Schnell ohne Talent

Anleitung für schnelle Rundenzeiten für Sportfahrer ohne Talent und mit überschaubarem Risiko.


Schnell ohne Talent

 und Risiko

Tipps für "schnelle" Rundenzeiten auf der Rennstrecke

nils
NastyNils im Kawasaki Cup 2006: Rundenzeit 2:10

Schnell auf der Rennstrecke - ohne Talent und Risiko

Schnell ohne Talent? Gibt wohl niemanden im Lande der hier mehr Kompetenz hat als meine Wenigkeit. In guten Jahren fuhr ich 20 Rennen pro Jahr und 6.000 km nur auf der Rennstrecke. Mein Debüt auf der Rennstrecke hatte ich vor 12 Jahren, Stürze gab es ganz zu Beginn zwei zu verzeichnen. Jeweils mit eiskalten Reifen auf eiskalter Strecke. Risikobereitschaft und Talent sind also nur sehr spärlich vorhanden. Es dauerte Jahre um die Rundenzeiten auf herzeigbares Niveau zu drücken. Hier eine Bastelanleitung zum Selbermachen.

 

Schritt 1: Erste Runden (Pannoniaring 2:30)
Die erste Hürde für Neulinge bei unseren 1000PS Grippartys ist die für Hobbyracer gerade zu lächerliche Marke von 2:30. Unglaublich das man daran scheitern kann, oder nicht? Auch ich scheiterte ein gesamtes Jahr daran. Doch eigentlich gibt es für Neulinge auf der Strecke ein paar ganz einfache Tipps um den Speed zu steigern. Die grösste Hürde ist Angst wegen der ungewohnt hohen Geschwindigkeit. Im Kopf sind aus Furcht einige Schranken welche die Gasgriffstellung und die Schräglage quasi vollautomatisch beschränken. Hier hilft nur eines: Üben, üben, üben - das ganze kombiniert mit vertrauensbildenden Massnahmen. Man kann den ängstlichen Geist nämlich ganz leicht überlisten, indem man einer unfehlbaren Vertrauensperson (erfahrener Instruktor) auf der Rennstrecke folgt. Beim Instruktor sollte es sich in dieser Phase um keinen Rennfahrer handeln sondern um einen erfahrenen Instruktor der "einer von uns ist". Viele Rennfahrer waren niemals in der Situation 2:30 am Pannoniaring fahren zu müssen. Die meisten sind schon beim ersten Rollout 2:15 gefahren - z.B. beim Umstieg von MX oder Supermoto auf die Rennstrecke. Sie haben keinerlei Ahnung was es für einen Normale bedeutet 2:30 zu fahren. Auf diesem Niveau haben sich Racer seit ihrer Geburt niemals bewegt. Doch bei einem "normalen" Motorradfahrer mit viel Instruktorerfahrung stellt sich dann das Gefühl "was bei dem geht, muss bei mir auch gehen", nach und nach ein. Man beginnt Vertrauen zu fassen und sich den Speed zuzutrauen.
Ringtrainings mit Instruktoren sind zwar etwas teurer als ohne, bieten aber eben diesen Mehrwert an. Ziel muss es also sein die Angst vor dem hohen Speed zu verlieren. Achtet ganz bewusst darauf, zumindest auf der Start-Zielgeraden wirklich Vollgas zu geben und im Laufe des Tages auch hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Das Auge und das Gehirn sollen sich ja an Tempo 200 oder gar 250 gewöhnen, dann wirken 160 km/h gar nicht mehr soooo bedrohlich.
Das zweite grosse Ziel welches man gemeinsam mit dem Instruktor am einfachsten erreichen sollte ist eine passable Linie bei der man die gesamte Rennstreckenbreite optimal ausnützt. Fährt man einen sauberen "Strich" und gibt auf den Geraden wirklich Vollgas ist es quasi unmöglich langsamer als 2:30 zu fahren.

