Edelweiss Tour durch die französischen Alpen 2021

Frech Alps Extreme - XXL

Man kann den "Extreme"-Touren von Edelweiss bestimmt nicht vorwerfen, langweilig oder anspruchslos zu sein. Ich habe bereits an zwei davon teilgenommen und beide konnten mich dank langer, interessanter Fahrtage und zahlreicher Kurven nachhaltig begeistern. Doch leider sind die Touren eher kurz und wenn ich schon aus den USA nach Europa jette, um mich so richtig schwindlig zu fahren, dann soll dieser ekstatische Zustand des ultimativen Motorradglücks so lange anhalten wie möglich.

Erzählt von Jeff Anderson, aufgeschrieben von Tom Ritt.

Fotos © Edelweiss Bike Travel

Route und Bikes auswählen - die Profis erledigen den Rest

Ich klickte also auf den "Make It Private"-Button auf der Edelweiss-Website und ließ mir ein Angebot unterbreiten für eine Tour, die ich "Frech Alps Extreme XXL" nannte. Knapp zwei Wochen lang soll es kreuz und quer durch die französischen Alpen gehen, mit Abstechern in die Schweiz und nach Italien. Ich holte ein paar meiner Motorradkumpel ins Boot, wir suchten uns wendige, kraftvolle Motorräder aus der Edelweiss-Flotte aus und überließen den Rest den Profis aus Tirol. Ein Jahr lang schwelgten wir in Vorfreude, dann ging es endlich los und wir flogen nach Mailand, das nicht weit vom begehrten Zielgebiet entfernt liegt.

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Zahnbürste und Flipflops für den Weg zum Abendessen

Wiederum nicht weit vom Mailänder Flughafen entfernt befand sich unser erstes Tourhotel und als wir aus dem Taxibus ausstiegen, begrüßte uns Tourguide Tom mit einem Anhänger voll Motorräder. Was für ein Anblick! Nach einem kurzen Briefing am Nachmittag bekamen wir die Bikes ausgehändigt und fuhren auch gleich noch eine Runde, um uns an sie zu gewöhnen. Die große GS lief prächtig, wie gewohnt, ich fahre zu Hause auch eine.

Am nächsten Morgen vertäuten wir unser Gepäck auf den Motorrädern, endlich ging es los. Echte Biker brauchen nicht viel, ein paar Unterhosen und T-Shirts, eine Zahnbürste und Flipflops für den Weg zum Abendessen - und fertig ist die Packrolle. Tourguide Tom verstaute noch Werkzeug, Ersatzteile und sogar eine kleine Flasche Motoröl in seinen Koffern und führte uns dann hinaus Richtung Berge, Richtung Spaß, Richtung Motorradglück.

Kurven und Cappuccino - was will man mehr?

Das nicht lange auf sich warten ließ. Schnell wurden die Straßen eng und kurvig, der Verkehr versiegte und Tom legte ein flottes Tempo vor. Immer wieder bogen wir ab, mal rechts, mal links, ich kam mir vor wie in einem Irrgarten. In einem kleinen Dorf gab es den ersten richtig italienischen Cappuccino, der gerade einmal 1,30 Euro kostete und besser schmeckte als alles, was wir zu Hause jemals kriegen werden. Italien, du hast es besser!

Wir übernachteten in Aosta, wo es traumhafte Pizza und herrliches Gelato gab, und nahmen am nächsten Morgen unseren ersten großen Pass in Angriff, den Großen Sankt Bernhard. Der schon äußerst spaßig war, doch noch deutlich mehr beeindruckte uns der winzige Col de la Croix-de-Coeur, der sich schon auf Schweizer Boden befindet und auf unserer Landkarte nicht einmal eingezeichnet war.

"Wer Höhenangst hat, sollte hier definitiv nicht unterwegs sein!"

Nun will ich niemanden langweilen mit einer endlosen Abfolge von Passnamen, doch so viel sei verraten: in den folgenden 12 Tagen war alles im Angebot, was in den französischen Alpen Rang und Namen hat, von Bonette über Galibier bis hin zu Izoard und Turini. Auch weniger bekannte Strecken waren dabei, wie der Pas de la Confession, den nicht einmal Google Maps zu kennen scheint. Wir goutierten breite (Renn-?) Strecken mit herrlich runden Kehren sowie unfassbar schmale Balkonstraßen, auf denen nur ein winziges Betonmäuerchen die Randsicherung darstellte. Wer Höhenangst hat, sollte hier definitiv nicht unterwegs sein!

