BMW K 1600 GT Tour

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Auf einen Cafe nach Brünn. Die BMW K 1600 GT beweist sich als Highspeed Reisemaschine.

Mit der BMW K 1600 GT auf an Cafe nach Brno

BMW K 1600 GT
Eigentlich sollte es ein Interview-Termin beim Yamaha Star Jorge Lorenzo werden, doch es wurde eine lustige Ausfahrt nach Brünn und retour.

Schon kurz nach dem Start begann ich wieder mich mit dem Wählrad am linken Lenkerende durchs Menü zu pflügen. Wie bei elektronischen Gadgets muss ich vor der ersten Verwendung erstmal alle Menüpunkte auswendig lernen und alle Parameter auf meine Wünsche anpassen. Die Griffheizung sowie die Sitzheizung konnte ich angesichts der ausnahmsweise mal sommerlichen Temperaturen getrost deaktiviert lassen, die Durchschnittsgeschwindigkeit und der durchschnittliche Verbrauch wurden jedoch auf "0" gesetzt.

BMW K 1600 GT BMW K 1600 GT
Da leuchtet das verspielte Männerherz. Hinter dieser Kommandobrücke lässt es sich auch bei Tempo 200 noch fürstlich leben.

Die K 1600 GT versteckt die Außenwelt


Auf der Autobahn angekommen begann ich mit den aerodynamischen Experimenten. Denn soundmäßig war ich durch meine neuen Ohrenstoppel beinahe von der Außenwelt abgekoppelt, nun sollte auch der Fahrtwind eliminiert werden. Fährt man das Windschild komplett aus, wird es vorne zwar ruhig aber es entsteht ein Überdrück hinter dem Körper welcher Dich nach vorne drückt. In feinen Schritten wählte ich eine Windschildstellung welche ein Gleichgewicht der Kräfte herstellte. Ich saß quasi spannungsfrei im Sattel und fixierte die gewählte Geschwindigkeit mit dem Tempomaten. Unterwegs in einer Parallelwelt genoss ich den Speed auf der Autobahn. Die K 1600 GT teilt die Luft vor mir quasi in zwei Hälften und führt sie hinter mir wieder zusammen. Welch irre Kräfte da im Spiel sind, kann man aber ganz locker rausfinden. Ein Knie nach außen strecken sorgt für eine heftige Dehnungsübung oder das schlichte Deaktivieren des Tempomaten reduziert die Geschwindigkeit gewaltig. Sie sind da diese Kräfte, es gibt sie - die BMW zaubert sie nur einfach weg. Die Bodenwellen, die Vibrationen, den Gegenwind und den Stress.


"Vermisst Du Rossi?"


Die Zeit nach Brünn verging wie im Fluge. Trotz der Staus und Probleme im Straßenverkehr, durch welche man sich trotz der breiten Koffer mit etwas Pobacken zusammenkneifen immer noch durchschwindeln kann. Angekommen am Motorradparkplatz nahe des Padock-Eingangs wurde ich jedoch ans Gewicht der K 1600 GT erinnert. Seitenständer und Wiesenparkplatz sind keine gute Kombination. Danke an den Schweizer Harleyfahrer der mir half die BMW aufzufangen. Das wäre ein mächtig peinliche "Superdomino" Vorstellung geworden.

Auf der Mobilbox fand sich mittlerweile eine etwas unerwartete Nachricht: "Aus dem Interview wird nix. Termin vorverschoben, Anstelle von 1h Zeit nur 15 Minuten." Ein Besuch der Yamaha Hospitality war trotzdem Pflicht. Denn diese wird betreut von Yamaha Motor Italia und die Cafemaschine ist vermutlich ebenalls eine Werksmaschine mit "Öhlinsfahrwerk". Dieser Espresso war definitiv die weite Anreise wert und Jorge fand zwischen Tür und Angel sogar noch Zeit die wohl wichtigste Frage zu beantworten "Vermisst Du Rossi?". Ich meine er ist ja sowohl im Fahrerlager als auch auf der Strecke nun deutlich weiter entfernt als früher. Seine Antwort war ein mildes Lächeln - stumm aber deutlich.

Lorenzo Fan und X-Lite Importeur für Österreich Dieter Schuller (Fa. Schumoto) überreicht dem Yamaha-Star eine kleine Aufmerksamkeit aus Linz.