Ein weiterer wesentlicher Punkt um auf der Rennstrecke schneller und sicherer Fuss zu fassen ist, sich gleichermassen intime mit der Fahrtechnik als auch mit der Motorradtechnik auseinander zu setzen. Sitzposition, Blicktechnik, das bewusste setzen von Schalt- und Bremspunkten sind ebenso unerlässliche Ingredienzien für eine rasches Fortkommen wie Luftdruck, Auswahl der Reifen und Fahrwerks-know-how! Ein guter Instruktor zeichnet sich hauptsächlich durch die Vermittlung eben dieser Punkte aus! Den bei Rundenzeiten zw 2:20 und 2:30 auf der Ideallinie herum zurollen braucht man keine besonderen Kenntnisse zu besitzen.

 
Stürze vermeiden
Bei diesem Speed zu stürzen ist leider NICHT unmöglich aber sehr einfach vermeidbar. Bei unseren 1000PS Bridgestone Grippartys haben Stürze in der Anfängergruppe bei niedrigem Tempo meist folgende, leicht vermeidbare, Ursachen: Technische Mängel am Motorrad, unpassende Reifen (meist bei hohen oder niedrigen Temperaturen), Konzentrationsmängel am Nachmittag durch Übermüdung, mangelnde Fitness, "Schreckbremsungen" am Kurveneingang. Letztere Stürze kann man vermeiden indem man versucht sein Gehirn für Schrecksekunden "vorzuprogrammieren". Also man nimmt sich fest vor (und spielt das im Geiste auch immer wieder durch), das im Falle eines vermeintlich zu hohen Kurvenspeeds am Kurveneingang keinesfalls voll in die Bremse geankert wird, sondern man einfach möglich stark umlegt. Pragmatisch betrachtet tut ein Sturz über ein wegrutschendes Vorderrad bei hoher Schräglage meistens nicht weh, ein Sturz über ein überbremstes Vorderrad bei geringerer Schräglage endet jedoch häufig mit Knochenbrüchen. Schwacher Trost? In Wahrheit ist es so, dass der vermeintlich zu hohe Kurvenspeed noch lange nicht das Limit darstellt und es sich locker ausgeht. Eine harte Schreckbremsung am Kurveneingang bedeutet fast immer Sturz, eine harte Schräglage hat jedoch gute Chancen auf ein positives Ende. Dieser Instinkt muss felsenfest in Dein Gehirn verankert werden!


Der richtige Veranstalter: 1000PS Bridgestone Gripparty, Yamaha R-Days, Honda Speedweekends

bmw
NastyNils mit der S 1000 RR im Jahr 2011: Rundenzeit: 2:05.9
 
Der erste Feinschliff (Pannoniaring 2:20)
Der talentlose Motorradfahrer bzw. die talentlose oder besonders ängstliche Motorradfahrerin wird nach mehreren Ringevents mal die magische Hürde von 2:20 am Pannoniaring anvisieren. Immer noch keine echte Heldenzeit, doch für reine Strassenfahrer ohne Racinggenen schon ein wirklich flotter Speed. Ich schätze mal das ca. 10% der heimischen Motorradfahrer diese Hürde ohne Vorbereitung nehmen können, der Rest scheitert (auch die Maulhelden von der Hausstrecke) selbst nach mehreren Versuchen. Hier eine Anleitung damit DU nicht scheiterst.
In dieser Phase Deiner Rennstreckenkarriere verbesserst Du Deine Rundenzeiten am einfachsten und schnellsten über hohen Kurvenspeed. Also konzentriere dich erstmals noch nicht so sehr auf das Bremsen auf der letzten Rille und das schnelle Rausbeschleunigen. Vor allem beim Einlenkvorgang müssen 100% Deiner Konzentration einer exakten Linie und einem korrekten Einlenkpunkt gewidmet sein. Bremse also lieber etwas früher, löse dann die Bremse und fahr mit voller Konzentration und vollen Speed durch die Kurven. Je nach Fahrzeugtype legst Du einen zackigen Einlenkvorgang über starke Gewichtsverlagerung, einen kräftigen Impuls am Lenker oder beides zusammen hin.
Rundenzeiten von 2:20 am Pannoniaring fahren routinierte Rennstreckenpiloten ganz locker ohne ein einziges Mal die Bremse zu berühren. Auch ich ging durch diese Schule und fuhr dutzende Runden ohne Bremse hinter "Berzerk" vom Reitwagen, der mir diesen hilfreichen Tipp gab.
 