Sonnenaufgang in den Alpen - ein unvergleichliches Gefühl

Den Col de la Bonette bezwangen wir im dichten Nebel, doch ansonsten war uns das Wetter hold. Ein paar Mal fuhren wir schon zum Sonnenaufgang auf eine Passhöhe hinauf und kehrten dann zum Frühstück ins Hotel zurück, was immer ein ganz besonderes Erlebnis war, denn so früh am Tag hat man nicht nur die Straße für sich allein, man kann mit etwas Glück auch Steinböcke, Geier und Murmeltiere beobachten. Allerdings muss man um diese Zeit sehr achtsam sein, denn dann liegen gern mal ein paar Geröllbrocken auf der Straße, manche Stellen können auch noch rutschig sein, wenn die Nacht kalt war. Und so hoch in den Bergen sind die Nächte fast immer kalt.

Zur Halbzeit erreichten wir bei Nizza das Meer, gönnten uns ein Hotel am Strand und frische Meeresfrüchte zum Abendessen. Nizza ist eine traumhaft schöne Stadt und gesegnet mit einer fantastischen Lage. Wer hier lebt, kann vormittags Pässe fahren und nachmittags im Meer baden, wirklich beneidenswert. Ich bin nicht der Typ, der zwei Wochen am selben Ort Urlaub machen möchte, aber in Nizza könnte ich mich dazu überreden lassen, vorausgesetzt ich hätte ein Motorrad zur Verfügung. Was für eine Stadt, was für ein Land!

Fazit zu 3.000 Kilometern französischen Alpen mit Edelweiss Bike Travel

Mit der Organisation der Tour waren wir rundum zufrieden. Edelweiss hatte eher schlichte, aber sehr charmante Hotels für uns ausgewählt, von denen mir vor allem das am Fuße des Col du Galibier in Erinnerung bleiben wird. Ich glaube, ich habe niemals ein besseres Omelette gegessen als dort! Übrigens ist es eine absolute Mär, dass Amerikaner in Frankreich herablassend behandelt werden. Wir wurden überall freundlich empfangen und fast alle Franzosen, mit denen wir zu tun hatten, sprachen ausreichend gut Englisch. Im Gegenzug versuchten wir natürlich, mit unseren Französischkenntnissen zu punkten, was auch oft gelang, wenngleich wir nicht viel mehr konnten als "Café au lait" und "merci baucoup".

Unsere Motorräder, überwiegend BMWs und Ducatis, waren in neuwertigem Zustand und funktionierten tadellos. Der Tourguide kümmerte sich aufopferungsvoll um uns, er kannte sich hervorragend aus und fand stets die passende Geschwindigkeit, um uns zu fordern, aber nicht zu überfordern. Unser Speed erhöhte sich im Laufe der Tour, denn wir profitierten von Toms Fahrkönnen, außerdem macht Übung ja bekanntlich den Meister. Wir befuhren über 40 Pässe, mehrere traumhafte Aussichtsstraßen und durch so manche enge Schlucht. Mittags gab es oft ein kleines Picknick, um Zeit zu sparen, wir kauften einfach ein paar Baguettes und etwas Käse und Schinken und machten es uns irgendwo gemütlich, zum Beispiel auf ein paar Steinen, die von der Spätsommersonne gewärmt wurden. Wir lebten wie die sprichwörtlichen Götter in Frankreich!

Nach fast 3.000 Kilometern kehrten wir am Ende wohlbehalten nach Mailand zurück, ohne einen einzigen Zwischenfall oder Defekt, mit Sonnenbrand auf den Nasenrücken und durchgeschliffenen Stiefelspitzen. Es war der Trip meines Lebens und ich kann es kaum erwarten, endlich wieder auf diesen "Make It Private"-Button zu klicken…

Weitere Informationen zum Tourenangebot findest du hier: Edelweiss Bike Travel.

Bericht vom 28.09.2021 | 2.454 Aufrufe

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