Höfliche Mädels am Straßenrand..


Die Heimreise konnte angetreten werden und angesichts des Staus auf der Autobahn wollte ich die ersten Kilometer auf der Bundesstraße inhalieren. Ich tippte meine Heimadresse in den BMW Motorrad Navigator und fuhr in diesem Moment auch schon an der Autobahnauffahrt vorbei. Das tüchtige Navi berechnete sofort eine Alternative durchs Hinterland. Nett sind die Menschen hier in den Nestern am Rande von Brünn. Zumindest die jungen Mädels welche mir am Straßenrand zuwinkten und Küsschen schickten.

Die Straßen wurden enger, viel enger sogar und irgendwann erinnerten sie mich an asphaltierte Güterwege. Ich vertraute dem Navi eben so blind wie dem Rest vom Motorrad. Eben noch war die BMW ein Reisedampfer nun geht sie ohne Abstriche als Sporttourer durch. Wieselflink wedelte ich durch das unbekannte Terrain und konnte mich jederzeit auf Motor, Fahrwerk und Bremse verlassen. Doch irgendwann war selbst meine Technikhörigkeit am Ende und ich zoomte am Navi in die Routengesamtansicht. Ein Schocker: Die Tour präsentierte sich auf den ersten Blick als gerade Verbindung mit meiner Heimat auf den zweiten Blick aber als Mini-Gassengeheize. Ich scrollte durchs Routenmenü und entdeckte die aktivierten Punkte "Autobahn vermeiden", "kürzeste Strecke" und "Mautstrecken vermeiden". Da hat sich der vorige Journalist im Sattel der BMW einen echten Schenkelklopfer für mich überlegt. Ich pflügte nun spät aber doch nun auch noch durch das komplette Navimenü und schwenkte auf den schnellsten Weg ins Burgenland ein.

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Die BMW K 1600 GT ist ein High-Tech Begleiter dem man blind vertrauen kann. Nur bei der Navigation sollte man auch das menschliche Gehirn in Gang setzen..

Auf der Bundesstraße zwischen Brünn und Wien lief ich dann auf ein Rudel polnischer Biker auf. Die Bikes waren durchwegs japanische 600er etwas älterer Bauart. Also CBR 600 F mit 100 PS aber dafür mit infernalischem Sound. Der scheinbar selbstgebastelte Auspuff an der Honda hatte am Auslass einen Durchmesser welche locker meine Faust samt Unterarm ins Auspuffrohr hätte passen lassen. Den Burschen war scheinbar langweilig, sie machten allerlei Unfug im Sattel ihrer Nipponeisen. Scheinbar waren sie aber zumindest was ihre Sprachkenntnisse betraf ausgesprochen weltgewandt. Denn am Straßenrad entdeckten sie ein Schild mit "Amore - 20 Ragazza" welches sofort intensivste Reaktionen hervorrief. Stehend im Sattel machten sie klar, dass sie auch wie die am Schild angesprochenen Italiener über genug Kraft in den Lenden verfügen um gleich mit allen 20 Mädels fertig zu werden. Wie durch ein Wunder kam niemand zu Sturz und die Fahrt ging weiter.

Im Sattel der BMW begann ich über das Thema Perfektion nachzudenken. Was nur will BMW hier als nächstes bringen? Das Vibrationsniveau kann nicht weiter gesenkt werden, das Leistungsniveau noch weiter zu steigern wäre irgendwie surreal. Sofort schoss mir aber das Thema "DDC" in den Kopf. Das wäre noch eine mörderische Erweiterung und würde die K 1600 GT definitiv zu einer Racingsänfte machen. Denn nun ist es so, dass ich selbst im Sattel je nach Straßenbelag und Ehrgeiz zwischen den Fahrwerksmodi "Comfort", "Normal" und "Sport" wechselte. In naher Zukunft soll laut BMW Motorrad der Bordcomputer ständig das Fahrwerk am Motorrad auf die aktuellen Bedürfnisse anpassen. Doch bis dahin können wir noch die derzeitige Evolutionsstufe der BMW genießen. Das ESA Fahrwerk liegt Lichtjahre über dem technischen Niveau der Konkurrenz und darf sich mit ruhigem Gewissen auf den derzeitigen Lorbeeren ausruhen.