Stürze vermeiden
Unnötig zu erwähnen, dass es nun schon wichtig ist dass du anständige Reifen montiert hast. An heissen Tagen keinesfalls Tourenreifen (BT 023, T30, Roadtec, Angel, Pilot Road, RoadAttack) verwenden sondern aktuelle Sportgummis (S20, Diablo Rosso 2, Pilot Power 3, RaceAttack, Sportec) aufziehen. An wirklich heissen Sommertagen mit Vorsicht fahren oder zu noch sportlicheren Pneus greifen (Supercorsa SP von Pirelli ist z.B. jener Strassenreifen der als Strassenreifen noch Sicherheit und Alltagstauglichkeit bietet aber auf der Rennstrecke die meiste Luft nach oben hat).

Der richtige Veranstalter: 1000PS Bridgestone Gripparty, Honda Speedweekends oder Stardesign Racing.

suze
NastyNils mit der GSX-R 1000 im Jahr 2013. Aktuelle Bestzeit 2:05.2. Personal Coach Klaus Grammer zahlt ein Bier wenn die 2:03 heuer noch fallen. Es wäre das erste Bier das Grammer in seinem langen Leben spendieren würde. Bei 2:00 gibt es dann den nächsten Bastelbogen zum Nachmachen. UPDATE 2013 / September: 2.01 beim Stardesign Rennen! Ein Traum! :-)
 
Die Linie sitzt, jetzt folgt der Speed (2:10 am Pannoniaring)
Durch fleissiges Üben und Feinschliff an der Linie hast Du es geschafft die 2:20er Marke zu unterschreiten. Der hohe Kurvenspeed darf Dir nun keine Angst mehr machen und ist integraler Bestandteil Deines Handelns auf der Rennstrecke. Nun gilt es die Bereiche vor und nach dem Scheitelpunkt der Kurve zu optimieren, Rollphasen zu verkürzen und die Sekunden runter zu kitzeln. Am einfachsten nimmt man sich immer ca. 3 unterschiedliche Kurven auf der Rennstrecke vor, welche man Runde für Runde "optimiert", bei den restlichen Kurven rastet man sich ein wenig aus und findet wieder zurück zum Rhythmus und Kurvenspeed. Also immer später und immer härter bremsen und Rollphasen vor dem Einlenken reduzieren. "Rollphasen?" - JA! Hobbyracer bremsen langsam, rollen dann ein wenig und lenken dann gemächlich ein. Dieser Vorgang muss deutlich gestrafft werden. Also hart und spät ankern, umlegen und sofort wieder ganz leicht Gas anlegen. Niemand verlangt von Dir mit Vollgas aus dem Scheitel zu kommen aber mindestens 5% Gasgriffstellung sind nun absolute Pflicht sobald Du die Bremse gelöst hast. Das ist vor allem bei hubraumstarken Bikes mit hoher Motorbremswirkung nötig. Bis jetzt sind wir noch immer relativ risikolos unterwegs.
  • Die Bremspunkte merken dadurch ein exaktes hartes Anbremsen ermöglichen

  • Ein weniger schräges und dadurch sicheres Rollen durch die Kurve

  • Am Kurvenausgang sehr weit innen bleiben

  • Das Motorrad aufrichten und stark beschleunigen

Da auf der Geraden beim Bremsen noch die wenigsten abgeflogen sind und man die Leistung seiner Maschine bei geringem Schräglagenwinkel gut und gefahrlos nutzen kann ist die beschriebene Methode eine gute Alternative zur „Schräglage/Kurvengeschwindigkeit“. Ausserdem kann man mit der Spät-Brems-Kurve-Roll Technik seinen ebenso schwach fahrenden Spezi ausbremse und nie mehr vorbeilassen – und darum geht es letztendlich!!

