eine entscheidende, physikalisch gesprochen "quadratische" Rolle. Je größer die Felge, desto weiter außen sitzen die bewegten Masseteilchen und desto stärker der Widerstand gegen eine Richtungsänderung. Logischer Schritt: Kleinere Felgen für mehr Agilität zu Lasten von Stabilität.
    Für Streber: Infos auf Wikipedia

 
 

Die Kawasaki Versys wird auf der Messe Motorrad 2007 LIVE in Österreich zu sehen sein.
Wann: Von 26.-28. Jänner 2007
Wo: Design Center Linz
Link: http://www.bikelinz.at/

 

 

Versys Berichte auf 1000PS:

 

Related Kawasaki Links:

 

Fazit: Kawasaki Versys 650

Betrachtet man die Kataloge der Mitbewerber, sticht eigentlich kein Bike als echte Konkurrenz ins Auge. Dafür punktet sie bei langen Touren mit dem noch besseren Windschutz. In Sachen Handlichkeit erinnert die Versys ein wenig an die Multistrada. Doch die Versys schafft es trotz tollem Handling nicht nervös und überagil zu wirken.


  • Leichte Handlichkeit
  • recht praktisch
  • Universaltalent
  • weiche Federelemente
  • niveauvolle Bremsanlage
  • Bedienelemente.
  • Nicht wirklich für Offroadstrecken geeignet
  • breitere Sitzfläche -> längere Fahrerbeine nötig
  • Optik

Bericht vom 09.10.2006 | 12.191 Aufrufe

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