Plötzlich tauchte ein in komplett schwarz gehüllter Porsche Cayenne Turbo auf. Zumindest war es mal einer - anstelle des Porsche Logos prangte ein Abzeichen eines mir unbekannten Tuners und ich denke ich habe schon mal von der Fuhre gehört. Wenn ich mich recht erinnere sind da ca. 700PS unter der Haube. Ein "RUS" Aufkleber am Heck macht klar wer drinnen sitzt, zu sehen ist durch die kohlrabenschwarzen Scheiben natürlich nix. Die polnische Ofenrohrbande war jedoch komplett aus dem Häuschen. Sie umkreisten den Porsche wie ein Schwarm Fliegen und waren sichtlich entzückt. Sie deuteten dem Fahrer wie affengeil sie seinen Luxusschlitten finden und waren voller Euphorie. Das Fenster an der Fahrertüre öffnete sich und ich vergrößerte den Abstand zum Bikerkindergarten ein wenig. Zum Vorschein kam jedoch zum Glück keine Uzi, sondern nur eine Faust welche definitiv nicht in das Ofenrohr des CBR Fahrers passen würde. Der Mittelfinger wurde ausgefahren und danach schloss sich die schwarze Luke wieder.

 
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Das Ende der Fahnenstange? Oder im Jahr 2020 die Einstiegsklasse? Im Moment ist das Aggregat der K 1600 GT in der Hierarchie jedenfalls ganz oben angesiedelt.


Würdiges Abschlußduell


BMW K 1600 GT BMW K 1600 GT

Wem das Windschild zu wenig Luft übrig lässt, der kann mit den Luftleitwerken Frischluft auf den Körper blasen.

Diese Enttäuschung dämpfte die gute Laune der polnischen Dezibelfreunde nur sehr kurz. In Österreich war die Autobahn in Sicht und man brachte sich in Stellung. Die Häupter wurden gesenkt, die kreischenden Vierzylinder mit mindestens 4 Klopfern auf den Schalthebel auf ein entsprechendes Drehzahlniveau gebracht. Nun war meine Zeit gekommen. Denn bis jetzt traten weder ich noch die GT irgendwie in Erscheinung. Ausgesprochen defensiv genoss ich das Schauspiel auf der langweiligen Strecke bis hierher. Ich fuhr das Windschild bis ganz nach oben und versuchte die Körperhaltung eines englischen Adeligen auf einem edlen Schlachtross einzunehmen. Sicherheitshalber drückte aber auch ich einen etwas energischeren Gang ins Getriebe und öffnete gleichzeitig wie die Polenpartie den Gasgriff. Das folgende Schauspiel war ebenso unfair wie meine winterlichen Erlebnisse in der 1. Klasse Unterstufe. Die großen Burschen aus der 6. Klasse erwarteten mich damals beinahe täglich an der Bushaltestelle und servierten mir frisch gepresste Schneebälle. Diesmal war es ebenso, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Ich vollstreckte mit Leichtigkeit und erreichte jenes Geschwindigkeitsniveau welches einen Eintrag am Titelblatt von kleinformatigen Blättern garantiert. Doch die Autobahn war leer und es reichte ein kurzer Abschnitt um für klare Verhältnisse zu sorgen.

Die Tour fand also einen würdigen Höhepunkt und die 1.600 ccm haben sich auch definitiv gelohnt. Zu hause angekommen surfte ich erwartungsvoll durch das Menü des Bordcomputers. 6,2 Liter auf 100km hab ich mit der BMW während der insgesamt 5 Stunden verbraucht - eine Schande! Wie soll das Klima bei uns nur jemals wärmer werden, wenn ich nur so geringe Mengen Benzin durch die Brennräume jage. Die nächste Hiobsbotschaft war die Durchschnittsgeschwindigkeit. Ich versuchte immer unterhalb der Scheinzwickergrenze zu bleiben und legte ein dementsprechendes Tempo hin. Doch mit den ganzen Bundesstraßen-Abschnitten, kleinen Ortsdurchfahrten und den schmalen Straßen zu Beginn der Tour in Tschechien gingen sich nicht mehr als schlappe 103 km/h Schnitt aus. Die 6 Zylinder waren also bloß Perlen vor den Säuen, welche ich jedoch sehr genossen habe.


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Bericht vom 12.09.2011 | 17.377 Aufrufe

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