Stürze vermeiden
In dieser Phase ist es nun nicht bloss wichtig, dass Du das richtige Material sondern auch die richtige Fitness zu bieten hast. Denn bei harten Bremsmanövern braucht der fitte Motorradfahrer eben KEINE starken Unterarme sondern eine starke Rumpfmuskulatur samt fester Klemme mit dem Oberschenkeln am Tank / an der Sitzbank. Vergiss das Training der Unterarme, die Krämpfe werden dadurch nur verstärkt, sondern trainiere Rücken, Bauch und mach Cardioeinheiten für die Ausdauer. In dieser Phase ist es auch ausgesprochen hilfreich an Rennen teilzunehmen. Denn beim Freien Fahren fehlt der letzte Biss und leider oft auch die richtige Umgebung. Zu oft wird man von langsamen Piloten gebremst. Rennfahren ist doch viel zu gefährlich höre ich oft! Doch ohne Gewähr und Garantie möchte ich behaupten, dass bis auf den Start ein Rennen gefahrloser ist als ein Turn freies Fahren bei einem gut gebuchten Veranstalter. Warum? Bei den üblichen Hobbyrennserien sind selten mehr als 30 Leute auf der Strecke. Das ist ca. die Hälfte von dem was gut gebuchte Veranstalter im freien Fahren am Asphalt haben. Ausserdem gibt es während dem Rennen dann quasi keine grossen Geschwindigkeits-Differenzen zwischen den Teilnehmern. Das Feld teilt sich recht schnell auf und der Typ vor oder hinter Dir fährt ungefähr gleich schnell was ein homogenes und flüssiges Fahren ermöglicht. Vorsichtige Piloten beschränken Überholmanöver auf die Bremszone nach langen Geraden (welche man vorher eifrig übt) und einem gefahrlosen Rennen steht eigentlich nur noch der heikle Start im Wege. Hier gilt es cool zu bleiben und überaus umsichtig zu fahren. Das ist eine der wenigen Phasen des Ringfahrens bei denen ich persönlich auch auf meine hintere Piloten achte. Vor der ersten Kurve blicke ich immer nach innen ob da jemand angeflogen kommt. Eine klare Linie ohne hektische Manöver erhöht die eigene Sicherheit ebenso wie ein konzentrierter und guter Start. Der Supergau wäre, wenn einem die eigene Maschine abstirbt. Also lieber etwas höhere Drehzahl und etwas mehr Kupplung opfern als den Motor am Start abwürgen.

Beim Material ist es so, dass mit einigen Motorrädern (alte Supersportler oder auch moderne Nakedbikes mit lausigem Fahrwerk) 2:10 schon eine echte Hürde darstellen. Klar gibt es Heldentaten von Rennfahrern die mit alten ausgelutschten Bikes oder serienmässigen Nakeds grandiose Rundenzeiten erreichten, doch diese Heldentaten haben mehrere Haken. Zum einen stimmen sie oft nicht 100%. Die "serienmässige GSX-R" mit der 1:55 am Hungaroring gefahren wurde hatte dann doch aus Sicherheitsgründen ein anderes Federbein montiert. Für Rennfahrer hat "serienmässig" eine ganz andere Bedeutung als für Otto-Normalverbraucher. Möchtest Du also ohne Risiko die 2:10 am Pan erreichen, gelingt das nur mit ordentlichen Material. Bei den Reifen sollten es daher Slicks oder profilierte Racingpneus sein. Klar schaffen moderne Supersportreifen wie ein S20 von Bridgestone auch 2:10er Zeiten, aber eben nicht mit der für uns Hobbyfahrer nötigen Sicherheitsreserve für Fahrfehler. Achte in dieser Phase immer darauf, dass Deine Reifen in Ordnung sind und auch ordnungsgemäss auf Temperatur gehalten werden (z.B. mit Reifenwärmer). Wie oben erwähnt könnte man bei nicht allzu heissen Tagen den Pirelli Supercorsa SP verwenden. Der ist ohne Reifenwärmer nach 2 Runden auf Temperatur, fährt auf der Strasse auch noch praxistauglich und ist quasi die letzte Vorstufe zum echten Racingpneu. Unser Testpilot Klaus Grammer fuhr damit 2:04er Zeiten, ich selbst 2:09. Auch beim Fahrwerk machen nun erste Investitionen Sinn. Vor allem dann, wenn Deine Mühle alt oder / und Du gross und stark vulgo blad bist. Meistens geht man sinnvollerweise in folgender Reihenfolge vor: Gabelfedern / Öl vorne, Federbein hinten, kleiner Gabelumbau vorne, Komplettumbau Gabel vorne.

Wobei es das wichtigste bei allen Änderungen/Umbauten am Fahrwerk ist, dass man auch versteht was zum einen passiert und man zum anderen tut. Bitte nicht weinend zum Boxennachbar rennen und diesen um Rat und Einstellung bitten, nur weil der um ein paar lächerliche Sekunden schneller ist. Die traurige Wahrheit ist, dass dieser vermutlich genauso wenig Ahnung hat wie der Fragende selbst und es ihm noch dazu völlig wurscht sein wird welche Probleme der andere hat. Also drehen sie ebenso ungeniert und unbedarft an den Knöpfen des Federbeins oder der Gabel herum wie an den Brüsten ihrer Freundin. Ich verspreche, der Erfahrungsgewinn wird sie zufrieden und erfolgreich machen.

Der richtige Veranstalter: Stardesign Racing (unser Favorit) oder BTR Performance für die Rennen. 1000PS Bridgstone Grippartys zum freien Fahren.


nils
In den ersten Jahren fuhr ich mit allen Bikes ähnliche Rundenzeiten. Egal ob Ninja, GSR oder 950 SM. 2:13er Zeiten waren der Zenit!
 
Erste Pokale, 2:05 am Pannoniaring
Mit diesen Rundenzeiten kann man bei dem einen oder anderem Hobbyrennen tatsächlich schon Pokale erobern. Zum einen weil es manchmal Pokale bis Platz 15 gibt, zum anderen weil gegen Saisonende wenig Leute am Start stehen. In dieser Phase ist es nun leider nötig das Risiko ein klein wenig zu steigern. Denn jetzt beginnen wir am Kurvenausgang früher ans Gas zu gehen, was in weiterer Folge die Gefahr eines "Highsiders" erhöht. Eine der wohl schmerzhaftesten Sturzvarianten. Erst mal müssen die obigen Punkte sitzen. Also Bremspunkte spät, Linie OK und Kurvenspeed am Scheitel in Ordnung. Nun geht es darum die schnellen Passagen (hauptsächlich die Geraden) mit möglichst viel Eingangspeed zu fahren. Einige Sektionen müssen nun strategisch angegangen werden, also langsame Kurven werden den schnellen Kurven / Passagen "geopfert". Ein Beispiel? Die lange Gerade zur Hauskurve möchte man mit möglichst viel Speed fahren, da auf einer langen und schnellen Geraden viel Zeit gut gemacht werde kann - wenn man einen höheren Eingangspeed hat. Also in der Kurvenpassage dafür die eigentliche Ideallinie für diese Kurve verlassen und alles darauf auslegen möglichst früh für die lange Gerade ans Gas geben zu können. Diese Strategie wendet man nun überall dort an, wo eine lange Gerade folgt. Wichtig ist nun, die Linie so zu wählen um möglichst früh ans Gas gehen zu können. Auch der Einlenkvorgang sollte nun zackiger werden und dann so rasch wie möglich das Motorrad aufrichten und einschenken. Obligatorisch ist natürlich ein hohe Geschwindigkeit hinaus auf die Start-Zielgerade. Kommt man mit hier durch Optimierung um 5 km/h schneller aus der letzten Kurve, nimmt man dieses Plus an Speed über die gesamte Zielgerade mit, was wertvolle und relativ leicht verdiente Zeit bringt. Auch hier möglicherweise am Kurveneingang mit etwas mehr Reserven reingehen, damit man dann Konzentration und vor allem auch Optionen bei der Linie hat um früh ans Gas zu gehen. Wer hier auf der letzten Rille irgendwie in die Kurve eiert braucht möglicherweise bis zum Kurvenausgang um die Fuhre auf Kurs zu bringen und ans Gas gehen zu können. Der Zeitverlust auf der gesamten Geraden ist dann wesentlich höher als der Zeitengewinn am Kurveneingang davor. Der grösste Unterschied zwischen Rennfahrern und Nudelaugen ist der Einlenkvorgang. Die Profis haben die Fuhre bereits wieder voll auf Kurs und können Gas geben, während der Rookie sich immer noch in den Radius tastet. Nun ist auch eine gute Gelegenheit einen erfahrenen Rennfahrer für den Feinschliff zu konsultieren. Denn dieses Rundenzeitenniveau hat so ziemlich jeder Rennfahrer mal durchgemacht und einige können sich auch noch daran erinnern. Jetzt sind viele Tipps wertvoll und helfen mit den Feinschliff durchzuziehen. Und immer daran denken. Wir sind immer noch 12 Sekunden vom Rundenrekord entfernt - also die Grenzen der Physik sind noch lange nicht erreicht.
 
Stürze vermeiden
Essentiell ist nun das Material immer sauber im Griff zu haben. Also tadellose Racingpneus, ein Motorrad ohne Mängel, ein top abgestimmtes Fahrwerk und körperliche Fitness sowie Kondition. Wenn man sich selbst nicht mehr fit fühlt - zurück in die Boxengasse. Wenn das Vertrauen ins Fahrzeug fehlt, weil Reifen, Fahrwerk oder evtl. auch Motor und Getriebe Probleme machen - zurück in die Boxengasse. Beim Rausbeschleunigen aus den Kurven das Gas nicht zu hastig öffnen sondern sanft und gleichzeitig versuchen Druck auf die Fussrasten zu geben. Stürze übers Vorderrad vermeidet man indem man die Phasen sehr hoher Schräglage verkürzt (Motorrad möglichst früh aufrichten).


Der richtige Veranstalter: Stardesign Racing, BTR Performance, Pezibär oder auch GH-Moto. Freifahr-Events wie die 1000PS Grippartys können zum Saisonanfang mal zum Einfahren genutzt werden, für Bestzeitenjagd auf diesem Rundenzeitenniveau eignen sie sich jedoch nicht.


sturz
Umgedrehte Schaltung, kalte Reifen, hektischer Start in der Boxengasse. Sturz in der Boxengassenausfahrt beim Pirelli Test in Monza 2006. Der zweite und letzte Sturz meiner Karriere auf der Rennstrecke bisher.
 
Die obigen Tipps sind pauschal eine ganz gute Anleitung um am Pannoniaring voran zu kommen. Viele Ratschläge sind auch auf anderen Rennstrecken übertragbar. Besonderheiten für einzelne Motorradmodelle oder einzelne Fahrertypen werden natürlich nicht berücksichtig. Der wichtigste Hinweis noch mal zum Schluss: Alle Angaben ohne Gewähr!
 

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Text: NastyNils
Fotos:
1000ps.at

Bericht von nastynils am 29.07.2015 Aufrufe: 92.443

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